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Den 27. Dezember 2019

Alles dreht sich um den majestätischen Aoraki/Mt. Cook

Heute Morgen bin ich rechtzeitlich abgereist aus Te Anau für eine Autofahrt von mehr als 4oo Km. Diese Fahrt sollte mich zu …. den Südalpen führen, zum Gebiet von Aoraki/Mt. Cook. Endlich!! Der Weg den ich nehmen sollte war bis Cromwell gleich an denen der Hinfahrt nach Te Anau am letzten 23. Dezember. Also passierte ich wieder das Red Tussock Reserve und den Ort Garston, wo ich bemerkte dass The Coffee Bomb am Stephanstag zuhatte – also dieses Mal keine Kaffeepause….

Der erste grosse See dem ich begegnete war der Lake Wakatipu See mit auf dem nördlichen Ufer dem überfüllten Touristenort Queenstown. Das Morgenlicht war schön – jetzt hatte ich auch gute Sicht auf die äussergewöhnlich kurvenreiche State Highway Nr. 6! Als ich nach ungefähr zwei Stunden in der Nähe von Cromwell („Der Obstkorb der Südinsel“) kam, sah ich einen Obststand am Strassenrand: dort wurden vielerlei Sorten Obst verkauft. Doch oh – die Kirschen: ich habe eine grosse Tüte gekauft und sie fahrend mit Vergnügen aufgegessen! Auf dem Schild standen auch die Abstände zu vielen Bestimmungen: ich war fast ebenso weit weg von Te Anau als von meinem Ziel Mt. Cook: ich hatte 241 Km zurückgelegt und sollte noch 201 Km! Als ich von Wanaka nach Te Anau ging hatte ich am westlichen Ufer des Lake Dunstan Stausees gefahren, aber jetzt führte der Weg über eine moderne Verkehrsbrücke über den schmalen Teil des Sees der dort wieder der Clutha Fluss heisst. Diese Brücke heisst die Deadman’s Point Bridge Brücke: kämen die Staudämme an das Ende ihrer Lebensdauer (80 Jahre?) und man würde den Lake Dunstan wieder leerlaufen lassen, dann käme der authentische „Point“ wieder an die Oberfläche – das möchte eine Gruppe von Einwohnern in der Region eigentlich schon erleben …

Einmal über die Brücke folgte ich der State Highway Nr. 8, die abermals über den Lindis Pass führte, also auch wieder über ein Teil meines Weges von Timaru nach Wanaka vom letzten 20. Dezember. Es gab beträchtlich mehr Verkehr als damals! Beim Ort Omarama erreichte ich wieder das Stromgebiet des Waitaki Flusses: das Wasser dieses Flusses stammt aus dem Gebiet um Aoraki/Mt. Cook und wird mit Einhaltung der Māori-Traditionen genutzt zur Stromerzeugung. Auf meinem Weg nach Wanaka hatte ich stromabwärts zwei der drei beeindruckenden Stauseen im Waitaki gesehen. Jetzt fuhr ich stromaufwärts ins MacKenzie Basin Becken, wieder in der Region Canterbury. Es ist eine breite Ebene von ungefähr 100 bei 40 Kilometern südlich der Alpen, benannt nach dem ursprünglich aus Schottland stammenden Schafdieb, der in den 1850er Jahren das damals noch leeren Gebiet benutzte um seine „Beute“ grasen zu lassen… Es ist noch immer ein Schafgebiet. Eine weitere wirtschaftliche Tätigkeit wird gebildet von hydropower: auch im Oberlauf des Waitaki Flusses sind Wasserkraftwerke gebaut und Stauseen und Hochwasserentlastungen angelegt worden. Für diese Bauarbeiten ist 1968 das Städtchen Twizel gegründet worden: viele der temporären Häuser die in Otematata aufgestellt worden waren für den Bau des Benmore Dammes sind von dort zum neuen Standort umgesiedelt worden. Als einige Jahre später die Kunstwerke in Betrieb gestellt wurden, wollte man das Städtchen wieder demontieren, aber nach Protesten der Einwohner hat man davon abgesehen. Heutzutage ist es ein wichtiger Touristenort und die letzte Gelegenheit um ein zu kaufen auf dem Weg nach Mount Cook Village, denn dort gibt es gar keine Geschäfte! Ich hatte noch zureichend Vorräte, deshalb fuhr ich weiter. Die Landschaft änderte sich im Laufe der 65 Kilometer nach Mount Cook Village schon sehr: ich kam bei einem wirklich türkisblauen langgezogenen See: Lake Pukaki. Es is ein sogenannter proglacial lake, ein „Gletscherstausee“. Solch eine See entsteht in einem Tal das von einem Gletscher ist ausgeschliffen und wobei das Tal am Ende des Gletschers blockiert wird von Moränen von mitgeführten Gesteinen. Zieht solch ein Gletscher sich danach zurück, dann füllt das Schmelzwasser das Tal auf. Das Risiko ist schon dass, wenn der See zu voll wird, der natürliche Damm die Kraft jenes Wassers nicht mehr widerstehen kann… In solch einem See bekommt das Wasser die spezifische blaue Farbe wegen des „Steinmehles“, das von den Gletschern mitgeführt wird und das viel feiner ist als der normale Schlamm der das Wasser grau verfärbt. Ich habe einige Minuten atemlos herumgeschaut, vom Norden über den Osten nach Süden! Nach Norden war Sicht auf die beschneiten Gipfel der Alpen, die manchmal auch abgedeckt wurden von dichten weissen Wolken gegen einen hellblauen Himmel – nach Süden schien das Wasser noch blauer in Kombination mit ganz grossen tiefdunkelblauen Blumen des Gewöhnlichen Natternkopfes (Echium vulgare), dem flachen Land und dem fernen Horizont! Es war so wunderschön dass ich meine Müdigkeit von so vielen Kilometern ganz vergass.

