Wandern in den Alpen

Schlagwort: Wasser (Seite 1 von 5)

Sulden am Ortler: eine Wanderung zur Düsseldorferhütte

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Den 10. August 2022

Blick auf den Ortler, aber jetzt aus der Ferne

Am letzten Montag, den 8. August, hatte die Wanderung mich zur Hintergrathütte geführt auf 2.661m ü.M. am Fuss des Ortlers. Heute bin ich zu einer anderen Berghütte gewandert, zur Düsseldorferhütte die hoch an den Berghängen der rechten Seite des Tales des Suldenbaches liegt – auf 2.721m ü.M. Diese Wanderung war aus sportlicher Sicht nicht ganz spektakulär (na – der letzte Teil war sehr steil!), aber sie war bestimmt spektakulär was Aussicht und Räumlichkeit angeht: auch aus der Ferne ist die Energie dieser Bergwelt, das „Triumvirat“ von Königspitze, Monte Zebrù und König Ortler, deutlich spürbar. Diese Energie war vielleicht eben noch etwas stärker, weil das ganze Panorama sich vor mir ausstreckte! Viele Bilder werden also folgen…

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Sulden am Ortler: zur Hintergrathütte mit Orlter-Blick

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Den 8. August 2022

Entlang dem Wasserfall des Suldenbaches und durch die Moränen der Ortlergletscher

Gestern am Morgen habe ich Mals hinter mir gelassen und kam nach einer kurzen Reise mit Zug und Bus in Sulden an. Ich checkte ein in meinem vertrauten Hotel Nives. Auch dieses Mal hatte ich ein schönes Zimmer mit Ortlerblick, der am Nachmittag sich ein wenig versteckte hinter Wolken – das Wetter hatte sich noch immer nicht ganz beruhigt, aber es war schon angenehm kühl. Am Abend färbte der Himmel merkwürdig violett – welch ein spektakuläres Bild! Heute schien die Sonne wieder und übergoss den Ortler mit Sonnenlicht – es sollte ein schöner Tag werden.

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Sulden am Ortler: Blick vom Dorf auf den Osthang des Ortlers (3.905m ü.M)

Für heute hatte ich eine Wanderung gewählt entlang dem Suldenbach zur Hintergrathütte die auf 2.661m ü.M. liegt. Nach einem aussergewöhnlich guten und reichhaltigen Frühstück verliess ich das Hotel um 9.30 Uhr und lief in Richtung der Seilbahn. Es floss viel Wasser durch den Suldenbach: die Folgen des Regens der vergangenen Tage, aber vielleicht auch der unvermeidlichen Gletscherschmelze… Auch war das Wasser gräulich gefärbt wegen des vielen Schlamms der mitgeführt wurde.

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Sulden am Ortler: Blick nach Süden auf den Suldenbach, die Talstation der Luftseilbahn und die Madritschspitze (3.265m ü.M.)

Ich war mittlerweile wieder entlang den aus Holz geschnittenen Alpentieren gegangen, aber jetzt konnte ich den höhergelegenen Weg nutzen der im Winter geschlossen ist. Dort passierte ich einen Steinadler der auf einem Horst sass, während ein anderer Greifvogel aus einem in der Nähe stehenden Lärchen in Gleitflug „hing“! Auf einer Infotafel wurden erklärt welche die Unterschiede sind zwischen den zwei grössten Greifvögeln der Alpen, dem Steinadler (Aquila chrysaetos) und dem Bartgeier (Gypaetus barbatus). Abgesehen von der Farbe des Gefieders (überwiegend braun gegenüber weisser/oranger Körper und braune Flügel) ist vor allem die Jagdweise der Vögel anders. Der Steinadler greift seine Beute (Kaninchen, Murmeltiere, Eichhörnchen) nach einem langen Gleitflug, während der Bartgeier vor allem lebt von Knochen von Huftieren (Steinböcke und Gämsen), die er eventuell aus grösser Höhe auf die Felsen wirft um sie zu zerkleinern. Er benutzt die Thermik um herum zu schweben. Ich meinte zu sehen dass es hier um Steinadler handelte – es gab schon ein guter Eindruck!

Ich ging auch wieder über den Lehrpfad EVOPÄD. Das letzte Mal hatte ich mich verirrt im Labyrinth das steht für „den Urmenschen“, und zielt auf die Lösung von Lebensproblemen mithilfe vom Gleichwicht und durch die Verbindung von unserer Kraft mit unserem Gefühl. Auf jener Weise erreicht man Identitätsbildung, das Finden seines Platzes im Leben, die Fähigkeit um Verantwortung zu nehmen… Mein inneres Gleichwicht wurde dadurch nicht verbessert! Jetzt passierte ich das „Saugetier“, eine runde Drehscheibe worauf man gehen soll wie auf einem Laufband, während man sich festhält an einem festen Holzblock dar oben. Hiermit sollte man die emotionelle Wahrnehmung und die Fähigkeiten um mit anderen um zu gehen, trainieren und Lernschwierigkeiten lösen. Das habe ich versucht – aber das fiel mir nicht leicht… Ich spürte dass rückwärts gehen auf der Holzscheibe einfacher war als vorwärts gehen. Auf dem Schild mit Erklärungen wurde nicht angegeben was das bedeutete… Ich musste jedenfalls schon um mich selbst lachen!

