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Den 23. September 2019

Gemütliche Raclette bei Monika und Olivier und eine Reise durch die Ur-Schweiz

Hotel Plattenhof ist ein angenehmes Hotel in einem ruhigen Stadtteil, in der Nähe der Universität. Gestern Morgen war es eben noch ruhiger, denn es war Sontag Morgen… Hotel Plattenhof nennt sich ein Design-Hotel und das stimmt auch. Überall gibt es trendy, aber vor Allem auch funktionelles Design, auch in den Hotelzimmern. Eben in den Korridors und im Treppenhaus war farbenfrohes Design!

Frühstück wurde serviert in einem Design-Raum, der Lunchcafé, Bar und Rezeption zugleich ist. Das Frühstück war gut versorgt mit einem ganz schmackhaften Bircher-Müesli und mit gutem Kaffee (von “What else?“). Mit diesem richtigen Start in den Tag habe ich mich einige Minuten nach halb zehn auf den Weg gemacht in die Innenstadt und als Endziel zum „Hausberg“ von Zürich: der Uetliberg (873m) an der nordwestlichen Seite der Stadt. Von dort hat man einen wunderschönen Blick, nicht nur über die Stadt und den Zürichsee, aber an heiteren Tagen auch über das ganze nördliche Alpengebiet – ich konnte mich also darüber freuen!

Ich lief die ziemlich steilen Strassen hinunter in die Richtung des Sees und ich wusste jetzt warum ich am Samstagabend vom Bahnhof kommend so gekeucht hatte – der erste Teil der Strasse heisst nicht umsonst “Zürichbergstrasse“…! Weiter hinunter gehend, über die Kantonschulestrasse und den Hirschgraben, schlug ich irgendeine Strasse ein die nach unten führte, die Kirchgasse. Hier war deutlich ein Teil der wirklich spätmittelalterigen Innenstadt: alte Gebäude standen entlang der schmalen Strasse mit schön gelegtem Pflaster. Auch hier gab es wieder Gedenktafeln an den Mauern, wie beim Haus das die Amtswohnung gewesen war des Reformators Huldrych Zwingli, der auch Ulrich Zwingli genannt wird. Dieser ursprünglich katholischer Priester (1484–1531) war sehr beeindruckt der Werke und Ideen von Desiderius Erasmus (±1467–1536) dem er begegnet war als er in Basel studiert hatte. Er setzet sich zum Ziel um die Römisch-Katholische Kirche um zu gestalten weil er nicht mehr einverstanden war mit ihren Grundlagen: er fand dass man sich auf die Bibel basieren sollte und nicht auf die Bräuche in der Kirche. Er hatte mit diesen Reformen viel Erfolg bei der Bevölkerung und hatte viele Folger. 1519 wurde er zu Prediger des Grossmünsters in Zürich ernannt. Diese Jahr, 2019, wird in Zürich viel Aufmerksamkeit geschenkt zu 500 Jahre Zwingli. Er war nicht gerade ein Pazifist und zog 1531 mit einer Armee von Soldaten aus den reformierten Kantonen in den Kampf gegen die katholischen Kantonen, wobei er in Kappel, einem Ort westlich von Zürich, gefallen ist. Auf der Gedenktafel am Haus das seine letzte Amtswohnung gewesen ist, steht: “von diesem Hause zog er am 11. Oct. 1531 mit dem Heere der Zürcher nach Kappel aus wo er für seinen Glauben starb“.

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Zürich: Gedenktafel an der ehemaligen Amtswohung des schweizerischen Reformatoren Hyldryck Zwingli (1484-1531) in der Kirchgasse

Weiter gehend kam ich immer näher am Grossmünster, wovon ich schon früher ein kleines spitzes Türmchen gesehen hatte, das der Dachreiter war. So ein beeindruckendes Gebäude ist es wenn man auf dem Platz vor der Kirche steht. Die zwei imposanten Kirchtürme, 64 Meter hoch, mit den neogotischen Spitzen sind richtige Blickfänge – aus der Nähe, aber auch aus der Ferne. Die ältesten Teile der Kirche sind aus dem 11. Jahrhundert; die Einweihung fand 1220 statt. Die zwei Kirchtürme sind zwischen 1471 und 1492 auf gleichen Höhe gebracht. Sie hatten im Anfang keine Spitze, wie bei der Nôtre Dame in Paris: erst im 19. Jahrhundert sind die beiden Kuppel auf den Türmen zugefügt worden. In den vergangenen Jahrhunderten haben immer wieder und oft auch eingreifende Umbauarbeiten an dieser Kirche stattgefunden… Als ich in der Nähe des Grossmünsters ging, fingen die Glocken an zu läuten – das war wirklich eine überwältigende Erfahrung… Der Schall dringt tief in den Körper hinein! Der Gottesdienst sollte etwas später anfangen und ein Host/Wächter stand am Eingangstor um nur die „richtigen“ Kirchgänger, die gut gekleidet heranspazierten, hinein zu lassen und die Gruppen von Touristen (ja, schon an diesem Zeitpunkt!) zurück zu weisen. Ihnen wurde wahrscheinlich gesagt dass sie nach einigen Stunden zurückkommen konnten um sich die Kirche von innen an zu sehen…