20191226_132130 - Neusland - Canterbury (NZ) - Lake Pukaki See - Südalpen (Neuseeland) -Aoraki/Mt. Cook - Gletscherstausee - proglacial lake - blauer Himmel und hellblaues Wasser - weisse Wolken
Auf dem Weg nach Mt. Cook Village (NZ): Blick über den Lake Pukaki in nördlicher Richtung zum Berggebiet von Aoraki/Mt. Cook
20191226_132122 - Neusland - Canterbury (NZ) - Lake Pukaki See - Gletscherstausee - proglacial lake - blauer Himmel und hellblaues Wasser - weisse Wolken - Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)
Auf dem Weg nach Mt. Cook Village (NZ): Blick über den Lake Pukaki in südlicher Richtung zur Ebene des MacKenzie Basin Beckens

Ungefähr eine Stunde später erreichte ich Mount Cook Village nach einer doch langen Zeit entlang dem blauen See gefahren zu haben. Dieser See wird gespeist vom Tasman River, wieder ein verflochtener Fluss, in einem breiten Bett, der wiederum gespeist wird aus vom Schmelzwasser des 27 Kilometer langen Tasman Glacier Gletschers gebildeten Tasman Lake See (auch wieder so ein proglacial lake). Das Feriendorf selber liegt am Hooker River, einem Seitenfluss des Tasman Flusses der hoch oben in den Bergen von den Gletschern um Aoraki/Mt. Cook mit Wasser versorgt wird und der durch zwei andere Gletscherstauseen fliesst. Jener Fluss ist im breiten Tal kaum zu sehen. Hier endet auch State Highway Nr. 80 die südlich von Twizel abzweigt von der State Highway Nr. 8 nach Timaru. Nach einigem Herumfahren fand ich doch meine Unterkunft, ein geräumiges Chalet mit einem scharfen Satteldach. Von meiner kleinen Küche aus hatte ich eine wundervolle Sicht auf op Mt. Sefton (3.151M), der vom ursprünglich deutschen Geologen Julius von Haast (1822–1887) benannt worden ist nach William Sefton Moorhouse (1825–1881), dem zweiten Superintendenten der damaligen Provinz Canterbury. Der Māori Name ist Maukatua, das „Mountain of the Gods“ bedeutet. Die Energie die dieser von weissen Wolken verhüllte Berg ausstrahlt ist gross – die Blockgletscher die von den Steilhängen hinunterhängen sind beeindruckend. Man sagt dass, eben wenn man den Berg nicht sieht, man ihn hören kann: wenn Stücke Eis von den Gletschern abbrechen, fallen sie mit donnerndem Lärm in die Schlucht! Auch in Wolken gehüllt ist der Gipfel des Aoraki/Mt. Cook. Der Māori Name, Aoraki, bedeutet „der Berg der die Wolken greift“, „Cloud piercer“, „Wolkenstecher“. Eine Besonderheit ist dass im Fall dieses Berges der Māori Name vor dem englischen Namen steht: der Berg Aoraki ist von grosser spirituellen Bedeutung für die Māori. Das ist vereinbart worden beim wichtigen „Ngāi Tahu Claims Settlement Act 1998“ Abkommen, wobei „The Crown“, das Parlament Neuseelands, seine Entschuldigungen angeboten hat an den wichtigsten Stamm der Māori, den Ngāi Tahu, wegen der Nichteinhaltung der ursprünglichen Vereinbarungen aus dem 19. Jahrhundert mit Bezug auf Land und heilige Stätten und ihnen einen reichlichen Schadenersatz gewährt hat für das Leid das ihnen in den vergangenen 150 Jahren zugefügt worden ist.

