Voor het blog in het Nederlands a.u.b. hier klikken!
For the blog in English please click here!

Um die Karte zu vergrössern klicken Sie bitte auf das Kästchen in der linken oberen Ecke. Die grössere Karte wird auf einer neuen Seite geöffnet.


Den 18. September 2018

Ein Ruhetag, aber doch viel unternommen

Heute habe ich mich entschieden für einen Ruhetag mit einem Vormittag im Thermalbad in Brigerbad. Mein Hotel Europe hatte ein verlockendes Angebot: eine „Badecombi“ mit Busfahrt hin und zurück und Eintritt ins Thermalbad während drei Stunden. Also stieg in das Postauto in die Richtung von Saas-Fee.
Ich passierte das Viertel Glis und das Dorf Gamsen, wo ich ein Verweisungsschild zur „Gamser Landmauer“ sah. Über diese Verteidigungsmauer hatte ich schon etwas gelesen auf einer Infotafel während meines Abstiegs aus Mund nach Naters am letzten Sonntag. Diese möchte ich mir auf dem Zurückweg anschauen, weil diese Landmauer heutzutage ein „Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung“ ist. Nach einer Weile erreichte das Postauto gegen zehn Uhr das nördliche Teil des Dorfes Brigerbad, wo ich ins Thermalbad Brigerbad hinein ging. Es ist ein prachtvoll gestaltetes Wellnesszentrum mit vielen Aussenbecken mit unterschiedenen Temperaturen. Es ist nicht nur Mineralwasser (u. A. Lithium), aber auch Thermalwasser: das Wasser hat von der Natur aus eine Temperatur zwischen 21° und 50°C. Es war sehr angenehm um im heissen Wasser zu liegen. Man kann auch herumschwimmen: es gab ein Becken mit 3 Metern Tiefe, wo ich unerwartet unterging – eine merkwürdige Erfahrung, wobei ich wieder mal spürte dass ich eher ein Bad nehmen möchte als schwimmen gehen… Es gab auch ein Becken wie eine Art von Schneckenhaus mit Stromschnellen, wovon ich auch begeistert war. Die Lufttemperatur war schon angenehm hoch und die Sonne schien auf den nördlichen Berghang mit der Bahntrasse der BLS. An verschiedenen Stellen waren wunderschöne Rosenbeete eingerichtet worden und die ganze Anlage war blitzsauber.

Nach ungefähr eineinhalb Stunde im Wasser spürte ich jedoch ein wenig Appetit. Die Terrasse des Restaurants Cécile nebenan sah verlockend aus, mit den grossen Sonnenschirmen. Verständlicherweise gab es Bekleidungsvorschriften, deshalb zog ich mich wieder an und setzte mich auf der Terrasse mit einen Kaffee. Das war erst der Anfang, denn nachher las ich das Menü… Es ist mittlerweile Wildsaison und ich sah etwas auf der Karte worüber ich kichern musste. Man kann auch eine vegetarische Version von „Reh mit Wildgarnituren“ bestellen, mit dem Titel „Der Schuss ging daneben“! Das möchte ich mal probieren und liess den Kaffee abkühlen bis nach der Mahlzeit. Etwas später reichte man mir einen Teller mit vielem das ich gerne mag, wie Rotkohl, geschmorte Äpfel, Maroni, Rosenkohl, „Butterspätzle“, ein Büschel weisse Trauben und süsse rote Johannisbeere. In kleinen Schalen gab es Preiselbeerrahmsosse mit Preiselbeeren, Kürbischutney und Heidelbeerkonfitüre. Ich konnte die Verführung des Weines Humagne rouge nicht widerstehen… Dieser Wein wird aus der Traubensorte Cornalin d’Aoste gemacht, die einheimisch ist im Schweizerischen-Italienischen Alpengebiet. Der Wein wird beschrieben als: „ein rubinrot-violetter, Tannin-reicher und kräftiger Wein mit einem fruchtigen Waldbeeren-Bouquet“ – und das stimmte auch!

