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Den 6. Juni 2019

Eine Bergfahrt mit dem Zug und Abendstimmung beim Wasser

Heute Morgen bin ich einige Minuten nach neun mit den Zug abgereist aus Arnhem nach Offenburg in Süddeutschland. Dort bin ich umgestiegen in den Zug nach Konstanz am Bodensee: dieser Schwarzwaldexpess verbindet Karlsruhe nördlich von Offenburg mit Konstanz am Bodensee quer durch den Mittelteil des Schwarzwalds. Dieses waldreiche Mittelgebirge im Bundesland Baden-Württemberg war schon in der Antike bekannt und wurden u.a. von Julius Caesar angedeutet mit „Silva Nigra„, der Schwarze oder Dunkle Wald, wegen den dunklen Tannen und Fichten die den Wald undurchdringlich und bedrohlich machten. Die Trasse der Schwarzwaldbahn hatte ich schon mal gefahren und fand damals vor allem den gebirgigen Teil zwischen den Orten Hausach und St. Georgen im Schwarzwald (mit einem Höhenunterschied von mehr als 550 Metern) was Natur angeht, sehr schön. Auch jetzt wieder genoss ich (zwischen den Passagen durch die vielen Tunnels) die Weitblicke während der Reise über diese fast 200 Kilometer lange Eisenbahn mit schon einer langen Geschichte: die ersten Teile sind gebaut worden zwischen 1865 und 1866 und der letzte Teil nach dem Deutsch-Französischen Krieg zwischen 1870 und 1873. Auf diese Trasse sind auch für jenes Zeitalter viele neue Technologien angewendet worden, wie zum ersten Mal das Bauen verschiedener Kehrtunnel in de Nähe von Triberg, wodurch viele Höhenmeter überwunden werden könnten ohne Zahnradunterstützung: Triberg ist damit aus drei verschiedenen Höhen zu sehen: ein „Dreibahnenblick“! Irgendwo zwischen Triberg und St. Georgien überschreitet der Zug zwei Mal die grosse europäische Wasserscheide: des Flusses Kinzig der bei Offenburg in den Rhein und dadurch in die Nordsee fliesst zum Fluss Brigach der in die Donau und schlussendlich ins Schwarze Meer fliesst. Schon ist mir aufgefallen dass dieses Mal sehr viel „Braun“ und „Grau“ zwischen dem „Schwarz“ des Waldes gab: die extreme Dürre während des vergangenen Sommers und auch die Schädling „Buchdrucker“ (ips typographus) werden bestimmt dazu beigetragen haben…

Nach der Berglandschaft des Schwarzwaldes und einem freundlich hügelig Gebiet um Donaueschingen und Villingen erreichte die Schwarzwaldbahn das etwa trostlose und industrialisierte Gebiet um Singen-Hohentwiel. Erst als der Bodensee bei Radolfzell in Sicht kam, wurde der Aussicht wieder interessant.

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Bei Radolfzell kommt der Untersee des Bodensees in Sicht

Um Viertel nach vier kam der Zug in Konstanz an, wo es warm und gemütlich war. Ich fand rasch mein Hotel. Das City-Hotel – in der Nähe des Bahnhofes, und nicht lange nachher ging ich in das alte Stadtzentrum hinein. Bei der Augustinerkirche steht eine Gedächtnissäule aus schwarzem Stein mit den Namen der 108 jüdischen Einwohner die im Zweiten Weltkrieg aus Konstanz sind abtransportiert und die soweit sie nicht schon in den Lagern im französischen Gurs gestorben waren, in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Sobibor sind umgebracht. Auf den vier Seiten des Obelisken steht der Text auf Deutsch, Französisch, Englisch und Hebräisch.

