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Den 25. Dezember 2019

Meri Kirihimete: Frohe Weihnachten auf Māori!

Heute, am Ersten Weihnachtstag, habe ich eine Exkursion unternommen zum Milford Sound, einem Fjord ungefähr zwei Autostunden von Te Anau. Heute Morgen war das Wetter gar nicht so schön wie gestern: es war ziemlich bewölkt und nicht gerade warm. Den Kennern nach ist das gar nicht so schlimm, weil Milford Sound gerade bei grosser Bewölkung und vor allem bei Regen noch schöner sein sollte als mit strahlendem Sonnenschein…

Um Viertel vor neun wurde ich wie abgemacht abgeholt bei meinem Chalet von einem Minibus der nachher noch einige Male anhielt um weitere Passagiere mit zu nehmen. Ausserhalb vom Dorf wartete ein grosser Bus der Organisation Southerndiscoveries auf uns. Nachdem wir alle unseren Platz im Bus gefunden hatten, erzählte unser Busfahrer, Reese, der auch der Reiseführer war, unterwegs ausführlich über was wir vorfinden würden und wie es geschichtlich zugegangen war. Ich hatte selber schon einiges gelesen und recherchiert.

Der isolierten Lage wegen war der Milford Sound bis weit in das 19. Jahrhundert nicht über Land zu erreichen und deshalb nicht bekannt beim grossen Publikum. Eben der grosse britische Entdeckungsreisende James Cook (1728–1799) hat beim Passieren nicht gesehen dass die Bucht ungefähr 16 Km weit ins Landesinnere reicht. 1809 hat ein australischer, aber aus Wales stammender Robbenjäger, John Grono (1763–1947) dort seine Zuflucht gesucht während eines Sturmes und hat diesen Fjord Milford Haven genannt, nach dem gleichnamigen natürlichen Hafen in seiner Geburtsgegend Wales. Ein anderer Waliser, der berühmte Seefahrer und Kartograf John Lort Stokes (1811–1885), hat 1859 den Namen geändert in Milford Sound, was aus geologischer Sicht nicht stimmt: ein Sound ist entstanden durch die Einwirkung von (Fluss-)Wasser und ein Fjord durch Einwirkung von Gletschern. Im Fall des Milford Sounds haben vor 20.000 Jahren enorme Gletscher die Felsen ausgeschliffen wodurch ein tiefes Tal entstanden ist. Nachher hat nicht nur das Wasser aus dem Tasman Sea, aber auch, durch die damalige Aufwärmung der Erde, das Schmelzwasser der Gletscher die tiefen Täler gefüllt. Das Besondre hier sind die Schichten im Wasser: auf dem Meereswasser treibt eine Schicht von ungefähr 6 Metern Süsswasser, von den vielen Flüssen in den umliegenden Bergen mitgeführt. Dazu kommt auch dass diese Gegend die nässte von ganz Neuseeland ist mit einem durchschnittlichen Regenfall von fast 7 Metern pro Jahr und das während ungefähr 182 Tage pro Jahr! Mit diesem Süsswasser wird viel Tannin aus den Wäldern mitgeführt: hierdurch wird das Wasser dunkelgefärbt. Hierdurch wird das Sonnenlicht so stark gedämpft das im Salzwasser ein Art von Tiefseeklima herrscht und dadurch eine besondere Tierwelt entstanden ist!

Die meisten Besucher reisen heutzutage fast alle mit dem Wagen oder Bus zum Milford Sound, aber man kann es auch zu Fuss erreichen über den Milford Track, einen Fernwanderweg von 53 Kilometern vom nördlichen Punkt des Lake Te Anau Sees zum südlichen Punkt des Milford Sounds, von wo man mit einem kleinen Kahn zur eigentlichen Niederlassung Milford Sound gehen muss. Dieser Track führt über den Weg dem der in Schottland geborene Landvermesser Quintin McKinnon (1851–1892) gefolgt hat als er 1887 den Auftrag der Behörde der Region Otago bekommen hatte um wegen des wachsenden Interesses für die Naturschönheit des Milford Sounds eine akzeptable Route dorthin zu finden: 1888 entdeckte er zusammen mit einem anderen Landvermesser einen Durchgang über einen Bergpass der jetzt nach ihm benannt worden ist: der McKinnon Pass auf 1.154M. Dieser Weg liegt westlicher als die Trasse der heutigen State Highway Nr. 94. Gestern hatte ich in der Nähe des Hauptquartiers des Departments of Conservation in Te Anau am Ufer des Sees seine Statue gesehen: er steht stolz und kühn da und schaut in die weite Ferne.