Im letzten März war ich auch schon in Sulden. Damals machte ich am op 16 maart eine Winterwanderung zur Mittelstation der Luftseilbahn. In der Nähe des grossen Wasserfalls des Suldenbaches hatte ich einen grossen zugefrorenen Wasserfall gesehen den ich mich nicht erinnern konnte vom ersten Mal, am 13. August 2019, als ich mit der Luftseilbahn hochfuhr, auf dem Weg zur Quelle des Baches. Das war auch ein Anlass zu meiner heutigen Tour. Es gibt mehrere Weisen um jene Stelle zu erreichen. Die einfachste ist um dem breiten Pfad von der Luftseilbahn zu folgen (wie im Winter) und schliesslich über die Hängebrücke den Suldenbach zu überqueren. Eine andere Möglichkeit ist um am rechten Ufer des Baches über einen schmalen Pfad zu gehen (und die Hängebrücke zu meiden…). Ich wählte die letzte Option und liess die Talstation der Luftseilbahn links liegen.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick auf den grossen Wasserfall im Suldenbach mit links der Hängebrücke und rechts dem steilen Felsen wo es im Winter auch einen Wasserfall gibt

Es war ein beeindruckender Anblick um das Wasser zu sehen das sich vom hohen Fels im Süden donnernd hinunterstürzt. Jedoch: wo war der Wasserfall geblieben den ich im Winter gesehen hatte am Hang den ich jetzt hochsteigen sollte? Davon gab es keinen Spur mehr…

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick im Winter vom breiten Weg am rechten Ufer des Suldenbaches auf den Steilhang mit den zugefrorenen Wasserfall (rechts) und der Hängebrücke (links)

Während ich höher und höher kletterte wurde mir klar weshalb es im Winter schon, aber im Sommer keinen Wasserfall gibt: ich sah jetzt verschiedene kleine Bächlein die vom Fels hinunterflossen. Am Anfang des Winters gefriert das Wasser, aber zusätzliches Wasser wird darüber fliessen, das wiederum erfriert…! Meine Wahl für den Weg am linken Ufer bedeutete jedoch dass ich einem ganz schmalen Pfad folgen musste: der freundlich schlängelnde Ziegenpfad entlang dem Bach ging über in einen steilen, hier und da in den Felsen ausgehackten Pfad, manchmal unterstützt von Ketten und manchmal über Metallstufen. Und der Weg führte fast senkrecht hoch…! Die Herausforderung nahm ich an – und mit mir viele Anderen!

Als ich den ersten Teil des Aufstiegs hinter mir hatte erreichte ich die Hängebrücke. Ich hatte sie überqueren sollen wenn ich im Anfang den breiten Weg zur Mittelstation der Luftseilbahn gewählt hätte. Auch dieses Mal war es für mich nur zuschauen wie andere Wanderer über die Brücke gingen: auf ersten Blick fand nicht jeder die Überquerung ganz angenehm, aber ein Hund tänzelte leichtfüßig über die Brücke, mit einem Ast im Maul…

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick vom westlichen Felsen beim grossen Wasserfall im Suldenbach auf die schmale, 44 Meter lange Hängebrücke

Das Wasser des Suldenbaches fliesst hier mit grosser Geschwindigkeit – es hat noch die Kraft vom Wasserfall in sich. Es hat schon dieselbe Farbe wie die Steine im Flussbett. Ich hatte weiter stromabwärts gesehen wie der gräuliche Schlamm sich in kleinen Furchen abgelagert hatte an den Ufern, während das Wasser ganz schnell weiter fliesst.

Es war nicht leicht um ein richtiges Bild des Wasserfalls zubekommen: die Sonne stand gerade über dem Fels worüber das Wasser hinunterdonnerte. Das Geräusch hallte wider. Das zerstäubte Wasser war erfrischend.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick auf den niedrigen Teil des grossen Wasserfalls im Suldenbach wo es kein Gegenlicht der Sonne gab

Je höher ich vorankam am Steilhang, bekam ich nicht nur ein gutes Gefühl über meinen Fortschritt am Berg, sondern auch einen besseren Ausblick über die Landschaft: das Tal des Suldenbaches wodurch ich gerade gegangen war, der breite Weg worüber ich im Winter gewandert war, aber auch die Hängebrücke die tatsächlich schmal (1½ Meter) und lang (44 Meter) aussah. Von dieser Stelle fiel vor allem die Vegetation auf: das Ganze sah immer noch sehr grün aus, während es aus der Nähe jedoch ziemlich steinig ausgesehen hatte.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick auf das Tal des Suldenbaches, die Hängebrücke, den breiten Weg am rechten Ufer und (Inner-)Sulden in der Tiefe

Auch der Blick nach oben war vielversprechend: ich konnte die Hintergrathütte schon sehen oben am Berg. Das Gebäude verschwand wegen der Farbe der anwendeten Steinen fast komplett im Hintergrund des Hanges. Nur das symmetrische Satteldach verriet dass es kein Fels sein konnte! Ich wusste auch bestimmt dass es eine ganz anstrengende Wanderung werden sollte: ich sah keinen Pfad der von meinem Standort gerade zur Hütte führte…!

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick vom Steilhang beim Suldenbach aus die Hintergrathütte (rechtsoben)

Obwohl der Höhepunkt der blühenden Pflanzen schon vorbei war, wuchsen dort jedoch noch kleine Schmuckstücke. Eine ganz kleine Kiefer hatte sich entwickeln können auf einer flachen Stelle des Berghangs – so winzig im Vergleich zu den Gliedern der Ketten die uns Halt bieten konnten. Sie stand in einem Beet von Weisser Silberwurz (Dryas octapetala), ein alpiner Zwergstrauch der zur Rosenfamilie gehört und wovon die kleinen Blumen mittlerweile ausgeblüht waren. Die flauschigen Fruchtstände strahlten im Sonnenlicht. Höher am Berg ragten die feinen Zweiglein des Blaugrünen Steinbrechs (Saxifraga caesia) stolz ausden Polstern mit tatsächlich bläulichen dicken Blättern dieser Fettpflanze. Die weissen Blütenblätter waren schon ausgefallen. Eine Sorte die noch immer ausgiebig blühte war eine Untersorte der auch bei uns bekannten Schafgarbe (Achillea), die auf Deutsch Clusius-Schafsgarbe genannt wird. Es war witzig um ganz aus der Nähe zu sehen wie auch einige kahle Stielchen dazwischen standen: hatte ein Tier davon genascht oder hatte doch ein Mensch die Blumen gepflückt?