Es ist ein beeindruckendes Denkmal in seiner ganzen Einfachheit und eigentlich eines der wenigen Zeichen des Zweiten Weltkrieg… Weil es in Konstanz keine Unternehmen gab die in der deutschen Bewaffnungs- und anderen Industrien eine Rolle von Bedeutung spielten, ist die Stadt kein Ziel der alliierten Bombenangriffe gewesen. Dadurch blieb das historische Stadtzentrum gespart. Häuser mit Jahrzahlen wie 1377 und 1580 sind deshalb keine Ausnahmen! Die Häuser tragen auch schöne Namen, wie Haus „Zum Wolf“ oder „Zum goldenen Löwen„, „Zum Leoparden„… Auch Baustile aus späteren Zeiten kommen vor, wie ein grosses Haus mit einem ausgiebig dekorierten Giebel in Rokokostil. Die Strassen und Gassen sind alle sehr stimmungsvoll; es gibt keine protzige Schaufenster und Ladenfronten. Dieses Stadtbild ist wirklich sehr gepflegt.

Viele Gebäude haben reichdekorierte Tore und oberhalb davon Architraven mit besonderen Schlusssteinen oft von Reliefs versehenen mit inspirierenden Texten.

Es gibt mehrere Brunnen in Konstanz. Der Kaiserbrunnen von 1897 hat einige witzige Ergänzungen bekommen: der Aufbau des Brunnens selber ist aus unauffälligem roten Stein hergestellt, aber in den 1990er Jahren sind neben und am Rande des Wasserbeckens moderne Figuren aus Bronze hinzugefügt, kreiert vom Künstler-Ehepaar Gernot en Barbara Rumpf. Die Statuen sind wie ein Zwinkern zur Vergangenheit von Konstanz als Konzil Stadt in den Jahren 1414–1418. Damals war eine Krise entstanden durch das Schisma in der Westlichen Katholischen Kirche (mit einem Papst in Rom und einem Papst in Avignon), was ein früheres Konzil 1409 hatte beenden wollen durch Abdikation beider Päpste und die Ernennung eines neuen Papstes. Deshalb gab es drei Päpste… König Sigismund von Deutschland (und später Kaiser des Heiligen Römischen Reiches) hatte darum ein neues Konzil zusammengerufen in Konstanz. Einer der Statuen beim Kaiserbrunnen ist also ein Pfau mit drei Köpfen, jeder versehen mit einer Tiara… Das robust aussehende Ross aus Bronze ist vor allem beliebt bei Kindern: der Sattel ist ganz blank verschliessen. Auch die Tauben als Kaiser und Papst sind amüsant – die kleine Maus schaut weg.

Neben dem Kaiserbrunnen steht auch zum zehnten Mal seit 2009 ein „Handwerkerbaum„, wie eine Variante auf den Maibaum. Dieser ist dort hingestellt auf Initiative des Konstanzer Handwerkerkreises e.V.. Viele Handwerksberufe und sonstige Berufe in kleinen und mittleren Unternehmen sind dabei vertreten. Manche der „Wappen“ sehen aus wie die Wappen früherer Zünfte, aber es gibt natürlich auch modernere Berufe, wie Elektriker, Mechaniker und Installateur! Es verlieh dem Platze, der Marktstätte, eine noch fröhlichere Note.

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Konstanz: „Handwerkersbaum“ mit den Wappen der verschiedenen Handwerkerberufe

Weitergehend durch die mit alten Häusern gesäumten Strassen kam ich beim Platz vor der Konstanzer Münster, ein beeindruckendes Gebäude, wovon die ersten Teilen schon im 11. Jahrhundert gebaut worden sind. Was Architektur angeht ist die Kirche eine der grössten romanischen Kirchen in Südwestdeutschland. Die Kirche hat jedoch durch das Portal aus dem 12.–15. Jahrhundert, die Seitenkapellen aus dem 15. Jahrhundert ein deutlich gotisches Aussehen. Diese wird noch verstärkt von der neogotischen Turmspitze aus dem 19. Jahrhundert. Die Terrassen am Kirchenplatz waren richtig voll. An der Nordseite des Kirchenkomplexes steht seit 2010 ein Relief aus Bronze mit dem Grundriss des historischen Zentrum von Konstanz. Hier ist gut zu sehen wie nahe die mittelaltrigen Häuser auf einander stehen. Die Strassennamen sind auch angegeben worden – für die Sehbehinderten ebenfalls in Braille!