20191224_135935 - Neuseeland - Fiordland - Te Anau (NZ) - Statue - Quintin Mc Kinnon (1851-1892) - Milford Sound
Te Anau (NZ): Statue für den Landvermesser und Touristenführer Quintin McKinnon (1851-1892) der den Milford Sound für Touristen zugänglich gemacht hat

Wir fuhren zuerst noch einige Zeit entlang dem Lake Te Anau See nach Nordwesten wonach wir bei Te Anau Downs, ursprünglich ein grosser Schafsfarm, landeinwärts gingen über die einzige Teerstrasse die nach Milford Sound führt: die State Highway Nr. 94, der Milford Road. Es ist auch die einzige Möglichkeit um nördlich des Lake Te Anau Sees den Fiordland National Park zu erreichen. Der Weg folgte dem Eglinton Fluss, der sich über einem stetig ändernden Kiesbett durch das Eglinton Valley Tal schlängelt. Dieser Fluss bildet auch eine wichtige Wasserzufuhr für den Lake Te Anau See. An manchen Stellen ist dieses von Gletschern ausgeschliffene Tal wohl zwei Kilometer breit! Dort war unser erste Stopp. Wie räumlich das Tal auch aussah, die tiefhängenden Wolken drückten schon auf das Tal mit den goldgelben Wiesen… Auf einer Informationstafel wurde kurz die Entwicklung der Schafhaltung in dieser Gegend (ab 1859!) beschrieben und die Änderung in der Vegetation: tussock war zu hart für die Schafe und wurde nach dem Niederbrennen ersetzt von englischen Grassorten. Die importierten Lupinen sich bestimmt „schön“, aber ebenfalls ein Drama für die einheimischen Pflanzenarten…. Auch stand ein beeindruckendes Luftbild des Tales auf der Infotafel.

20191225_091637 (2) - Neuseeland - Fiordland - Te Anau Downs (NZ) - Eglinton Valley Tal - Eglinton Fluss Stromgebiet
Nördlich von Te Anau Downs (NZ): auf der Informationstafel beim Eglinton Valley Tal steht ein Luftbild des Stromgebietes des Eglinton Flusses

Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir zwei kleine Bergseen, die Mirror Lakes. Heute spiegelten sie nicht die Gebirgskette der Earl Mountains an der Westseite des Eglinton Valley Tales… Es war jedoch ein schönes Moment von Ruhe. Ein Pärchen kleine Enten schwammen herum – vielleicht schon Māori-Enten (New Zealand scaup, Aythya novaeseelandiae), eine einheimische und kleine Entensorte mit einem dunklen Federkleid! Ein Wanderweg führte vom einen See zum anderen, grösstenteils über hölzernen Bretterböden entlang Feuchtgebieten. Manchmal war der Weg um einem grossen Baum herumgebaut worden…

An der Nordseite des Pfades stand Reese wieder bereit mit dem Bus und fuhren wir weiter nach Norden. Irgendwann überquerten wir wieder den 45. Breitengrad! Bei einem nächsten Stopp (mit der Empfehlung um hier zur Toilette zu gehen, denn es dazu die einzige Möglichkeit war bevor wir in Milford Sound eintreffen sollten!) gab es wieder Rundhöcker (oder hier „Knobs“ genannt) im grasreichen Flusstal zu sehen: an einer Seite abgerundete Anhöhen in der Landschaft entstanden durch schleifende Gletscher. Der Name dieses Ortes war denn auch nicht umsonst „Knobs Flat“! Es stand eine Gruppe von Gebäuden, darunter auch eine Öko-Unterkunft, mit demselben Namen, aber das Ganze sieht ziemlich herunterkommen aus. Als jeder wieder im Bus war fuhren wir weiter entlang zwei Seen, wovon der grösste, der Lake Gunn See, ganz ruhig dalag in einem fast mystischen Licht unter den grauen Wolken. Die Wälder mit Rotbuchen entlang den Ufern waren nicht gut sichtbar. Später zeigte sich die Sonne ein wenig und schien auf die hellgrüne Vegetation an den wilden Berghängen. Nach einem Viertelstunde erreichten wir „The Divide“, den niedrigsten Ost-West orientierten Bergpass in den Südalpen: auf 513 Meter. Hier biegt der Weg mit einer scharfen Kurve nach Westen ab.