In der Nähe steht, an einer vertieften Stelle, das Haus zum Loch: hier sollte der Legende nach Karl der Grosse sein Quartier gehabt haben als er zu Pferd einem Hirsch verfolgte der kniete auf den Gräbern der zwei Heilige von Zürich: Felix und Regula. Das Pferd des Kaisers und sein Jagdhund taten das Gleiche… Darauf beschloss Karl der Grosse dass an dieser Stelle eine Kapelle erbaut werden sollte: das spätere Grossmünster. Eine der vielen anderen Legenden erzählt dass Karl der Grosse im Haus zum Loch als Richter aufgetreten ist für eine Schlange auf deren Eier sich eine giftige Kröte hingesetzt hatte. Über der Tür wird diese Legende gezeigt. Über dem Fenster ist der Kaiser selbst dargestellt. Das Haus zum Loch ist jedoch vermutlich erst um den 12. Jahrhundert gebaut worden…

Zurück an der Stelle wo die Kirchgasse entlang den Gebäuden um dem Grossmünster geht, steht eine weitere Amtswohnung von Zwingli, das Haus zur Sul. Dort hat er zuerst selber gewohnt (von 1522 bis 1525, als er noch nicht verheiratet war). Nachher haben seine Mitarbeiter (bis 1556) gelebt und später Lehrer des Grossmünsterstiftes (bis 1576). Jetzt ist das denkmalgeschützte Haus umgebaut worden in Appartements. Am Nordgiebel des nördlichen Turmes des Grossmünster hängt eine Statue des aus Aarau stammenden Nachfolgers von Huldryck Zwingli nach dessen Tod auf dem Schlachtfeld Heinrich Bullinger (1504–1575). Er war einer der wichtigsten Theologen des 16. Jahrhunderts und weniger kontroversiell als sein Vorgänger: er hat die Ideen der Reformation im täglichen Leben verankert.

Am südlichen Teil des Kirchenplatzes mit Sicht auf den Fluss Limmat, waren drei Statuen van Zwingli aufgestellt worden: sie waren Teil eines Projekts der Reformierten Kirchen von Zürich um Zwingli te ehren und ihn so-zu-sagen zurück zu holen nach 500 Jahren, uns sein Staunen über manche (heikle) Themen in der heutigen Gesellschaft zu überbringen und um eine Diskussion darüber an zu regen. Wie würde Zwingli es empfinden dass noch nicht alle Leute reformiert geworden sind (die Statue von Zwingli in weisser Kleidung als Kirchenführer), oder dass alle ZürcherInnen immer so gestresst herum gehen (die blaue Statue von Zwingli als „Entschleuniger“ mit der Uhr wovon die Ziffer auf dem Zifferblatt nach einer Ecke geschoben sind), oder dass er das Phänomen „Klimawandel“ nicht versteht (die silberne Statue von Zwingli als „Klima-Aktivist“ mit einer kleinen Solarplatte unter dem Arm und mit einem Netz mit Plastikabfall). Die Statuen sind Teil einer grösseren Serie und haben auch schon an anderen Stellen in der Stadt gestanden. Später in diesem Jahr werden sie versteigert und der Erlös wird einem guten Zweck zugutekommen.

Um dem Grossmünster gibt es noch einige Blickfänge aus der Vergangenheit der Stadt. So ist ein grosser Findling aufgestellt worden an der Ecke der Kirchgasse und der Münstergasse: es ist der “Findling vom Geissturm“,der eingemeisselt war im Geissturm, einer der Türme in der Verteidigungsmauer um Zürich die es gegeben hat bis in das 19. Jahrhundert. Am 10. Juni 1952 hatte der Blitz in den Geissturm eingeschlagen, der als Pulvermagazin genutzt wurde weil er am weitesten entfernt war von den Gebäuden der Stadt. Durch die Explosion wurde der Turm völlig zerstört und dieser Findling van 1.800 Kg über 230 Meter weggeschleudert bis an die Stelle wo er jetzt liegt… Beim Hinuntergehen der Treppen vom Zwingliplatz beim Grossmünster zum Limmatquai und zur Münsterbrücke sah ich im Schaufenster des Musikhauses Hug nicht nur schöne Steinway Flügel stehen, aber auch eine alte Platte aus Sandstein mit dem Stadtwappen von Zürich, die bei Bauarbeiten zur Erweiterung des Geschäftes in den 1990er Jahren gefunden worden war. Im 16. Jahrhundert hatte an dieser Stelle das Kauf- und Salzhaus gestanden: der Wappenstein erinnert an die Salzmonopole von Zürich.

Einmal bei der Münsterbrücke und dem Limmatquai angekommen sah ich an der Wasserkante ein Schiffspoller im Strassenpflaster stehen, zwar einer mit grossen Augen wie ein Comictier. Auf einer grossen Informationstafel mit dem Inschrift “Zürich Transit Maritim” wurde gemeldet dass es sich hier handelte um eine Kunst-Intervention im öffentlichen Raum, um die Archäologie der Zukunft. 2010 sollten archäologische Funde von 2000 Jahren her gemacht worden sein, woraus klar wurden dass Zürich Pläne gehabt hatte für einen Meereshafen, jedoch nicht einen Hafen am Zürichsee… Als ich später, fasziniert, etwas Näheres davon wissen wollte, fand ich heraus dass das Ganze ein grosser Witz gewesen ist, der sehr viel Geld gekostet hat und der in Anlauf zur Hafenfest in Juli 2014 grosse Kontroverse in der Politik und bei der Bevölkerung von Zürich verursacht hat. Die Poller waren noch verankert im Limmatquai, aber der alte, halbverrostete und nicht sichere Hafenkran aus DDR-Zeiten den von der Künstler-Organisation aus Rostock übergebracht worden war und der hier wieder aufgebaut worden war, musste auf Grund der zeitbedingten Baubewilligung wieder demontiert werden. Der Kran ist 2015 abgerissen und als Schrott verkauft worden…

