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Zu Eurer Information: auf der Seite Der Rhein als Nordgrenze (“Limes“) des Römischen Reichs steht eine kurze Erklärung über den Umfang des Römischen Reichs anfangs unserer Zeitrechnung, über den Rhein als Nordgrenze, den „Limes“, jenes Reichs und die damals angelegte „Limes-Strasse“. Auch wird dort der niederländische Fernwanderweg „Romeinse Limespad“ (Römischer Limesweg) beschrieben, der der Basis dieses Reiseberichts ist. Dieser Wanderweg mit einer Gesamtlänge von 275 Kilometern von Katwijk aan Zee an der Nordseeküste nach Berg en Dal an der Grenze zu Deutschland, also entlang der Nordgrenze des Römischen Reichs, die hier gebildet wird vom Rhein, wie dieser Fluss ursprünglich floss: der Niederrhein bis Wijk bij Duurstede, der „Kromme Rijn“ bis Utrecht und der „Oude Rijn“ nach Katwijk aan Zee.


Den 16. Mai 2021

Eine richtige „Bergetappe“ auf den Spuren der Römer

Das erste Mal dass ich diese Etappe, Etappe 17 des Romeinse Limespad Weges gewandert bin, war am letzten 5. März, an einem kühlen aber sonnigen Tag. Ich lief vom Bahnhof in Nijmegen aufs Neue zum Valkhof und zum Hunerpark, in der Nähe der Ausfahrt der Waalbrücke und des Kaiser Trajanplatzes, wo die Etappe offiziell anfängt. Der Fussweg führt über die Eisrandlage: und von dieser Höhe gibt es eine wunderbare Aussicht über das Flachland zwischen diesem Hang und der Eisrandlage der Veluwe, mit dem hellblauen Band der Waal und dem wilden Gelände des Ooijpolders. Es war schon ein wenig frühlingshaft: Bäume und Sträucher hatten schon einen grünlichen Hauch. Das zweite Mal dass ich diese Etappe wanderte war am 1. Mai. Die Wiederholung möchte ich ja: ich fand die hügelige (und manchmal richtig „gebirgige“) Landschaft sehr schön. Jene schöne Fernblicke und die wunderschönen Buchenwälder waren in März noch ganz kahl, aber jetzt waren sie schon deutlich geschmückt mit jenen wunderbaren hellgrünen Blättern. Wegen der Kälteperiode in April war die Natur schon etwas zurückgeblieben… Ein anderer Grund um diese Etappe erneut zu wandern war dass ich in März fast am Ende der Wanderung eine aussergewöhnlich verlockende Terrasse passiert war: die des Landgoed Hotel Holthurnsche Hof Hotels. Ich hatte damals schon gedacht dass ich mich dort mal hinsetzten möchte um etwas zu essen! Das war in Mai nämlich wieder möglich: in jedem Fall hatten die Terrassen geöffent…

An einem sonnigen Samstagmorgen, den 1. Mai, lief ich also wieder vom Bahnhof Nijmegen zum Kaiser Trajanplatz. Jetzt trugen die Rosskastanien bei der alten Stadtmauer üppig grüne Blätter, aber sie blühten noch gerade nicht! Die Fernblicke über die Waal und die Betuwe waren nicht so heiter als anfangs März, aber trotzdem nicht weniger schön.

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Nijmegen: die Rosskastanienbäume an der Ostseite des Kaiser Trajanplatzes bei der alten Stadtmauer sind fast in Blüte
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Nijmegen: östlich des Kaiser Traianplatzes gibt es eine weite Aussicht über den Ooijpolder (rechts), die Waal (Mitte) und das niedrige Land der Betuwe in Richtung von Arnhem

Ein längerer Teil dieser Etappe folgt der Trasse des fünf Kilometer langen römischen Aquäduktes von Berg en Dal nach Nijmegen. Eine richtige römische Verbindung also: um den ersten Jahrhundert nach Chr. gab es im östlichen Teil von was heutzutage Nijmegen ist, ein grosses Feldlager für die Zehnte Legion des römischen Heeres. Die heutige Stelle ist der Kopse Hof. Weil die Legionäre kaum in den Kampf gehen brauchten, wurden sie eingesetzt für vielerlei Arbeiten, wie den Bau von Wegen, Häusern und öffentlichen Gebäuden, vor allem in der neuen Stadt Ulpia Novimagus im heutigen Nijmegen-West. Der Wasserbedarf der Legionäre war sehr gross: nicht nur für Trinkwasser, aber auch für die Zubereitung von Speisen und Getränken, für die Badegebäude, die Spülung der Latrinen und das Tränken von Pferden und Maultieren. Ausserdem brauchten die Einwohner des Dorfes beim Feldlager auch Wasser. Der gesamte Wasserbedarf wird eingeschätzt als ungefähr 1 bis 4 Millionen Liter pro Tag! Weil die Zisterne die die Legionäre im Lager gebohrt hatten nicht zureichend Wasser lieferte haben sie eine Wasserleitung (Aquädukt) gebaut von einigen Brunnen in Berg en Dal. Die Wasserleitung war eine hölzerne Rinne, wovon nichts übrig geblieben ist. Schon sind noch immer Überreste dreier Dämme sichtbar wodurch Täler überbrückt wurden, und drei Rinnen die durch Hügel ausgegraben worden sind. Im Lauf der Jahre sind viele (wissenschaftliche) Publikationen erschienen über den Aquädukt. Vieles ist noch unklar, weil nur wenig Konkretes aufgefunden worden ist. Wie auch immer: die Phantasie wird schon angeregt! Eine Wanderroute ist zusammengesetzt worden die entlang der (vermutlichen) Trasse des Aquäduktes führt. Der Entwicklung dieser Wanderroute sind eine ausgiebige Bestandsaufnahme und Berichterstattung vorausgegangen: „Van bron tot kraan – het aquaduct van Groesbeek als levensader voor nieuwe economie, een ontwikkelingsvisie“ (Von Quelle zum Hahn – der Aquädukt von Groesbeek als Lebensader für neue Wirtschaft, eine Entwicklungsvision). Nicht alles ist realisiert worden… 2006 ist ein beeindruckendes und erklärendes Video hergestellt worden mit einer 3D-Visionisierung des römischen Aquäduktes an Hand von Reliefkarten. In einem schönen aber längeren Video aus 2014 wird der Aquädukt sozusagen sichtbar gemacht wird in der Landschaft. Die unterschiedlichen Teile habe ich auch selber gesehen!

