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Den 23. Dezember 2019

Zwei Wanderungen mit schönen Weitblicken

Letzten Samstag, den 21. Dezember, war hier der längste Tag! Als ich am Morgen früh aufwachte gegen sechs Uhr aus meinem Schlafzimmerfenster schaute, sah ich die Sonne schon auf die Berge im Westen scheinen – ein schöner Anfang des Tages! Die Sonne blieb am Himmel, worüber ich mich freute: an diesem Tag war am Nachmittag meine Bootsfahrt zur geschützten Insel Mou Waho geplant!

Als ich nach einem guten Frühstück, mit Rührei, Toast mit Marmelade und viel Tee, serviert von Brian, Suzannes Ehemann, ins Dorf hinunterging sah wie der gesamte Strassenrand ganz überwachsen war von hellgelben und orangen Goldmohnen (Eschscholzia californica), die ausgiebig blühten im Sonnenlicht. Auf Deutsch werden sie auch Schlafmützchen genannt: nachts und bei kaltem Wetter schliessen die Blumen sich und sehen dann Schlafmützchen ähnlich. Dies war schon ein schöner Anblick – und dann zu wissen dass bevor der Pembroke Park als Erholungsgebiet entwickelt worden ist, dass jedes Jahr um dieser Zeit das ganze Gelände ein völlig orangegelber Meer dieser Mohne war!

Gestern hatte ich schon gesehen dass auf einem Hügel oberhalb des Dorfe ein Obelisk mit hellweissem Gipfel stand. Dort bin ich hochgegangen: hier ist ein Ruhepunkt kreiert worden mit einer wunderschönen Aussicht über den See und die Berge im Norden. Am Fahnenmast hing die neuseeländische Fahne auf halbmast. Das „War Memorial“ Denkmal ist errichtet worden für die Gefallene in beiden Weltkriegen: im ersten Weltkrieg sind auf einer Bevölkerung von damals 1000 Menschen 27 Männer gefallen – ziemlich viel… Im Zweiten Weltkrieg haben 9 Männer das Leben verloren. Ihre Namen stehen auf weissen Schildern an den vier Seiten der rotbraunen Basis des Obelisken. Am Fuss lagen auch rote „poppies”. Um vom diesen schönen Aussichtpunkt die verschiedenen Berge unterscheiden zu können ist auf einem grossen Natursteinbrocken eine Tafel befestigt worden mit den Namen der Gipfel. Auch ohne diese zusätzliche Kenntnis ist die Aussicht beeindruckend!

20191221_111734 - Neuseeland - Otago - Wanaka- Wanaka See - Kriegsdenkmal - Erster Weltkrieg - Zweiter Weltkrieg - Panorama Berge mit Schnee
Wanaka (NZ): Panoramablick nach Norden auf das Dorf, den See und die Berge vom Hügel mit dem „War Memorial“ Denkmal

In Wanaka gibt es auch schon Kirchen, aber sie sind ziemlich versteckt… Es gibt eine anglikanische Kirche, die St. Columba’s Church: das Gebäude stammt aus 1902. Die Kirche ist dem Heiligen St. Columba gewidmet, einem irischen Königssohn der im 6. Jahrhundert nach Schottland ging um die Pikten zu bekehren – zu unterscheiden vom ebenfalls irischen Abt St. Columbanus der über Frankreich in die Schweiz gereist ist. In Neuseeland sind mehrere Kirchen diesem Heiligen gewidmet wegen der grossen Anzahl Menschen irischer und schottischer Herkunft. Das besinnliche und bescheiden Gebäude das schon über ein Jahrhundert alt ist, wirkte ein weinig verloren zwischen dem gesamten Touristengetue in Wanaka…

Von diesem schönen weissen Gebäude war es nur wenige Minuten zum geräumigen und grünen Pembroke Park und den Ufern des Sees. Welch wunderschöne Weitblicke über den See und auf die Berge! Auch war es lustig zu sehen dass auf welcher Hemisphäre man sich auch befindet: es gibt überall Enten! Es war wirklich niedlich um zu schauen wie die Jungvögel schon kräftig herum paddelten… Die einst aus den Weidenpfählen gewachsenen Bäume am Ufer liessen ihre Zweige gemächlich über dem und im Wasser hängen – auch sie schienen die neuseeländische relaxte Attitüde übernommen zu haben!

