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Den 18. Mai 2018

Der Erste Weltkrieg in und um Gorizia – vor 100 Jahren

An meinem letzten Tag in Gorizia habe ich die Zeit genommen um zum Museo della Grande Guerra zu gehen, das seit 1990 in zwei Nebengebäuden auf dem Berg der Burg zu Hause ist: die Case Dornberg e Tasso.

Jedoch besuchte ich vorher die Domkirche, die ganz nebenbei der Pizza S. Antonio steht und den SS. Ilario e Taziano (Hilarius von Aquilea und sein Diakon Tatianus, zwei früh-christliche Märtyrer) gewidmet ist. Diese Kirche ist zum ersten Mal beschrieben worden im Jahr 1296 und in späteren Jahrhunderten erweitert und angepasst. Der Klang der Glocken ist sehr schön: ich habe sie oft läuten gehört von meinem Hotelzimmer aus.

Auch hier ist das Kircheninnere wieder sehr schön…

Nachher ging ich den Berg des Castello wieder hoch zum Museum. Es stellte sich heraus dass der Eintritt heute frei war. Es gab viele Interessierte – je mehr der Ausstellung die Besucher sahen, desto stiller und trauriger sie wurden. So auch ich – ich fand es sehr erschütternd. Die meisten von uns in den Niederlanden kennen in Grossen und Ganzen die Geschichte des Schützengrabenkrieges in West-Flandern und Nord-Frankreich und die immensen Verwüstungen die in jenen Gebieten verursacht sind von der Kriegsgewalt. Hie in diesem Teil Süd-Europas ähnelten sich die Geschichte und die Verwüstungen… Hier bekämpften Italiener und Österreicher einander, von Schützengraben die wörtlich durch die Stadt verliefen. An beiden Seiten kannten die Soldaten dieselbe Elend von Kälte, Hitze, Ungeziefer, Verlust von Kameraden…

Im Museum hat man einen Schützengraben nachgebaut: man kann durch ihn gehen und man sieht scharfe Lichtblitze und hört laute Gewehr- und Kanonenschüsse. Es erinnerte mich an der „Airborne Experience“ im Airborne Museum in Oosterbeek (NL) über die Schlacht bei Arnhem September 1944 und am Impakt der so etwas auf Einen hat wenn man dadurch geht – hier so wie in Oosterbeek ist es für die Besucher leicht um den Setting wieder zu verlassen…

Eine kleine Impression vom Schützengraben im Museo della Grande Guerra, und auch eine desolate Vorstellung eines Schlachtfeldes aus dem Ersten Weltkrieg:

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Gorizia: eine Küche im Schützengraben

Im Ersten Weltkrieg wurden automatische Waffen introduziert, die den absoluten Albtraum der Truppen in den Schützengraben waren. Auch nahm die Hoffnung auf ein rasches Ende des Krieges, die man im Anfang noch hatte, ab und stattdessen kam – vor allem im Jahre 1917 ‒ bei viele Menschen ein Gefühl der Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit auf. Der Ostfront war verteilt; in vielen Europäischen Städten waren Protestmanifestationen gegen den Krieg. Für Italien brachte 1917 auch den letzten, stahlharten Gegenangriff entlang dem Isonzo Fluss, wobei die Österreicher und Deutschen schliesslich nicht durch die Italienischen Frontlinien brechen konnten.

Im Museum steht auch ein Entwurf aus 1916 für eine wundervolle, eindringende Statue eines trauernden Christus – „Pietas“ ‒ von einem Bildhauers aus dem benachbarten Brazzano bei Cormòns, Alfonso Carciani (1863‒1955). Die Statue aus weissem Gips strahlt für mich einerseits zwar Serenität aus, aber anderseits auch eine absolute Verzweiflung, vermischt mit Unglauben über das Ausmass des Elends das Menschen einander antun können…

Nach dem Waffenstillstand von 1918 waren Stadt und Umgebung in Trümmern. Die meisten Bürger waren in der Zwischenzeit einfach in der Stadt geblieben. Die mühsame Periode des Wiederaufbauens konnte nachher anfangen. Im Museum hängt ein Bildnis einer Madonna mit Kind, das durchlöchert ist von Kugeln; auch gab er viele Bilder in Sepia worauf das Ausmass der Verwüstungen richtig zur Schau gestellt wird, unter anderem ein Foto vom „Palazzo Strassoldo“ der jetzt mein Hotel ist.

Sowohl auf einem Denkmal in der Stadt das ich gestern entdeckte auf meinem Weg zum Isonzo Fluss als auf den Englischen Übersetzungen der Texte im Museum stehen ungeschmückte Zahlen, die ein entsetzendes Bild schildern… Der Stein im Park meldet die Gefallenen seit 1848, der Erste Unabhängigkeitskrieg; die Listen im Museum beziehen sich auf den Verlust an Leben bei allen Partien im Konflikt, aber auch auf die finanziellen Verluste.

Nach dem Besuch am Museum brauchte ich etwas Zeit um alle kräftige Eindrucke zu verarbeiten. Es bedeutet mir nicht viel ob es schon 100 Jahre her ist (der Erste Weltkrieg), oder fast 75 Jahre (der Zweite Weltkrieg – die Schlacht bei Arnhem) oder noch nicht so lange her: die eindringenden Bilder bleiben bei mir. Ich setzte mich deshalb für eine Weile bei der nebenan gelegenen Taverna al museo für einen paninno crudo und ein Gläschen Weisswein. Ein Gewitter kam erneut auf die Stadt zu mit grollendem Donner.

Nachdem das Gewitter während des ganzen Nachmittags getobt hatte mit Hagel und starkem Regen, entschloss ich mich am Abend, als die Sonne sich erneut gezeigt hatte, um nochmals einen Abschiedstrunk zu nehmen bei einem der Etablissements, Il Giardino dei Vizi di Loviscek Lorenzo, an der anderen Seite der Piazza S. Antonio. Von Museum aus was mir schon aufgefallen wie nebenbei dieser Platz beim Castello liegt: ich hatte einen guten Blick auf diese Reihe weisser Gebäude.

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Gorizia: Blick aus dem Museum des Ersten Weltkrieges auf die Piazza S. Antonio beim Hotel

Es war eine gemütliche, aufgeregte Menschenmenge. Ich wählte diesmal ein Glas Ribolla gialla ohne Sprudel – aber schliesslich bevorzüge ich diesen Wein mìt Sprudel… Es war ein schöner Abschluss dieser Reise nach Italien, wobei ich viele „Via“ gegangen bin im Sinne von Etappen, aber relativ wenig richtige „Alpina“ im Sinne von Bergen, gesehen habe. Jedoch werden in der kommenden Zeiten – wie ich hoffe und erwarte – noch viele Etappen folgen!