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Den 25. April 2019

Viel Mozart und schöne Panoramen, aber auch eine Gämse!

Gestern, Mittwoch den 24. April kam ich nach einer ziemlich reibungslosen Zugreise von Arnhem rund halb drei in München an. Dort musste ich meinen Anschluss suchen, den Zug der mich nach Salzburg bringen sollte: wegen Verspätung war ich wirklich spät dran und, weil auch noch Bauarbeiten an den Gleisen im Hauptbahnhof stattfanden, musste ich mich mit meinem (doch schon schweren…) Rucksack in einem komplett unbekannten Bahnhof durch die Menschenmenge drängen. Leicht ausser Atem liess ich mich hinfallen im Regionalzug nach Salzburg, der um fünf Minuten vor drei abfuhr.

Es war eine langsame Reise durch eine freundlich hügelige, grüne Landschaft mit nach Süden Aussicht auf die Bayrische Alpen, entlang unter Anderem dem bekannten Chiemsee. Weiter erkannte ich auf der Karte viele Namen von Orten durch welche und von Gipfeln entlang welchen auch Etappen des Roten Weges der Via Alpina gehen. Das ist etwas für ein nächstes Mal, denn jetzt bin ich eigentlich auf den Weg nach Trieste, Nordost-Italien, aber mache einen kurzen Stopp in Salzburg!

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In der Nähe des Chiemsees (Oberbayern) mit Alpenblick

Um Viertel vor fünf traf der Zug in Salzburg ein. Vom Bahnhof von Salzburg brauchte ich ungefähr 10 Minuten zu Fuss nach meinem Hotel Stadtkrug, das nach eigenen Angaben schon seit 1353 als Gasthaus bekannt ist. Es liegt an einer der ältesten Strassen in der Fussgängerzone am Nordufer des Flusses Salzach. Über dieser Linzergrasse ragt eine fast senkrechte Felswand auf, der Kapuzinerberg, ernannt nach dem Kloster der Kapuziner das ober auf dem Berg steht. Das Hotel hatte im Internet schon gemütlich ausgesehen und das stimmte auch in der Wirklichkeit. Ich sollte mich nochmal ein wenig beeilen, weil ich hatte mich aufgegeben für ein „Mozart Dinner concert“ in der alten Stadtmitte am Südufer. Als ich über die “Staatsbrücke” über dem Salzach die Innenstadt hinein ging, geriet ich in eine unvorstellbare Menschenmenge, aus allen Nationalitäten und Kontinenten, die durch die bekannteste Einkaufstrasse von Salzburg, die „Getreidegasse“, flanierten, entlang u. A. dem Geburtshaus Mozarts. Nach einigen Umwegen gelang ich – mit vielen anderen Besuchern – bei dem Stifskeller St. Peter, auch St. Peter Stiftskulinarium genannt, wo das „Mozart Dinner Concert“ stattfinden sollte. Zum Glück hatte ich vorher über Internet reserviert, denn schlussendlich waren alle Plätze besetzt! Das Abendessen wurde serviert im prachtvollen Barocksaal: ein viereckiger Saal mit einer sehr hohen, reichlich bearbeiteten Decke, dekoriert von einer grossen Malerei; in den Nissen der Wände hingen ziemlich moderne, aber farbenfrohe Porträts von Mozart (hinten dem Podium) und seiner Frau Constance, seiner Schwester Nannerle und anderer Damen die eine Rolle gespielt haben in seinem Leben.

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Salzburg: Decke im „Barocksaal“ des St. Peter Stiftskulinariums

Die eleganten Kronleuchter konnten während der musikalischen Intermezzi gedämpft werden. Die Tische – natürlich mit weissen Tüchern und Servietten aus Damast versehen – waren mit schönem Silberbesteck gedeckt worden… Das Ganze hatte eine luxuriöse Ausstrahlung! Das Thema dieses „Mozart Dinner Concerts“ war: Zu Gast bei Wolfgang Amadeus Mozart“; die Musik von Mozart war vor allem seinen Opern entnommen und die Gerichte waren inspiriert auf Rezepte aus dem 18. Jahrhundert. Wir fingen an mit einem Aperitif und stellten uns gegenseitig vor bei unsern Tischnachbarn: ein Amerikanisches Ehepaar aus dem Staat Utah auf Durchreise aus München nach Wien und Prag und eine junge Dame aus Brisbane, Australien, die ursprünglich aus Singapore kam, auf Durchreise aus Wien nach München wo sie einige Wochen verbringen sollte für ihr Studium Betriebswirtschaft. Ihr Name war zufällig auch Pauline! Um uns herum war die Verkehrssprache vor allem (Amerikanisch) Englisch und Japanisch. Jeder war gespannt was der Abend bringen wurde.