Weil ich meinte dass ich nicht auf einem leeren Magen in das Boot zur unberührten Insel steigen konnte, wählte ich einen der vielen Restaurants entlang den Ufern des Sees. Das Het Relishescafé sah einladend aus – vor allem die Mitteilung dass es eine Suppe aus gerösteten roten Paprikas mit frittierten Zwiebelringen gab gefiel mir sehr! Dazu nahm ich ein Glas Merlot aus der Umgebung, Central Otago: es war schon ein etwas kräftiger Rotwein! In den Niederlanden kennen wir alle die Weine aus dem nördlichen Teil der Südinsel – aus der Region Marlborough. Es ist jedoch ein wenig ein Geheimtipp: Weine aus diesem Teil der Region Otago gewinnen richtig an Bedeutung… Dieser Merlot wurde umschrieben als „silky smooth tannins, but surprisingly full bodied“. Das habe ich gespürt – bestimmt mit dieser Suppe!

20191221_115259 - Neuseeland - Otago - Wanaka - Relishescafé - Paprikasuppe - Merlot Wein
Wanaka (NZ): zum Mittag eine kräftige Suppe von gerösteten Paprikas mit einem ebenfalls kräftigen Rotwein aus der Gegend beim Relishescafé

Ich sollte gegen halb zwei beim Anlegeplatz am Lake Wanaka Marina sein, und deshalb ging ich entlang dem Ufer nach Süden. Eine voluminöse Skulptur war nicht zu übersehen, mit dem Titel „The Hand that Nurtures“ (die Hand die hegt) aus 2004. Sie ist kreiert worden von door Llew Summers (1947–2019). Auf dem Plakat steht eine Erklärung: „The contrast between the solidity and weight of this solid concrete sculpture and the tenderness of feeling which it portrays make this work special. It symbolises notions of nurturing, safety and protection as well as friendship, openness and honesty„. Ein solides Kunstwerk dieses Künstlers hatte ich in Timaru schon gesehen: „Tranquility” (Beschaulichkeit) aus 1981, das von den Einwohnern „The Lady outside the Library“ (die Dame draussen vor der Bibliothek) getauft worden ist. Sie hat ein ganz freundliches und introvertiertes Gesicht – ich fotografierte damals nur ihre volle Haarpracht…

Meine B&B-Dame, Suzanne, hatte mich geraten um an der Eco-Cruise zur Mou Waho Insel teil zu nehmen, mit einer geführten Wanderung, wobei auch einen einheimischen Baum gepflanzt werden sollte – das gefiel mir ganz gut. Das Boot von EcoWanaka war schon angedockt. Die Fahrt am Morgen war ausgebucht gewesen, aber bei der Nachmittagsfahrt bestand unsere Gruppe aus einem Elternpaar, ursprünglich aus Deutschland, aber heutzutage stationiert in Singapore, und ihrem begeisterten siebenjährigen Töchterchen, Renée. Unser Führer war Craig, der uns „full speed ahead“ zur unberührten Insel Mou Waho brachte, während er vieles Lehrreiches erzählte. Das Besondre der Insel ist dass dort jetzt noch (und wieder!) die Vegetation und die Tierwelt aus der Zeit vor der Ankunft von Menschen (Māori und Europäer) vor zu finden ist. Hier sind anfangs des 21. Jahrhunderts einige Exemplare der extrem geschützten Buff Weka (Gallirallus australis hectori), einer Art nichtfliegender Ralle, ausgesetzt worden. Weil es im ursprünglichen Neuseeland keine Säugetiere gab, ausgenommen einigen Arten von Fledermäusen, hatten die Vögel das Fliegen verlernt und scharrten in Unschuld am Boden. Deshalb fielen sie den Menschen und den importierten Raubtieren zum Opfer. Darum hatte das Department of Conservation zuerst einen Plan gemacht um Weka‘s aus einer Kolonie auf der Chatman Inselgruppe, ungefähr 800 Kilometer östlich von der Südinsel im Pazifik, um zu siedeln zu einer Insel im Wanaka See, Stephenson Island. Der grösste Feind der Weka ist die Hermeline, die einst importiert worden ist um die Population der ebenfalls introduzierten Kaninchen zu regulieren. Die Hermeline fand jedoch die Weka’s (und andere Vögel) viel interessanter… Man hatte gedacht dass Stephensons Island genügend weit entfernt war vom Festland um die Hermelinen zurück zu halten, aber zu jedermanns Entsetzen schwamm eine Hermeline zur Insel hinüber und ermordete die Weka‘s. Deshalb ist Mou Waho gewählt worden. Hier lebt jetzt eine grosse Population Weka’s. Um zu kontrollieren ob die Insel wirklich frei von Prädatoren ist, werden jede vierzehn Tagen frische Eier in Fällen gelegt – die Eier sind auf Heute nicht angefressen worden! Weiterhin gibt es hier auch die geschützte Mountain Stone Weta (Hemideina maori), ein grosses Insekt das zur Familie der Heuschrecken und Grillen gehört, dessen Name auf Māori so viel bedeutet wie „the God of all things ugly“! Es hatte jedoch eine wichtige Rolle im Ökosystem als „Aufräumer“, bevor die Ratten und ähnliche Tiere nach Neuseeland kamen. Jetzt soll die Weta geschützt werden gegen die Weka, denn sie findet das Insekt ein schmackhaftes Häppchen…

