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Den 26. Juni 2018

Der „Natur- und Kulturweg Dala – Raspille“

Heute habe ich eine interessante Wanderung gemacht von Leukerbad über Inden und Varen nach Leuk. Ich habe im Ganzen 5½ Stunden gebraucht – es hat sich sehr gelohnt.

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Leukerbad: die Strecke des Natur- und Kulturweges Dala – Raspille

Bei meiner Abreise, um halb elf, aus Leukerbad überquerte ich den Fluss Dala und folgte ich seinem Lauf stromabwärts durch frisch gemähte Wiesen. Die Bauer waren beschäftigt um das Heu zu schütteln. Ich sah und hörte wie einer von ihnen vom Traktor hinunterstieg und etwas ausrief was keine Untertitelung brauchte: er hatte mit seinem Heuschüttler eine ganze Strecke vom Elektrozaum mitgerissen… Daran hatte er auch ein wenig selber schuld: er hatte die Zaumpfähle selber ziemlich nahe am Strassenrand geschlagen – er hat jetzt zwar mehr Gras, aber also auch einen zerrissenen Draht. Kann passieren, sagen wir mal…

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Leukerbad: Heuland mit im Hintergrund den Leeshörnern und dem Schwarzhorn

Auf der Route liegt auch Birchen, ein kleiner Weiler mit ungefähr sechs Häuser und eine kleine Kapelle. Von hieraus startet der Natur- und Kulturweg erst richtig.

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Leukerbad: die Kapelle von Birchen

Die Weitblicke in diesem Teil des Dala Tales sind wunderschön. Das Wetter lud natürlich auch ein um Fotos zu machen die Postkarten-würdig sein könnten…

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Leukerbad: ein echtes Bild für eine Postkarte

Weitergehend über einem meistens schattenreichen Pfad sah ich zu meiner Freude immer mehr Türkenbundlilien (Lillium martagon); eine Französisch sprechende Dame die mir entgegen lief, sagte ganz begeistert dass wir gerade zeitlich waren, weil die Blütezeit sei sehr kurz. Ich fand es also das Geschenk des Tages!

Nicht viel später stand ein Schild neben dem Pfad: „Keltischer Ringstein“. Entlang einem schmalen und steilen Pfad lief ich hinunter und kam bei einem runden Stein mit einer sichelförmigen Einkerbung. Der Informationstafel stellte dass es sich hier handelt um ein Teil eines Steines der stammt aus der Periode der Neuen Steinzeit (5200‒2200 vor Chr.) und der damit einer der ältesten Beweise ist dass das Dala Tal schon früh besiedelt war. Der Stein wurde von diesen frühen Bewohnern wahrscheinlich für kultischen Zwecke angewendet. Ob der Andeutung „Keltisch“ wohl richtig sei (diese Periode ist von 800‒50 vor Chr.) ist eine offene Frage. Er wird 1797zum ersten Mal erwähnt als Grenzstein Nr. 6 zwischen Leukerbad und Inden, 1857 zum ersten Mal wissenschaftlich untersucht aber in der Periode 1891 bis 1920 von Vandalen gesprengt worden (man vermutet wegen einer der Legenden rundum dem Stein dass darunter ein Schatz verborgen sein sollte). Der Stein galt nachher als verschollen bis 2011 als ein Teil dessen wieder aufgefunden und restauriert worden ist. Seitdem sind der Stein und die Einkerbung geschützt als „Archäologisches Erbgut“.

Wieder zurück am Pfad ging ich weiter und kam bei einem Bauernhof wo am Strassenrand eine ganze Sammlung Gartenzwerge aufgereiht stand. Wer sich wundert ob die schon unter „Kultur“ fallen, soll mal das Museum Tinguely in Basel besuchen: dort habe ich sie auch gesehen, verarbeitet in zwei Installationen, de Méta-Maxi-Maxi-Utopia und das Plateau Agriculturel

Irgendwo zwischen Leukerbad und Inden steht wieder ein Schild mit vielen Informationen über die Stromerzeugung mit dem Wasser aus dem Dala durch das KW Dala AG. Ursprünglich war der Wasserkraftzentrale in 1909 installiert worden für die Bahnverbindung Leuk‒Leukerbad und für die Stromversorgung der umliegenden Gemeinden, aber als die Verbindung in 1967 ausser Betreib gestellt wurden, wurde das Kraftwerk eben noch wichtiger als vorher. Das Wasser das aus den Gebirgsgebieten hoch über Leukerbad hinunter kommt, stürzt von hier mit einer Bruttogefälle von 645 Meter durch eine mehr als 4 Kilometer lange Freispiegelstollen zu einem Punkt oberhalb von Varen, von woraus es durch eine Druckleitung weiter strömt zum eigentlichen Zentrale beim „Dalaloch“ zwischen Varen und Leuk, wo die Dala in die Rhône mündet. Dieses Schild steht am Punkt wo ein Entlastungsschieber eingebaut worden ist um die Durchströmung des Wassers durch den Freispiegelstollen regulieren zu können. Auf meinem Weg sollte ich auch noch an anderen Punkten vorbeikommen.