Schlussendlich hatte ich den Steilhang in etwas mehr als einer halben Stunde überwunden und erreichte ich eine kleine Hochebene auf gleicher Höhe als die Mittelstation der Luftseilbahn. Dort wurde mir klar dass ich es mir selbst schon ziemlich schwierig gemacht hatte: ich hätte auch ganz einfach die Luftseilbahn nehmen können…Trotzdem bin ich froh dass ich nicht die Luftseilbahn gewählt habe: jetzt hatte ich doch richtig schöne Sachen gesehen! Ich konnte hier auch sehen wie das Wasser des Suldenbaches eigentlich in aller Ruhe heranfloss, bevor es sich über den Fels in die Tiefe stürzte.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick auf die Mittelstation der Luftseilbahn, oberhalb des Wasserfalls des Suldenbaches

Jetzt folgte ein relativ flacher Teil der Wanderung. Von hieraus war die Hintergrathütte schon wieder etwas besser zu sehen und schien auch viel näher zu sein. Es war auch möglich um viel weiter ins Tal bei Sulden zu schauen. Gerade ein kurzer Moment von Ruhe!

Die Ebene worüber ich ging war übersät von hellgrauen Felsbrocken in vielen Grössen. Hierdurch war es angeblich ein idealer Standort für die Breitblättige Stendelwurz (Epipactis helleborine). Es standen grosse Pflanzen mit reifen violetten Fruchtständen die im Sonnenlicht glänzten – eine Überraschung und ein schönes kleines Geschenk!

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: am Hang oberhalb der Mittelstation der Luftseilbahn sind Breitblättige Stendelwurzen (Epipactis helleborine) verblüht und tragen grosse violette Kapselfrüchte

Eine andere Überraschung war eine Ur-Lärche, die Untersucher etwa datiert haben auf den Anfang des 7. Jahrhunderts! Unter eine Überdachung lagen gräuliche Holzstücke und ein Baumstumpf die zusammen schon wieder einen Baum bildeten. Auf einer Informationstafel steht dass 1996 während der Vorbereitungen von Feldarbeiten für die Universität von Stuttgart diesen Baum gefunden wurden und dass er im selben Jahr ausgegraben wurde von Studenten des Kurses Dendrochronologie dieser Universität. Diese Europäische Lärche (Larix desidua) ist zum Vorschein gekommen beim Abschmelzen des Suldengletschers. Derselbe Gletscher hat 639 nach Chr. den Baum schon beschädigt, schlussendlich um 834 nach Chr. „überfahren“ und in sich mitgeführt. Um 750 nach Chr. brach eine Periode an während deren die Vergletscherung der Alpen zunahm – diese Kältezeit dauerte bis ins 19. Jahrhundert. Auf der Tafel werden auch einige Jahre aus der Weltgeschichte erwähnt, wie das Jahr 700 als Karl der Grosse zum Kaiser gekrönt wurde, und das Jahr 834 als das Vinschgau bei der Aufteilung des Frankenreiches an Österreich zugewiesen wurde. Es war etwas Besonders um dort anno heute zu stehen und einen Baum zu betrachten der dort schon vor so einer langen Zeit gestanden hatte! Die Überdachung die 2005 erbaut worden ist vom Forstamt Prad am Stilfserjoch, sieht aus wie eine durchschnittliche offene Scheune aus der Region, bedeckt von Schindeln und Balken um zu verhindern dass der Schnee im Rutschen gerät, und erschwert mit Steinen. Sie schützt jedoch etwas ganz Spezielles: eine uralte Europäische Lärche! Die Lärche ist ein Pionierbaum der mit seiner langen Pfahlwurzel tiefer gelegenes Wasser erreichen kann und dadurch auch „sturmfest“ ist. Weil sie im Herbst ihre Nadel verliert kann sie besser umgehen mit Feuchtigkeitsverlust durch Frost.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: unter einer Überdachung am Hang oberhalb der Mittelstation der Luftseilbahn liegt eine Ur-Lärche die im 9. Jahrhundert vom Suldengletscher mitgeführt und 1996 wieder aufgefunden worden ist

Von dieser Stelle folgte erneut ein (sehr) steiler Teil der Tour. Jetzt waren die Panoramen auch wieder schön – und ganz anders: die hohen Berge mit den grossen Gletschern am Beginn des Suldentales kamen ins Bild. Nach Dreiviertelstunde Steigen konnte ich der Mittelstation noch gerade sehen, weit unten (doch ungefähr auf dreihundert Meter, schätze ich ein). Auch fiel die breite Ebene mit dem grauen Gestein auf, gerade bevor der Suldenbach den Wasserfall erreicht. Mit mir stiegen viele Wanderer den Steilhang hoch, nur wenige stiegen hinunter. Obwohl das Steigen mir manchmal schwer fiel war ich froh dass ich nicht absteigen brauchte: eine Qual für die Knie und die Zehen… Die vielen kurzen Pausen um wieder auf Atem zu kommen benutzte ich gerne zum Herumschauen und Geniessen!

An der Stelle wo der schmale steinige Pfad nach Westen abbog um eine Felsenspitze herum hatte ich ein wunderschönes Panorama: wie kleine Würfel lagen in einer wilden felsigen Landschaft die Bergstation der Luftseilbahn und etwas niedriger die Schaubachhütte auf einem Felsvorsprung. Dahinter türmten die Berge hoch. Die Ränder der mächtigen Moränen von Gletschern die schon vor längerer Zeit verschwunden sind, schienen wie von einem Messer abgeschnitten zu sein.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Panoramablick auf die Bergstation der Lufstseilbahn, die Schaubachhütte, die Berge im Suden des Suldentales und die Moränen

Als ich im letzten März in der Gondel der Luftseilbahn während der Rückreise von der Bergstation zur Landschaft um den Ortler schaute, habe ich auch die Hintergrathütte gesehen – wie gross ist der Unterschied zwischen Winter und Sommer!