Zwischen grossen Gruppen mit fotografierenden und Selfies-machenden Touristen habe ich die Münsterbrücke überquert. Die Brücke ist 1836–1938 gebaut worden nach Plänen des Südtiroler Ingenieurs und Pioniers im Eisenbahn- und Brückenbau Alois Negrelli, der auch noch mitgearbeitet hatte am Zustandekommen des Suez-Kanals. Die Sicht in östlicher Richtung über den Zürichsee war ziemlich trübe, aber auch mit dem Gegenlicht sah die Quaibrücke elegant aus mit den vagen Kontouren der Berge dahinter. Am anderen Ufer der Limmat hatte ich wieder einen schönen Blick auf das Grossmünster – auch von diesem Abstand war es ein beeindruckendes Gebäude! An diesem Ufer steht auch die Fraumünster, eine Kirche die ursprünglich als Kloster für Frauen bestimmt war und das am Ende des 9. Jahrhunderts gegründet ist. Der Legende nach wurden zwei Königstöchter, Hildegard en Bertha, von der (heute nicht mehr bestehenden) Burg Baldern in der Nähe von Zürich von einem weissen Hirsch mit brennenden Kerzen auf seinem Geweih zur Stelle am Zürichsee geführt wo die Gräber von Felix und Regula, die Heiligen der Stadt Zürich waren. Sie waren überzeugt dass sie dort ein Gotteshaus gründen mussten. Jetzt hat die Kirche nur noch einen Turm: zuerst war 1150 ein Turm dazu gebaut und 1250 ein zweiter, aber 1728 wurde der nördliche Turm wieder abgeriessen und 1732 der südliche Turm erhöht. Dieses Jahr steht mit grossen vergüldenden Ziffers am Turm, an der Unterseite des Zifferblatt der Uhr. Die Kirche ist heutzutage berühmt wegen der Buntglasfenster von Marc Chagall (aus 1967 und 1978) und von Augusto Giacometti (Das himmlische Paradis, 1945). Diese Fenster habe ich nicht gesehen, denn auch hier war ein Gottesdienst: es klang laute Orgelmusik durch die geschlossene Tür (die Orgel der Fraumünster ist die grösste im Kanton Zürich).

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Zürich: Blick auf die Quaibrücke zum Zürichsee von der Münsterbrücke

Dass Zürich auch im 17. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielte als Stadt mit grosser Religionsfreiheit zeigt sich schon mit einigen Gedenktafeln an den Kirchen. Eine ist am Grossmünster: darauf wird angegeben dass die ungarische protestantische Gemeinde anno 1977 ihre Dankbarkeit zeigt für die Aufnahme von 30 “von den Galeeren befreiten” ungarischen protestantischen Predigern in den Jahren 1676–1677. Eine zweite Gedenktafel hängt am Fraumünster und zeugt auch von Dankbarkeit der in diesem Fall französischen protestantischen Gemeinde wegen der Möglichkeit die die Behörden und die Bevölkerung von Zürich im Laufe der Zeit die tausenden Hugenotten geboten haben um in Freiheit ihr Glauben zu bekennen, nach Anlass des dreihundertjährigen Bestehen dieser Verbindung: 1685–1985.

Je mehr ich mich die Bahnhofstrasse näherte, des to mehr „die Religion“ in den Hintergrund verschwand und Platz machte für “die Welt des Grossen Geldes”: die Hauptsitze der einen nach der anderen schweizerischen Bank mit internationalem Ruf reihten sich aneinander. Vor die etwa bescheiden geblieben Zürcher Kantonalbank steht ein grosses Nashorn aus rostigen Stahl: das 1982 von John A. Tobler entworfen Tier ist angeblich das meist fotografierte Objekt in der Stadt! Ich wurde von jemanden der deutlich Tourist war, gefragt ob ich ein Bild machen wollte von ihm vor dem Nashorn – no problem natürlich! Ich lief die em>Bahnhofstrasse hinunter in die Richtung des Sees und passierte die Kurt-Guggenheim-Anlage, eine kleine, grüne Parkanlage mit einem Denkmal aus Marmor das aussah wie aus dem 19. Jahrhundert, dessen kleinen Säulchen mit Akanthusblätter geschmückt waren und mit einem Relief aus Marmor worüber ein Bibelzitat graviert worden war: “ Da lief ihr der Knecht entgegen und sprach: Lass mich ein wenig Wasser aus deinem Kruge trinken. Und sie sprach: Trinke, mein Herr! und eilend liess sie den Krug hernieder auf ihre Hand und gab ihm zu trinken.” (ein Text aus dem Alten Testament, Genesis 24, 17 und 18). Das Denkmal gefiel mir schon, aber das Warum dieses Denkmals und gerade dieses Textes habe ich nicht herausfinden können. Die Gasse und die kleine Parkanlage sind 1999 genannt worden nach Kurt Guggenheim (1896–1983), ein bekannter Zürcher Schriftsteller jüdischer Herkunft: er ist nicht weit von dieser Parkanlage geboren. Eine Statue die im Laufe der Zeit ziemlich viel Staub aufgewirbelt hat wegen des homo-erotischen Charakters, ist “Ganymed” – die Geschichte aus der griechischen Mythologie des Jünglings Ganymed mit dem Adler die ihn in Auftrag von Zeus zum Olymp entführen muss. Diese Skulpturengruppe aus Bronze ist 1945–1952 vom Schweizer Bildhauer Hermann Hubacher (1885–1976) gemacht.