Das Wasser das über den Aquädukt transportiert wurde war bestimmt für das römische Feldlager auf dem Kops Plateau, dem meist östlichen der römischen Feldlager in Nijmegen. Hier befand sich ein kleines castellum das wahrscheinlich schon erbaut worden war um 12 vor Chr., wenn der von Kaiser Augustus höchst geschätzte General Drusus (38–9 vor Chr.) seine Feldzüge in Germania anfing. Vielleicht diente das Kops Plateau als Hauptquartier für diesen Kriegsoperationen. Die Kommandantenwohnung dieser Festung ist aussergewöhnlich gross: 60 bei 35 Meter. Was der Entwurf betrifft sieht sie römischen Villen sehr ähnlich. Hier war der Innenhof nach Norden offen, wodurch es wahrscheinlich möglich war um von dort die überwältigende Aussicht über die Flusslandschaft zu geniessen. Dass die Bewohner sich ein Leben in Luxus leisteten zeigen Funde von kostbarer Keramik und einem Kessel aus Bronze, aber auch von Essensresten wie Linsen, Gersten, Oliven, Hase, Spanferkel, Ente und Krickente, Birkhuhn, Huhn, Rindfleisch, eine grosse Menge Fisch und Fischsauce von spanischen Makrelen… Von der Festung ist heutzutage nicht viel Konkretes mehr zu sehen. Jedoch führt die Etappe über die Eisrandlage entlang einem modernen Appartementkomplex mit dem treffenden Namen Porta Romana, wo im Vordergarten die Umrisse des östlichen Tores des Feldlagers der Zehnten Legion abgebildet worden ist mit niedrigen Mauern. Die ursprünglichen Tor und Mauern waren aus Stein. Ungefähr 90 Jahre bevor diese erbaut wurden, lag hier schon ein grösseres Lager aus Holz, das nur kurz (zwischen 19 und 10 vor Chr.) benutzt wurde. Von diesem Lager sind die Pfostengruben für die Steher im Gehsteig und in der Strasse wiedergegeben als Kreise mit Pflastersteine in einer anderen Farbe. Etwas Interessantes das von der Strasse her nicht sichtbar ist, liegt im Hinterhof des Komplexes: der aus Tuffsteinbrocken aufgebaute Rand einer grossen Wasserzisterne der wieder aufgebaut worden ist an der Stelle wo er 1959 ausgegraben wurde.

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Nijmegen: bei einem modernen Wohnungskomplex auf dem Kops Plateau sind die Grundrisse eines römischen Gebäudes aus dem 1. Jahrhundert nach Chr. sichtbar gemacht

Um das Jahr 100 erbauten die Römer in Nijmegen-Ost das grösste Gebäude das je in den Niederlanden gestanden hat. Es war ein Marktgebäude von 166 bi 137 Metern gross um einen Marktplatz mit kleinen Geschäften. Auf dem Platz waren zwei Kaisersäulen aufgerichtet worden. Bei archäologischen Ausgrabungen sind Fundamentteile aufgefunden worden des Gebäudes und der Säulen. In den Strassen um die Eikstraat Strasse sind schon früher die Kontouren des Marktgebäudes wiedergegeben worden mit dunklen Steinen im Pflaster. Es ist hier nicht leicht um die modernen Häuser aus zu blenden und ein römisches Bauwerk zu visualisieren, gleich wie ich während der letzten Etappe bei den grossen Tempeln in Nijmegen-West, Fortuna (die Göttin des Wohlstandes) und Mercurius (dem Gott des Handels) gewidmet, erfahren habe. Auf einer Informationstafel beim Appartementkomplex steht ein Luftbild des Viertels mit darauf angegeben wie die Lage des Marktgebäudes war – das ist schon erläuternd!