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In der Luftseilbahn von Sulden am Ortler zwischen der Bergstation und der Mittelstation: winterlicher Blick auf den Berghang westlich des Suldenbaches, den Ortler und die Hintergrathütte

Nach einer Weile änderte sich die Aussicht erneut: der Ortler kam in Sicht! Der Pfad führte entlang dem grünen Berghang an der Nordseite und dem hoch aufgeschoben Geröll der alten Moräne des Suldengletschers an der Südseite.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick auf den Ortler (rechts) und auf die mächtige Moräne des ursprünglichen Suldengletschers (links)

Auf einmal lag dort ein kleiner Bergsee, der Untergratsee, wo viele Wanderer Pause hielten. Manche standen mit nackten Füssen im Wasser um ab zu kühlen, denn es war richtig warm! Es lagen auch Schafe am Berghang – ihre Glocken waren aus der Ferne hörbar.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick auf den Untergratsee mit dem Ortler im Hintergrund

Ich sah einen Anfang eines Gebäudes – oder gerade sein Ende, eine Ruine die zuerst gar nicht auffiel: die gestapelten Steine waren bestimmt aus dem grossen Haufen mit Steinen im Hintergrund geholt worden. Später sollte ich lesen dass hier bis 1915 die erste Hintergrathütte gestanden hatte, die währende der Kämpfe im Ersten Weltkrieg zerstört worden ist.

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: beim Untergratsee steht eine Ruine, wahrscheinlich der alten Hütte (bis 1915)

Nach einem weiteren kurzen Aufstieg kam bei der nächsten Kurve endlich die Hintergrathütte in Sicht! Was vom steilen Aufstieg bei den Wasserfällen aussah wie ein kleines Gebäude mit einem Satteldach zeigte sich wie eine grosse Hütte mit drei Stockwerken. In der Sommersaison (Mitte Juni bis Mitte Oktober) gibt es Übernachtungsplätze für 70 Personen: es sind vor allem Leute die über diese Route den Ortler besteigen möchten. Tagsüber ist es vor allem ein Ruhepunkt für Wanderer wie ich und viele andere. Eine einladende Terrasse hat „Ortler-Blick“ und weitere Stühle stehen an der Südseite der Hütte. Die Panoramasicht von Nordost durch den Süden nach Westen ist überwältigend! Die Hütte heisst auf Italienisch „Rifugio alto del Coston“ oder „Rifugio del Coston“: Hintergrat und Coston (di dentro) haben dieselbe Bedeutung. An der Aussenmauer hängen Gedenktafeln aus Marmor, u.a. zur Erinnerung an die Erstbesteigung der Nordwand der Königspitze durch Hans Ertl und Hans Brehn am 5. September 1930 und der Ortler-Nordwand, gleichfalls durch Hans Ertl, aber diesmal mit Franz Schmid am 22. Juni 1931. Die Gedenktafel ist am 2. August 1981 enthüllt worden. Der lange Weg der ich hochgegangen bin und der noch weiter führt in Richtung des Gipfels des Ortlers ist genannt worden nach diesem Hans Ertl (1908–2000). Er war ein deutscher Bergsteiger und Kameramann, der im Zweiten Weltkrieg diente unter u.a. General Rommel. Nach dem Krieg ist er nach Bolivien gereist, wo er zuerst noch Naturfilme drehte, aber schlussendlich einen Bauernhof führte.

Auf der Webseite der Hütte steht eine Kurzfassung der Geschichte. Der Ortler wurde1805 zum ersten Mal bestiegen über den Hintergrat. Dazu errichtete Josef Pichler, der als Erster den Ortler bestiegen hatte, schon eine kleine Schutzhütte, die etwas höher lag als die heutige Hütte. Hierzu wurde er beauftragt vom Beamten Johannes Gebhard, der gesandt worden war vom Erzherzog Johann von Österreich (1792–1859 und damals Gouverneur von Tirol). Diese Hütte wurde nach dem Beamten benannt und war die erste Schutzhütte in Tirol. Diese Hütte verfiel, denn der Ortler wurde lange Zeit nicht länger über diesen Weg bestiegen. Als am Ende des 19. Jahrhunderts die Zahl der Ortler-Besteigungen zunahm finanzierte Karl Bäckmann, ein russischer Diplomat aus Polen, den Bau einer neuen Hütte. Diese Bäckmannhütte wurde am 27. August 1892 eröffnet. Sie lag jedoch niedriger: auf 2.611 Meter beim Untergratsee. Das Interesse in die Hütte war so gross dass die Hütte nach drei Jahren erweitert wurde. Bäckmann schenkte die Hütte dem Bund der Bergführer in Sulden – im Gegenzug wurde ihm ein Denkmal gewidmet das jetzt entlang dem de Kultur- und Geschichtenweg in Sulden steht. Während des Ersten Weltkrieges benutzten die österreichischen Truppen die Hütte als Stutzpunkt, worauf 1915 die Italiener die Hütte mit Granaten beschossen. Die Bergführer aus Sulden erbauten zwischen 1920 und 1922 die heutige Hütte beim Obergratsee.

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Bei der Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: die Hütte auf 2.661m ü.M. kommt in Sicht!

Ich fand noch einen Platz auf der Terrasse und bestellte im gemütlichen Innenraum in jedem Fall eine grosse Flasche Mineralwasser. Es standen ein gusseiserner Kamin und ein grosser Behälter mit Holz (und ein Feuerlöschgerät daneben). Der Kamin wird wahrscheinlich abends gebrannt. Neben der Standardspeisen die in einer Berghütte serviert werden, hatten sie auch „Hirschwurst, Kraut und Knödel“ – das wurde draussen auf einem Brett angeschrieben. Das war mein Mittagessen! Der Hirschwurst war gut, das Kraut erst richtig! Der Knödel war etwas trocken, aber lieferte schon gute Energie für die weitere Wanderung.