20191226_154936 - Neuseeland - Canterbury (NZ) - Mount Cook village (NZ) - Mt. Sefton (3.151M) - Wolken - Blockgletscher
Mount Cook Village (NZ): Blick aus meiner Chalet auf Mt. Sefton (3.151M) mit dem Gipfel in den Wolken – die Blockgletscher sind gut sichtbar

Die Sonne schien und es war angenehm warm: 19°. Ich bin durch den Ort gegangen, der eigentlich aus einer lockeren Sammlung von Ferienpärken mit Chalets, Motels und Hostels besteht. Das grosse Hermitage Hotel wovon das erste Gebäude schon 1884 errichtet worden ist und das jetzt aus 1958 stammt, dominiert, auch durch seine hohe Lage, das Dorf. Im Gebäude gibt es nicht nur das Hotel mit Restaurants, sondern auch noch das Sir Edmund Hillary Alpine Centre, wovon später Näheres. In der Nähe ist auch das Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook National Parks – viel bescheidener gestaltet, aber trotzdem nicht weniger interessant. Die Aussichten waren auch durch das Spiel von blauen Himmel und weissen Wolken, sehr schön!

20191226_163339 - Neuseeland - Canterbury (NZ) - Mount Cook Village (NZ) - Mt. Cook Mountain Range - Tasman Valley Tal - Aoraki/Mt. Cook (3.724M) - Wolken um Berggipfel
Mount Cook Village (NZ): Panoramablick auf die Mt. Cook Bergkette (Mitte), Aoraki/Mt. Cook in den Wolken (links) und das Tasman Valley Tal (rechts)

Im Besucherzentrum des Nationalparks stand auch eine ausgestopfte Gämse – schon ein wenig befremdend um dieses meiner Meinung nach doch deutlich europäische alpine Tier hier zu sehen! Auf der Getränkekarte des Restaurants Chamois Bar&Grill nebenbei steht die Geschichte der „Gämse in Neuseeland“: 1907 hat der österreichische Kaiser Franz Josef I. Neuseeland zwei Gämsböcke und sechs Gämsgeissen geschenkt die nach einer natürlich langen und erschöpfenden Reise ausgewildert worden sind in der Nähe von Aoraki/Mt. Cook. Nachfahren dieser Gämsen haben sich anschliessend über die gesamte Südinsel verbreitet! Dieses Restaurant das Teil ist der Hotelgruppe Mt. Cook Lodge&Motels wozu mein Chalet auch gehört, gefiel mir schon: nicht nur eine wunderschöne Aussicht auf das breite Tal und die beeindruckenden Berge, aber auch guter Wein und eine gute Küche (ich hatte die „grilled lamb chops, red wine and onion sauce, rustic potatoes and salad“ gewählt).

Die Mahlzeit war ein angenehmes Ende meines ersten Tages in dieser faszinierenden Bergwelt. Obwohl es auch hier sehr touristisch ist, fällt des menschliche Mass deutlich weg geben den Hintergrund dieser mächtigen Berge!