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Nijmegen: die roten Linien über den Plan des heutigen Viertels geben die Kontouren wieder des grössten römischen Gebäudes, eines Marktgebäudes in Nijmegen (und in den Niederlanden) wo auch zwei Kaisersäule standen

Auch ganz auffallend ist die Kaisersäule die am 1. Juli 2011 enthüllt worden ist und die ursprünglich auf dem Platz der Marktgebäudes gestanden hat. Durch die archäologischen Untersuchungen war eine sorgfältige Rekonstruierung des Originals möglich. Die Säule ist 9 Meter hoch und der Säulenknauf ist farbenreich ausgestattet wie in Römischen Zeiten üblich war. Auf dem Säulenknauf hatte damals auch noch wie eine Ehrung eine 2 Meter hohe Statue Kaisers Trajan gestanden. Auf dem Sockel in einer prächtigen Ockerfarbe steht der Text: „Keizerzuil Marktgebouw Rond 100 opgericht door de soldaten van het Tiende Legioen in 2011 opnieuw opgericht door de Nijmegenaren“ (Kaisersäule Marktgebäude, rum 100 von den Soldaten der Zehnten Legion aufgerichtet, 2011 erneut aufgerichtet von den Einwohner von Nijmegen).

Von diesem neuen Viertel führt die Wanderung weiter über den Berg en Dalseweg zum Broerdijk Damm. Hier steigt der Weg ziemlich rasch ab zum Hengstdalseweg. Bei der Kreuzung hat die Gemeinde 2010 ein Kreisel konstruieren lassen. Damals ist auf Initiative der Anwohner ein Kunstwerk angelegt worden das der Anwesenheit des Aquäduktes Aufmerksamkeit widmet. In April 2013 ist der Entwurf des niederländischen Künstlers Alphons ter Avest (*1960) ausgewählt worden: der „Neptvnvsring“, der 2015 eingeweiht worden ist. Dieser Ring ist ernannt worden nach dem römischen Gott des fliessenden Wassers und des Meeres. Er vereint zwei römische Erfindungen: Beton und Serifenschrift. Es steht in Spiegelbild: AQUA CASTORUM NOVIOMAGI (Wasserleidung des Feldlagers von Nijmegen). Der Text steht verkehrt herum auf einem spiegelnden Untergrund: wenn es nass ist, ist der Text gut zu lesen. Hiermit wird die Wichtigkeit von Wasser betont. Beide Male als ich den Kreisel passierte war der Untergrund trocken, aber das Denkmal regte schon die Vorstellungskraft an.

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Nijmegen: am Kreisel der Strassen Hengstdalseweg und Broerdijk steht das Kunstwerk „Neptvnvsring“ des niederländischen Künstlers Alphons ter Avest (*1960) aus 2015, mit einer Verweisung zum römischen Aquädukt

Auf der Informationstafel beim Kreisel steht ein altes Bild aus den 1930er Jahren, worauf gut zu sehen ist dass der römische Aquädukt dort gelegen hat: eine deutliche Anhöhe was sichtbar in der Landschaft als man anfing mit dem Bau der Häuser am Broerdijk Damm!

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Nijmegen: auf der Infotafel beim Kreisel der Strassen Hengstdalseweg und Broerdijk steht ein Bild aus den 1930er Jahren, worauf die Trasse des römischen Aquäduktes wie eine Erhöhung in der Landschaft sichtbar ist

Der Broerdijk Damm führt wirklich durch ein (Schmelzwasser)tal (deshalb der Name „Hengstdalseweg“ (Hengtstalerweg) und als ich einmal gegen den Südhang hochgegangen war, erreichte ich die Sportplätze und glücklicherweise auch nichtgepflasterte Wege! Dort führt die Wanderung durch den Mariënbosch Wald mit wunderschönen alten Buchen die sich – wie ich schon erhofft hatte – in Mai mit hellgrünen Blättern geschmückt hatten: das Sonnenlicht auf die zartgrünen Blätter war ein Geschenk!

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Nijmegen: anfangs Mai ist der alte Buchenwald im Mariënbosch Wald südöstlich von Nijmegen in Richtung von Heiligland-Stichting schon mit hellgrünen Blättern ausgestattet