Ich genoss das Wasser und das Mittagessen, aber vor allem die Aussicht auf die drei Berge womit ich fast auf Augenhöhe zu stehen schien: gesehen vom Südwesten nach Nordwesten die Königspitze (3.851m ü.M.), der Monte Zebrù (3.735m ü.M.) und der Ortler (3.905m ü.M.). Die grossen gräulichen Moränen die wie tiefe Rinnen in der Landschaft liegen, zeigen bis wo die Gletscher sich einmal ausgestreckt haben und mit welcher Kraft sie hinuntergeglitten sind… Die Menschen auf der Terrasse und in der Umgebung der Hütte schienen nur ganz winzig im Vergleich zu diesen Bergen die so viel Energie ausstrahlten – so empfand ich es jedenfalls! Ich glaube auch dass ich etwas zu viel Ehrfurcht für die Berge habe um Lust zu haben um die Gipfel zu besteigen… Und dazu habe ich natürlich noch nicht meinen Mangel an körperliche Fähigkeiten erwähnt!

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Bei der Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick von der Terrasse auf die Königspitze (3.851m ü.M., links) und den Monte Zebrù (3.745m ü.M., rechts)
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Bei der Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick von der Terrasse auf den Monte Zebrù (3.745m ü.M., links) und den Ortler (3.905m ü.M., rechts)

Nach einer Pause von über einer halben Stunde war es wieder Zeit um weiter zu gehen: über den anfangs leichten Höhenweg entlang den Hängen des Hintergratkopfes auf dem Weg zur Bergstation des Sesselliftes von Langenstein und von dort zurück nach Sulden. Nach einem kurzen Aufstieg erreichte ich den Pfad: dort wurde ich belohnt mit einer schönen Aussicht nach Norden bis weit ins Obervinschgau. In der Ferne schimmerte das hellblaue Wasser des Reschensees.

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Zwischen der Hintergrathütte und die Bergstation des Langenstein-Liftes: Blick in nördliche Richtung über den Berghang und den Höhenweg
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Zwischen der Hintergrathütte und die Bergstation des Langenstein-Liftes: Blick in nördliche Richtung über den Berghang des Hintergratkopf und ins Obervinschgau und den Reschensee

Der Wanderweg Nr. 3, der Morisiniweg (der benannt worden ist nach einem Bergsteiger aus Wien) war im Anfang flach und leicht begehbar, aber das änderte sich nicht lange nachher: es gab Passagen über Bretter und entlang steilen Stellen in der Felswand, woran Kabel befestigt worden waren. In dieser schroffen Umgebung mit den vielen Felsbrocken stand auch irgendwo eine Gruppe mit Hauswurzen (Sempervivum): die winzigen Blattrosetten und die rosa Sternchen der Blumen sahen ganz verletzlich aus.

Die Aussichten warn unvermindert schön, auch nach unten, ins Tal des Suldenbachen. Aus dieser Höhe war gut sichtbar wie kahlpoliert das Gebiet um der Mittelstation der Luftseilbahn war!

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Zwischen der Hintergrathütte und die Bergstation des Langenstein-Liftes: Blick auf den höheren Teil des Suldenbachtales mit der Mittelstation der Luftseilbahn und den kahl geschliffenen Felsen

Später wurde die Landschaft noch schroffer: die Steilhänge waren überdeckt mit Felsbrocken in verschiedenen Grössen, aber alle in einer rötlichen und rostartigen Farbe. Manchmal war der Weg nicht ganz sichtbar – man musste von einem Stein auf den anderen treten. An einer Stelle, als ich den Ortler wieder sehen konnte, hatten Wanderer aus allen Zeiten nicht sosehr „Steinmännchen“ aufgebaut, sondern richtig kolossale „Steinmänner“. Sie konnten Ausschau halten über die Gletschermoräne, das Restaurant von Langestein – und eben das Obervinschgau! Ich löste einen flachen Stein irgendwo aus dem Boden und steckte ihn im Gipfel eines dieser steinernen Zeichen. Mein Beitrag!

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Zwischen der Hintergrathütte und die Bergstation des Langenstein-Liftes: einer der grossen Steinmännchen hat eine wunderbare Sicht auf die Bergstation des Langenstein-Liftes und das Obervinschgau in der Ferne

Von den Steinmännchen führte der Weg hinunter zum Geröll der Moräne eines der Suldengletscher die man überqueren muss um die Bergstation des Sesselliftes von Langenstein zu erreichen. Jenes Restaurant mit dem charakteristischen Satteldach schien ganz nah zu sein, aber es dauerte jedoch noch fast Dreiviertelstunde um dort an zu kommen…

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Zwischen der Hintergrathütte und die Bergstation des Langenstein-Liftes: Blick über die Gletschermoränen auf die Bergstation des Langenstein-Liftes

Der Abstieg über die im Anfang noch grossen Felsbrocken und später über das lockere Geröll das auf die Moräne lag war ein wenig rutschig. Irgendwann verschwand die Sonne hinter einer grossen Wolke. Die Atmosphäre änderte sich schlagartig: es sah aus als ob ein Grauschleier über die Landschaft gezogen wurde, wodurch das Ganze sehr trüb wurde… Glücklicherweise dauerte es nur kurz!

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Auf dem Weg zur Hintergrathütte oberhalb von Sulden am Ortler: Blick auf den Übergang von groben Felsbrocken unten am Hintergratkopf und das Geröll der Moränen auf dem Weg zum Langenstein-Lift

Als ich fast bei Langenstein war, schaute ich nochmals um: der steile Nordhang des Hintergratkopfes sah jetzt ganz grün und leicht im Vergleich mit der grauen Narbe in der Landschaft die gebildet wurde von der Moräne des ehemaligen Gletschers. Der deutlich sichtbare Pfad im Gletschergeröll schien an dieser Stelle schon sehr breit. Die Skifahrer und Snowboarder werden im Winter keine Ahnung haben wie die Landschaft im Sommer aussieht und wie unterschiedlich die Farben sind! Auch wird die Abfahrt schon eher smooth sein verglichen mit den Schritten die Wanderer machen müssen wenn es keinen Schnee gibt…!