Gestärkt von diesem Mahl ging ich zurück zur Bushaltestelle. Dort fiel mir ein Plakat auf: es war eine Einladung an junge Leute um Mitglied zu werden der „Tambouren- & Pfeiferverein Brigerbad„. Ich konnte den Text eigentlich nur laut lesen um ihn zu verstehen: im Walliser Deutsch werden u. A. der Schluss der Wörter zum nächsten Wort gezogen. Auch habe ich mich gewöhnen müssen an die Begrüssungen hier: „Grüezi“ oder „Grüssig“ sagen nur die (Deutschsprachigen) Touristen, aber „Tag Wohl“ ist hier meist üblig. Und ab ungefähr halb zwei am Nachmittag wird „Abend“ gesagt, obwohl die Sonne einem noch im Nacken sticht. Man kann es vergleichen mit “Bun di” im Vallader im Unterengadin: das gehört sich nur zu sagen bis ungefähr halb elf morgens, nachher ist es „Allegra“!

20180918_124256

Brigerbad: Einladung zur Mitgliedschaft des Musikvereins als Lektion Walliserdeutsch

Das Postauto von 13.04 Uhr zeigte sich auch ein Schulbus voller lauten Kindern – der Busfahrer musste ihnen ab und zu mit erhobener Stimme zu Ruhe mahnen. Ich war froh dass ich in Gamsen aussteigen konnte um die „Landmauer“ zu besuchen. Gamsen  hat schon eine lange Geschichte: ein Stamm der Kelten lebte schon in dieser Gegend vor ungefähr 3.000 Jahre und auch noch um dem Anfang der Zeit Christi. Sie hatten ihre eigene Niederlassung Waldmatten die etwas höher an den Hängen des Glishorns situiert war. Bei den Vorbereitungen des Baus des Tunnels für die Autobahn A9 haben interessante Ausgrabungen stattgefunden. Die steinerne Mauer datiert aus dem 14. Jahrhundert und hatte im Anfang vor allem zum Zweck um das Dorf zu schützen vor dem Wasser des Bergbaches die Gamsa, die bei Gamsen in die Rhone fliesst. Heutzutage fängst die Mauer an bei der Kantonalstrasse durch Gamsen und sieht auf den ersten Blick wenig spektakulär aus. Es gibt eine Wanderung entlang der Mauer mit Informationstafeln, welche ausführlich die Geschichte der Mauer beleuchten. Die Webseite über die Mauer erklärt noch weiteres. Es gibt eine Gedenktafel auf der Mauer, mit dem Text „Dr. Sigmund Widmer (1919 – 2003) dem Retter der Landmauer in Dankbarkeit„. Dr. Widmer war ein Historiker und Politiker aus Zürich, der sich seit 1933 bemüht hat mit einer breit getragenen Stiftung um die Landmauer von Gamsen, die einzige noch bestehende „Letzi“ (Vereidigungsmauer) von dieser Grösse in der Schweiz zu restaurieren und für die nächsten Generationen zu erhalten. Es ist ein besonderes Bauwerk: es ist ursprünglich 6 Meter hoch und mehr als 2 Meter breit, und ist um 1350 gebaut worden von verschiedenen Machthabern aus der Umgebung finanziert und von verschiedenen Gruppen von Arbeitsleuten gebaut worden, über eine Länge von 850 Metern ab der Rhone bis zur südlichen Seite des Tales. Davon ist jetzt 600 Meter konserviert worden. Die Mauer diente teilweise als Schutz gegen die Überschwemmungen des Bergbaches Gamsa, aber auch als strategischer Schutz gegen Angriffe vom Westen her und als Barriere gegen den Pest.