Der Mariënbosch Wald gehörte zu einer grossen Villa aus dem 19. Jahrhundert, Mariënboom (Alter Marienbaum), aber der Wald selber ist schon viel älter. Auch gibt es weiter nach Süden ein grosses Kloster Mariënbosch (ebenfalls ein rijksmonument Denkmal, das 1923 vom niederländischen Architekten Charles M.F.H. Estourgie (1884–1950) entworfen worden ist. Das grosse und imponierende Gebäude liegt auf eine natürlichen Anhöhe. Das Kloster ist erbaut worden mit dunklen Backsteinen mit sandsteinernen Verzierungen, im Stil der Art déco mit Elementen der Amsterdamer Schule – das Gebäude hat was Umrisse betrifft schon ein wenig Ähnlichkeit mit der Sendeanlage von Radio Kootwijk! Der Weg durch den Mariënbosch Wald dem Wanderbuch nach ist jedenfalls kürzer als der Weg den ich zum ersten Male nahm: damals verpasste ich einen Wegweiser und passierte das Kloster. Das Gebäude hat seit Mai 2015 eine neue Funktion: es wohnen jetzt ungefähr 350 Studenten! Am Ende des Zweiten Weltkrieges war im Wald das Kamp Mariënbosch Lager eingerichtet worden: anfänglich gemeint als Sammelstelle für britische und kanadische Soldaten die repatriiert werden wollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lager zum Internierungslager: die niederländischen Behörde möchten gleich nach der Befreiung die in den Niederlanden wohnhaften Deutschen deportieren (ungefähr 20.000 Personen). (Operation Black Tulip) Zwischen September 1946 und Ende 1948 wurden viele Deutschen (die oft schon lange vor dem Krieg in die Niederlanden gekommen waren und hier eine Familie gegründet hatten) interniert in Erwartung ihres Abschubes nach Deutschland. Das Lager war mit Stacheldraht umzäunt und bestand aus 86 Nissenhütten: halbzylindrischen Unterkünften für die Inhaftierten und einigen Baracken aus Holz. Entlang der niederländisch-deutschen Grenze gab es mehrere dieser Art Lager, aber das Kamp Mariënbosch Lager war das grösste. Ab 1948 hat man angefangen mit der Demontierung – 1952 wurden die letzten Baracken abgeriessen und das Gelände wieder der Natur überlassen als Wald. Ich war in Unwissenheit daran einfach vorbeigegangen…

An der Ostseite des Mariënbosch Waldes war wieder ein Teil des römischen Aquäduktes sichtbar in Form einer ziemlich untiefen schnurgerade Rinne: die Informationstafel meldete das die Rinne heutzutage 1 bis 2 Meter tief und 10 Meter weit ist mit an beiden Seiten einem Wall von ausgegrabener Erde, aber dass die Rinne ursprüngliche 3 Meter tief und 7 Meter tief gewesen war. Die Rinne liegt genau in der Verlängerung des Swartendijk Dammes, den ich nachher passierte. Mit dem Graben dieser Rinne ist ungefähr 6.500 Kubikmeter Erde verlegt worden. Schon früher war ich entlang einem „Seitental“ gegangen in der Nähe eines Spielplatzes (mit dem Namen „De Leemkuil“, der Lehmgrube), wo grosse Taxusbäume wuchsen. Man vermutet dass die Römer hier eine Quelle ausgegraben haben um auf dieser Weise mehr Wasser zu generieren. Das geschah wahrscheinlich in Phasen: wenn der Wasserzufuhr nicht zureichend war, bohrten sie neue Quellen an und versuchten es höher am Hang. Ich sah auch einzige tiefe Kuhlen in der Landschaft: diese sind entstanden weil eine örtliche „Dampfdachziegelfabrik“ hier zwischen den Jahren 1880 und 1920 Lehm gewonnen hat.

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Heiliglandstichting: Blick auf die von den Römern ausgegrabenen Rinne für das Aquädukt im Mariënbosch Wald

Vom Mariënbosch Wald lief ich im Gras neben einer Strasse mit viel Verkehr und grossen Villen in verschiedenen Stilen, wobei ich den Anweisungen des Romeinse Limespad Wanderweges, aber auch den des Aquaductwandeling Aquäduktwanderweges folgte. Wieder konnte ich die Teerstrasse hinter mir lassen und in eine breite Buchenallee weiter gehen, die ursprünglich gemeint war als Auffahrt zu einem Landhaus, das nie gebaut worden ist. An der Südseite der Allee steht ein ganz hässlicher Sichtschutz aus Beton (des ehemaligen Karmeliterinnenkloster) und an der Nordseite liegt ein lichter Buchenwald (in Privatgärten). Hier war erneut sichtbar gemacht wo der Aquädukt gelaufen hatte: dort gibt es eine leichte Wölbung, mit aus Metall die Rinne für das Wasser. An der Überseite der Allee, in den Gärten, kann man den Damm noch deutlich erkennen. Dieser Damm war im Ganzen 260 Meter lang und an dieser Stelle ungefähr 6½ Meter hoch. Das ist viel höher als der Sichtschutz! Die Römer hatten für den Damm fast 10.000 Kubikmeter Erde gebraucht! Schon seit Menschengedenken heisst dieser Damm „Swartendijk“ Damm.