Eine Fahrt mit einem der Schiffe über den See gefiel mir nicht ganz – die Sicht war nicht optimal und mein Plan war um zum Uetliberg zu gehen. Ich schlug die Talstrasse ein, die vom See im Anfang ungefähr parallel an der Bahnhofstrasse läuft in die Richtung des Bahnhofes und wo grosse Hotels und schöne, teure Geschäfte sich abwechseln. Dort sah ich im Schaufenster von Lalique (das Geschäft das gegründet ist vom weltberühmten Glaskünstler aus Frankreich Frankrijk René Lalique, 1860–1945) ein prachtvolles Kunstwerk eines Fischschwarmes aus Glas in den Farben Blau verlaufend nach Grün und Gelb, in einer eleganten Wellenbewegung. Ich fand es grossartig – um zu betrachten, und nicht so sehr um es zu besitzen. Auf dem Preisschild standen auch zuviel Nulle vor dem Komma… Dazu bedachte ich dass wenn man beim Staubwischen einen der Fische bricht, man die übrigen Fische eigentlich auch in den Glascontainer werfen sollte.

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Zürich: im Schaufenster des Lalique-Geschäfts steht ein prachtvolles Kunstwerk von einem farbenfrohen Fischschwarm in einer eleganten Wellenbewegung

Zwischen allen modernen Gebäuden sah ich plötzlich zwei deutlich ältere Gebäude. Diese aus dem 17. Jahrhundert datierenden vierstöckigen Häuser heissen “Zum Schanzenhof” und “Zur Weltkugel”. Sie sind gegen einander gebaut worden. Sie standen ursprünglich 65 Meter weiter nach Osten an der anderen Seite der Talstrasse, aber sie sind in den 1970er Jahren verschoben worden, weil an jener Stelle Bürogebäude bebaut werden sollten… Jetzt werden sie benützt als Dependenz der Volkshochschule und einer Jugendtheater- und Literaturgruppe. Sie waren eine angenehme Abwechselung zu den grossen Bürokolossen in der Umgebung. Bei einem Wohnblockweiter in der Strasse sah ich schon wieder etwas Spielerisches: an der Seite der Strasse war ein Art Innengarten kreiert worden unter einer Überdachung mit einer kreisförmigen Aussparung oberhalb einer Wasserpartie, mit in einem Kasten einem kleinen Ahorn mit feinen Blättern.

Es sollte noch mehr „Grün“ folgen, denn wo die Talstrasse übergeht in die Pelikanstrasse war ein schöner alter Eingangstor zum Alter Botanischer Garten der Universität Zürich. Er ist 1833 gegründet worden auf einer natürlichen Erhöhung im Gebiet die “zum Katz” genannt wird. Es ist Teil der zwischen dem 13. und 18.Jahrhundert angelegten Stadtmauern mit Verteidigungsposten. Der Graben, der Schanzengraben, bildete auch noch einen Hindernis, aber jetzt bietet er Platz zu u.a. Wassersportvereinen. Dieser Garten war bis 1976 der offizielle Botanische Garten. 1977 ist an der Zolligerstrasse an der Nordseite des Zürichsees ein neuer Botanischer Garten eingerichtet. Der Alter Botanischer Garten ist entworfen vom schweizerischen Landschaftsarchitekten und Pflanzenveredler Leopold Karl Theodor Fröbel (1810–1893) und bildet heutzutage ein schönes und wertvolles Arboretum im Zentrum der hektischen Stadt.

Beim Eintritt des Parkes gibt es ein aus schönem rosaroten Stein kreiertes Denkmal für Oswald Heer (1809–1883), einen berühmten Biologen und Alpinisten, die auch noch Direktor des Alten Botanischen Gartens war. Er war ein Zeitgenosse von Charles Darwin (1809–1882), aber er wollte als sehr gläubiger Mensch nichts wissen von dessen „fortschrittlichen“ Ideen über die Evolutionstheorie. Es gab eine Ausstellung im Form einer Rundwanderung durch den Garten in den Fussstapfen eines anderen berühmten Schweizer Botanikers, Heinrich Zolliger (1818–1859), der von 1850 bis 1855 Mitglied der Kontrollkommission des Botanischen Gartens gewesen ist und der über vielen Jahren Pflanzen im ehemaligen Niederländisch-Indien untersucht hatte, wo er auch mit niederländischen Forschern zusammengearbeitet hat. Wegen seines frühen Versterbens hat er der Aufstieg der Evolutionstheorie von Darwin und der „Biogeografie“ nicht mehr miterlebt.

In Sicht des Eingangstores steht ein grosses Gebäude aus dem 19. Jahrhundert worin sich jetzt das Völkerkundemuseum befindet. Beim Eingang und neben dem grossen Teich mit den Lotuspflanzen und einem enormen Roteiche steht ein modern Kunstwerk mit in einer Umrahmung einem stilisierten Menschenkopf der einen mit grossen Augen fest fixiert. Weiter im Park ist auch noch eine steinerne chinesische Laterne.