Als erster Gang bekamen wir eine klare Hühnerbrühe mit Zitrone („Klares Lemoni-Supperl“) und – sehr Österreichisch – einem „Topfen-Rosmarinknödel“. Ich hatte einen Grüner Veltliner „Alte Reben“ (2017) des Weinguts Kirnbauer aus Deutschkreuz im Österreichischen Burgenland im Osten an der Grenze mit Ungarn. Die Trauben stammen von alten Rebstöcken und das spürt man! Dann kam das erste musikalische Intermezzo. Das Amadeus Consort Salzburg (ein Streichquintett) begleitete zwei Opernsängern, eine Sopranistin und einen Bariton. Sie waren alle gekleidet in authentischen Kleidern zu Mozarts Zeiten, wodurch es extra überzeugend war. Es klangen weitbekannte Arien aus der Oper “Don Giovanni”, wie die Aria von Leporello, der Knecht des Frauenhelden Don Giovanni, worin er alle Eroberungen seines Herren als in einem Katalog auflistet („Madamina, il catalogo è questo“) und das Duett von Don Giovanni mit Zerlina, in wem er versucht sie (obwohl sie schon verlobt ist mit Mazetto) mit zu locken („Là ci darem la mano“). Die Begeisterung und schauspielerische Begabung beider jungen Sänger waren überdeutlich spürbar. Nach herzlichem Beifall wurde der Hauptgang serviert: gefüllte Brust vom gebratenen Capaun (Huhn) an Rotwein-Kräuterglace mit Kartoffelgratin und Gemüsen aus Pater Priors Garten. Als zweites musikalisches Intermezzo wurden Arien aus „Le Nozze di Figaro“ aufgeführt, wieder mit viel Schwung: u. A. das Lied von Figaro wenn er entdeckt dass sein Herr, der Graf, ein Auge geworfen hat auf seine Verlobte, Suzanna, und deswegen das feudale Recht der ersten Nacht wieder einführen wollte („Se vuol ballare, signor contino“, das in freier Übersetzung so viel bedeutet als „Sie denken dass Sie in der Lage sind um das zu erreichen, aber ich bin derjenige der schlussendlich bestimmt was geschieht: nichts!“). In jener Zeit gesehen (drei Jahre vor der Französischen Revolution) könnte es betrachtet werden als Ausserung von Protest gegen die Autoritäten. Auch die Aria „Non piu andrai“, worin Figaro den Jüngling Cherubino neckt mit dem Schicksal das ihn erwartet im Militärdienst, wo kein Platz mehr ist für flirten und schöne Kleider, aber schon marschieren durch den Schlamm und kämpfen auf dem Schlachtfeld, wurde anschaulich aufgeführt. Anschliessend bekamen wir unseren Nachtisch: Waldhonigparfait mit Waldfruchtensosse und Aprikosenkonfitüre und auf dem Teller einem Schattenbild von Mozart in gesüsstem Kakao.

Als der Tisch wieder abgeräumt war folgte der Schluss der musikalischen Trilogie: das Amadeus Concert spielte zuerst den bekannten ersten Satz aus „Eine Kleine Nachtmusik“. Wie speziell war es um diese Musik zu hören wo der Komponist aufgewachsen ist und wo er so vieles Schönes komponiert hat! Aus „Die Zauberflöte“ wurden noch fünf Arien und Duette gesungen: u. A. „Der Vogelfänger bin ich ja“ und „Bei Männer welche Liebe fühlen“. Das Publikum bedankte den Ausführenden mit lautem Beifall!

Nach der letzten Zugabe, ich glaube ein Duett aus der „Nozze di Figaro“, war der Abend vorüber und was es Zeit um die Getränke zu bezahlen. Draussen war es noch angenehm qua Temperatur. Ich ging zusammen mit der Australischen Pauline, zurück in der Richtung der Linzergasse. Der Dom und die Mariensäule badeten im Licht; auch die Festung Hochsalzburg war hell erleuchtet.