Es sind nur hundert Kilometer Luftlinie zwischen dem Lindis Pass und der Umgebung des Homer Tunnels, aber es gibt jedoch zwei Arten der einheimischen Lilie, der Māori onions: beim Lindis Pass wächst die Bulbinella angustifolia mit Rot an der Spitze des Stängels und hier wächst die Bulbinella gibbsii var. balanifera mit Grün an der Spitze des Stängels! Diese Variante wird auch mal „Golden star lily“ genannt. Die Unterschiede sind bestimmt gefundenes Fressen für Botaniker, aber mir fiel auf dass hier in diesem etwas gräulichen Licht das Hellgelb der Blumen auch Farbe verlieh an diese grüne Umgebung. Der Eglinton River floss hier über ein untiefes Bett mit grobem Kies und der Gipfel des Mt. Christina Berges (2.474m) ragte weiss-verschneit über dem grauen Tal hinaus.

Nicht lange nachher erreichte der Bus den Parkplatz beim Homer Tunnel. Hier sollte wir warten bis wir an die Reihe waren um den Tunnel (eine Einbahnstrasse) hineinzufahren. Auf einem elektronischen Schild wurde angegeben wann wir fahren durften. Wir hatten noch 10 Minuten, als verliessen wir alle den Bus um die beeindruckende Berglandschaft in uns auf zu nehmen. Ab Te Anau hatten wir einen Höhenunterschied von mehr als 700 Meter überbrückt: der Tunnel liegt auf 945 Meter über Meereshöhe! An der Nordseite des Felsen wodurch der Tunnel gebohrt worden war, ragte eine fast senkrechte Bergwand auf mit vielen Wasserfällen. Das Rauschen des fallenden Wassers war nicht zu hören – es war still, ganz still. Oberhalb jener Wand ragten auch wieder scharfe von Schnee bedeckte Gipfel auf der Gebirgskette zwischen Mt. Christina und Mt. Talbot. Der Gipfel des Mt. Christina Berges war mittlerweile in den Wolken verschwunden. Es lagen noch grosse Schneefelder am Fuss der Felsen. Im Winter hat diese Gegend ein grosses Lawinenrisiko. Das Fahren im Tunnel an sich ist schon ein Erlebnis: über eine Strecke von 1.200 Metern fällt der Weg 70 Meter. Die Tunnelwand ist nicht abgedichtet, so dass wegen der Feuchtigkeit Beleuchtung unmöglich ist. An der Westseite schlängelt die State Highway Nr. 94 sich mit vielen Kehren nach unten. Man hat jedoch schöne Weitblicke in die Richtung des Milford Sounds.

20191225_103040 - Neuseeland - Fiordland - Te Anau (NZ) - Milford Sound - Homer Tunnel - Wasserfall - Mt. Talbot - Mt. Christina
Unterwegs von Te Anau zum Homer Tunnel und Milford Sound (NZ): Panoramablick über den Homer Tunnel und die Gebirgskette zwischen Mt. Talbot und Mt. Christina mit Wasserfällen

Es war gut zu spüren dass an dieser Seite der Berge viel Regen fällt: es gibt einen grossen Unterschied im Vergleich zur Ostseite. Hier ist eine Art von Regenwald entstanden in einem gemässigten Klima. Das Tal wodurch der Fluss ab hier nach Milford Sound und von dort zum Tasman Sea fliesst ist das Cleddau Valley Tal. Auch dieser Name ist von John Grono gegeben – es verband ihn mit Wales: in seiner Geburtsgegend heisst auch einer der Flüsse der Cleddau. Der nächste Halt des Busses war bei „The Chasm“, was soviel bedeutet wie „die Schlucht“. Hier gab es auch wieder eine Rundwanderung von ungefähr 20 Minuten über Bretterböden und Brücken. Die einheimischen Pflanzen wachsen hier üppig des reichlichen Regens wegen. Die Luftfeuchtigkeit war hoch ohne dass es drückend wirkte: dafür war es nicht warm genug. Es gab enorme Farne die schon ganz zur Entwicklung gekommen waren, oder gerade noch nicht ganz ihre Blätter entfaltet hatten, Bäume die ganz überwachsen waren von wunderschönen Flechten, oder die vor langer Zeit umgestürzt waren und jetzt als Nährboden dienten für kleine Pflanzen. Ab und zu waren auch wunderbare Fernblicke auf die umliegenden Gebirgsketten möglich. Welch ein besonderes Mikroklima gibt es hier!