Wir fuhren über das blaue Wasser des Sees mit gegen den blauen Himmel abstechend die Berge die gedient haben als Dekor für Szenen in den Filmen über den „Lord of the Rings“. Selber bevorzuge ich Harry Potter, so dass ich eher die Kulissen für die Filme über ihn und das Schulschloss Hogwarts sah… Das Ganze hatte eine stille Schönheit – es waren nur wenige kleine Boote auf dem See.

Nach einer halben Stunde kam die Anlegestelle der Insel in Sicht. Wegen des hohen Wasserpegels mussten wir auf dem kleinen Strand etwas weiter nach Norden anlegen und nicht beim offiziellen Bootssteg, denn der war teilweise überflutet!

Während wir noch ein wenig warten mussten weil Craig ein Schwätzchen mit einem andvoeren Guide machte, hatten wir die Gelegenheit um die Tafel mit zusätzlichen Informationen zu lesen. Diese Insel ist eine der vier Insel im See. Es ist zwei Kilometer lang, der höchste Punkt liegt auf 200 Meter über der Wasseroberfläche und sie ist 140 Hektaren gross. Jeweils, vor 15 à 20.000 Jahren war das ganze Gebiet von einem grossen Gletscher überdeckt, der alles auf seinem Weg glatt polierte. Mou Waho, wie auch die Insel die wir passiert waren, Mou Tapu, ist deshalb an der Nordseite vom Eis abgerundet worden und an der Südseite steil und rau. Es sind Beispiele der roches moutonnées, oder der „Rundhöcker“: die hatte ich im letzten September auch gesehen beim Grossen Aletschgletscher im Wallis. Das Besondre dieser Insel ist dass es auf 150 Meter oberhalb vom See noch einen See gibt, mit darin wieder zwei kleinen Inseln! Der Witz ist deshalb dass es hier eine Insel in einem See gibt, die weder auf einer Insel in wieder einem See liegt und diese wieder eine Insel im Pazifik ist… Mou Waho bedeutet eigentlich „Outer Island“: das ist seit 1988 der offizielle Name für die Insel mit Beachtung der Interessen der Māori. Als die ersten settlers kamen pflanzten sie vor allem Nadelbäume und Pappeln, die angewendet wurden im Schiffbau. Seit dem Anfang des 20. Jahrhundert kamen auch die Schafe. Jetzt ist die Insel nicht mehr bewohnt und sind seit 2001 die „exotischen“ Bäume gefällt worden: auf dieser Weise bekam die ursprüngliche Vegetation wieder Lebensraum.

20191221_140404 (2) - Neuseeland - Otago - Wanaka - Wanaka See - Mou Waho Insel - Landkarte - Naturschutz
Wanaka See (NZ): Übersichtkarte der Mou Waho Insel mit Wanderweg und Sehenswürdigkeiten

Nach wenigen Minuten fingen wir unsere Wanderung an die uns zum kleiner See der Insel führen wurde. Je höher wir kamen, desto beeindruckender die Weitblicke bekamen. Die Insel Mou Tapu war im Süden sichtbar und auch die Landenge. Hier hatte der Gletscher nicht den gesamten Fels ausgeschliffen, andernfalls war im Wanaka See eine grosse, langgezogen Insel entstanden mit Mount Burke als höchster Gipfel.