Es war ein gemütlicher Abend, wobei schöne Musik, angenehme Gesellschaft und gutes Essen gut zusammen passten. Für mich ein angenehmer Start dieser Reise!

 

Heute bin schon früh am Morgen angefangen mit meiner Wanderung: es sollte sehr heiss werden und auch wieder viele Leute in die Stadt geben, wie ich gestern schon bemerkt hatte in der alten Stadtmitte. Ich möchte zum Kapuzinerberg gehen, den ich bei meiner Ankunft schon senkrecht hinter der Linzergasse hochragen gesehen hatte. In der Nähe des Hotels Stadtkrug sah ich ein schönes altes Tor, hinter wem ein steiler Weg mit einer Treppe als Gehsteig hochführte.

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Salzburg: das Tor zum Kapuzinerberg

Als ich einmal etwas auf Höhe gekommen war, wurde mit jedem Schritt das Panorama auf die umliegende Landschaft schöner. Eine Infotafel meldete dass de Berge um Salzburg die Stadt gegen Feinde geschützt haben und einen fast nicht erschöpfbaren Vorrat von Baumaterialien geboten haben, aber dass die Berge auch eine Gefahr bilden können. Einer der grössten Bergstürze hat 1669 stattgefunden: damals rutschte ein Teil des Mönchberges (am Südufer des Flusses Salzach) hinunter, wobei rund 220 Menschen ums Leben kamen und die Steinhaufen so hoch gestapelt waren dass man zu Fuss vom Salzach zum Berggipfel gehen konnte…

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Salzburg: Blick vom Kapuzinerberg zum Mönchberg mit dem Museum der Moderne und dem Berg Hoher Staufen in der Ferne

Nach einer Weile erreichte ich das Kapuzinerkloster, woran dieser Steinkoloss seinen Namen dankt. Der Berg ist schon sehr lange bewohnt worden: auf einer Gedenktafel wird angegeben dass es zuerst eine Keltische Niederlassung gab bevor die erste Festung errichtet wurde die rund 1600 zum Kloster umgewandelt wurde. Das Kircheninnere war reichlich bearbeitet, aber das moderne, kräftig stilisierte Kreuz was auch ziemlich auffällig! Draussen steht ein Kopf aus Bronze des Österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) auf einer Stele – er lebte in einem Haus auf dem Klosterberg von 1919 bis 1934, wo er seine wichtigste Arbeiten geschrieben hat. Nebenan ist ein Brustbild von Mozart aufgestellt worden an jener Stelle wo von 1877 bis 1948 das Gartenhäuschen gestanden hat, das ursprünglich in Wien stand und wo Mozart seine Oper „Die Zauberflöte“ komponiert hat. Im Zweiten Weltkrieg war es so schwer beschädigt worden dass es umgerissen ist – ein Replikat steht beim Mozarteum in der Stadt.

Auch hier gibt es laut der Infotafel ein aus geologischer Sicht interessantes Phänomen: die Nordseite des Kapuzinerberges besteht aus Dolomitenkalk aus einer älteren Periode als der unterliegende Mergel. Die Südseite des Berges besteht aus sedimentärem Gestein aus späteren Zeiten. Der runde Form des Berges ist damals entstanden durch die Reibung des Salzachgletschers.

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Salzburg: die geologische Zusammensetzung des Kapuzinerberges auf einer Infotafel

Der ganze Kapuzinerberg ist zugewachsen von Buchen die in dieser Jahreszeit wunderbar hellgrüne Blätter zeigen. Es ist klar dass in den vergangenen Monaten hier angestrengte Arbeit geleistet worden ist: es liegen Stapel Rundholz auf einem Flachwagen und geklüftetes Holz in Bündeln entlang der Strasse.

An vielen Stellen blühte die Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus): eine nicht-rankende Platterbse mit tief-purpurnen Blüten die später zu blau verfärben. Die Pflanze kommt vor allem in Mitteleuropa vor und hat eine Vorliebe zu kalkreichen Boden – also hier!