Wegen des grossen Höhenunterschied sind hier viele donnernde Wasserfälle die im Laufe der Jahrhunderte die Felsen bis auf das Urgestein ausgehöhlt haben. Dabei ist auch etwas Bizarres passiert: durch das rasch fliessende Wasser des Cleddau Flusses sind viele runde Löcher in den Felsen des Stromgebietes des Flusses entstanden. Kleine Brocken aus hartem Stein sind poliert worden zu runden Kugeln die vom Wasser schnell rundgewirbelt werden wodurch sie ihrerseits das Gestein wieder aushöhlen zu runden „potholes“ (nicht zu verwechseln mit den Löchern in einer Teerstrasse!). Weil es in letzter Zeit so stark geregnet hatte, war der Fluss überfüllt und floss das Wasser mit extra Geschwindigkeit.

Nach diesem kleinen Ausflug stiegen wir alle wieder munter in den Bus, mit dem Donnern des Wassers noch in den Ohren, um nach abermals 10 Minuten unser Ziel zu erreichen: Milford Sound. Dort hatten wir vom Parkplatz schon eine beeindruckende Sicht über den Fjord und die hohen Berge an beiden Seiten. Der höchste Gipfel an der Westseite des Gewässers ist der Mitre Peak (1.692 meter), der seinen Namen der Form des Gipfels verdankt, der einer Bischofsmütze ähnlich sieht – auf Māori ist der Name Rahotu. Am nordöstlichen Ufer fällt The Elephant (1.517 meter) auf: diese Felsformation sieht einem Elefantenkopf ähnlich mit dem Rüssel im Wasser! Die Schiffe für die Rundfahrt sind im Vergleich nur ganz klein… Im Laufe der Jahre sind immer wieder Verbesserungen am „Milford Sound Fresh Water Basin Harbour“ Hafen durchgeführt worden, das letzte Mal 2013. Eine Gedenktafel aus Messing erinnert hieran. Unser Schiff lag schon für uns bereit.

Als jeder an Bord gegangen war und wir unsere Kreuzfahrt anfingen bildeten die grauen Lüfte schöne Kulissen für die dunklen Berge mit ihren steilen Wänden. Der Mitre Peak stach kräftig in den Himmel und hinter The Elephant tauchte ein hoher Berg auf mit einer beeindruckenden Schicht von Schnee und Eis am Gipfel: der Mount Pembroke (2.015 Meter). Wir passierten zuerst den Bowen Fall, einer der zwei Wasserfälle die immer bestehen – die anderen Wasserfälle erscheinen nur wenn es geregnet hat! Im Laufe der Reise sollten wir noch viele Wasserfälle sehen. Wir fuhren leise über das tatsächlich dunkelfarbige Wasser in die Richtung des Meeres. Es versprach eine ganz schöne Fahrt zu werden!

Vor allem am Anfang der Cruise wurde schon klar dass an vielen Stellen die steilen Felswände der Vegetation nur wenig Halt boten: nur auf schmalen Felsspalten konnten Sträucher überleben…

