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Den 17. Dezember 2019

Von der Westküste wieder zurück zur Ostküste

Als ich gestern Morgen aus Hokitika abreiste, ging ich nicht in die Richtung meiner ersten Begegnung mit den Südalpen, wie ich geplant hatte: zum Fox-Gletscher… Gerade bevor ich in Neuseeland ankam ist der Südinsel von Unwetter heimgesucht worden, wobei vor allem im südlichen Teil der Insel, also auch beim Fox-Gletscher, grosse Überschwemmungen aufgetreten sind, und die Situation war eben so schlimm, dass das ganze Alpingebiet an der Westküste von der Aussenwelt abgeriegelt worden war auf Last der Regierung. Hierdurch fiel einer der Schwerpunkte meiner Reise aus: ein Besuch an diesen Gletscher, der so speziell ist weil das Eis eigentlich bis in einen Regenwald reicht. Als ich beim Abfüllen meines Benzintanks einen Blick in südöstlicher Richtung warf sah ich jene beschneite, majestätische Gebirgskette, mit dem Mount Cook (Aoraki auf Māori) in der Hauptrolle, aufragen und der Anblick machte mich ziemlich traurig, denn ich wusste dass ich heute nicht näher herankommen würde… Ich war hierüber vom Reiseveranstalter informiert worden als ich in Kaikoura war – dann tritt solche Kalamität schon ganz nah heran… Meine Unterkunft nach den Gletscher wäre in Wanaka gewesen, weiter südlich, auf 10 Autostunden von Hokitika. Ich konnte selber entscheiden wohin ich in der Zwischenzeit gehen möchte, deshalb entschied ich mich um wieder zur Ostküste zu gehen. Die Stadt Timaru im südlichen Teil von Canterbury sollte mir schon gefallen. Dort hatte ich selbst ein Chalet in einem Ferienpark gebucht. Ich war schon froh dass ich eineinhalb Tage in Hokitika verbracht hatte, im Ort der im Prinzip „nur“ ein Zwischenstopp gewesen wäre auf dem Weg zum Gletscher… Die heutige Reise wurden fast 5 Stunden beanspruchen über einen Abstand von etwa mehr als 300 Kilometer…

Die Reise nach Timaru führte mich wieder über den Arthur’s Pass – ein gewagtes Abenteuer, weil ich immer gesagt habe dass ich lieber mit dem Postauto einen Bergpass überwinde, oder durch einen Tunnel! Von Hokitika zum Arthur’s Pass fuhr ich entlang viel grüneren und wohlhabenderen Gegenden (was Landwirtschaft betrifft) als mit dem nördlichen Weg den ich von Hanmer Springs zur Westküste gegangen war. Ich folgte jetzt dem (auch wieder verflochtenen) Taramakau Fluss der südlich von Greymouth in das Tasman Meer mündet. Der grösste Seitenfluss ist der Otira Fluss, der im Berggebiet nordwestlich vom Arthur’s Pass entspringt und nach Norden fliesst. Dort ist das Tal noch ganz breit mit viel Raum für den Fluss. Je weiter ich nach Süden fuhr, stromaufwärts, bis zum Ort Otira, wo auch der Tranzalpine Zug anhält, desto enger wurde das Tal und desto steiler die Berghänge. Der Weg führt anschliessend über ein spektakuläres Viadukt, wodurch die Otira Schlucht überbrückt wird: mit einer Spannweite von mehr als 400 Metern und ruhend auf vier Pfeilern. Seit 1999 braucht der Verkehr nicht länger einen gefährlichen Weg durch die Schlucht zu benutzen mit vielen Kehren und mit einem grossen Risiko auf Lawinen. Weiterweg war nach mehreren Kehren ein Ausschauposten kreiert worden von wo man einen schönen Überblick hatte über die ganze Schlucht – aus dieser Höhe sah die Bücke nur winzig und verletzlich aus! Auch konnte man gut sehen wieviel der Weg noch steigen sollte bis zum eigentlichen Arthur’s Pass. Im Winter ist hier ein ausdehntes Skigebiet bei Mt. Temple (1.913M). Ich sah dass es jetzt noch Schnee auf dem Gipfel gab!