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Heilig Landstichting: hier ist noch gut zu erkennen wie der Lauf des römischen Aquädukts beim Swartendijk Damm war (in südliche Richtung)
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Heilig Landstichting: hier ist noch gut zu erkennen wie der Lauf des römischen Aquädukts beim Swartendijk Damm war (in nördliche Richtung)

Nachdem ich noch eine Weile dem weiten Pfad durch den Wald, der den Hang hinauf führte, gefolgt bin entlang jenem wirklich hässlichen und von Graffiti „aufgepeppten“ Zaun aus Betonplatten lief ich zuerst über einen Pfad mit vielen Baumstümpfen und Baumwurzeln durch eine Lichtung im Walde und nachher wieder über einen Pfad durch einen Buchenwald, in diesem Fall entlang einem Zaum aus Drahtgewebe, der dasselbe Gut abschirmte als der Betonzaun. Beim „Louisadal“ Tal gab es wieder Sicht auf den römischen Aquädukt. Lange Zeit hatte man gedacht dass es ein Erosionstal war, aber es erwies sich wie eine ausgegrabene Rinne! Bei Messungen wurde klar dass die aufgeworfene Erde an beiden Seiten gleich hoch waren Der Pfad führt mit Stufen durch das Tal. Der Höhenunterschied geht bis 14 Metern und der Boden des Tales liegt immer noch auf 66 Metern „NAP“ (Amsterdamer Pegel). Es fällt auf dass der ausgegrabene Boden hier relativ fern entfernt ist: vielleicht was das Tal hier viel tiefer ausgegraben worden und ist durch Erosion im Laufe der Jahrhunderte wieder teilweise aufgefüllt worden, oder hatten die Römer vorgehabt um den Hügel tiefer aus zu graben, aber konnten die Arbeit nicht vollenden weil sie versetzt wurden nach Aquincum (bei Budapest). Hinter dem Zaum des Museumparks Orientalis geht das gegrabene Tal weiter, schliesst dann an zu einem natürlichen Tal und erreicht beim Angang des Swartendijk Dammes. Beide Male, in März und in Mai, war dieses „Stufen-hinab“ und an der anderen Seite „Stufen-hinauf“ nicht gerade eine niederländische Erlebnis! Auch hier waren Anfang des Monats Mai die frischgrünen Frühlingsfarben in den Buchen eine Augenfreude. Das Lousiatal ist seit 2012 ein rijksmonument (Denkmal nationaler Bedeutung).

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Heilig Landstichting: das Pfad führt über Treppen durch das Louisetal, das in der Zeit der Römer wahrscheinlich Teil des Aquäduktes gewesen ist (Anfang März)
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Heilig Landstichting: das Pfad führt über Treppen durch das Louisetal, das in der Zeit der Römer wahrscheinlich Teil des Aquäduktes gewesen ist (Anfang Mai)
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Heilig Landstichting: Blick auf einen Teil des römischen Aquäduktes, den Boden des Louisetales in östliche Richtung (März 2021)
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Heilig Landstichting: Blick auf einen Teil des römischen Aquäduktes, den Boden des Louisetales in östliche Richtung (Mai 2021)

Eine angenehme Abwechselung des hügeligen Waldgebiet um das Louisedal Tal wurde gebildet von einer schönen grossen Wiese umsäumt von wieder alten Buchen. Die Wiese gehört einem Pferdehof – beide Male standen die Pferde in der freundliche Frühlingssonne. Unter am Hang lagen grosse Buchen die vor langer Zeit umgesägt worden waren. Anfang Mai waren einige Mountainbike-Pfade abgeschlossen worden mit rot-weissen Bändern und auf einem laminierten Zettel wurde der Grund dafür gegeben: ein Teil des Mountainbiketrails Westermeerwijk könnte zu nah an einem Baum vorbeiführen wo das grösste Insekt der Niederlande, der Hirschkäfer (Lucanus cervus), brüten sollte. Es ist ein seltsames Insekt das durch seinen Entwicklungszyklus von acht Jahren anfällig ist für Störungen und wovon Kolonien nur noch in vier Gebieten im Osten und im Süden der Niederlande vorkommen – das Gebiet östlich von Nijmegen ist ein von denen. Als ich noch kurz zum Beginn des Louisadal Tales lief fiel mir auf wie lehmhaltig der Boden hier ist: am Wurzelwerk einer umgewehten Buche war das richtig zu sehen! Weiter entlang dem Pfad der zur Meerwijkselaan Allee führte, lagen auch vor langer Zeit gefällte dicke Buchen, wovon eine ganz hohl war.

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Heilig Landstichting: am Hang der zur Stelle führt wo das Louisetal ausgegraben worden ist sind Pferde beim Grasen auf einer grünen Wiese in der Frühlingssonne

Entlang der Meerwijkselaan Allee steht ein Kunstwerk mit fünf Paneelen aus durchbrochenem Cortenstahl und an jeder Seite eine Sitzbank aus glänzendem Edelstahl. Die verschiedenen Mondphasen werden darauf wiedergegeben – ein Schild mit Erklärung fehlt… Auch gibt es dort einen „Kilometerstein“ der deutlich inspiriert worden ist von französischen und italienischen Vorbildern! Darauf steht: „Giro di Berg en Dal, Aquaduct” und hinzugefügt: „Alt. 57,95m – 11,6 km“. Es ist eine Verweisung zum Giro d’Italia: 2016 fand der Start des Giros statt in Gelderland und die zweite Etappe führte die Rennfahrer u.a. durch die Hügel von Berg en Dal. Diese Radtour von 30 Kilometern geht so viel wie möglich über den offiziellen Parcours von damals, mit allen Höhenpunkten, wie die „Muur van Beek„(die Mauer von Beek) mit einem Prozentsatz von 10%!

