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Den 20. September 2017

Schiefer: Wohlstand und Unheil…

Nach den Regenschauern am Vormittag klärte das Wetter sich wieder ein wenig, also beschloss ich um einem Weg zu folgen der in Elm angeschrieben ist mit der Abkürzung GIW. Das steht für Glarner Industrieweg, ein Weg von ungefähr 50 Kilometer durch die Täler der Flüsse Linth (Linthal) und Sernf (Elm) an Glarus vorbei nach Ziegelbrücke westlich des Walensees). Das Fahrrad macht es einfach und schnell, aber zu Fuss geht es auch. Der Kanton Glarus war eine der ersten Gegenden der Ostschweiz wo die Industrie sich stark entwickelte: in der Mitte des 18. Jahrhunderts blühte schon vor allem die Textilindustrie auf, was bis weit in das 19. Jahrhundert andauern würde. Im 20. Jahrhundert kamen noch andere Industriebranchen dazu, wie Machinenbau und Chemie. Jede Periode kannte ihren eigenen Baustil: von schlossartig bis modern-funktionell. Ich habe angefangen mit der Strecke von Elm nach Schwanden und ich bin über Matt bis an Engi gekommen.

In Elm ist das Museum über die Schieferherstellung, die Schiefertafelfabrik, als lebendige Erinnerung an die florierende Schieferindustrie in diesem Teil des Sernftales. In der Mitte des 19. Jahrhundert wurde die Nachfrage nach Tafeln und Griffeln grösser, auch wegen der eingeführten Schulpflicht. Am Plattenberg bei Elm fing man an Schiefer ab zu bauen. Indem man bei dem Abbau unsachgemäss vorging, wurden Teile des Berges instabil durch Untergrabung. Am 11. September 1881 um 17.15 Uhr kam der Schicksalsschlag: bei dem “Bergsturz von Elm” donnerten 10 Millionen Kubikmeter Fels in drei Schichten den Berg hinab und verschütteten fruchtbares Grassland, viele Haüser und 114 Personen. Heutzutage ist der Berghang wieder mit Bäumen zugewachsen und die niedrigeren Hänge wieder mit üppigem Grass, sodass der ahnungslose Wanderer nicht gleich das Ereignis von 1881 wiedererkennt.

An der Nordwand der Kirche in Elm ist ein Erinnerungstafel, worauf die Namen der 114 Opfer genannt sind. Fast jede Familie hatte wohl jemanden verloren – und manche Familien waren komplett ausgelöscht…

Stromabwärts von Elm entlang dem Sernf liegt ein enormer Felsbrocken mitten in einer Wiese neben dem Wanderweg, mit einem Erinnerungstafel an diesem verheerenden Bergsturzes von 11. September 1881. Bis so weit war der Bereich der Strom von Wasser, Felsbrocken und anderen Material gekommen: zwei Kilometer. Es hat im Laufe der Zeit öfters Bergschürze gegeben in den Bergregionen, verursacht durch Erosion. Doch die Katastrophe von 1881 is deutlich verursacht worden von unsachmässigen und unverantwortlichen menschlichen Handeln. Das gibt Stoff zum Nachdenken!

Meine Wanderung ging weiter stromabwärts entlang dem Sernf durch eine grüne Landschaft mit hier und da einem Bauernhof. Die Herbstsonne schien mittlerweile. Unterwegs sah ich auch einige witzigen Dinge, die meiner Meinung nach nicht unter “Industrie” ein zu ordnen sind: ein Häuschen entlang dem Fluss und ein Wegweiser der teilweise von einem Baum eingekapselt wurde…

In Matt steht das grosse Fabriksgebäude der alten Spinnerei der “Gebrüd. R & C Spälti”. Dieses Betrieb hat seine Aktivitäten beendet in 1947. Der Bund hat das Gebäude übernommen und umgewandelt in einen Truppenlager für die Panzereinheiten der Schweizer Armee. Die Schiessanlagen liegen in Wichlen (stromaufwärts von Elm).

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Matt: von Spinnerei zur Kaserne

Es gibt nicht nur die Spuren von alten industriellen Aktivitäten, aber auch von innovativen Entwicklungen, wie spezialisierter Bienenzucht. Entlang dem Wanderweg stand dieser schöne Poster, der meldet dass hier Arbeit geleistet wird um die dunkle Europäische Biene zu erhalten. Die begeisterte IG Biene hat sich ein Ziel gesetzt um im Gebiet um Glarus ein Zufluchtsort zu schaffen für die dunklen Europäischen Bienen und auf dieser Weise eine Reinzucht zu behalten.

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Matt: Plakat für die Beschützung der Europäischen Dunklen Bienen

Die auf dem Poster abgebildete Pflanze ist der “Zigerklee” (Trigonella caerulea ssp. sativa). Das ist eine richtige Bienenpflanze und auch ein wichtiges Bestandteil der sogenannten Schabzigerkäse, abgekürzt zu Zigerkäse, die dadurch ihre charakteristische grüne Farbe und ihr würzig-pikantes Geschmack bekommt. Diese Käse wurde schon im 15. Jahrhundert hergestellt und vermarktet von Mönchen der Klöster um Glarus.

Zwischen den Dörfern Matt und Engi ist die Natur ziemlich unberührt. An den steilen Grasshängen an beiden Seiten eines wunderschönen Kaskade Wasserfall sah ich drei Gämsen die mich aufmerksam betrachteten.

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Beeindruckender Kaskadefall zwischen den Dörfern Matt und Engi

Ich habe es nicht mehr geschafft bis zum Schieferwerk in Engi. Nach einer Wanderung von ungefähr drei Stunden war ich noch rechtseitig für den Bus nach Elm. Die Haltestelle heisst “Weberei“. Hier steht die Textilfabrik Weseta (“Weberei Sernftal”), die seit 1864 eine wichtige Arbeitgeberin im Tal ist, nicht nur heutzutage, aber bestimmt auch im 19. und Anfang 20. Jahrhundert, als im Tal grosse Armut herrschte. Wenn ich ein nächstes Mal wieder in diesem Gebiet komme, werde ich gewiss noch anderen Strecken dieses Glarner Industrieweges folgen: man bekommt einen guten Überblick des Unternehmensgeistes, des Durchhaltens und der Zukunftsvision der (meisten) Unternehmer über die Jahre.

Am Abend kam das vorhergesagte schöne Wetter und so ging der Tag zu Ende mit einem wunderschönen Blick auf die Bergen um Elm, Alpenglühen inklusive.

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Elm: Abendsonne auf die Berge östlich von Elm