Ein besonderes Gebäude ist das Alte Palmenhaus, das 1877 seinen heutigen Form bekam: die Glaspanelle sind gefasst in gusseisernen Rahmen. Es gibt einen Belüftungskuppel oben auf dem Dach. Drinnen ist zu sehen dass das Öffnen und Schliessen der oberen Fenster geschieht mit einer Kette die von einem Kurbel bedient wird. Es war angenehm warm, aber auch schon feucht im Gewächshaus… In dieser denkmalgeschützten Struktur werden heutzutage Ausstellungen usw. organisiert. Jedoch wachsen in den schmalen Blumenkästen auf hohen Pfoten noch viele Pflanzen die Wasser bekommen über metalle Röhre. Draussen standen kleine Orangenbäumchen in Kübeln und überall behagliche Sitzbänke. Es war eine Freude um dort zu verweilen!

Im Park stehen grosse Waldriesen: prachtvolle Libanon-Zeder und grosse Kiefer in verschiedenen Sorten, aber immer in Grossformat – bei einer war es schwierig zu sehen welche der zwei Stämme der Hauptstamm war: der eine war im Gipfel mit Kabeln und einem Band aus Kautschuk am anderen festgebunden. Gegen beiden Stämmen wuchs viel Efeu. Eine sehr schöne Trauerbuche (Fagus silvatica f. pendula) stand entlang dem Pfad bei einer Grasfläche mit einladenden Loungestühlen. Nur selten hörte man das rege Verkehr rundum dieser Oase. Eine andere Varietät einer Buche hatte ich noch nie gesehen: es ist die „Farnblättrige“ Buche (fagus silvatica aspelifolia). Vom kolossalen Stamm wuchsen viele niedrige Äste die sich am Boden wieder befestigt hatten, wodurch man den Eindruck bekam es seien neue Bäume. Zu mir gleicht das Blatt eher das der Roteiche (aber nur schmaler und dunkelgrün) als das der Farnen. Am Südhang war ein neues Bäumchen der Magnolia officinalis f. biloba gepflanzt worden mit auf dem Schild “In Erinnerung an Maurus“. Im Hintergrund wuchs eine viel grösseres Exemplar!

Es wurden an vielen Stellen besondere Bepflanzungen gewählt, wie dicke Bambus an beiden Seiten des Pfades, wobei man den Eindruck bekommt dass man durch einen dunklen Tunnel geht. Besucher hatten die Neigung um Initiale usw. in den grünen Stämmen zu kerben offensichtlich nicht widerstehen können! Es war dort angenehm kühl und schattig, ein Luxus, weil es war mittlerweile schon ziemlich warm und sonnig geworden. Weiter gab es auch noch ein een “Alpinum”, einen Alpengarten inklusive einen Wasserfall der jetzt trocken war. Soclh eine Steingarten war in der Barockzeit sehr beliebt und als der Landschaftarchitekt Fröbel 1837/1838 diesen Garten anlegte, war dieser der erste in einem Botanischen Garten im Schweizer Unterland. Alles sah gut erhalten aus, aber auch hier hatte die Dürre des vergangenen Jahres ihre Spuren hinterlassen, sodass man hier und dort kräftig hatte schneiden und sägen müssen… Ein dicker Baum war umgesägt worden, wobei eine kleine messingen Gedenktafel sichtbar geworden war: “Julius Klaus 1849–1920, Göner der Universität“. Es ist nur zu hoffen dass die Schneerose (Helleborus niger) mit den grossen Blättern so viel Sonnenlicht ertragen kann… Auf einer anderen Gedenktafel, diesmal aus Marmor, die ein wenig verschollen war unter dem Efeu wurde Dr. Joh. Hegelschweiser erinnert wegen seiner Verdiensten für die Naturforschung und die Gründung dieses Gartens.

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Zürich: im Alten Botanischen Garten ist ganz versteckt eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Gründer dieses Gartens

Es war schon spät in der Saison, aber es wuchsen und blühten neben dem normalen „Unkraut“ und hier und dort Herbstkrokussen, auch noch spezielle Pflanzen, wie der Meerträubel (Ephedra chilensis), welcher lange, hölzerne Stängel mit Knöpfen hat und hier und dort auch rote Früchte trug. Die gelben Krokussen waren auch sehr auffällig. Am Südhang standen einige Pflanzen die eigentlich Sträucher sind, mit grossen Blumenkronen, die bestehen aus kleinen rosarot-violetten Röhrchen: der Losbaum ( Clerondendrum bungei). Auf Niederländisch hat diese Pflanze noch einen anderen Namen: Erdnussbutterstrauch: die Blätter haben eine ähnliche Duft wenn sie zerquetscht werden!

Bei meinem Rundgang durch den Alten Botanischen Garten hatte ich hier und dort auch Sicht auf den Schanzengraben, den alten Verteidigungsgraben. An der Nordseite war ein Teil des Wassers abgeschieden worden: das Männerbad beim Wasserturm aus 1863 – wie der Name schon angibt ist das Bad nur für Manner… Es gibt auch ein Frauenbad an den Ufern des Zürichsee: es ist ein schönes Jugendstilgebäude aus 1888, aber das Badehaus besteht schon seit 1837!