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Heilig Landstichting: Kunstwerk mit fünf Paneelen aus Cortenstahl mit den Mondphasen und „Kilometerstein“ der Velotour „Giro di Berg en Dal“

Das Gehen über den breiten Radweg, entlang einer breiten Schwarzdornhecke, die in Mai schon angefangen haben zu knospen. Schon fiel der Graben auf der zwischen der Hecke und dem Radweg angelegt war: er war bestimmt für Frösche und weitere Amphibien die auf dieser Weise von beiden Seiten „gelenkt“ werden zu einem unter der Strasse angelegten schmalen Tunnel. Auf dieser Weise können sie sicher die Pfützen erreichen an der Südseite auf dem Gelände des Afrikamuseums liegen. Auch hier bilden der Graben und der schmale Tunnel eine Verbindung mit Wasser, aber in diesem Fall für Tiere!

Nachdem ich eine Weile über den Radweg gegangen bin erreichte ich einen langgestreckten Teich hinter einem grossen, verzierten, aber schon ein wenig rostigen Gitter: dieses Gewässer gehört zum Gut Watermeerwijk das um 1650 entstanden ist als Urbarmachungshof am Rande des Niederreichswaldes. Im 18. und 19. Jahrhundert ist hieraus ein Gut entstanden. Man geht davon aus dass der Teich ursprünglich eine Quelle war, die von den Römern schon ausgegraben wurde: an der Ostseite des Teiches ist noch deutlich die aufgegrabene Erde zu sehen. Auch sollte der Teich in römischen Zeiten gedient haben als Auffangbecken für das Wasser aus dem Kerstendal Tal das weiter nach Norden liegt und vom höchsten Punkt der Eisrandlage hinunterläuft (hierüber folgt später Weiteres). Bohruntersuchungen haben gezeigt dass es um Arbeit von Menschen handelt – nur kann man nicht mit Sicherheit feststellen ob es Menschen aus der Zeit der Römer oder aus dem Mittelalter waren. Am rechten Ufer des Teiches ist im 11. oder 12. Jahrhundert ein Schlosshügel aufgeworfen worden, wobei das Wasser wie ein Graben um diese Motte geleitet wurde. Aus anderen Untersuchungen des westlichen Teils des Teiches ist festgestellt worden dass es wahrscheinlich ein alter Bachlauf ist mit einem sandigen Boden, zugedeckt von einer dicken Schicht Schlamm stammend der herumwachsenden Buchen. Das Profil der untersuchten Uferböschungen (fester Sand-Lehm) war auffällig eckig und steil, wodurch der Teich einem ausgegrabenen Becken ähnlich sieht. Eine Ausnahme ist das östliche Ende des Teichs das allmählig übergeht in den umringenden Waldboden. An einer bestimmten Stelle wurden auch noch schwere Holzreste am Boden aufgefunden wovon noch nicht feststeht ob diese hier von selbst gekommen sind oder von Menschen dorthin geführt worden sind. Ich konnte durch das Gitterwerk sehen wie einige Enten herumschwammen im glatten Wasser – es war ein schöner Anblick, mit jenem frischen Grün der wenigen Blätter an den Buchen.

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Heilig Landstichting: Blick auf den grossen Teich des Guts Watermeerwijk, der wahrscheinlich ein Wasserbecken war für den römischen Aquädukt

Von diesem Punkt stieg die Route entlang dem Afrikamuseum (das heutzutage geschlossen ist und ganz verlassen da lag…) ziemlich steil auf und führte nachher entlang dem Waldrand mit kapitalen Buchen. Junge Buchen waren schon eingepflanzt worden als “Erbfolgen”. Von dieser Höhe konnte man gut sehen dass die Meerwijkselaan Allee und auch der Teich des Gutes in einem Tal liegen. Auch die Aussicht über die hügeligen Äcker und in der Ferne Wiesen umsäumt von wieder alten Buchen war sowohl in März (ganz blauer Himmel) als auch in Mai (eher dunkle Wolken) wunderbar. Es wirkte ruhig und dadurch erholsam. Auch hier genossen die Pferde in der Wiese das frische Frühlingsgras und genoss ich die Fernblicke.

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Berg en Dal: Blick nach Nordosten über die hügeligen Äcker und Wiesen auf die Wälder entlang dem Zevenheuvelenweg

Am Ende der Buchenallee erreichte ich den Zevenheuvelenweg (wörtlich den Siebenhügelweg) der steil nach unten ging, also einer der sieben Hügel! Nach einer kurze Strecke entlang Gebüschen von blühenden Kirschbäumen kam ich in den südlichen Teil des Weilers De Holdeurn, wo ich wieder einen schönen Fernblick über gepflügte Äcker mit auch noch einem Weinberg! Dort war noch nicht viel “Leben” zu erwähnen – nur die Rosskastanien entlang der Oude Kleefsebaan Allee hatten schon grüne Blatter. In der Ferne sah ich die Eisrandlage aufragen – in die Richtung des Duivelsberg, des „Teufelsberges“…

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Berg en Dal: Blick nach Norden vom Gutshotel Holthurnse Hof über die hügeligen Äcker, den Weinberg (Mitte) und den Weinhof (links)