Nach ungefähr einer halben Stunde über einem steilen, aber schattigen Pfad erreichten wir den Punkt wo wir einen wunderschönen Blick hatten auf Arethusa Pool, der einst von den Māori „Moutimu“genannt wurden und von den ersten Europäern „Paradise Lake“.In den 1920er Jahren ist der kleine See umgetauft worden in Arethusa Pool, nach Arethusa, eine Nymphe aus der griechischen Mythologie die in einer heiligen Quelle auf Sizilien lebte. Es war eine idyllische Stelle um eine Tasse Tee zu trinken und einige cookies zu naschen. In der Nähe war der höchste Punkt der Insel, Tyrwhitt Peak (473 M), benannt nach Reginald Tyrwhitt (1870–1951), Kommodore der Harwich Force der britischen Royal Navy im Ersten Weltkrieg. Die Felswand ragte fast senkrecht auf aus dem See. Auch unsere Rastplatz lag viel höher als das Wasser. Die Warnung auf dem Schild am Anfang unserer Wanderung wurde jetzt wohl klar: „Lookout is exposed to bluffs“, wobei das neuseeländische Wort „bluff“ Klippe bedeutet…

20191221_155502 - Neuseeland - Otago - Wanaka - Wanaka See - Mou Waho Insel - Mou Tapu Insel Manuka (Leptospermum scoparium)
Wanaka See (NZ): Panoramablick nach Süden über Arethusa Pool, den Wanaka See und die Insel Mou Tapu mit überall blühenden Manuka-Bäumen (Leptospermum scoparium)

Die Vegetation auf der Insel besteht aus vielerlei einheimische Bäumen, Sträuchern und Pflanzen, wobei im Frühsommer vor allem die weisse Blüten der Manuka (Leptospermum scoparium) wie eine wundervolle weisse Schimmer über das Grün wirkt. Ein anderer Name ist „tea tree”, weil Entdeckungsreisender James Cook mit den kleinen Blättern eine Art Teegetränk zubereitete. Früher wurde dieser kleine Baum oder Strauch als „Unkraut“ gesehen und oft kräftig vertilgt. Heutzutage hat sich die Haltung der Neuseeländer gegenüber die Manuka radikal geändert: jetzt wird die Pflanze ganz geschätzt wegen ihrer Anpassungsfähigkeit in unterschiedlichen Lebensräumen, wodurch sie eine wichtige Rolle spielt in der Entwicklung von Naturgebieten. Ausserdem haben verschiedene Teile der Pflanze antibakterielle und pilztötende Eigenschaften: aus den Blättern wird Teebaumöl (tea tree oil) gewonnen und der (sehr teure) Honig wird angewendet als eine Art superfood und heutzutage auch für die Desinfektion und Heilung von tiefen Brandwunden. Ein andere einheimischer Baum ist der merkwürdige Lancewood (Pseudopanax crassifolius). Es ist ein Baum wovon die Blätter in der Wachsjahren (15 – 20 Jahren) ganz anders aussehen als in der ausgewachsenen Phase: zuerst sich die Blätter schmal, lang und lederartig mit einer harten Mittelrippe und einem scharfen Zackenrand. Man hat dieses bizarre Phänomen untersucht und man meint dass dieses Jugendwachstum zusammenhängt mit einer Verteidigungstaktik des Baumes gegen das Anfressen durch den mittlerweile ausgestorbenen Moa, einem prähistorischen gigantisch grossen Laufvogel. Sobald der Baum so gross geworden ist dass der Moa die Blätter nicht länger erreichen kann (das ist dann auf ± 4 Meter!), ändert sich die Form der Blätter: sie werden sanft, oval und glatt an den Rändern! Auf der südlichsten Insel Neuseelands, Stewart Island, zeigt der Lancewood diese Änderung der Blattform nicht: dort hat es nie Moas gegeben… Entlang unserer Route standen Lancewood Bäume in vielen Stadien von Wachstum. Der Sprössling den wir pflanzen sollten war auch ein Lancewood. Nach unserer Teepause und noch einem kleinen Ausflug höher am Berg, war es Zeit zum Pflanzen. Wir verliessen den Pfad und gingen durch das dichte Gestrüpp in den Wald hinein. Craig wählte sorgfältig eine Stelle, setzte den Topf worin „unser“ Sprössling gewachsen war, auf den Boden und holte einen entfaltbaren Spaten aus seinem Rucksack. Die kleine Renée fing an mit Begeisterung zu graben und zusammen pflanzten sie das jetzt noch ganz spindeldürre Bäumchen, ein schmales Stämmchen mit einigen scharfgezackten Blättern. Es wird bestimmt noch sechs Jahre dauern bevor es einige Meter hoch ist… Inzwischen gab es etwas Geraschel im Unterholz: ja, da kam eine Buff Weka neugierig schauen womit wir dort beschäftigt waren! Ein wunderschön braungetupfter Vogel mit den klugen Äugelchen eines Huhnes. Als das Pflanzen vollendet war und wir zufrieden das junge Bäumchen betrachteten, naschte die Wekaralle rasch einige Insekte und weitere Leckerbissen die wir mit unseren Grabarbeiten an die Oberfläche gebracht hatten!