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Bei der Bergstation des Langenstein-Liftes: Rückblick auf die breite Gletschermoräne zwischen Langenstein und dem Hintergratkopf

Der breite Weg den ich schon füher erwartet hatte, kam erst als ich bei der Bergstation des Langenstein-Sesselliftes ankam. Ich wählte jetzt eine leichte Weise um hinunter zu gehen und nicht einen Besuch ans Restaurant: ich wartete mit einem Getränk bis ich wieder unten sein wurde (der Hugo Nives, mit Zitronenmelisse, im Hotel ist ganz durstlöschend!). Als ich einen Wegweiser sah worauf die „Martl Madonna“ erwähnt wurden dachte ich mit Freude zurück an meine wunderschöne Wanderung zur Marienstatue aus weissem Marmor am Fuss des Ortlers die ich am 14. August 2019 unternommen hatte! Während ich nach unten schwebte nach Sulden konnte ich wieder die Aussicht geniessen, auch ins Tal des Obervinschgaus nördlich von Mals, das ich in der Ferne sah. Der Reschensee konnte ich von hieraus nicht länger sehen…

Noch lange nachdem ich wieder festen Boden unter den Füssen hatte und ich erneut in meine Hotelzimmer zum König Ortler hochschauen konnte, war ich sehr zufrieden über diese zwar anstrengende, aber auch sehr schöne Wanderung. Auch wurde mir klar dass meine Tour nicht nur ermöglicht worden war durch die Anstrengungen der Tourismuspioniere aus dem 19. und 20. Jahrhundert, sondern auch durch den Einsatz von Generationen von Schaf-, Ziegen- und Kuhhirten und Gämsenjägern im Laufe der Jahrhunderte: sie haben gemeinsam erreicht dass wir uns heutzutage so einfach erholen können in dieser Bergwelt! Hierüber sollten wir dankbar sein und diese Privilegien pflegen…

Scuol – Sur En: winterliches Wandern, aber in der Frühlingssonne

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Den 12. März 2022

Entlang dem Inn und durch den Wald mit den Skulpturen

Gestern Morgen bin ich aus meinem Hotel Bären in Suhr bei Aarau weiter gereist zu meiner nächsten Bestimmung: Scuol im Unterengadin. Ein Regionalzug brachte mich durch eine freundliche, hüglige Landschaft aufs Neue zum Zürich Hauptbahnhof; von dort fuhr ich über den mir so bekannten Weg entlang dem immer wieder faszinierenden Walensee, mit der am Nordufer steil aufragenden Bergkette der Churfirsten, wovon die Gipfel schneebedeckt waren. Nach dem Umstieg in Landquart auf „die Kleine Rote“, den roten Zug der Schmalspureisenbahnlinie der Rhätischen Bahn für meine Reise ins Engadin wurde die Aussicht richtig winterlich: im Prättigau, in der Regio wodurch der Fluss die Landquart fliesst, lag viel Schnee; die Bergen glänzten weiss in der Sonne. Vom Zug her konnte ich die so charakteristische und elegante Sunniberg-Brücke zwischen Küblis und Klosters sehen – der Anblick bleibt wunderschön! Auch die Aussicht auf dem Gebiet um Klosters war unvermindert schön: das hatte ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht mehr gesehen! Ich genoss es aufs Neue – jetzt sah ich es wieder mal im Winter! Diese Zugreise ist immer ein Fest…

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Zürich: entlang dem See und durch den Neuen Botanischen Garten

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Den 11. März 2022

Flanieren im Frühlingssonnenschein entlang Skulpturen und Bäumen

Zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren bin ich wieder in die Schweiz gereist! Es hätte vielleicht etwas früher stattfinden können, aber die COVID-19 Pandemie hat mich davon abgehalten… Es fühlte sich grossartig an um wieder zurück zu sein!

Gestern, am 10. März, verbrachte ich einen schönen und interessanten Tag in Zürich, in der Stadt wo ich am 22. und 23. September 2019 auch schon war: damals habe ich durch die Altstadt flaniert und u.a. – zwar mit der kleinen Bahn – den „Hausberg“ von Zürich, den Uetliberg, besucht. Bei meinem gestrigen Besuch hatte ich von der Promenade entlang dem rechten Ufer des Zürichsees aus eine schöne Sicht auf diesen grünen Berg mit seinem Aussicht- und Fernsehturm!

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Eischoll: eine Wanderung durch das Dorf und über den Suonenweg

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Den 2. Oktober 2019

Herbstfarben und Regenbogen

Der Regen der gestern Abend einsetzte hatte heute Morgen wieder aufgehört, aber die Aussenwelt sah jedoch sehr herbstlich aus: der Gipfel des Glishorns das über Brig hinausragt, war hinter den Wolken verschwunden, und trotz der kleinen blauen Flächen war der Himmel weiterhin bedeckt… Beim Hotel Europe hat man angeblich auch angenommen dass der Herbst jetzt richtig angefangen hatte, denn im Frühstückraum war auf einem Tisch ein schönes Herbststilleben eingerichtet worden mit vielen Farben Orange. Mein Plan für diesen Tag war ein Besuch an Eischoll: ein kleiner Ort auf einer Bergschulter oberhalb des linken Ufers der Rhone stromabwärts von Brig. Es ist ungefähr 20 Minuten mit dem Zug nach Raron im Rhonetal – und anschliessend noch ca. zehn Minuten mit der kleinen Luftseilbahn nach Eischoll. Als ich letztes Jahr am Nordhang einige Etappen der Via Alpina wanderte, habe ich immer wieder das Dorf mit der charakteristischen Kirche an der anderen Seite gesehen. Ich kannte Eischoll schon: ich habe im Winter 2001 einmal das Dorf besucht zum Schifahren. Es hätte mir damals schon klar sein sollen dass die Berge im Winter mir nur wenig zu bieten haben! Ich erinnere mich noch wie ich da, oben an der Piste, gestanden haben und total verängstigt war: der Nebel hob sich und ich sah in der strahlenden Sonne nur einen weissen Abgrund unter mir…! Mittlerweile kann ich wieder darum lachen! Deshalb möchte ich nochmals dahin gehen wenn es keinen Schnee gibt.