Teil des Weilers De Holdeurn ist Villa Dalhof, ein denkmalgeschütztes Gebäude aus 1912–1914, das heutzutage ein B&B ist und früher der Wohnsitz war der Familie Jurgens (die Entwickler der Margarine, jetzt Unilever). Die Villa ist erbaut worden nach Entwurf des Architekten Charles M.F.H. Estrourgie (der u.a. auch das Kloster Mariënbosch entworfen hat) im „historisierenden Stil“ (eine Strömung die zurückblickt auf die Vergangenheit und die Dekorationen entleiht an verschiedene frühere Stilperioden). An dieser Stelle hat schon früher ein Haus gestanden. Zwischen 1952 und 1997 war in der Villa die katholische Volkshochschule für die Entwicklung der ruralen Gemeinschaft „Ons Erf“ (unser Hof) tätig, die 1948 gegründet worden war und die ursprünglich einen Sitz hatte in der Ortschaft De Steeg bei Arnhem, mit dem Zweck um vor allem katholischen Jugendlichen aus der Agrarsektor zu „bilden“ und „um zu schulen“. Der parkhafte Garten wurde 1910 angelegt, aber liegt heutzutage etwas ungepflegt da…

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Berg en Dal: Blick auf die monumentale Villa „Dalhof“, 1912-1914 erbaut, auf dem Gut De Holdeurn

Ausserhalb des neuen Gebäudes des Landgoedhotel De Holthurnsche Hof gibt es noch eine kleine Kapelle mit einem schilfgedeckten Dach, die um 1850 erbaut worden ist. An der nördlichen Mauer hängt ein modernes Kunstwerk eines Mannes mit gehobenen Armen inmitten von drei wegfliegenden Tauben – oder sind es doch Engel?! An der östlichen Mauer steht in einer Vitrine eine kleine Schwarze Madonna mit einem reichlich geschmückten Mantel. Die Glasscheibe spiegelte stark, wodurch es schwierig war um die Statuette zu sehen, aber die Kombination des weissen Mantels mit einem schönen hoch aufragenden Baum war zwar schön!

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Berg en Dal: Blick auf die kleine Kapelle aus 1850 beim Gutshotel Holthurnsche Hof

Südöstlich der Villa Dalhof liegen zwei archäologische Stellen aus der Römerzeit die seit 1972 denkmalgeschützt sind: die Öfen für die Herstellung von Backsteinen und Dachziegeln und eine fabrica für die Herstellung feiner Keramik aus terra sigillita. De Holdeurn verdankt seinen Ruhm der hunderttausenden gebackenen Dachziegel und verschiedene Sorten Fliesen. In der gesamten Provinz Germania Inferior, von Bonn bis an der Nordsee sind Dachziegel gefunden worden mit Stempeln aus De Holdeurn! Diese orangenfarbige Keramik wird auch wohl Holdeurner Keramik oder Nijmegens-Holdeurner Keramik genannt. Sie wurde oft gestempelt mit „Legio X Gemina“: deshalb vermutet man dass die Produktion organisiert wurde von den Armeelagern bei Ulpia Noviomagus Batavorum (Nijmegen). Auch im zweiten Jahrhundert war das Komplex erneut in Betrieb – diesmal für die Regimente aus Xanten und Bonn: aus der Regierungsperiode des Kaisers Severus Alexander (222–235) datiert ein Gedenkstein, errichtet in Auftrag des Befehlshabers der Legio I Minerva, der Ersten Legion aus Bonn.

Kennzeichnend für die delikate Keramik aus terra sigillata sind die rote, rotbraune Farbe und eine glänzende, oft dekorierte Oberfläche. Die Verzierungen bestehen aus dekorativen oder auch bildhaften Reliefs. Es wurden feine Lehmsorten verarbeitet; die Herstellung geschah meistens mit einer Töpferscheibe. Für die Dekorationen an der Aussenoberfläche wurde ein (gebackener) Gussform angewendet, worin vor dem Backprozess die Reliefs in Negativ eingegeben worden waren mit u.a. Stempeln. Auch wurden weitere Sorten Keramik hergestellt, wie Öllampen, Teller, Schüssel, Kannen, Becher und Krüge.

Glücklicherweise ist eine Informationstafel aufgestellt worden, sonst könnte man einfach an die mit Brombeeren und (heute noch jungen) Brennnesseln zugewachsene Grube zwischen den hohen Bäumen vorbeigehen, ohne zu wissen dass dort ein Teil eines der grössten Ofenkomplexen im Norden des Römischen Reiches liegt… Der Hotelbesitzer hat Anfang dieses Jahrhunderts schon Pläne entwickelt um einiges sichtbar zu machen, aber davon ist jetzt noch nichts zu sehen. Diese Ofenkomplexe könnten jedenfalls am anderen römischen Projekt anschliessen: der Aquädukt von Berg en Dal!