Heute war es leider nicht länger sonnig und angenehm warm: gegen halb acht kamen schon einige dunkle Wolken aus dem Norden über den jetzt sichtbaren Gipfel von Mt. Seftonantreiben und gegen elf Uhr find es an zu regnen und auch kräftig zu wehen – ein kalter Nordwind. Mein Plan um eine Wanderung zu den Gletscherstauseen Mueller Lake und Hooker Lake über den Hooker Valley Track war plötzlich nicht mehr so verlockend… Also wurde es ein Tag für Aktivitäten unter Dach. Deshalb bin ich abermals zurückgegangen zum Besucherzentrum des Aoraki/Mount Cook National Parks. Eine andere Möglichkeit um sich zu schützen vor den Elementen war das Sir Edmund Hillary Alpine Centre im grossen Gebäude des Hermitage Hotels. Zwischendurch war ein Kaffee im „The Old Mountaineers’s Café, Bar & Restaurant“ auch sehr gut und dazu ach sehr nachhaltig: die komplette Betriebsführung und die ganze Speisekarte waren so „eco-friendly“ als möglich. Drinnen war ees vollbesetzt, aber schon auch sehr “cozy” und in jeder Fall warm! Später sollte ich beim Sir Edmund Hillary Café noch eine „Roasted Pumkin Pizza“ essen, aber jener kulinarische „Volltreffer“ mit Kürbis auf einer Pizza war gar nicht nach meinem Geschmack… Der Wein und der Kaffee waren schon sehr okay! Es war auch ein schöner, räumlich gestalteter Teil des grossen Hotels mit vielen Glasfenster von Decke bis auf den Boden und sicht auf eine Vide, wo einer der ersten „ski planes“, ein Propellerflugzeug mit Skis am Fahrwerk, an der Decke aufgehängt worden war. Am 22. Dezember 1955 ist das erste „ski plane“ auf dem Tasman Gletscher gelandet… Ein Stockwerk tiefer war ein grosser Ausstellungsraum eingerichtet worden mit vielem Wissenswertes über das Hermitage Hotel (von 1883 bis auf heute), über Alpinismus im Allgemeinen und über Edmund Hillary insbesondere. Er war doch derjenige der zusammen mit dem Sherpa Tenzing Norgay am 29. Mai 1953 als Erster den Gipfel des Mounts Everest erreichte, der höchste Berg der Welt. Das brachte ihm ewigen Ruhm. Später wurde er auch bekannt durch seine Expeditionen nach Antarktika. Er kam gern und öfters in Mount Cook Village. Er hat auch Aoraki/Mt. Cook bestiegen: in Januar 1947 zusammen mit seinem Mentor und guten Freund Harry Ayres (1912–1987). Ein Zitat von ihm über diese Besteigung steht auf einer Tafel mit einem Schwarz-Weiss-Foto des Berges: „It was a great moment to step over the last small crevasse and finally stand on the summit of Mount Cook. It meant I had achieved my first major ambition… My tiredness meant nothing; for me it had been a day of triumph!“. Der Erstbesteigung von Aoraki/Mt. Cook hat am Ersten Weihnachtstag 1894 stattgefunden: die Namen von Jack Clark, Tom Fyfe und George Graham stehen auf einem Plakat, befestigt auf einem Brocken Naturstein draussen beim Besucherzentrum, mit Sicht auf Aoraki/Mt. Cook. Dieses kleine Denkmal ist hundert Jahre später, 1994, eingeweiht worden vom damaligen Minister von „Conservation“.

Ausserdem im Expositionsraum im Erdgeschoss, der sichtbar ist vom Café, mit viel Aufmerksamkeit für das Leben und das Schaffen von Edmund Hillary steht draussen auf einer der Terrassen des Cafés eine mehr als lebensgrosse Statue von ihm schauend in die Richtung von Aoraki/Mt. Cook. Der aus dem Ort Dunedin an der Ostküste stammende Bildhauer Bryn Jones hat die Statue aus Bronze kreiert, basiert auf ein Bild von Sir Edmund als er 1970 seine „Grand Traverse“ der drei Berggipfel von Aoraki/Mt. Cook beendet hatte. Die Statue ist am 29. Mai 2003 um 11. 30 Uhr eingeweiht worden – am genauen Moment als Edmund Hillary vor fünfzig Jahren den Gipfel des Mounts Everest erreichte. Auf einer der Informationstafeln steht ein Foto von ihm, als er 84 Jahre alt war, mit immer noch jenem bubenhaften Grinsen auf dem Gesicht!