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Zürich: Blick vom Alten Botanischen Garten auf das Männerbad beim Wasserturm am Schanzengraben

Gegen Mittag kam ich nach diesen grossen Umwegen beim Hauptbahnhof von Zürich an: es war sehr belebt und ich hatte Mühe um beim Billettautomaten meine Zürich-card welche 24 Stunden gültig ist, zu bekommen: es gab so viele Möglichkeiten um irgendwie Rabatt zu bekommen. Jedoch bekam ich endlich – mit Hilfe einer Bahnhofangestellten – meine Card, womit ich bis heute Nachmittag gratis mit dem Öffentlichen Verkehr in und um Zürich reisen konnte. Aber zuerst stand eine Fahrt mit der Sihltal-Zürich-Uetlibergbahn auf dem Programm. Die Umgebung des Hauptbahnhofes fühlt modern an, mit den klassischen hohen Dachbogen wodurch das Licht hineinfliesst, aber der Bahnhof für die S-bahn mit Shoppingmall wirkt ja hypermodern! Der richtige Gleis war rasch gefunden und nicht lange danach sass ich in der Uetlibergbahn, die zuerst unterirdisch verläuft, aber dann mit einer ziemlich starken Steigung langsam den Berghang hinaufgefährt. Diese Linie galt lange als die steilste „normale“ Bahnlinie in Europa: mit 7,9% Steigung. Viel Aussicht hatte ich nicht, denn es gab ziemlich viele Bäume entlang der Trasse. Der Zug war sehr belegt – es war natürlich ein Sonntag und auch noch schönes Wetter dazu. Es war deutlich ein sehr beliebter Sonntagsausflug!

Bei Ankunft verbreitete die Menschenmenge aus dem Zug sich. Ich hatte schon Vorfreude gehabt über die „alpine Landschaft“ von meiner bevorzugten Position am Uetliberg, aber das war leider nicht der Fall… Die Sonne schien schon, aber die Kontouren der Alpengipfel die zwar auf den Infotafeln angegeben waren, blieben vom Nebel umhüllt. Nächstes Mal mehr Glück! Ich ging – zusammen mit vielen anderen Zugpassagieren und Besuchern – ins Restaurant “Gmüetliberg“, was ein witziges Wordspiel ist mit den phonetisch ausgesprochen “úúètliberg” und “gemütlich“. Nach einem Schüssel mit gemischtem Salat (just the thing I liked!) und einer Tasse Kaffee mit Apfelkuchen ging ich den Berg hoch um von dieser Höhe die Stadt Zürich zu betrachten – leider war auch hier die Sicht etwas trübe…. Sonst hätte ich die Alpen im Kanton Glarus sehen können!

Ich wurde mitgeführt von der sonntäglichen Menge entlang dem “Planetenweg“, der meiner Meinung nach nicht so schön war als der Planetenweg oberhalb von St. Luc auf den Weg zum Hotel Weisshorn im Wallis… – einer meiner absoluten Höhenpunkte in den vergangenen Jahren! Wie auch immer: mit vielen anderen, vor Allem mit Familien, war dieser der Ausflug schlechthin. Also gingen wir alle zum Fernsehturm der auch sichtbar ist von der Stadt und von dort zum begehbaren Aussichtsturm, einem Gerüst von wo man einen Wunderbaren Weitblick hat über die Stadt, den See und den Berge in der Ferne. Es gab eine Schlange, also beschliess ich um die Höhe aus zu lassen…! Auf den Weg zu den Fernseh- und Aussichttürme, auf halber Strecke zum Gipfel, war schon eine Gedenktafel auf einem Fels: darauf stand dass hier ein Aussenwall einer prähistorischen Siedlung am Uetliberg situiert war, ungefär 1000 vor Chr. Der Innenwall und ein Graben waren in de Nähe des Gipfels gewesen. Es gibt noch mehrere Spuren von Besiedelung aus früheren Zeiten, wie einen Grabhügel.

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Zürich: eine Tafel mit der Anweisung dass hier, am Gipfel des Uetliberges, vor 1000 Jahren vor Chr. der Innenwall einer Festung gewesen ist

Die Beleuchtung des breiten Weges zum Gipfel des Uetlibergs, wo auch ein Hotel ist, das Uto Kulm, besteht aus Ständern in Form eines Hirsches mit auf jeder Stange seines Geweihs zwei Lichtkugel: dieLeuchtende Hirsche, 1991 entworfen vom aus Zürich stammenden Künstler Bruno Weber (1931–2011). Dieser Künstler gehörte zur Kunstströmung des Surrealismus aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Carel Willink in den Niederlanden); im Anfang war er vor Allem Maler, aber entdeckte erst spät in seinem Leben das Dreidimensionale. Hiermit hat er die Legende des Hirsches und der zwei Königstöchter dargestellt. Andere seiner Werke kann man u.a. finden in einem Park mit 15.000 m² in der Nähe der seinen Name trägt und wo er eine ganz eigene Welt geschaffen hat: das Bruno Weber Park. Es ist der grösste Skulpturenpark (einem Künstler gewidmet) in der Schweiz! Bei der Anatomie des Hirsches fällt auf dass sein Körper eher dem einer Frau ähnlich ist als der eines (männlichen) Hirsches… Bei dem Aussichtsturm stehen auch Sitzbänke im Form von liegenden Hinden, die gestern von den Besuchern gerne benutzt wurden.