Mit einem guten Gefühl über diese grüne Action kehrten wir zurück zu unserem Boot, aber nicht nachdem Craig festentschlossen unterwegs alle „Weta-Hotels“ geöffnet hatte, weil er uns doch wirklich jenes hässliche Insekt zeigen möchte. Bei einem der letzten Hotels, die auf ersten Blick aussehen wie in kurzen Stücken gesägte Baumstämmchen, entdeckte er einen einheimischen Gecko, den Woodworthia sp. ‚Southern Alps‘. Dieses schöne eidechsartige Reptil mit einem braun-grau-schwarzgefleckten Körper und mit grünen Äugelchen war verstimmt dass es im Schlaf gestört wurde und biss Craig in seinen Fingern… Nachdem er den Gecko wieder eingefangen hatte, setzte er das Tierchen zurück im hohlen Baumstamm: in der Dämmerung sollte es wieder rasch zum Vorschein kommen.

Auf dem Rückweg war das Wetter etwas bewölkter geworden und die Farben deshalb etwas weniger scharf: die Berghänge die aus dem See aufragten konnten auch in Schottland liegen! Gegen fünf Uhr erreichten wir wieder Wanaka. Es war eine ganz besondere Exkursion gewesen mit vielen neuen Einsichten und Aussichten!

20191221_170016 - Neuseeland - Otago - Wanaka - Wanaka See - wilder Berghang - Schottland - Lord of the Rings
Wanaka See (NZ): mit diesem Licht auf die Berge um dem Wanaka See könnte man eher in Schottland sein als in Neuseeland!

Gestern bin ich, auch wieder auf Empfehlung von Suzanne, nach Mount Iron, dem „Hausberg“ von Wanaka gegangen. Nach wieder einem guten Frühstück habe ich zuerst eine Runde durch ihren Garten gemacht. Dort wachsen nicht nur schöne Pflanzen und Blumen, sondern dort stehen auch viele Kunstwerke von Brian, hergestellt u.a. aus alten Werkzeugen. Eine kleine Oase.