In beiden Zentren wird den Māori-Traditionen viel Aufmerksamkeit gewidmet: hier beim Berg Aoraki/Mt. Cook liegt der absolute Schwerpunkt der Māori Spiritualität. Beim Hineintreten des Besucherzentrum des Nationalparks hängt eine grosse Holzschnitzerei am Dachfirst des Gebäudes, kreiert vom bekannte Māori Künstler Cliff Whiting (1936–2017): „Aoraki mit seinen Brüdern“. In der Ausstellung wird dieses Kunstwerk näher erklärt und wird die Māori Legende über das Entstehen der Südinsel erzählt, dazu schön illustriert. Hierdurch wird auch klar weshalb Aoraki/Mt. Cook so wichtig ist für die Māori. Der Berg Aoraki wird gesehen als der meist verehrte Vorfahre des Māori Stammes Ngāi Tahu und bildet mit seinem „mauri“ (kurz zusammengefasst Lebenskraft) die Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Übernatürlichen. Die Erhaltung dieses heiligen Status ist ganz wichtig für die Māori, denn sie ihm ihr spirituelles Wohl verdanken. Dieser spezielle Status verlangt einen zusätzlichen Schutz des Berges in allen Hinsichten. Bei den Ngāi Tahu Settlements 1998 ist deshalb vereinbart worden dass ein gedachter „tōpuni“ über das Gebiet gehängt wird: ein virtueller Schutzmantel der normalerweise getragen wird von Stammhäuptlingen als Symbol ihrer Macht und der hergestellt ist aus dem Fell des Kūris – eine Māori Hunderasse. Diese ursprünglich polynesische Hunderasse ist mittlerweile ausgestorben, weil Kreuzungen mit den von der Europäern mitgebrachten Hunde sich als nicht lebensfähig erwiesen… Viele Landkarten hängen im Besucherzentrum, auch die Karte mit der Wanderung die ich geplant hatte, herausgegeben vom Department of Conservation, aber auch die Karte mit darauf angegeben das vom gedachten tōpuni geschützte Gebiet. Hierauf ist auch ein Teil einer echten tōpuni abgebildet. Das Originell wird im Canterbury Museum gezeigt. Mit diesem tōpuni wird auch die Bedeutung der Werte des Ngāi Tahu Stammes für diese öffentlichen geschützten Gebiete festgelegt, obwohl der bestehende Status des Landes nicht geändert wird: hiermit wird bestätigt dass die Werte des Ngāi Tahu Stammes verstanden, anerkannt und geschützt werden. Demgegenüber steht auch das „commitment“ der Seite des Ngāi Tahu Stammes um Gebiete mit hohen historischen und spirituellen Werten zu schützen und instand zu halten.

Die Māori Legende um die Schöpfung der Erde und die spirituelle Bedeutung von Aoraki/Mt. Cook geht ungefähr folgendermassen. Auch in der Māori-Welt war „am Anfang“ Finsternis – danach kamen Licht und Feuchtigkeit. Aus dieser Verbindung wurde als erstes Kind Raki der „Sky Father“ geboren – er gab noch kein Land. Raki heiratete Papa-tui-nuku, die „Earth Mother„, wonach einige der Sky Children, worunter Ao-raki („Cloud in the Sky“), Raki-ora („Long Raki“), Raki-rua („Raki the Second“) und Raraki-roa („Long Unbroken Line„) zur Erde kamen um die neue Frau ihres Vaters zu begrüssen – in einem Kanu („waka“ auf Māori) mit dem Namen „Te Waka o Aoraki“. Nach dem Besuch fuhren sie aus Neugier ein wenig herum auf See, aber konnten nirgendwo mehr Land finden. Als sie zurückkehren wollten in den Himmel, fand sich heraus dass der Zauberspruch womit ihr Kanu aufsteigen sollte, nicht mehr wirkte. Das Kanu fiel ins Meer zurück, kenterte mit dem Kiel nach Westen und wurde zu Stein. Aoraki und seine Brüder kletterten auf den Rand des Kanus der noch aus dem Wasser ragte… und versteinerten auch! Und das sind sie bis auf den heutigen Tag geblieben: Aoraki ist der höchste Berggipfel (Mt. Cook, 3.724M). Seine Brüder sitzen neben ihm als Mt. Dampier (Rakiro, 3.440M), Mt. Teichelmann (Rakirua, 3.144M) und Mt. Tasman (Rarakiroa, 3.497M). Die Südinsel wie sie heute aussieht verdankt ihre Form den Werken des Halbgottes Tu Te Rakiwhanoa, der mit einer grossen Axe das Land geeignet machte für Bewohung. Im Kunstwerk von Cliff Whiting kommen die vier Brüder auch vor: oben ist Aoraki abgebildet worden mit an der linken Seite zuerst Rakirua und dann Raraki-roa und an der rechten Seite unten Rakiroa. In der Mitte unten steht der Halbgott Tu Te Rakiwhanoa klein abgebildet. Rechtsoben hat der Künstler auch noch Tāwhirimātea, „Der Wind“ zur Vorstellung hinzugefügt – ein Sohn von Raki, der „Sky Father“ und Papa, die „Earth Mother„. Die Geschichte handelt davon dass die vielen Kinder des Paares die Finsternis die aus ihrer Liebe und ihrer beklemmenden Umarmung hervorging nicht länger ertragen konnten und dass sie einen Plan schmiedeten um ihre Eltern zu scheiden und auf dieser Weise Licht zu zu lassen. Als dieser Plan ausgeführt worden war entstand grosse Uneinigkeit, vor allem zwischen zwei Brüdern: Tāwhirimātea, dem Gott von Wetter und Wind, und Tūmatauenga, dem Gott von Krieg, und schlussendlich der Vorfahre der heutigen Menschen. Diese zwei Brüder waren die einzigen die einander ebenbürtig waren: bis auf den heutigen Tagen erlangt Tāwhirimātea, der Gott von Wetter und Wind, jedoch ab und zu die Oberhand über seinen Bruder Tūmatauenga und indirekt auch über die Menschen…!