Als der Kapitän über die Sprechanlage sagte dass wir anschliessend „Seals“ in Sicht bekommen sollten, spähte jeder angespannt nach einem Felsen der in den Fjord ragt, Copper Point. Dieser Fels entnimmt seinen Namen einer Kupfererzader die hier im Berg vorkommt. Und ja: auf dem flachen Felsen sahen wir zwischen den grünen Sträuchern grosse, schwerfällige rostbraune Tiere liegen: New Zealand fur seals, die auf Deutsch Neuseeländische Seebären heissen (Arctocephalus foresti). Wir fanden es ein Wunder dass diese Tiere mit nur Flossen an ihren “Hinterpfoten” an den doch steilen Felsen hochklettern konnten! Ihr Vorteil ist dass die Hinterflossen wendig sind, so dass sie sozusagen darauf „gehen“ können, während die Vorderflossen als Stutz für ihr Körper dienen, aber schon. Der Beweis ihrer Geschicktheit wurde mittlerweile geliefert von einem jetzt noch schwarzer Seebär, der in wenigen Minuten aus dem Wasser bis oben auf den Felsen kletterte…! Er hatte seine Ruhe wohl verdient: die Seebären bleiben rund acht Tage auf See um zu fouragieren und kommen dann zwei Tage auf das Trockene um aus zu ruhen und ihre Jungen zu pflegen. Dieses Ausruhen wird hier „to haul out“ genannt. Wir sollten später noch so eine haul-out site passieren.

20191225_120317 - Neuseeland - Fiordland - Te Anau (NZ) - Milford Sound - Copper Point - neuseeländische Seebär (Arctocephalus foresti) - Bowen Falls - Wasserfall
Milford Sound (NZ): Blick auf „Copper Point“, einen Felsvorsprung, mit einigen neuseeländischen Seebären (Arctocephalus foresti) und die Bowen Falls im Hintergrund

Wir waren jetzt in der Nähe der Mündung des Milford Sounds angelangt und konnten den Tasman Sea schon sehen. Weil das Meer heute ruhig war konnten wir volle Kraft voraus eine grosse Runde auf offener See fahren, durch die Anita Bay! Heute gab es nur wenig Wind, so dass es angenehm war um am Deck zu stehen und über jenem grossen Meer zu starren. An der Südseite der Mündung, auf St. Anne’s Point, steht auf 27 Meter Höhe ein kleiner, weisser, heutzutage automatisierter, Leuchtturm, der aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammt und dessen Licht bis 14 Kilometer aus der Küste sichtbar ist. Was hier unsichtbar unter dem Wasser liegt ist die Alpine Vault, die Bruchfläche zwischen den tektonischen Platten Australiens und des Pazifiks, die über die gesamte Südinsel verläuft von Nordost nach Südwest. Diese nicht gerade verlaufende Bruchfläche hat im Laufe der Millennien Erdbeben verursacht – das letzte schwere Erdbeben war im Anfang des 18. Jahrhunderts (1717). Das jüngste Erdbeben war 2009 mit einer Stärke von 7,8 auf der Richter-Skala. Die Verschiebung innerhalb der Südinsel ist jährlich 3,8 Cm, was aus geologischer Sicht beträchtlich ist! Am nördlichen Ufer liegt Dale Point – hier ist die Mündung des Fjords fast 550 Meter breit und das Wasser wohl 300 Meter tief. Nach dem Süden war der Himmel blau mit einigen weissen Wolkenstreifen, aber nach den Norden war es noch grau mit Wolkenschichten. Von dort war es wieder Zeit um die Rückreise an zu fangen.

Ein nächster interessanter Punkt war der Seal Rock, ein grosser abgeflachter Felsbrocken der ein wenig abseits der steilen Felswand im Fjord lag. Der Fels war auch schon aus der Ferne deutlich zu sehen: in Richtung des Hafens war der grosse Wasserfall, Bowen Falls, sichtbar und wie ein kleiner Stein auch der Seal Rock. Als wir uns dem Felsen näherten sahen wir wie darauf auch eine grosse Gruppe Neuseeländischer Seebären (New Zealand Fur Seals, Arctocephalus forsteri) sich erholten. Hier ist auch eine der wenigen Möglichkeiten in diesem Fjord mit den steilen Bergwänden, für diese Meerestiere die auf Land jedoch nicht so agil sind, um auf das Trockene zu kommen. Es gibt noch zwei Vorteile an gerade diesem Felsen: herrlich in der Sonne und geschützt vor Raubtieren. Bei Copper Point ist es immer sehr windig! Das Boot fuhr langsam entlang dem Felsen und jeder konnte sich nicht satt sehen! Trotz ihrer flexiblen Hinterflossen soll es doch eine grosse Anstrengung sein um gegen diesen Felsen hoch zu klettern, aber dass es möglich it hatten wir schon früher gesehen bei Copper Point… Manchmal blickte ein Seebär auf: die kennzeichnenden Schnurrhaare waren dann gut zu sehen.