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Bellwald: doch ein Teil der Etappe 94 des Roten Weges der Via Alpina?

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Den 1. Oktober 2019

Von Fiescheralp über die Hängebrücke nach Bellwald

Heute versuchte ich abermals um richtig an zu fangen mit Etappe 95 des Roten Weges der Via Alpina: von Fiescheralp nach Riederalp. Deshalb stieg ich aufs Neue in den Zug nach Fiesch: dort angekommen stieg wieder eine grosse Gruppe Wanderer aus und in das Postauto das auch halten sollte bei der Talstation der Luftseilbahn zur Mittelstation Fiescheralp. Bei jener Bushaltstelle stieg ich nicht aus: aufs Neue widerstand es mir… Mittlerweile hatte ich den Eindruck bekommen dass die Menschenmassen wie „Katastrophentouristen“ selber sehen möchten wie die Gletscher schmelzen und dass es vielleicht das letzte Mal sei dass man die Gletscher sehen könnte. Leider ist es eine Gegebenheit dass die Gletscher anschmelzen und dass es eine ganz besorgniserregende Entwicklung ist, natürlich auch. Ich möchte nur keinen Teil jenes „Katastrophentourismus“ sein… Das Postauto fuhr weiter zum Ort Fieschertal. Dort stieg ich aus.
Bei dem Anfang der Wanderungen in viele Richtungen stand eine Informationstafel über den Fieschergletscher mit Bildern: zwischen 1891 als die Messungen angefangen hatten und 2010 ist die Länge des Gletschers mit 1.000 Metern abgenommen. Das obere Bild datierte von 1935 und das untere Bild von 2001 – die Unterschiede waren deutlich sichtbar… Ich hatte die Wahl um über einen steilen Weg doch zur Fiescheralpe zu gehen, oder um stromaufwärts entlang dem Wysswasser Bach in die Richtung von Bellwald, einem Dorf auf einem sonnigen Plateau an den Berghängen am Linkerufer des Baches zu gehen – entweder schon oder nicht über eine Hängebrücke! Mit dieser Wanderung würde ich jedoch einen Teil einer Etappe der Via Alpina zurücklegen, aber in die Gegenrichtung: Etappe 94, die eigentlich anfängt bei Ulrichen und über Bellwald nach Fieschertal führt…! Während meiner Zugreise von Andermatt nach Brig am letzten Samstag hatte ich die Route schon etwas gemächlicher zurückgelegt! Ich wählte den Weg nach Bellwald und machte mich auf den Weg. Die Asphaltweg schlängelte sich langsam steigend über den Weiler Zer Flie mit schönen dunkel-verbrannten Walser Häusern und Gärten mit farbenfrohen Herbstblumen entlang einer Wiese mit einem neugierigen Pony und einem grossen Rosenbusch mit orangenroten Hagenbutten die in der prallen Sonne stand. Der Bergbach „Wysswasser“ wurde seinem Name „weisses Wasser“ gerecht: das Wasser schäumte weiss über die Felsbrocken. Es lag auch ein grosser Findling an der Strassenrand mit der Inschrift „Lawine 4. 2018„. Dieser Text bezieht sich auf einen tragischen Unfall der am 31. März jenes Jahres passierte: damals gerieten fünf (spanische) Tourenskifahrer in Schwierigkeiten als sie von einer Berghütte im Skigebiet beim Aletschgletscher über die Fiescheralpe hinunterkamen. Sie wurden mitgerissen von einer enormen Lawine und überschüttet. Alarmiert von anderen Skifahrern in der Umgebung rückten die Rettungsdiensten in grosser Zahl (u.a. mit einem Hubschrauber). Die Rettungsoperation wurde erschwert durch schlechtes Wetter; trotzt ihren Lawinenverschüttentensuchgeräte konnten drei von ihnen nur tot geborgen werden… Dort gehend in der Sonne und in der freundlich aussehenden Natur war es kaum vorstellbar, welche Kräfte der Schnee damals aufgelöst hat.

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Blatten/Belalp: Etappe 96 des Roten Weges der Via Alpina – Teil 1

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Den 30. September 2019

Durch den Aletschwald und über den Damm des Gibidum Stausees

Heute Morgen fuhr ich mit dem Zug von 10.48 Uhr von Brig ab nach Mörel, um zwei Bahnhöfe weiter und 17 Minuten später wieder aus zu steigen. Der zwischenliegende Bahnhof ist Bitsch – es ist witzig zu hören wie das auf Englisch angekündigt wird: es klingt wirklich wie „bitch“! In Mörel war es nur einige Minuten zu Fuss zur Talstation der Gondelbahn die schlussendlich in Riederalp endet. Der erste Teil der Strecke geht bis zum Dorf Ried-Mörel, das auf einer Bergschulter liegt. Die Gondel bewegt sich in der Mittelstation ganz langsam voran, damit Leute in Ried-Mörel normal aussteigen können. Reisenden nach Riederalp sollen sitzen bleiben: die Gondel geht von dort auf einem anderen Kabel weiter zur Endstation Riederalp. Die Aussicht nach allen Seiten war wieder wunderschön. Der „Hausberg“ von Brig, das Glishorn (2.525M) ist wenn man nach Südosten über die kleine Kirche von Ried-Mörel schaut deutlich im Bild. Je höher ich kam mit der Gondelbahn, des to weiter meine Aussicht reichte: hinter dem Glishorn sah ich auch einen hohen, beschneiten Berggipfel, das Spitzhorli, 2.737 Meter hoch. Weiter konnte ich auch aus der Nähe die Chalets sehen, die älter und neu in Walser Stil gebaut worden waren. Sie standen gegen den Berghang auf den jetzt schon verfärbten Wiesen in der Nähe des Dorfes. In nordöstlicher Richtung dehnten sich an der anderen Seite des Rhônetales die Berge beim Binntal aus, wo ich gerade gestern noch gewandert bin. In Luftlinie sind die Abstände gar nicht so gross…

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Andermatt: der Höhenweg von Gütsch zum Oberalppass

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Den 27. September 2019

Von Windturbinen entlang den Berghängen zu einem Leuchtturm!

