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Den 15. Mai 2018

Hoch über den Küstenweg und tief in der Höhle

Gestern habe ich wieder mal versucht um die übrigen 17½ Kilometer der Etappe B3 zu meistern, von Prosecco bis Sistiana. Dazu startete ich in Prosecco. Das Wetter war trüb und nicht mehr so schön wie die letzten Tage. Auch war Regen vorhergesagt – aber vorläufig konnte ich noch in meiner Wandershirt gehen. Auch in Prosecco stand wieder ein Symbol des Alpe Adria Trails – diesmal ein richtiger „Wegweiser“.

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Prosecco: hier steht auch wieder ein Mann aus rostigem Eisen

Der Weg ging erneut über Pfade durch den Wald entlang Höhlen und über dem Karstrücken mit Blick auf das jetzt graue Adriatisches Meer. Es hatte in diesem Moment angefangen um ein wenig zu nieseln.

Unterwegs begegnete ich keinem Vieh, aber wohl einem künstlichen Teich. Es gab Nagespuren an den Bäumen rundum dem Wasser. Der Wasserspiegel bewegte nicht nur durch die Regentropfen, sondern auch durch die Kaulquappen!

Nachdem ich das Zentrum von S. Croce del Carso erreicht hatte, so gegen Mittag, kam ich leider auf die Asphaltstrasse ohne dass ich noch eine Andeutung zur touristischen Route fand. Schade: es fing jetzt wirklich an kräftig zu regnen. Der Schirm und Pullover reichten nicht mehr aus: die Jacke musste angezogen werden und die Haube über den Rucksack… Ein kleines Geschenk auf dieser regnerischen Wanderung war das Auffinden einer Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) die stolz an der Strassenkante stand, gerade bevor ich Aurisana hereinkam.

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Aurisana: eine Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) an der Strassenkante

Als ich Aurisana reinkam war es mittlerweile schon gegen 13.00 Uhr und es sah nicht so aus als ob das Wetter sich rasch erholen würde… Auch heute konnte ich das Ziel dieser Etappe, Sistiana, nicht mehr erreichen. Mit noch 10 Kilometer zu gehen fasste ich den Entschluss um den nächsten Bahnhof zu suchen und nach Trieste zurück zu kehren. Das war also Bivio d’Aurisana.

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Bivio d’Aurisana: der Bahnhof

Ich lief entlang dem berühmten Marmorsteinbruch Cava Romana, der schon in Römischen Zeiten eine bedeutende Rolle spielte. Das Gelände war voller hoch aufgestapelten grossen Brocken weisses Gesteines, die aufhellten im Nieselregen. Bei meiner Ankunft in Trieste schien die Sonne sogar wieder ein wenig. Umso mehr den Beweis geliefert dass die Sonne immer scheint ‒ nur waren einige Schauerwolken hervor geschoben.

Und heute war das Wetter viel besser! Am Tag dass ich aus Trieste abreisen wurde um nach Gorizia zu gehen, schien die Sonne tatsächlich und war es angenehm war. Weil ich erst am Nachmittag den Zug nehmen wollte, hatte ich noch genügend Zeit um zur Höhle Grotta Gigante zu gehen, zwischen Opicina und Prosecco, etwas nördlicher von Trieste, beim kleinen Dorf Borgo Grotta Gigante.