20191227_125608 (2) - Neuseeland - Canterbury (NZ) - Mount Cook Village (NZ) - Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook National Parks - Maori-Kultur - Enstehungsgeschichte Neuseelands
Mount Cook Village (NZ): im Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook Nationalparks wird das Entstehen der Südinsel, das gekenterte Kanu von Aoraki und seinen Brüdern, in einer „artist impression“ gezeigt

Es ist klar dass die Māori Gottheit von Wetter und Wind Tāwhirimātea noch immer Einfluss hat auf das heutige Leben: dies wurde im Besucherzentrum gezeigt auf einem Display über das Wetter. Vor allem die schematisch wiedergegebenen Luftströmungen vom Westen her verdeutlichen weshalb westlich der Südalpen und vor allem um Aoraki/Mt. Cook so viel Regen (und Schnee) fällt und im Osten so viel weniger.

20191226_164401 (2)- Neuseeland - Canterbury (NZ) - Mount Cook Village (NZ) - Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook National Parks - Wind und Wetter in Neuseeland - Neuseeländische Alpen
Mount Cook Village (NZ): im Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook National Parks hängt auch eine Übersicht des Einflusses dieser Berge auf Wetter und Wind auf der Südinsel

Dass Aoarki/Mt. Cook vom ersten Beginn nach der Entdeckung durch die Europäer auch zu ihren die Vorstellungskraft angeregt hat wird klar beim Thema „Kunst“: in Gemälden und in Fotos. Der Geologe und Landvermesser Julius von Haast der 1862 das Gebiet zum ersten Mal besucht hat und als erster Fuss auf den Tasman Glacier Gletscher setzte hat ein wunderschönes Aquarell gemalt – vor Ort, sitzend auf jenem Gletscher! Nicht nur Aoraki/Mt. Cook ist verewigt worden: auch die neuseeländische Malerin Esther Hope (1885–1975) hat oft in dieser Gegend gearbeitet – sie ist bekannt geworden mit ihren Aquarellen und Gouachen auf Papier aus gerade dieser Gegend. Es hängt ein Replikat ihrer Gouache auf Papier (undatiert) „Sicht auf Mt. Sefton” – auch daraus spricht viel Kraft. Auf weiteren Infotafeln werden Fotos aus der Anfangszeit der Fotografie gezeigt, wie von Jack Adamson (1866–1951), der nicht nur Inhaber des Hermitage Hotels war, aber auch Bergführer und talentierter Fotograf. Er hat im Laufe der Zeit eine Sammlung von ungefähr 450 Glasnegativen und Kollodion Platten (für „nasse Fotografie” aufgebaut. Es sind scharfe Bilder! Ein andere Fotograf aus den Anfangsjahren der Entdeckung dieser Region durch die Europäer ist Edward Sealy (1839–1903), der auch schon Edwin genannt wurde und von Julius von Haast mitgeführt worden war bei seinem zweiten Besuch an das Gebiet 1869. Auch aus diesen frühen Bildern kommen bestimmt die Bewunderung und die Ehrfurcht für diese magische Bergwelt zum Ausdruck – eigentlich genau so wie die Bewunderung und die Ehrfurcht auch zum Ausdruck kommen in den Fotos die wir als Touristen heutzutage nehmen!