Auf der Anreise zum Uetliberg hatte ich gesehen dass beim vorletzten Bahnhof, in Ringlikon, der Zug durch eine grosse Kurve nach oben fährt. Weil das Wetter noch angenehm war und ich noch reichlich Zeit hatte bevor ich am Abend nach Monika und Olivier fahren sollte um raclette zu essen, möchte ich zu Fuss nach Ringlikon gehen. Zuerst lief ich über dem Asphaltweg, aber nach einer Weile passierte ich einen Seitenweg wo ein Pfeil zu einem Grabhügel wies, und ein anderer zum “Jurablick“. Das möchte ich ja sehen! Der Grabhügel selbst war wegen der Vegetation kaum zu erkennen, aber auf einem etwa gebleichten Informationsschild wurde angegeben dass es hier um ein keltisches Fürstengrab aus dem 4. Jahrhundert vor Chr. handelte, aus der frühen Latènezeit. 1900 ist ein Grabhügel entdeckt worden an ungefähr dieser Stelle. Der Hügel den es jetzt gibt ist eine „freie Rekonstruktion“ – der ursprüngliche Hügel hatte einen Durchschnitt von 20 Metern mit einer Höhe von drei Metern. Im Kern war eine Grube von ±3 mal ± 3 mal 1 Meter ausgegraben worden, wobei die freigesetzte Erde wie eine Art von Wall verwendet war. Die Grube war vom Südwesten zum Nordosten orientiert. Leider war die Grube leergeraubt… Man hat noch einige verkohlte Knochensplitter und Keramikscherben gefunden. Angeblich ist das Grab ziemlich kurz nach der Bestattung leergeraubt. In der Nähe der Grube hat man jedoch u.a. einige goldene runde Kleidungclips (fibula) und eine Gliederkette aus Bronze entdeckt. Durch diese Funde zu vergleichen mit jenen aus einem anderen Keltenfürstengrab nördlich von Stuttgart, Deutschland, hat man konkludiert dass es sich hier auch handelt um das Grab einer Frau, vermutlich eines Keltenkönigs.

Der Weg schlängelte sich weiter durch einen schönen Buchenwald. An einer offenen Stelle an der westlichen Hügelseite gab es einen Freiblick über das umliegende Gebiet und den Anfang des Juragebirge. Die Sonne schien, aber nur wenig der Landschaft war sichtbar. Deshalb lief ich weiter, bergab zum nächsten Bahnhof, Ringlikon. Züge fahren regelmässig von Zürich und vom Uetliberg (in 30-Minutentakt). Das brachte schöne Bilder, vor Allem des Zuges der mühsam und langsam den Hang hinauf ging und die Kurve nahm. Mein Zug fuhr 14.10 Uhr ab und brachte mich zurück nach Zürich. Es war eine angenehme Zeit gewesen!

Kurz nach halb sechs stieg ich in der Nähe meines Hotels in den Bus Linie 31 der mich direkt zum Bahnhof/Bushaltestelle Zürich-Altstetten brachte, im westlichen Teil von Zürich. Dort sollte Monika mich abholen. Ich kam gegen 18.00 Uhr dort an, wonach wir weiterfuhren mit einem Bus der der „Touristikroute“ folgte, damit ich etwas vom Ort Altstetten sehen konnte. Bis 1934 war Altstetten ein selbständiger Ort, aber ist jetzt Teil eines der „Kreise” der Stadt Zürich. Es ist mittlerweile viel dazu gebaut worden, aber es gibt auch noch sehr alte Gebäude, wie die alte reformierte Kirche. Die Fundamente dieser Kirche datieren schon aus dem 11. Jahrhundert, wonach viele Umbauarbeiten an der Kirche stattgefunden haben. Im 15. Jahrhundert sind die grössten Änderungen durchgeführt worden – die Umbauten aus dem 18. Jahrhundert sind 1938–1941 wieder rückgängig gemacht. Mitten im Zweiten Weltkrieg hat man den Beschluss gefasst um eine neue Kirche zu bauen: dazu wurde der bekannte schweizerischen Architekt Werner Max Moser (1883–1970) gefragt. Er ist bekannt als Architekt von Hochbau (Einfluss aus seiner amerikanischen Zeit bei Frank Lloyd Wright), aber bestimmt auch von Kirchen. Ihn wurde der Bau der neuen Kirche gegönnt, weil in seinen Plänen die alte Kirche integriert wurde im Neubau. Die alte Kirche ist weiss mit einem rotbraunen Ziegeldach auf dem Kirchengebäude und am Turmspitz und die neue Kirche ist auch weiss, aber eckig mit einem ganz hohen, schlanken Turm, der durchbrochen wird mit grossen viereckigen Öffnungen die fast wie Filigran aussehen. Eine grosse Kirchenuhr mit goldenem Zifferblatt schmückt den Spitz. Es ist etwas Besonderes um diese zwei Kirchen, die so unterschiedlich sind, neben einander zu sehen. Der Bus fuhr immer weiter den Hügel hinauf. Das Haus von Monika und Olivier datiert aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts: es ist gebaut worden von Oliviers Grossvater an einer Stelle die damals ganz weit ausserhalb des Ortes lag („Wo Fuchs und Hase einander gute Nacht sagen!“). Jetzt ist das Doppelhaus ganz eingeklemmt zwischen anderen, viel moderneren Häusern. Wir haben draussen auf der neulich angelegte Terrasse gesetzt (Olivier ist ein richtiger Fachmann!) mit einem Glas Prosecco in der Wärme der späten Sonne – welch ein Luxus! Nachher haben wir im Haus eine gute raclette gegessen: geschmolzene Spezialkäse mit Essiggurke, Silberzwiebel, gekochte oder Pellkartoffeln, Bündnerfleisch und „Senffrüchte“, Früchte die zuerst verzuckert sind und nachher mit Senf zubereitet – zu vergleichen mit dem pürierten Form, mostarda, aus Norditalien. Das schmeckte hervorragend, vor Allem die Mandarine die extra aromatisch war durch dieses Verfahren! Dazu wurde ein weisser Heida-Wein aus Visperterminen gegeben – auch sehr gut! Es war angenehm um diesen Wein wieder einmal zu trinken, weil ich die Weinberge passiert habe, als ich letztes Jahr den Ausflug nach Visperterminen gemacht habe! Nach vielen guten Gesprächen und einer Tasse Kaffee bin ich zurückgegangen nach Zürich-Zentrum, mit dem Bus und diesmal auch mit dem Zug. Es war immer noch so warm dass ich ohne Jacke gehen konnte.