Nach einigen Kilometern kam ich beim Arthur’s Pass an: auf 924 Metern Höhe. Ich stieg aus um das Denkmal an zu schauen das zu Ehren des Entdeckers dieses Durchgangs errichtet worden ist: Arthur Dobson (1841–1934). In den 1860er Jahren war das Landesinnere der Südinsel noch unbenanntes Terrain. Dobson hat als Landvermesser viele Gegenden vermessen: bestimmt als Gold aufgefunden wurde, sollte eine schnelle Verbindung zwischen der Westküste und der Ostküste zustande gebracht werden. 1864 hat er als erster Westler diesen Pass entdeckt mit Hilfe eines Māori Stammeshaupts von der Westküste: die Māori hatten diese Route benutzt für den Transport von pounamu, dem neuseeländischen Jade. Ausser der grossen aus groben Stein hergestellten Säule mit Plakaten stand noch ein kleines Denkmal in der Nähe: es war 1964 aufgerichtet worden anlässig der Entdeckung ein Jahrhundert zuvor. Auf gleicher Weise war eine kleine Säule entworfen worden mit einer Windrose worauf zu den ringsum liegenden Berggipfeln verwiesen wurde. Hier war auch die Grenze zwischen den Regionen Westland und Canterbury: ich hatte mittlerweile ab Hokitika 100 Kilometer abgelegt. Die Aussicht auf die umliegende, wilde Berglandschaft war beeindruckend. Auch hier waren viele Berghänge überdeckt von Schuttkegeln. Es war deutlich ein Feuchtgebiet, denn es gab viele kleine Seen, wo auch viel mountain flax wuchs, aber an einer Stelle blühte hellweisser Mt. Cook Hahnenfuss (Ranunculus lyallii). So eine Überraschung, denn es ist eine einheimische, aber auch sehr seltene Pflanze! Das dunkelgrüne Blatt glänzte in der Sonne. Jedoch war der Wind schneidend kalt – die Temperatur war nur 5°C!

Von der Passhöhe waren es noch vier Kilometer nach Arthur’s Pass Village, wo ich letzte Woche schon gewesen war mit dem Zug. Ich trank einen Kaffee im Arthur’s Pass Café&Store, wo man nicht nur zum Essen gehen kann, aber auch viele Sachen kaufen und tanken kann: es ist die einzige Tankstelle in weitem Umkreis! In der Nähe gibt es eine Kolonie von Keas (Nestor notabilis), eine einheimische Papageienart. Die Vögel sind heute streng geschützt, aber früher wurden sie kräftig bestritten, weil sie auch Schafe attackierten! Es ist ein aussergewöhnlich intelligenter und frecher Vogel, und dazu sieht er auch wunderschön aus: sein Federkleid ist goldgrün, aber wenn er auffliegt werden die hellorangen Unterseiten der Flügel sichtbar. Irgendwann stürmten viele Besucher im Restaurant zum Fenster: es sass ein Kea auf einem der Tischen draussen und war beschäftigt um nach den Essensresten zu picken. Jetzt konnte ich auch sehen wie gross der Vogel ist im Vergleich zum Haussperling der auch daneben sass! Später flog er nach einem anderen Tisch und liess sich ausgiebig fotografieren, während er äusserst kokett dasass…

Ich hatte den Arthur’s Pass schon etwas Besonderes gefunden, aber nach meiner Abreise aus dem Dorf kam ich beim Waimakariri Fluss den ich auch schon vom Zug aus gesehen hatte. Jetzt hatte ich eine atemberaubende Aussicht nach Westen auf die Berge wo der Fluss entspringt und die das breite Tal abschirmen. Stromabwärts sah ich wie der Bealy Fluss der entlang Arthur’s Pass Village fliesst in den Waimakariri Fluss mündet. Es gab einen grossen Parkplatz am linken Ufer des Flusses wo viele Autos und campervans standen. Wir hatten alle ein grosses Lächeln auf dem Gesicht weil wir dieses überwältige Panorama so genossen. Die vielen Farben Blau von Waser und Himmel wurden ergänzt von grossen violetten Flächen: Staudenlupinen! Auch hierzu passt wieder eine schöne Geschichte: alte Māori nannten diese beschneite Gebirgskette „Te Tiritiri o te Moana“: die Schaumkronen der Wellen im Meer, weil sie meinten dass die Gipfel den Ozean, weit weg, reflektierten. Auch sahen sie in den Bergen die versteinerte Unterseite des grossen Kanos womit Aoraki, der ferne Vorfahre der Māori, auf See gekentert war: auf dieser Weise sollte Neuseeland entstanden sein. Jeder Gipfel war benannt nach einem Vorfahren oder einer Gottheit. Es war ein wunderbares Erlebnis um dort zu stehen und die Energie von Bergen und Wasser zu spüren.