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Salzburg: blühende Frühling Platterbse (Lathyrus vernus) am Kapuzinerberg

Nach noch einem ziemlich anstrengenden Aufstieg kam ich bei der meist nordöstlichen Ecke des Kapuzinerberges, beim Franziskischlössl wo auch es dort wieder schöne Fernblicke gab zum Norden über die Ebene und zum Süden zu den Bergen.

Der Abstieg zur Stadtmitte war wegen Bauarbeiten gesperrt worden, also ging ich über die Nordseite des Kapuzinerberges nach unten. Ich war jedoch froh dass ich diesen Weg nicht zum Aufstieg gewählt hatte: der Weg führte über im Berg ausgehackten Stufen mit viereckigen Balken. Irgendwo halbwegs wo die Geräusche der Stadt schon wieder lauter wurden, hörte ich ein Geraschel in den dürren Blättern am Berghang. Als ich aufschaute ob es wohl wieder eine Amsel war, stand ich Auge im Auge mit einer Gämse! Dass es die Möglichkeit gäbe um am Kapuzinerberg Gämsen zu sehen – sie leben dort schon seit Jahrhunderten – war schon angegeben worden auf einer der Informationstafel, und auch auf der Webseite des Hotels, aber eine besondere Überraschung war das schon….

Einmal wieder in der Geschäftigkeit der Stadt zurückgekehrt lief ich entlang dem schnellströmenden Salzach zum Mozartsteg, eine in Jugendstil gestaltete Fussgängerbrücke aus 1903 um zum Mozartplatz zu gehen: ich hatte eine Salzburgcard reserviert, die mir Recht gibt auf gratis Öffentlichen Verkehr und Eintritt in Museen usw.

Auf den Weg zum Mozartplatz sah ich zwei ganz unterschiedene Denkmäler: drei in Form eines Herzens gestutzten Efeupflanzen gegen der Mauer des Rudolfkais entlang dem Salzach und ein modernes Kunstwerk mit dem Titel „Der Zaun des Anstosses“, wie ein erfolgreicher Protest gegen den in den 1980er Jahren geplante Bau einer nukleären Aufarbeitungsfabrik in Wackendorf, gerade über die Grenze in Bayern. Auf dem Mozartplatz steht natürlich das Standbild von Mozart selber, das wie ein Magnet wirkt auf alle Touristen. Also machte ich auch mal ein Foto… – mit dem Kapuzinerberg im Hintergrund.

Mit der Salzburgcard in der Tasche sah ich in der Nähe das Salzburger Weihnachtsmuseum – daran konnte ich nicht vorbei gehen! Im Gebäude wo auch Café Glockenspiel ist, wird seit 2014 im ersten Stock die spezielle Sammlung präsentiert die Frau Ursula Kloiber während 40 Jahre angelegt hat, rund das Thema Weihnachten und Adventzeit, vor allem in der Periode 1840-1940, eine Epoche mit grossen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Änderungen in den Deutschsprachichen Ländern. Es war sehr interessant, denn es handelte sich nicht nur von Adventskalendern, Wunschzetteln für das Christkind oder Weihnachtsmärkten, aber auch um die Verschiebung der Festlichkeiten um den Heiligen Sankt Nikolaus am 6. Dezember, wie bei uns in den Niederlanden, zur Advent- und Weihachtzeit. Hier wird der Knecht des Sankt Nikolaus nicht dargestellt als ein negroide Mann, wie in den Niederlanden, aber als eine Art dämonischer und abschreckender Wildemann mit unterschiedlichen Bezeichnungen wie Krampus oder Knecht Rupert. Er hatte Hörner, ein rotes Gesicht, wilde Haare und einen grossen Sack in den er die ungehorsamen Kinder steckte. Mann sollte sich also besser vernünftig verhalten, denn auf diese Weise bekommt man etwas Leckeres… Jedoch entwickelte sich in Wien um 1900 eine richtige Krampus-Manie. In den Schaukästen waren verschiedenen Nikolaus- und Krampus-Puppen aufgestellt worden.

Natürlich wurde auch Aufmerksamkeit geschenkt an den Schmuck des Weihnachtsbaum. In dem Ersten Weltkrieg konnte man eben einen kleinen schon versierten Weihnachtsbaum kaufen, in einer robusten Verpackung die man zum Front abschicken konnte… In den Schaukästen wurden wundervolle Juwelen von Weihnachtschmuck gezeigt, wie Nikolaus und Krampus Statuen aus Porzellan (Wien 1920), Bauwerke von feiner Scherenschnittarbeit und Jugendstil Glas.