20191225_123913 - Neuseeland - Fiordland - Te Anau (NZ) - Milford Sound - Milford Sound (NZ): Blick nach Südosten in die Richtung des Hafens mit den Bowen Falls Waserfällen in der Ferne und dem „Seal Rock“ Felsen links vorne
Milford Sound (NZ): Blick nach Südosten in die Richtung des Hafens mit den Bowen Falls Wasserfällen in der Ferne und dem „Seal Rock“ Felsen links vorne

Neben dem imponierenden, 161 Meter hohen Wasserfall Bower Falls den wir schon bei der Abfahrt gesehen hatten, gibt es noch einen permanenten Wasserfall, etwas weniger hoch (155 Meter), am Nordufer des Milford Sounds. Es ist der Stirling Fall, dessen Wasser nicht entlang dem Fels hinunterfliesst, sondern sich wie in einem freien Fall in den Fjord stürzt und dort viel Wellengang verursacht. Das Schiff fuhr auch bis fast unter dem Wasserfall – mancher Wagehals blieb am Deck stehen und wurde deshalb durchnässt vom eiskalten Wasser. Um dem Wasserfall herum schwebte ein feiner Nebel von Wassertropfen: das verlieh der Umgebung auch wieder ein fast mystisches Bild. Weniger poetisch waren die grossen Wassertropfen auf den Fenstern des Schiffes!

Unser nächster Halt war ein Besuch an das „Underwater Observatory“, das als einziges in Neuseeland im Wasser treibt. Es liegt bei einem Felsenvorsprung, William’s Point, in der Bucht von Harrison’s Cove, die „nur“ 100 Meter tief ist. Eigenlicht ist Harrison’s Cove ein Hängetal das unter dem Wasserspiegel liegt und das entstanden ist durch Unterschied in Kraft von Gletschern: wenn ein Gletscher in einem Seitental Anschluss findet an den Gletscher in einem Haupttal, wird der Hauptgletscher den Boden mehr erodieren wodurch der Boden des Seitentals nicht bis auf derselben Höhe ausschleift. Oft entstehen auf dieser Weise Wasserfälle: wenn dieses Hängetal nicht unter Wasser stehen wurde, dann sollte der Harrison River sich auch mit einem Wasserfall in den Fjord stürzen.

Nach einer kurzen Einleitung von einem der Guides über die Umgebung, die Geologie (u.a. über die schleifenden Gletscher von damals) und das Observatorium, stiegen wir mit der ganzen Gruppe die Spindeltreppe hinunter, durch eine wasserdichte Tür und kamen auf 10 Meter unter dem Wasserspiegel in einen runden Raum mit vielen Fenstern wohinter die Unterwasserwelt zu sehen war – und was gab es viel zu sehen! Grössere und kleinere Fische in vielerlei Sorten und Formaten schwammen vorbei, ganz in ihrer eigenen Welt. Auf Schildern wurden die verschiedenen Arten beschrieben. Es gab barschartige Fische mit einem schwarzen Fleck mitten auf dem Körper: das sind Butterfly perches (Caesioperca lepidoptera). Ein weiterer einheimischer Fisch ist der Scarlet wrasse (Pseudolabrus miles), die wie der Name schon sagt eine hellscharlachrote Farbe hat und ein schwarzes Band beim Schwanz. Die Farben waren schwierig zu unterscheiden wegen des grünlichen Lichts dort unten. Hier sind auch einige Arten von Meerestieren die aussehen wie Pflanzen: Korallen, Zylinderrosen, Seegurken! Die geschützte und besondere Schwarze Koralle oder Dörnchenkoralle (Antipatharia), die ich auch schon am Strand von Kaikoura gefunden hatte, diente als Dekor für die herumschwimmenden Fische. Trotz des Namens „Schwarze Koralle“ fällt die weisse Aussenseite auf: das Skelett der Koralle ist zwar schwarz, sondern die weisse Farbe stammt von kleinen Polypen die sich an der Aussenseite geheftet haben…! Meistens lebt dieses „Tierchen“ in der Tiefsee, aber es kommt hier wegen der Licht dämpfenden Schicht mit Süsswasser auch hier im relativ untiefen Milford Sound vor. Auch eine Zylinderrose (Ceriantharia) stand mit „wehenden“ Tentakeln in der Strömung wie eine Blume zu sein! Der Guide erzählte dass manchmal etwas Grösseres herumschwimmt: als er eines Tages Reinigungsdienst hatte sah er auch wie ein Haifisch herumschwamm – mit einem bestimmten Gefühl für Understatement sagte er dass es ein ganz besonderes Erlebnis gewesen war!