Im Sir Edmund Hillary Alpine Centre wird auch den Werken des neuseeländischen Malers Duncan Darroch (1888–1967) Aufmerksamkeit gewidmet. Dieser Maler (weitgehend Autodidakt) und Seemann mit Vorfahren von einer der Insel der schottischen Outer-Hebrides hat seit 1926 in Mount Cook Village gelebt und gearbeitet, u.a. als Hufschmied. Er war dort eine besondere Erscheinung, mit seinem schottischen Barrett, Kilt und Spazierstock. Er wurde vor allem gelobt um seine Gemälde, woraus eine grosse Liebe für die Bergen und Kenntnis der Pflanzenwelt sprach. Er hat sich auch eingesetzt für Naturschutz und Schutz von einheimischen Pflanzen: 1954 wurde er zu Honorar-Ranger des gerade gegründeten Nationalparks ernannt. Er hat viele Gemälde gemacht von Aoraki/Mt. Cook, so auch das ausgestellte Gemälde. Auf einer Begleittafel war angegeben weshalb das Gemälde hier ausgestellt wurde, mit der Inschrift: „Returning home“. 2004 hat die Tochter einer Dame die dieses Gemälde 1958 von Duncan Darroch persönlich gekauft hatte, die Leinwand wieder zurückgegeben an der Stiftung die dieses Alpine Centre verwaltet. Es wurde in Dankbarkeit gesehen als das letzte Puzzlestück das fehlte – welch eine schöne Geste! Für mich sprach auch aus diesem Gemälde eine grosse, ehrfürchtige Bewunderung für diesen majestätischen Berg!

20191227_144229 - Neuseeland - Canterbury (NZ) - Mount Cook Village (NZ) - Sir Edmund Hillary ALpine Centre - Ölgemälde - Aoraki/Mt. Cook (3.724M) - Duncan Darroch (1888-1967) Aoraki/Mt. Cook in der Kunst
Mount Cook Village (NZ): ein berühmtes Gemälde von Aoraki/Mt. Cook von Duncan Darroch (1888–1967) im Sir Edmund Hillary Alpine Centre

Auch der Einfluss von Gletschern auf die Erscheinungsformen von Bergen wird im Besucherzentrum gezeigt: durch die schleifende Einwirkung der Eismassen des Gletschers entstehen die typischen U-förmigen Täler und die steilen Felswände. Die abgerundeten Berggipfel sind nach der Eiszeit auch verschwunden. Was man mit blosser Auge nicht sehen kann in dieser wunderschönen Berglandschaft sind die zahlreichen Bruchflächen wo die australischen und die pazifischen tektonischen Platten gegen einander reiben und stossen. Zwischen Aoraki/Mt. Cook und Mt. Sefton verläuft die Main Divide, die Hauptbruchlinie, aber es gibt noch viele kleinere Bruchflächen die dort kreuz und quer dadurch gehen. Auf einer schematischen Übersicht sind die verschiedenen Gesteine und die Bruchflächen angegeben worden. Das Foto das darunter steht, gibt nur den Eindruck einer äusserst soliden Bergwelt!

20191227_133627- Neuseeland - Canterbury (NZ) - Mount Cook Village (NZ) -  Besucherzentum des Aoraki/Mt. Cook National Parks - Geologie - tektonische Platten und Bruchflächen - The Main Divide Bruchfläche
Mount Cook Village (NZ): im Besucherzentrum des Nationalparks werden die tektonischen Bruchflächen im Gebiet um Aoraki/Mt. Cook gezeigt – Schema und Foto

Die schöne Luftaufnahme der Südalpen mit Mt. Sefton und Aoraki/Mt. Cook als deutlich sichtbare Gipfel ist schon ein wenig trügerisch! Weiter in der Ausstellung wurde nämlich einem besonderen Ereignis Aufmerksamkeit gewidmet, das gerade nach Mitternacht am 14. Dezember 1991 stattgefunden hat: eine enorme Steinlawine (man schätzt 14 Millionen Kubikmeter Gesteine!) löste sich vom Gipfel von Aoraki/Mt. Cook hinunter, mit einer Geschwindigkeit von 300 Km pro Stunde. Hierdurch wurde der Berg 10 Meter weniger hoch. In Twizel – auf einer Entfernung von 70 Kilometer – registrierte ein Seismograf Schwingungen die übereinkamen mit einem Erdbeben von 3,9 auf der Richter-Skala! Ursache dieses unvorhersehbaren Ereignisses: die Kräfte die freigesetzt wurden beim gegeneinander Reiben jener zwei grossen Erdplatten. Es is die grösste Steinlawine die man je in den Südalpen erlebt hat. Ein Foto der Gesteinspur die die Lawine gezogen hat, zeigt schon deutlich welche Kräfte dabei freigesetzt worden sind…!