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Salzburg: Nikolaus und Krampus aus Wiener Porzellan (1920) im Salzburger Weihnachtsmuseum

Wieder zurückgekehrt in die Mittagssonne, ging ich weiter zum Residenzplatz wo das Wasser eines sehr schönen Brunnen nicht nur plätschernd hinunter fiel, aber auch noch von dem kräftigen Wind mitgeführt wurde. Der Auftrag für diesen Brunnen ist um 1650 gegeben von einem der wichtigsten Erzbischöfe von Salzburg. Der Barockbrunnen gilt heutzutage als einer der wichtigsten Europas. Auffallend sind die schnaubenden wasserspähenden Pferde am Fuss des Brunnens. Bei Tageslicht ist er gleich schön wie am Abend!

Am nebenan liegenden Domplatz gab es im Vergleich mit gestern Abend sehr viele Leute: viele Touristen liefen herum und die Fiaker mit den kleinen, wilden Pferden standen und warteten ab. Um der Mariensäule waren viele beschäftigt mit fotografieren. Diese Statue, eine Zusammensetzung aus gebildhauertem Marmor und gegossenem Blei, steht gerade in der Axe der Fassade des Domes, weshalb es scheint als ob die von zwei Engelen getragene goldenere Krone in der Fassade ganz passt auf dem Kopf von Maria. Arkaden verbinden die Plätze um dem Dom, wie auch zum Kapitelplatz an der Südseite des Domes. Dort steht seit 2007 ein auffallender grosser goldener Kugel, mit einem proportionell grossen Man in einer schwarzen Hose und einem weissen Hemd: ein Teil des Kunstwerks „Sphaera“. Der andere Teil ist eine Dame mit einem roten Kleid die in einer Nisse des Toscaninihofes steht, die ich jedoch nicht gesehen habe. Der Goldkugel mit Mann ist neun Meter hoch, ist entworfen worden vom Deutschen Künstler Stephan Balkenhol (1957) und wird auch mal der „Balkenhof-Mozartkugel“ genannt…

Ich wurde mitgeführt in einem trägen Strom von Touristen zur Standseilbahn die uns zur Festung Hohensalzburg hochfahren würde. Es stellte sich heraus dass ich mit der Salzburgcard ohne endlos Schlange zu stehen bei den Kassen direkt zu der Bahn gehen konnte und dort einchecken. In einer Minute fuhr eine moderne Standseilbahn mich 120 Meter höher. Was gibt es einen beeindruckenden Weitblick von den kolossalen Festungsmauern!

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Salzburg: Blick von der Festung Hohensalzburg in südöstlicher Richtung

Mit dem Bau dieser Festung Hohensalzburg war schon 1077 angefangen, aber sie ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erweitert worden: eigentlich ist sie eine Festungsstadt.

1525/1526 ist die Burg belagert worden, wobei trotz eines strengen Ranzionierens ein Hungersnot drohte. Es war nur noch ein Stier übrig geblieben. Man dachte eine List aus: man trieb den Stier auf die Festungsmauer damit der Feind schon sehen konnte dass die Leute noch immer etwas zu essen hatten. Anschliessend wurde der Stier gewaschen und schwarz bemalt. Am nächsten Tag trieb man den Stier wieder auf die Festungsmauer: es hatte zu Folge dass der Feind die Belagerung aufgab und abfuhr! Der Stier wurde aufs Neue gewaschen und jeder feierte. Seitdem werden die Einwohner Salzburgs „Stierenwäscher“ genannt…

Wenn man von Wasser und Waschen spricht: als ich wieder hinuntergegangen bin mit der Standseilbahn und in die Richtung des Mönchberges lief, passierte ich die „Pferdeschwemme“, den Teich der 1603 erbaut und ursprünglich diente um die Paradepferde der Erzbischöfe zu waschen und ab zu spülen. Die Fresken auf den Mauern und die wunderschöne Statue des „Rossebändigers“ deuten darauf hin.