Obwohl wir nach diesen faszinierenden Einblicken unter Wasser wieder rasch zu unserm Schiff geschickte wurden, weil die nächste Gruppe schon bereit stand, hatte ich jedoch ein wenig Zeit um einiges über den Milford Sound und der Zugang zu lesen – es gab auch eine erläuternde Profilskizze des Milford Road und des Homer Tunnels. Darauf wird angegeben welche enorme Höhenunterschiede damals überbrückt werden sollten…

20191225_134738 - Neuseeland - Fiordland - Te Anau (NZ) - Milford Sound - Milford Road - Homer Tunnel - Höhenprofil
Milford Sound (NZ): im „Underwater Observatory“ steht auf den Infotafeln ein Höhenprofil des Milford Road Weges und des Homer Tunnels

Einmal abgefahren aus William’s Point mit dem Observatorium machte das Schiff eine Runde durch die Harrison’s Cove Bucht, in der Hoffnung dass wir auch noch Delfinen sehen könnten, aber das war mühsamer als gedacht. Als nach langer Zeit irgendwo einige kleine Fontänen im Wasser erschienen und wir näher kamen, sagte der Kapitän durch dass er es bevorzugte um die Tiere keinen Stress zu besorgen und dass wir weiter fahren wurden. Gute „Attitude“! Mittlerweile war schon etwas mehr blauer Himmel sichtbar und war die Sonne auch erschienen. Das Wasser der Bowen Falls in der Nähe der Niederlassung fiel wie ein breites weiss-schäumendes Band entlang der steilen Bergwand – wir hatten jenen Wasserfall auch schon sehen können aus grösserer Ferne, wie von den zwei Felsen mit den Neuseeländischen Seebären. Bevor das Wasser im Bowen River sich aus 161 Meter Höhe in den Fjord stürzt wird es verwendet für Wasser- und Energieversorgung für die Niederlassung Milford Sound. Der Bowen River entspringt hoch in den Darran Mountains. Die Aussicht blieb unvermindert interessant, so wohl in die Richtung des Hafens als auch in die Richtung von wo wir gekommen waren, der Mündung des Fjords. An der Tiefe des Tales des Cleddau Flusses an der Südseite der Niederlassung war auch deutlich zu sehen wie hoch die Berge an beiden Seiten waren!

20191225_142143 - Neuseeland - Fiordland - Te Anau (NZ) - Milford Sound - Mitre Peak - The Elephant Berg - blauer Himmel - weisse Wolken
Milford Sound (NZ): fast wieder zurück im Hafen von Milford Sound und noch ein Rückblick zu den Bergen Mitre Peak (links) und „The Elephant“ (rechts)

Gegen halb vier gingen wir wieder an Land, wo Reese uns im Terminal aufwartete. Nachher folgte die lange Reise zurück nach Te Anau. Wieder war ich froh dass ich nicht selber zu fahren brauchte: ab und zu bin ich doch ein wenig eingenickt – und ich war nicht die einzige: hier und da hörte ich ein leises Schnarchen… Es war interessant um dieselben Stellen wieder zurück zu sehen, aber jetzt aus einem anderen Blickwinkel! Unterwegs habe ich doch noch einige Fotos gemacht von Punkten die mir auf der Hinfahrt nicht aufgefallen waren, wie der rasch fliessende Eglinton Fluss und die ausgedehnten Wälder soweit das Auge reicht!

Gegen halb sechs waren wir in Te Anau zurück und wurden wieder bei unseren Unterkünften abgesetzt. Welch ein einmaliges Erlebnis war dieser Besuch an Milford Sound. Trotz das sehr touristischen Charakters dieser Exkursion bin ich doch ganz zufrieden um eine der 500.000 bis 1.000.000 Menschen gewesen zu sein die jährlich Milford Sound besuchen…!