Heute Morgen regnete es in Strömen! Welch ein Unterschied zu gestern… Nach wieder einem reichhaltigen Frühstück verliess ich komplett mit meinem Gepäck mein Hotel, denn ich war nochmals mit Monika verabredet: wir wollten uns treffen am Bahnhof Zürich-Hardbrücke. Von dort gingen wir zum Prime Tower: im 35. Stock gibt es ein Restaurant von woraus man einen wunderbare Sicht hat über Zürich, den See und die umliegende Landschaft. Trotz des Regens der gegen die grossen Fenster schlug war es ein Erlebnis; vor Allem der Blick auf das grosse Eisenbahnkomplex um dem Hauptbahnhof Zürich ist faszinierend. Auch das grosse Hardturmviadukt, ein Eisenbahnviadukt über mehr als einen Kilometer das über Betriebsgelände, Strassenbahntrassen und schlussendlich den Fluss Limmat gebaut worden ist, sieht sehr beeindruckend aus. Inmitten von diesen geordneten Linien gibt es noch eine Art anarchistisches Gebiet, mit kulturellen Aktivitäten im kleinen Bereich. Hier werden die mittlerweile berühmte Taschen der Marke „Freitag” entworfen. Auch hat man u.a. aus Schiffscontainern einen begehbaren Turm gebaut, der „Freitag Tower“… Aus 125 Meter Höhe sieht alles etwa aus wie in einer Miniaturstadt!

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Zürich: etwas getrübter Weitblick über die Stadt, das Gebiet um dem Hauptbahnhof, das Hardturmviadukt und das Freitag-Areal vom Prime Tower

Als es um 11 Uhr aufhörte zu regnen und es aufheiterte, fassten wir den Beschluss doch nochmals in die Stadt zu gehen. Vom Hauptbahnhof gingen wir durch die schmalen Gassen, gerade westlich von denen welche ich gestern Morgen gegangen bin. Hier zeigte Monika ihre Lieblingsrestaurants und -geschäfte. Wir passierten auch das Haus wo der schweizerische Schriftsteller Gottfried Keller (1819–1890) in seiner Jugend gelebt hat: im „Haus zur Sichel“. Er ist einer der wichtigsten Schriftstellern in der Schweiz.

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Zürich: das Haus in der alten Innenstadt wo der schweizerische Schriftsteller Gottfried Keller (1819-1890) seine Jugend verbrachte – das „Haus zur Sichel“

Das Restaurant „Öplerchammer“, wo der Webseite nach Gottfried Keller auch gerne kam um ein Glas (oder zwei) zu trinken und das auch zur Monika’s Favoriten gehört der traditionellen Gerichte wegen, hatte am Montag leider geschlossen. Das Bistro das zum kleinen Theater am Neumarkt gehört, hatte schon geöffnet und dort setzten wir uns fürs Mittagessen. Es war gemütlich und für den Zeitpunkt des Tages schon ziemlich gut besetzt.

Aber alles Gute hat ein Ende, und gegen 13.00 Uhr verabschiedete ich mich beim Hauptbahnhof von Monika und stieg in den Zug zu meinem nächsten Reiseziel, Andermatt im Kanton Uri. Das bedeutete eine Reise durch das „Herzland“ der Schweiz, ein Gebiet das ich gar nicht kenne: über Zug und die Stadt Schwyz nach Erstfeld und nach Altdorf (ein anderes Mal werde ich das berühmte Tell-Denkmal besuchen!).

In Erstfelds stieg ich um nach Göschenen. Unterwegs musste der Zug ganz steil steigen, also fuhren wir durch einen Kehrtunnel und sahen wir das Dorf Wassen eben zweimal aus verschiedenen Höhen… Ab Göschenen, wo der kleine Zug worin ich zuerst reiste durch den Gotthardtunnel weiterfährt nach Airolo, dauerte die Zugreise nach Andermatt nur 10 Minuten, aber wie musste der kleine Zug steigen! Das war nur möglich mit Zahnradunterstützung. Die Reise war spektakulär, weil sie durch die Schöllenen-Schlucht führt. Diese werde ich in den kommenden Tagen schon zu Fuss erkundigen.

In Andermatt ging ich zu meinem Hotel, das Drei Könige und Post, wo laut der Gedenktafel beim Eingang auch schon Goethe übernachtet hatte! Es fühlt sich hier wohl an und ich freue mich auf die kommenden Tage.