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Salzburg: Die Statue der Rossebändiger in der Pferdeschwemme, das „Waschbecken“ für Pferde aus dem 17. Jahrhundert

Ich war auf den Wege zum Museum der Moderne, oben am Mönchberg, ein tatsächlich modernes Gebäude, das zu erreichen ist mit einem grossen Aufzug ohne Aussicht. Jedoch oben angekommen wird das wieder kompensiert – auch mit dem Blick auf die moderne Fassade oberhalb von der Terrasse des Restaurants!

Beim Restaurant M32 war viel Betrieb, aber ich bekam noch einen Platz auf der Terrasse mit Blick auf die Festung Hohensalzburg unter einem Sonnenschirm und einigermassen geschützt gegen den Wind. Der Wein war ein Riesling und das Brot schmeckte nach Anis! Die Spargelsuppe mit Kerbel und die hausgemachten Tagliolini mit Spinat und Ziegenkäse waren extra schmackhaft mit diesem Panorama…

Die Anleitung um das Museum der Moderne zu besuchen war eine Ausstellung über Erich Kirchner (1880-1938). Dieser Deutsche expressionistische Maler hat lange Zeit in Davos, in der Schweiz, gelebt und geschafft. Er war Gründer der Kunstströmung “Die Brücke” (1905-1913). Es gibt auch noch eine Verbindung mit dem Niederländischen Künstlerkollektiv „De Ploeg“ (Der Pflug) aus Groningen: der Gründer Jan Wiegers hatte während seines Aufenthaltes in einem Sanatorium in Davos häufig Kontakt gehabt mit Kirchner und ist stark von ihm beeinflusst worden. Kirchner ist der einzige aus seiner Strömung der sich intensiv mit der Fotografie beschäftigt hat. Er hat ungefähr 1.300 Glas- und Zellulosenegativen, eine Sammlung von „vintage prints“ und gebundene Fotoalben mit Fotos seiner Bilder, Zeichnungen, Bildhauwerken und grafischer Kunst nachgelassen. Er wendete das Medium Fotographie nicht so sehr um Kunst zu schaffen, aber um sozusagen seinen Blick zu trainieren. In der Ausstellung werden viele seiner Fotos gezeigt: nicht nur als vintage print, sondern auch als moderner Druck aus einem Inkjet Printer. Viele seiner Besucher und sicher auch Besucherinnen sind fotografiert worden mit den Alpen und der Bergvilla auf dem Hintergrund. Die Bilder seiner in Wirklichkeit sehr farbigen Kunstwerke wirken eben beeindruckender weil es nur schwarz-weisse Farben gibt. Ein junger Schweizer Fotograf hat eine Fotoserie gemacht über den Diplomaten „Louis de Marsalle“, mit Afrikanischen Wurzeln, ein fiktiver Alter-Ego von Kirchner, das er geschaffen hat um vor allem in Frankreich bekannter zu werden. Auf diesen modernen schwarsz-weissbilder sieht man einen dunklehäutogen Mann, gekleidet nach der Mode von den 1920er Jahren, posieren in Davos, vor dem Bahnhof im Schnee, in der Villa von Kirchner – es regt die Vorstellungskraft sicher sehr an!

Gegen drei Uhr bin ich zurückgegangen zu meinem Hotel. Der Makart Steg ist eine der Fussgängerbrücken über den Salzach. Das Spezielle ist dass am Gitter der beiden Geländen tausende Hängeschlösser hängen: im Laufe der Jahre haben Geliebten hier die Schlösser zugemacht und den Schlüssel in den Salzach geworfen – „love for ever“!

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Salzburg: der Makart-Steg mit tausenden Vorhängeschlössern – der Schlüssel liegt im Salzach…

Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel bin ich zum Schloss Mirabell gegangen für ein Konzert – wieder mit viel Mozart – das gegeben würde im „Marmorsaal“. Das ursprüngliche Schloss Altenau ist gebaut worden um 1600 in Auftrag vom Prinzen Erzbischof Wolf Dieter von Raintenau als Geschenk für seine Konkubine Salome Alt und ihren Kindern. Nach dem Fall von Wolf Dieter 1612 hat sein Nachfolger das Schloss umgetauft in Schloss Mirabell. Seitdem ist das Schloss mehrmals umgebaut worden (das letzte Mal nach dem verheerenden Stadtbrand von 1818, wodurch es etwa sein barockes Charakter verloren hat).