Am Ufer des Bodensees ist ein geräumig entworfen Stadtpark mit schönen alten Bäumen und gut gepflegten Blumenbeeten und Rasen. Es stehen verschiedene Statuen, wie die von Kaiser Wilhelm I. auf einem grossen Sockel. Bei der Anlegestelle des Rundfahrtschiffe steht auf einer hohen Säule ein Bild von Ikarus, zu Ehren von Ferdinand Graf von Zeppelin (1838–1917), der in Konstanz geboren ist.

Es war angenehm auf dem Kai: im Schatten wehte eine leichte Brise vom See und auch hier waren die Terrassen der Restaurants vollbesetzt. An der nördlichen Mole steht seit 1993 eine kolossale Statue aus Giessbeton mit dem Titel „Imperia“ des deutschen Künstler Peter Lenk. Dieser Künstler wird als ziemlich kontroversiell beurteilt wegen seiner satirischen Kunstwerke von sexueller Natur, die oft ohne Genehmigung aufgestellt werden. So auch diese 9 Meter hohe Statue einer Kurtisane in wenig verhüllender Kleidung die auf jeder Hand ein zwergartiger nackter Mann trägt: der Eine als Papst mit einer Tiara und der Andere als Kaiser mit einer Krone. Auch hierbei gibt es eine Anspielung zum Konzil von Konstanz von 1414–1418. Peter Lenk hat die Geschichte „La Belle Imperia“ (± 1835) des französischen Schriftstellers Honoré de Balsac (1799–1850), der als rabiater Antiklerikal bekannt war, zum Ausgangspunkt genommen. Diese Kurtisane erwarb – wie so viele – einen grossen Einfluss auf die weltliche und kirchliche Politik durch die Machthaber zu verführen und nachher zu verhöhnenn. Peter Lenk hat der Imperia auch noch eine Narrenkappe aufgesetzt, damit auch sie die Doppeltrolle von Verführerin und Spötterin hat. Zur Zeit des Aufstellens 1993 wurde viel diskutiert über die Zulässigkeit in vielerlei Hinsicht, aber weil die Statue auf einem Privatgrundstück stand (eines Fährenbetriebs das Unterteil der Deutschen Bahn war), konnte von offizieller Seite keine Action unternommen werden… Damals war die Statue umstritten, aber heutzutage ist sie eine der am meisten fotografierten Stellen der Stadt! Die Imperia steht auf einem Plateau das in vier Minuten herumkreist. Weil die Statue an der nördlichen Mole steht, ist ihre Narrenkappe jedoch mit einem Spitzenlicht versehen worden!

In der Nähe von der Mole mit Imperia liegt eine historische Fähre, die „Konstanz„, die jetzt als Café-Schiff dient, aber die der Webseite nach auch für Rundfahrten zu Verfügung steht. Man kann auf dem Webcam am Konzilgebäude sehen ob die „Konstanz“ am Kai liegt oder nicht… Auf der Informationstafel beim Eingang steht dass diese Fähre die erste Autofähre war die auf einer See in Europa fyhr: als Antwort auf die Grenzscjliessung im Ersten Weltkrieg hatte 1924 ein fortschrittlicher Gemeinderat den Plan gemacht um eine Autofähre bauen zu lassen, welche 1928 eingeweiht wurden. Es war so ein grosser Erfolg dass 1930 noch ein Schiff bestellt wurde. 1963 wurde das Schiff verkauft und als Arbeitsschiff eingesetzt. Zwischen 1984 und 1993 hat es in eine „Dornröschenschlaf“ geschlummert bis jemand eine Stiftung gegründet hat um das Schiff zu retten. Mehr als 70.000 Stunden haben Freiwillige gespendet um das Schiff auf zu möbeln – und mit Resultat: es sieht wieder aus wie neu und es lädt auch ein zu einem Glas!