20191227_132641- Neuseeland - Canterbury (NZ) - Mount Cook Village (NZ) - Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook National Parks - Aoraki/Mt. Cook (3.724M) - Steinlawine
Mount Cook Village (NZ): Foto der Steinlawine bei Aoraki/Mt. Cook am 14. Dezember 1991 im Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook Nationalparks

Ausser den Themen „Natur“ und „spirituelle Welt“ wurden auch schon eher menschliche Themen gezeigt: Bergkleidung im Wandel der Zeiten! Drei Mannequins waren angezogen worden im Stil der Māori, des Bergsteigers aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und des Bergsteigers aus dem Anfang des 21. Jahrhunderts. Die frühe Māori kamen nur in der Periode zwischen November und März in diesem Gebiet zum Jagen, Fischen und Sammeln sonstiger Nahrung. Deshalb waren die Kleider aus leichten Materialen hergestellt. Der frühe europäische Bergsteiger trug einen Anzug aus Tweed der strapazierfähig ist, und darunter eine lange Unterhose aus Wolle, dicke Socken, einen Schal, einen Filzhut und gegen den Regen Ölzeug. Der moderne Bergsteiger trägt Kleidung die so leichtgewichtig ist wie möglich: Schichten von Merinowolle, Fleece und wasserabstossendem Gore-Tex. Geblieben ist schon der Schutz gegen die Einwirkung der Sonne: ein Helm statt eines Filzhut, aber immer noch Schale um den Nacken zu schützen. Die Kenntnis aus Jahrhunderten ist mittlerweile verarbeitet in die heutige Technologie. Auf einer nächsten Infotafel wurde schon klar gesagt dass die Gefahren der Berge noch immer anwesend sind und dass wir uns davon bewusst sein sollten, der objektiven sowohl der subjektiven Gefahren! Auch hing noch ein schönes „Stillleben“ an der Wand aus zwei ice axes, Eispickeln und einer geflochtenen Kranze aus Kletterseil. Der linken Eispickel aus 1952 hat Oscar Coberger (1902–1982), zugehört, einem ursprünglich süddeutschen Skilehrer und Bergführer der eine lange Zeit in Arthur’s Pass Village gelebt und gearbeitet hat, aber der auch Aoraki/Mt. Cook bestiegen hat (1967); der rechten Eispickel aus dem Anfang der 1970er Jahren gehörte Richard McNamara (Chief-Ranger des Nationalparks von 2008 bis 2012). Die Kranz ist geflochten worden aus Nylonseil aus der Anfang der 1960er Jahren.

20191227_130342- Neuseeland - Canterbury (NZ) - Mount Cook Village (NZ) - Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook National Parks - Bersteigerausrüstung - Eispickel - Nylonseil
Mount Cook Village (NZ): im Besucherzentrum des Aoraki/Mt. Cook Nationalparks hängt ein „Stillleben“ mit zwei älteren Eispickeln (ice axes) und einer „Kranze“ aus Nylon aus den 1960er Jahren

Nach diesem gut benutzten Nachmittag in der Wärme klarte am Ende des Tages das Wetter einigermasse auf und war etwas Blau zwischen den mittlerweile wieder weissfarbigen Wolken sichtbar. Trotz der Tatsache dass ich nicht gewandert habe in dieser beeindruckenden Gegend wie ich es gewollt hätte, habe ich doch einen schönen, inspirierten Tag gehabt. Ich habe mittlerweile empfunden dass es hier nicht nur geht um die schönen „Bergbilder“, sondern gewiss auch um die spirituelle Seite dieser Bergkette…! Diese beiden Seiten haben schon Tiefe gebracht in meinem Aufenthalt hier. Der ist noch nicht vorüber, denn Morgen gehe ich über den Lake Tasman See, bis nah an dem Mund des Tasman Glacier Gletschers und hoffentlich mit einem schönen Blick auf den „Cloud piercer„!