Die weltberühmten Gärten um dem Schloss datieren aus dem frühen 18. Jahrhundert und sind aufgenommen worden in der UNESCO Welterbeliste. Sie sind erspart worden vom grossen Stadtbrand. Der Blick vom Schloss auf die Festung Hochsalzburg ist einzigartig!

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Salzburg: Blick vom Schloss Mirabell über die Gärten zur Festung Hohensalzburg

An der Aussenseite des Schlosses sieht man den Überdruss des Inneren nicht, aber eimal drinnen ist alles aus Marmor, mit übermässigen Stuckarbeiten und kostenspielerischen eingelegten Fussböden. Das Treppenhaus (der Donner-Stieg, genannt nach dem Architekten Georg Donner aus dem 18. Jahrhundert) ist sehr räumlich ausgelegt mit Götterstatuen in Nischen und tänzelnden „Putti“ aus Marmor auf den Balustraden. Wer sollte hier nicht geneigt sein um entlang den Balustraden hinunter zu gleiten statt normalerweise die Treppe zu gehen…! Das Treppenhaus und der Prunksaal, der “Marmorsaal” sind unbeschädigt aus dem Stadtbrand gekommen.

Der Marmorsaal wird heutzutage vor allem benützt für offiziellen Empfänge und Konzerte, wie heute Abend. Der Saal ist auch sehr beliebt als Trausaal – er sollte der schönste Trausaal der Welt sein, aber meiner Meinung nach ist es schon wirklich „over the top“! Überall wo man hinschaut gibt es Engelchen aus Blattgold auf den Wänden, verschiedene Varietäten Marmor und anderer Gesteine. Die hohe Decke mit Kronleuchtern ist bemalt worden mit Rosetten und an den Seiten mit geflügelten Löwen und Girlande-tragenden Adlern. Welch ein Unterschied mit der Häuslichkeit des Barocksaales im St. Peter Stiftskulinarium gestern Abend!

Salzburg: der „Marmorsaal“ im Schloss Mirabell
de.wikipedia.org/wiki

Aber die Akustik ist wunderbar! Der Überlieferung nach sollten Leopold und der junge Wolfgang Mozart hier schon musiziert haben. Der Saal füllte sich mit Konzertbesuchern; ich war in der zweiten Reihe. Das Streichquintett Ensemble Altenau spielte Werke von W.A. Mozart und zusammen mit dem Mexikanischen Gitarristen Cecilio Perera  Werke des Italienischen Komponisten Mauro Giuliani (1781-1829) und Antonio Vivaldi (1678-1741). Das Ensemble fing an mit der “Salzburger Simfonie”, wobei es sich herausstellte dass das Publikum hier nicht vertraut war mit Konzertsälen, denn es wurde applaudiert nach jedem Satz der Symphonie … Von Giuliani stand ein Konzert für Gitarre und Streicher auf dem Programm: es wurde mit grosser Begeisterung musiziert. Nach der Pause (mit einer kleinen alkoholischen Erfrischung im Form einer Mini-Flasche Österreichischen Sekt) spielten das Ensemble und der Gitarrist das Konzert für Gitarre und Streicher von Vivaldi. Perera stellte seinen Musikpult zur Seite und fing an das Konzert auswendig zu spielen. Jetzt wurde es dem Publik klar dass Beifall fehl am Platz war wegen der Konzentration und hielt sich inne. Welch eine schöne Ausführung wurde es! Der Gitarrist kündigte seine Zugabe an mit nur einem Wort: „Tango!“. Die Engelchen aus Blattgold und die Girlande-tragenden Adler verschwanden als die klassische Gitarre fast Feuer fing und wild knurrte durch die Musik! Grossartig! Als letztes spielte das Ensemble Mozarts Serenade „Eine kleine Nachtmusik“, just etwas feuriger als erwartet… Nach noch einer Zugabe von allen Musikern – ein bekanntes Thema aus einem Film, an dessen Titel ich mich nicht mehr erinnern konnte – war das Konzert zu Ende. Welch ein Erlebnis!

Zurück im Hotel habe ich meinen Rucksack wieder gepackt: Morgen gehe ich zeitlich mit dem Zug nach Trieste, denn jetzt ist es wieder Zeit zum Wandern. Ich weiss bestimmt dass ich diese besondere Stadt noch öfters besuchen werde!