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Konstanz: Informationstafel über die historische Fähre „Konstanz“ welche jetzt ein Café ist

Also ging ich an Bord und sass mit einem guten Glas Riesling in der Abendsonne zwischen vielen begeisterten Menschen. Am Vordeck war viel los: viele junge Menschen waren beschäftigt mit dem Anpassen von Kleidern, Folgen von Anweisungen einer ebenfalls jungen Dame mit einem Stapel Papier in der Hand und dem auf Reihen stellen von Stühlen. Ausser den Eingeweihten wusste angelblich niemand was kommen würde. Intrigiert bin ich dort geblieben, bestellte den Tagesteller (Schweinekotelett mit Kartoffelsalat) und noch einem Glas Riesling und wartete ab. Es fand sich heraus dass es eine der Generalproben war von Studenten der Theaterakademie von Konstanz: sie sollten einde Juni ein Stück aufführen mit dem Titel „Die Bermuda Dreieck„, mit dem Nachdruck auf Klimawandel, Aktivismus, Grosses Geld, Prügelei und was damit zusammenhing. Es war ein ziemliches Durcheinander, mit vielen Interventionen der Regisseurin; jeder – Schauspieler und Publikum – war jedoch begeistert.

Um 20.00 Uhr ging ich von Bord. Ich lief entlang dem Handelsgebäude aus dem 14. Jahrhundert, das „Konzilgebäude„, wo auch Sitzungen gewesen waren während des Konzils von Konstanz – deswegen der Name –, also nicht nur (fromm) in der Münsterkirche!

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Konstanz: das Konzilgebäude aus dem 14. Jahrhundert am Hafen

Als ich durch den Stadtpark ging und entlang dem Wasser genoss ich mit vielen anderen spazierenden und flanierenden Menschen die schöne und beruhigende Aussicht. Jeder genoss diesen beharrlich warmen Abend!

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Konstanz: panoramischer Blick über den Bodensee in Abendstimmung

Beim Musikpavillon gab es ein Konzert. Viele Stühlen auf Reihen vor dem Pavillon waren besetzt mit Leute die einer Aufführung zweier Akkordeonorchester beiwohnten: das eine aus Konstanz und das andere aus Kreuzlingen, ein Schweizer Ort gerade über der Grenze. Ich kam an als sie gerade angefangen hatten mit dem Titellied aus „Star Wars„. Der Schlagzeuger musste sich anstrengen um hörbar zu sein bei solch einer Akkordeongewalt! Nachher folgte der deutsche Militärmarsch „Alte Kameraden„, der 1889 komponiert worden war und sich handelt um das enge Verhältnis zwischen Slodaten unter einander das gefestigt wird mit einem Glas. … „One moment in time“ und „We are the champions“ wurden mit Elan gespielt. Weil das Publikum angeblich noch nicht satt war, beschlossen die Orchester die Aufführung mit einer Zugabe. Diese Konzert und die Generalproben auf dem Schiff waren vielleicht nicht gerade „Kunst mit einem grossgeschriebenen K“, aber sie hatten doch beide einen hohen Unterhaltungswert – und schlussendlich ist das was am wichtigsten ist!

An der Seitenmauer des Musikpavillons war eine Gedenktafel angebracht worden zu Erinnerung an die Eröffnung einiger europäischen Weitwanderwege am 2. Juli 1972 „als völkerverbindende Wanderwege„, unterzeichnet von der „Europäische Wandervereinigung„. Der englische Name ist „European Rambles‘ Association (ERA)“. Dieser Verein ist 1969 in Deutschland gegründet worden und dient als Dachverband für 63 Wandervereine aus 33 europäischen Ländern mit im Ganzen 3 Millionen Mitgliedern. Jetzt wo ich mich auf meiner eigenen Weise gerade beschäftige mit der Via Alpina finde ich es speziell um dieses zu lesen!

Zurückgehend zum Hotel durch den lauwarmen Abend wurde mir klar dass es ein schöner erster Tag einer neuen Reise geworden war – mit viel Raum für Natur, Sonne und Musik.