Heute war das Wetter strahlend mit unten im Dorf angenehme Temperaturen und nicht zu viel Wind. Jetzt möchte ich durchführen was ich am vergangenen Dienstag, den 24. September, geplant hatte, aber was ich nachgelassen hatte für das Konzert der Suworow Kadetten: mit der Gondelbahn von Andermatt über der Mittelstation Nätschen zur Endstation Gütsch, von dort zu Fuss über den Höhenweg zu gerade unter dem Gipfel des Berges Schneehüenerstocks, dann wieder mit einer Gondelbahn nach unten und über der Oberalppass mit dem Zug zurück nach Andermatt. Inzwischen hatte ich eine vorteilhafte Rundreise entdeckt: ich wählte den Weg von Andermatt über Gütsch und den Höhenweg und dann wieder zurück über den Oberalppass nach Andermatt. Also einige Minuten vor halb zehn stieg ich in eine Gondel und liess mich nach oben bringen. Es war herrlich still und die Aussicht nach dem Südwesten war wunderbar. Ich konnte auch gut sehen wie die Eisenbahntrassen verliefen: die Hauptlinie der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) die vom Bahnhof Andermatt eine Kurve nach Osten macht und ausser Sicht verschwindet und die Trasse der Linie von Göschenen und Andermatt durch die Schöllenen Schlucht, die scharf nach Nordwesten abbiegt.

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Andermatt: durch die Schöllenenschlucht nach Göschenen

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Den 26. September 2019

Kraftorte und eine Schlacht des Generals Suworow 1799

Heute Morgen regnete es wieder mal kräftig. Ich hatte also jetzt Zeit um zu erzählen über die vergangenen Tage in Andermatt die ich als etwas ganz Besonderes erlebt habe. Ich landete eigentlich eher zufällig in die Gedenkfeierlichkeiten um den russisischen „Generalissimus Suworow“ und sein mutiges Verhalten in der Schöllenen Schlucht in seinem Kampf mit den Truppen von Napoleon am 24. und 25. September 1799, gerade 220 Jahre her. Der russische Adlige Alexander Wassiljewitsch Suworow, geboren am 3. November 1729 oder 1730 in Novgarod, wurde unter Zarina Katharia der Grossen ein berühmter Krieger und Militärstrateg, der in seiner lange Karriere nie eine Schlacht verloren hat. Ihm wurde denn der höchstmögliche Militärrang von Generalissimus verliehen. Nach dem Tod von Katharina der Grossen 1796 fiel er in Ungnade bei ihrem Nachfolger Zaren Paul I. Er wurde rehabilitiert und zu Befehlshaber der russisch-österreichischen Armee ernannt auf ausdrücklicher Bitte der Österreicher: sie wollten mit niemand anderem als Suworow als Befehlshaber in den Krieg ziehen. Er was damals schon fast 70 Jahre alt. In der Schweiz ist er vor Allem bekannt und berühmt als Befehlshaber der russisch-österreichischen Truppen während des Zweiten Koalitionskrieges 1799, wobei er die französischen Truppen schlug beim Gotthardpass (am 24. September 1799). Auf seinem Durchzug über Andermatt nach Altdorf am Vierwaldstättersee musste er durch die Schöllenenschlucht gehen, wo er aufs Neue die Franzosen bekämpfen musste. Die Teufelsbrücke über den Fluss Reuss aus 1595 wurde dadurch schwer beschädigt. Seine Truppen mussten ihren Weg durch mehrere Täler im Gebiet östlich des Vierwaldstättersees und über Bergpässe in den Kantonen Glarus und Graubünden wörtlich bekämpfen. Die Bergpässe der Zentral- und Bündner Alpen (u.a. der Panixer Pas), waren mittlerweile (Anfangs Oktober) schneebedeckt. Schlussendlich kam ein grosser Teil der russischen Truppen, ausgehungert und erschöpft, über Chur in Österreich an. Die Schweizer sind immer noch voller Lob über General Suworow. Er hat mit seinen Handeln beigetragen zum Ende der von den Franzosen etablierten Vasallenstaat, der Helvetischen Republik. Deshalb gibt es an vielen Orten in der Schweiz wo er ist gewesen, Gedenktafeln und Denkmäler zu seiner Ehre, wie auch in der Schöllenen Schlucht.

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Aarau: Zwischenhalt in einer schönen, alten Stadt

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Den 21. September 2019

Ein Besuch bei einer „Schulfreundin“ aus dem Romanisch Kurs

Heute Morgen bin mit dem ICE von 9.07 Uhr aus Arnhem abgereist nach Basel SBB auf Durchreise nach Zürich, wo ich bis auf Montag verbleiben werde. Ich machte einen Zwischenhalt in Aarau: in dieser Stadt lebt Verena, eine Dame der ich vor einigen Jahren begegnet bin beim Rätoromanisch-Kurs (Vallader) in Scuol. Wir hatten damals eine Verbindung und weil sie mir schon einige Male eingeladen hatte um, wenn ich in der Nähe wäre, sie zu besuchen, habe ich ihr eine E-Mail geschickt um zu fragen ob es ihr Heute passen würde. Das war der Fall und deshalb stieg ich bei Ankunft in Basel um in den Regio-Express in der Richtung von Zürich. Ich kam um 15.45 Uhr an am Bahnhof von Aarau, wo Verena am Bahnsteig schon auf mich wartete.

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