Es war eine spektakuläre Happening: vom Empfangsgebäude oberhalb der Grotta Gigante mit einem kleinen, informativen Besucherzentrum, stiegen wir um 10.00 Uhr unter Begleitung eines Wanderführers 500 Stufen hinunter – und nachher auch wieder hinauf. Er überschüttete uns in fliessendem Englisch (mit einem rührenden Italienischen Akzent) mit Informationen über die Höhle, wie sie entdeckt worden ist und auf welche Besonderheiten wir achten sollten. Er erzählte dass im Jahre 1840 ein Ingenieur auf der Suche ging nach weiteren Wasserquellen für die stetig ausdehnende Stadt Trieste und dabei auf diese Höhle traf; sie ist ungefähr 110 Meter tief und wie der Name schon sagt „gigantisch“. Der Begleiter wies auf eine kleine Öffnung ganz oben im Kuppel der Höhle, wodurch die ersten Forscher waren abgeseilt und scherzte: „dieser Eingang ist nicht fürs Publikum geöffnet!“ Nur Anfangs des 20. Jahrhundert ist sie weiter wissenschaftlich untersucht worden. 1922 ist die Höhle fürs Publikum geöffnet. Von diesem Moment an ist das ganze Trajekt elektrisch beleuchtet. Es ist eine trockene Höhle, die entstanden ist weil der Fluss Timavo im Laufe von Millionen von Jahren den Kalkstein ausgehöhlt hat. Solch ein Prozess verläuft ultra-langsam: 1 Mm pro 10 bis 15 Jahre… Sie ist jetzt auch eine fossile Höhle – die Ablagerungen wachsen immer noch, aber jetzt vom durchsichernden Regenwasser. Das war hier und da auch sichtbar: eine nasse Glasurschicht oben auf einem Stalagmit. Es gibt auch kleine, scharfe Stalaktiten die von der Decke hinunterhängen, Stalagmiten die aussehen wie ein hoher, manchmal etwas schräger Stapel von Tellern, Steinmassen mit Blumenmotiven ‒ eine Vielheit an Formen und Farben. Die Farben sind sehr unterschieden: grau-weiss deutet auf reinen Kalziumkarbonat, braun auf mit dem (Regen)wasser mitgeführten Eisen der aus der fruchtbaren roten Erde („terra rossa“, worauf die Weinreben so grossartig wachsen!) stammt. Weil es keinen Tageslicht in der Höhle gibt, könnte man denken dass dort nichts wächst. Das ist angeblich nicht der Fall: bei den elektrischen Beleuchtungspunkten sieht man grünes Moos, kleine Farnen usw., wovon die Sporen mitgeführt worden sind in den Kleidern der Besucher! Die Höhle ist nicht nur geöffnet für das „Oh und Ah“ rufende Publikum, aber dient auch als wissenschaftliches Zentrum der Universität von Trieste, die Erdoberfläche auf Bewegungen scannt: die „Erdzeiten“, vergleichbar mit den Gezeiten des Meeres (die etwas leichter wahr zu nehmen sind), aber die alle beide verursacht werden von der Schwerekraft der Sonne und des Mondes. Dazu sind 1957 zwei grosse Pendel installiert worden die ungefähr 100 Meter lang sind und an der Decke der Höhle befestigt sind. Die Erdbewegungen bringen Schwingungen hervor die an der Unterseite der Pendel bis auf 40.000 Mal verstärkt werden. Die Daten werden durch ein modernes Glasfibernetz in die Computer der Universität weitergeleitet. Die zwei Pendel stören nicht in der Höhle: sie sehen aus wie zwei lange weisse Bänder die von der Decke der Höhle hinunterhängen. Nicht nur Erdbeben, aber auch die tektonischen Bewegungen der Afrikanischen und Europäischen Erdplatten werden registriert. In der Höhle ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch und die Temperatur immer 11°, am Anfang etwas kühl, aber von dem vielen Treppensteigen spürt man das irgendwann nicht mehr! Jeder war zwar beeindruckt, aber auch ausgiebig beschäftigt mit Fotografieren – wie auch ich. Hiernach einige Impressionen:

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Grotta Gigante: hier wird eine Warnung abgegeben…

Als ich einmal wieder an die Oberfläche gelangt war und mir den Schweiss vom Stirn gefegt hatte, war es Zeit um nach Trieste zurück zu kehren. Deshalb stieg ich bei der gleichen Haltestelle wieder in den Bus. Auch diese Linie 42 machte eine „Runde über die Dörfer“ des Hinterlandes von Trieste, ganz in der Nähe der Grenze mit Slowenien. Bevor ich es wusste, dass ich eigentlich in Opicina hätte umsteigen sollen auf die berühmte Linie 2, fuhren wir wieder über den gleichen Weg zurück zur Grotta Gigante und von dort zurück in die Stadt. Eine Reise von einer Stunde: es war interessant um diesen Teil der Grenzregion zu sehen mit ihren üppigen Grünanlagen und ihrer Ruhe (zumindest in diesen Zeiten).

Ich trank noch schnell einen Espresso am Bahnhof und stieg in den Zug von 13.27 Uhr nach Gorizia. Bei Bivio d’Aurisana konnte ich vom Zug aus richtig sehen wie gross der Steinbruch der Cava Romana wirklich war! Auch vom Zug sah ich einige Besonderheiten die ich zu Fuss über die Etappe B3 aus nächster Nähe hätte betrachten können. Gilt dies auch als „Etappe vollendet“? Ich glaube nicht: es gibt mir also einen weiteren Grund um nochmals zurück zu gehen nach Trieste!

Nach einer Reise von 45 Minuten durch eine sich immer ändernden Landschaft – mit Flussen! ‒ kam ich an am Bahnhof von Gorizia. Mein Hotel trägt den wohllautenden Namen „Grand’Hotel Entourage“ und ist situiert im „Palazzo Strassoldo“ aus 1440. Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte, aber es ist seit 2004 ein Hotel. Ich installierte mich in einem geräumigen, hellen Zimmer im zweiten Stock mit einem schönen Blick auf die Berge im Süden.

Am Abend ging ich noch kurz zur Enoteca, die zum Hotel gehört. Hier fand ich heraus dass ich mit Englisch nichts anfangen konnte. Ich bestellte also mit einiger Mühe „uno vino bianco regionale ed uno sandwich con prociutto crudo, per favore“ und bekam ein Glas Friulano (also gut, zwei Gläser!) und gutes Brot belegt mit rohem Schinken. Ich war ein zufriedener Mensch.

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Gorizia: ein Glas Friulano und Brot mit Prosciutto crudo