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Leukerbad: Infotafel mit interessanten Punkten in der Stromversorgung im Dalatal

Der nächste Informationspunkt in der Nähe von Inden war der Eisenbahngeschichte gewidmet. 1915 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Leuk und Leukerbad eröffnet: diese Schmalspurbahn war gebaut worden als Adhäsionsbahn auf flacheren Strecken mit Zahnradunterstützung an steilen Stellen. Aus Kostengründen fuhr der Zug teilweise auch auf der Wegtrasse. 1967 wurde der Betrieb eingestellt, weil der schlechte Zustand des Materials und die wegen des stark zugenommenen Strassenverkehrs notwendige Entflechtung von Schienen- und Strassen zu grossen Investitionen geführt hätten. Seitdem wird die Personenbeförderung von einer Buslinie übernommen. Um die Erinnerungen lebend zu erhalten ist in und um Inden eine interaktive Wanderung mit Informationstafeln eingerichtet worden. Aber auch in der Landschaft sind noch Spuren zu erkennen.

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Leukerbad: auf der alten Trasse der Leuk – Leukerbad Bahn stehen noch einige Überreste

Weiter auf dem Weg von Inden nach Varen lief ich über einen kühlen Waldweg mit viel Schatten von alten Fichten, die nicht alle sich so wetterfest zeigten. Zweifellos durch die Stürme von vergangenem Januar wurden mehrere Bäume entwurzelt, wodurch ein grosses Loch im Wald und im Weg geschlagen wurde. Er war nur ein sehr schmales Pfad übrig…

Ein folgendes kulturelles Ereignis kam auf meinen Weg: ein Kalkbrennofen. Dem feuerroten Schild nach ist dieser Ofen vermutlich im 19. Jahrhundert zum letzten Mal in Gebrauch gewesen. Er ist 1996 wiederentdeckt worden und in den folgenden Jahren restauriert. Vergangenes Jahr ist die Informationsvermittlung neu gestattet. Auf dem Infotafel wird das Prozedere des Kalkbrennens auseinandergesetzt: Holz und kalkhaltige Gesteine waren in diesem Gebiet weit vorhanden, der Ofen ist im Boden gebaut worden, wodurch die Wärme des Feuers erhalten bleibt. Durch die Erhitzung entweichen Kohlensäure und Wasser, wobei nach Abkühlung Brandkalk entsteht. Dazu wird Wasser gegeben; dann entsteht eine sumpfartige Masse, die „Kalkmilch“, die mit Sand und Wasser vermischt zu Mörtel wird und durch Trocknen zu Baustoff wird.

Weiter in der Richtung von Varen werden die überhängenden Felsen immer bedrohlicher… Ik sah aus der Ferne schon den steilen Pfad das gegen die Felswand geklebt schien. Halbwegs dem steilen Hang wurden die Varnerleitern angekündigt, aber mit der Warnung dass dies eine „schwindliche Passage“ war, wofür jede Haftung abgelehnt wird. Es sind auch tatsächlich Leitern (aus Metall) die senkrecht gegen die Felsen hinaufgehen – also für die Unerschrockenen. Dass der grosse Dichter und Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe 1779 schon über diese Leitern Inden (und nachher Leukerbad) erreicht hat, bedeutet jedoch nicht dass ich von meinem schmalen Pfad abweiche um über die Leitern zu gehen…

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Inden: der steile Pfad, gegen die Bergwand geklebt, nach Varen

Der steile Pfad führte mich zur Sonnenseite des Rhône Tales. Hier ist es gleich viel wärmer und die Vegetation ist fast mediterran. Hier ist der Boden kalkreich. Hier begegnete ich wieder einem Aspekt der Energieversorgung: ein altes Turbinenrad des Wasserkraftwerkes: dies war während 74 Jahre in Betreib gewesen! Auch ist hier die Stelle wo die Freistollenleitung übergeht in die Druckleitung.

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Varen: das alte Turbinenrad des Wasserkraftwerkes

Der Weitblick am diesem Teil der Route ist etwas Besonderes: viele Weinberge liegen als eine Flickendecke gegen den Hang unter mir, dann der schnellströmende Fluss, der weiss verfärbt ist vom vielen Schlamm den er mitführt, und weiter auf der anderen Seite des Tales der ausgedehnte Pfyn Wald, ein Gebiet von nationaler Bedeutung und einer der grössten zusammenhängenden Föhrenwälder der Alpen, und noch weiter oben die beeindruckenden Berge!

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Varen: Blick ins Rhônetal mit dem Pfynwald

In der kleinen Weinstadt Varen angekommen entschloss ich mir um nicht weiter zu wandern nach Salgesch, sondern nach Leuk zu gehen, durch die Weinberge. Mir kam gleich wieder das Bild der Weinberge im Collio westlich von Gorizia in Nordost Italien in Erinnerung den ich im vergangenen Mai durchquert habe. Auch hier sind Obstbäume zwischen den Weinbergen angepflanzt worden, auch viele Kirchbäume: abermals habe ich viele Kirschen gekostet!

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Leuk: Blick auf die Weinberge

Nach mehr als einer halben Stunde erreichte ich die Stelle wo die Dala in die Rhône mündet. Hier steht das eigentliche Wasserkraftwerk. Auch durchqueren die Eisenbahn und die Verkehrsbrücke das Tal… Gegen 16.00 Uhr war ich in Leuk, wo ich viel Apfelschorle getrunken habe, gefolgt von einem köstlichen Pinot noir aus der Gegend und einen Salat mit einem Käse Sandwich gegessen habe mit Sicht auf das Schloss von Leuk. Der Bus brachte mich zurück nach Leukerbad. Es war eine schöner, abwechslungsreicher Tag mit vielen Eindrucken!

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Leuk: der Turm des Schlosses von Leuk