20191218_110407 - Neuseeland - Canterbury - Arthur's Pass National Park - Waimakariri Fluss - Kiesbank - schneebedeckte Berge
Südlich von Arthur’s Pass Village: Blick nach Westen in die Richtung der Quelle des Waimakariri Flusses mit blühenden Staudenlupinenfeldern

Ich fuhr längere Zeit durch eine stetig ändernde Landschaft. Ich passierte Skigebiete, grosse Seen und noch einen Bergpass, der ebenso hoch und kurvenreich war als der Arthur’s Pass: der Porters Pass, benannt nach den Gebrüdern Porter die 1858 einen Bauernhof in der Nachbarschaft hatten. Die schneebedeckten Berge verschwanden immer mehr in den Hintergrund. Nach ungefähr eineinhalb Stunden hatte ich das bergige Gebiet verlassen. Mir erwartete jedoch noch etwas Besonderes: wieder eine Schlucht mit einem Fluss in der Tiefe und mit einer beeindruckenden Brücke. Es war eine etwa fragil aussehende, aber trotzdem starke Brücke aus 1882 über den Rakaia Fluss, der über die gesamte Länge der breiteste verflochtene Fluss Neuseelands ist und südlich von Christchurch in den Pazifik mündet , aber hier ist das Flussbett eng: der Fluss muss sich hier durch eine schmale Schlucht pressen, die Rakaia Schlucht. Über das Entstehen dieser Schlucht erzählen die Māori auch wieder eine schöne Legende, worin zwei wichtige Naturelemente von Mittel-Canterbury zusammenkommen: der dem Föhn ähnliche Wind, der Nor’west wind und die verflochtenen Flüsse. Im Rakaia Fluss lebte ein Monster, der Taniwha, der ein Luxuxleben führte. An einem bitterkalten Tag war er abgereist nach einer warmen Quelle und ein Teufel, in der Erscheinung des Nor’west windes, zerstörte Taniwhas Eigentümer. Niemandem war es erlaubt um dessen Eigentümer an zu fassen: dadurch wurde ein „tapu“ (ein Tabu) geschändet. Als Tanawha zu Hause kam ersann er einen List: er sammelte grosse Mengen Steinen aus den Bergen und häufte diese auf zu grossen Mauern, um auf dieser Weise den Nor’west wind zu wehren. Der Plan von Taniwha war jedoch erfolgreich: nur höchst selten bekommt der teuflische Nor’west wind die Gelegenheit um durch zu brechen nach den Canterbury Plains!

20191218_125425 - Neuseeland - Canterbury - Rakaia Fluss - Rakaia Schlucht - beschneite Berge - Wald  - Steilhang
Zwischen Arthur’s Pass und Timaru: Panoramablick auf die hohen Klippen des Rakaia Flusses
20191218_130845 - Neuseeland - Canterbury - Rakaia Fluss - Rakaia Schlucht - verflochtener Fluss - Maori-Kultur
Zwischen Arthur’s Pass und Timaru: Panoramablick von der Brücke über das Flussbett des Rakaia Flusses bei der gleichnamigen Schlucht

Eineinhalb Stunden später erreichte ich Timaru und fand ziemlich rasch den Ferienpark und mein Chalet. Es war angenehm um eine Weile aus zu ruhen und auch zum Meer zu gehen in der strahlenden Sonne. Ich überquerte einen grossen Park mit vielem. Grünem Grass und erreichte bei den Benvenue Cliffs die Küste. Auch hier stand wieder ein a href=“https://www.heritage.org.nz/the-list/details/2044″ target=“_blank“ rel=“noopener noreferrer“>Leuchtturm der entworfen worden war von John Blackett, wie der Leuchtturm in Hokitika. Dieser Leuchtturm hatte gedient von 1878 bis 1970 und bildete das wichtigste Licht für den Hafen von Timaru. In den Jahren nachdem ist der Leuchtturm restauriert worden und als geschütztes Denkmal wieder an derselben Stelle aufgestellt worden. Dieser ist einer der wenigen Leuchttürmer aus Holz die noch existieren in Neuseeland. Ich folgte dem Pfad entlang dem Wasser zu einer Halbinsel mit alten Bäumen und hatte von dort aus einen wunderschönen Blick über einen breiten Sandstrand und das Hafengelände in der Ferne.

20191218_172754 - Neuseeland - Canterbury - Timaru - Pazzifik - Benvenue Cliffs
Timaru: Blick auf die Halbinsel vom Fusspfad entlang der Küste bei den Benvenue Cliffs

An der Nordseite der Halbinsel ragten merkwürdige Felsformationen ins Meer: die „Dashing Rocks“. Es sind Basaltfelsen, die Reste von Lava die aus dem vor 2 Millionen Jahren aktiven(aber heute erloschenen) Vulkan, dem Mt. Horrible westlich von Timaru, geströmt ist. Die Wellen brachen hoch aufspritzend auf die Küste. Ich war zufrieden über meine Wahl um nach Timaru zu gehen!