Vom Dorf ist es ungefähr eine halbe Stunde zum Fuss des Mount Iron. Dieser Berg ist auch eine roche moutonnée, entstanden durch die Schleifwirkung des Gletschers, 545 Meter über Meeresniveau und 240 Meter oberhalb von Wanaka und ist von einem benachbarten Grossgrundbesitzer benannt worden nach dem Ort Ironhurst in Schottland. Es ist ein „scenic reserve“ das 1905 gegründet worden ist und durch Erwerb von mehreren Flächen 1993 jetzt 53 Hektare gross ist. Ein Wanderweg von ± sechs Kilometern führt zum Gipfel und dann weiter entlang der Ostseite wieder hinunter. Der Weg ist steil und an manchen Stellen recht felsig! Es war ein Sonntagmorgen und dieser Spaziergang war angeblich ein bevorzugtes Ausflugziel für Einheimische und Touristen! Wir mussten schon oft ausweichen, weil eine grosse Anzahl von ziemlich fanatischen Joggern uns in voller Geschwindigkeit entgegenrannte… Mit dem Aufstieg wurden auch die Fernblicke weitläufiger: nach Nordwesten über Wanaka, den See und die Bergen und nach Südosten über die Ebene wodurch der Fluss Upper-Clutha von den Alpen im Nordwesten in die Richtung des Pazifiks fliesst. Der Name dieses Flusses Clutha, ist eine Entartung des schottisch-gälischen Namen des Flusses Clyde in der Nähe von Glasgow: Cluaidh. Der Māori-Name ist Mata-Au, was etwa Kehrwasser in einer Wasseroberfläche bedeutet. Vom Gipfel ist der Fluss nicht gut sichtbar, aber schon die Ausdehnung des Gebietes mit den hohen Lüften und den weiss-grauen Wolken. Auch hier standen wieder zwei geodätische Vermessungspunkten: ein Pfahl aus Metall in einem Betonblock mit einem Plakat aus Bronze und eine Bake auf einem Gerüst. Neuseeland hat ein feinmaschiges System von geodätischen Messpunkten, weil das Land immer in Bewegung ist: es liegt auf der Bruchfläche zwischen den australischen und den pazifischen tektonischen Platten und verschiebt jedes Jahr 4 Cm in südwestliche Richtung! Laut der Webseite der Land Information New-Zealand haben die Messpunkte die Kode A3PA6 resp. A3P9 und sind sie in Februar 2019 das letzte Mal gepflegt worden. Sie sind weniger wichtig für die Landvermessung als die Bake die ich am letzten 9. Dezember auf Mt. Pleasant bei Christchurch gesehen habe: sie war Kategorie 3 („regional deformation monitoring“) und diese sind Kategorie 6 (nur für Katasterzwecke).

Auch hatte ich vom Gipfel einen schönen Blick auf das Gebiet wo ich am Tag zuvor gewesen war: ich sah ganz in der Ferne die Insel Mou Waho und an der linken Seite die Halbinsel mit Mt. Burke und der Landenge. Von dieser Seite war auch gut sichtbar wie niedrig dieser Fels war im Vergleich zu den Bergen an beiden Seiten. Auch die kleinere Insel Stephensons Island  an der rechten Seite kam ins Bild. Trotz des kräftigen, kalten Windes konnte ich es schon geniessen!

20191222_114516 - Neuseeland - Otago - Wanaka - Mount Iron - roche moutonnée - Rundhöcker - Panorama - östlicher Teil des Wanaka Sees - Mount Burke
Wanaka (NZ): vom Gipfel des Mounts Iron Blick auf den östlichen Teil des Sees, Mt. Burke, Stephensons Island und die Landenge

Während des Abstieges an der Südseite des Mounts Iron war vom steilen und felsigen Berghang her gut sichtbar dass der Gletscher hier das Gestein nicht glatt geschliffen hatte: es gab nur Vegetation an der flacheren Stelle zwischen den senkrechten Felswänden. Beeindruckend.

20191222_122123 - Neuseeland - Otago - Wanaka - Mount Iron - roche moutonnée - Rundhöcker - Nordseite eines Berges
Wanaka (NZ): die Nordseite des Mounts Iron ist sehr steil und felsig – auch ein Zeichen wie vor 80.000 Jahren der Wanaka-Gletscher die Felsen ausgeschliffen hat

Nach dieser ziemlich windigen Wanderung bin ich zurückgekehrt zur Wasserseite von Wanaka: ich hatte gesehen dass beim Relischescafé auch gute „burgers“ serviert wurden, verziert mit Spinat und u.a. gehobelten und frittierten Karotten. Es war eine schönes Gericht um zu sehen, aber auch um zu essen, bestimmt mit einem Sauvignon Blanc der „Nachbarn“. Seit 1982 ist gerade in der Nähe ein Weinberg in Betrieb: „Rippon“. Der Weisswein aus 2018 ist nicht nur biodynamisch hergestellt „on the shores of Lake Wanaka“, aber schmeckt laut der Weinkarte nach „gooseberry, cream and lime with a crisp chalky finish“… Okay, ich habe die Stachelbeere und rahmigen Nachgeschmack mit Zitronenakzenten gespürt – und es bildete auch einen schönen Schluss meiner Tage in Wanaka!

Gerade habe ich mich verabschiedet von Suzanne und Brian; später werde ich mich in das Auto hinsetzen für eine Reise zum meist südwestlichen Ort auf der Südinsel: Te Anau. Hier gibt es auch wieder einen See und am Ersten Weihnachtstag eine Exkursion zum Milford Sound, einem Meeresarm zum Tasman Meer, mit Wasserfällen und Seebären… The adventure will go on!