Es gibt mehrere Beispiele von ähnlichen Verteidigungsmauern im Alpenraum, zum Beispiel in Mülenen, im Kandertal, Berner Oberland. Die „Talsperre“ von Gamsen, die in alten Schriften auch angedeutet wird als „murus de Briga“ oder „lantweri“, hat jedoch einige Besonderheiten. Weil man über der Mauer gehen konnte sind an der Dorfseite an verschiedenen Stellen „Stufen“ gebaut worden: grosse Steinplatten ragen aus der Mauer heraus und formen auf dieser Weise eine Treppe. Weiter fällt auf das die Landmauer auch Türme hat. Die Türme dienten um den Stadttor zu überwachen. Diese Türme sind rund und nicht viereckig wie in der Zentralschweiz. Hier ist der Einfluss des Savoyer Baustils von Verteidigungswerken zu erkennen. Weil im 14. Jahrhundert es noch keine Gewehre und Kanonen gab, ist die Mauer gebaut ohne Schiessscharten. Die Mauer besteht aus zwei Wänden von Steinen, die nachher aufgefüllt worden sind mit Kalkmörtel.

20180918_133434

Gamsen: Grundriss eines Türmes der Landmauer

Die Mauer war auch die Grenze zwischen dem „Oberste Zenden“ und dem „Untere Zenden“ im Wallis die einander zwischen dem 14. Und 17 Jahrhundert mehrmals angegriffen haben. Ein „Zehnden“ oder auch „Zenden“ ist der Name für ein Distrikt in der ehemaligen Republik Wallis, dem späteren Kanton Wallis. Weiter ist die Mauer auch eine Sprachgrenze: ein Wort wie „Käse“ wird nördlich der Mauer ausgesprochen wie „Chäs“ und südlich der Mauer als „Ches“. Nördlich der Mauer werden Kühe der Rasse „Braunvieh“ gehalten und südlich der Mauer Kühe der Rasse „Fleckvieh ”!

Die Mauer ist eben nach mehr als 650 Jahren immer noch ein beeindruckendes Bauwerk. Schon ist an manchen Stellen nur wenig der Landmauer sichtbar: durch die vielen Überschwemmungen der Gamsa hat sich sehr viel Sediment angehäuft ringsum der Mauer.

Hierunten noch einige Bilder der Landmauer aus vielen Blickwinkeln:

Westlich der Mauer ist im Laufe der Zeit ein grosses Industriegelände entstanden mit einer enormen Kehrichtverbrennungsinstallation – dies zeigt schon ein starker Kontrast: auf einigen Metern der alten Verteidigungsmauer steht jetzt ein hoher Zaun mit viel Stacheldraht… Eine andere Grenze also! Trotz des industriellen Charakters dieser Umgebung gibt es auch noch Raum für Naturentwicklung. Teilweise ist sie von selbst entstanden, wie das kleine Lindenwäldchen das gewachsen ist auf den Schwemmkegeln des Gamsabaches. Durch die wuchernden Wurzel der Lindenbäume wird der Boden festgehalten und Erosion vorgebeugt. In diesem Mini-Biotop leben viele Tiere, auch wegen der „Nektarquelle“ der Lindenblüten.

20180918_135035

Gamsen: Lindenwäldchen in der Nähe der Landmauer

Halbwegs der Mauer steht auch ein grosses Gebäude, eine sogenannte “Sust“, ein Lagerhalle, wo Güter gewogen und verhandelt wurden. Auch dieses Gebäude ist restauriert worden. Im Zeitalter der Landmauer war eine solche Lagerhalle wichtig für den Durchfuhr und Umschlag von Gütern. Obwohl manche Historiker sich fragen ob es nur eine grosse Scheune gegeben hat, gehen Andere davon aus dass es wohl eine richtige Sust gewesen sein soll: die Talenge vor Ort verursachte viele Überschwemmungen und damit ein sumpfiges Gelände – deshalb scheint es wahrscheinlich dass die Güter von Karren auf Lasttiere umgeschlagen worden mussten.

20180918_135333

Gamsen: eine restaurierte „Sust“ neben der Landmauer

Der Besuch an der Gamser Landmauer war wieder ein interessantes Erlebnis an diesem schönen, warmen und sonnigen Tag!