Vom Ende des 18. Jahrhundert hat es Entdeckungen der römischen Vergangenheit gegeben, zum ersten Mal 1780: während Grabarbeiten in der Nähe des Weges bei Holdeurn im Niederreichswald waren eine grosse Menge Dachziegel und Fliesen entdeckt worden. Bei erweiterten archäologischen Untersuchungen zwischen 1938 und 1942 zeigte sich wie gross der Ausmass der Ofenkomplexe bei De Holdeurn war. In späteren Jahren hat man vermutet das bei diesen Ausgrabungen vieles im Boden verstört sein wurde, aber es fand sich heraus dass das nicht der Fall war: in Anfang dieses Jahrhunderts hat eine andere Untersuchgruppe, in Hinblick auf die Pläne um der Komplex besser sichtbar zu machen, die Umgebung kartiert, u.a. mit einem Bodenradar. Man hatte dabei herausgefunden dass es auch noch Fundamente eines andern Gebäudes, vielleicht die Wohnräume der Soldat-Arbeiter im Boden gibt… So vieles ist noch unbekannt, jedoch haben Wissenschaftler schon viel entdeckt: die Grösse und die Weise worauf die Ränder der „tegulae“, der Dachziegel abgerundet werden sind kennzeichnend für die „Grobkeramik“ die von der Zehnten Legion von Nijmegen ehrgestellt wird. Auch sind mehrere Dachziegel aufgefunden worden mit dem Fussabdruck eines Hundes! In der Keramik von De Holdeurn ist (meistens grober) Sand oder Kies gefunden worden, wobei regelmässig (grosse) Kalkeinschlüsse sichtbar sein. Bei späteren Ausgrabungen kommen diese Kalkeinschlüsse in der Grobkeramik der Zehnten Legion weiniger häufig vor. Wo Grobkeramik von De Holdeurn ausgegraben wird, sind auch Unterschiede in Backweise und Farbe festgestellt worden. Man vermutet dass solche Unterschiede im Backen und Schattierung wahrscheinlich zusammenhangen mit dem (chronologischen) Abbau verschiedener Tongruben in der unmittelbaren Umgebung, aber auch mit der im Laufe der Zeit durchgeführten Qualitätsverbesserungen.

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Berg en Dal: auf der Informationstafel bei der Villa Dalhof in De Holdeurn steht ein Bild aus den 1930er Jahren worauf einer der Untersucher des Ofenkomplexes für das Backen von Ziegeln steht

In März konnte man bei der Villa Dalhof schon etwas zu essen und trinken bekommen, aber dann nur to go. Am 1. Mai war die Terrasse des Landgoedhotel Holthurnse Hofs geöffnet, also das gefiel mir wohl. Obwohl es leider sehr kühl war, setzte ich mich unter einem grossen Sonnenschirm (der an einem gewissen Moment auch als Regenschirm diente!) und gönnte mir ein Glas Weisswein – nicht vom Weinberg den ich zuvor gesehen hatte, aber ohnehin schmackhaft… Als mein luxuriöses „Brötchen-Brie“ (gutes Brot mit grillierter Aubergine und halbgeschmolzenen Scheiben Käse) serviert wurde, kam die Sonne zu Vorschein und schien in mein Glas. Es war wunderbar um wieder einmal auf einer Terrasse zu sitzen und das Essen und die Aussicht zu geniessen!

In März hatte ich zuerst einen Blick geworfen in die (irgendwie respektlos gesagt) „Kuhle im Boden“ die den römischen Ofenkomplex vorstellen sollte. Von dort ging ich entlang dem Weinberg, der auch Holdeurn heisst. Das Ganze war schon vorbereitet für eine neue Saison mit hoffentlich einem guten Ertrag… Auf 0,4 Hektare werden seit 2006 drei Traubenrassen angebaut: Cabernet Blanc, Johannitter und Souvignier Gris. Auf der Webseite wird angegeben dass die Weine wegen des Lösses im Boden überraschend vollmundig und mineralienreich sind. Ein nächstes Mal werde ich mich bestimmt auf ihre “Weinterrasse“ hinsetzen und einen vergleichenden Warentest durchführen! Das zweite Mal, in Mai, hatte es, auch wegen des kalten Wetter der vergangenen Zeit, noch nicht Fortschritt in der Blattentwicklung gegeben…

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Berg en Dal: in März sieht der Weinberg „Holdeurn“ sehr gepflegt aus – auf die Plätze, fertig, los in die neue Saison!

In März bin ich zum Ziel der Etappe 17, zum Duivelsberg Teufelsberg gegangen, aber Anfang Mai war es mir schon ziemlich kalt geworden nach meinem Lunch in Freien – deshalb habe ich nicht ein weiteres Mal die letzte Strecke gewandert, sondern bin ich ins Dorfzentrum von Berg en Dal zurückgekehrt. Dort habe ich auch den Anfang des Aquäduktes gesehen, beim Kerstental Tal, wovon nachher weiters. Nach der Überquerung der Oude Kleefsebaan Allee fing einer steiler Aufstieg zum Duivelsberg Teufelsberg an, über sich windende, durch Erosion ausgespülte Pfade durch eine schönen Buchenwald, das damals noch ganz kahl war. Manche Pfade führten gegen den Steilhang hoch über Stufen, andere folgten den schmalen Tälern. Manchmal war zwischen den Blättern auch noch alter Pflaster aus Steinen zu sehen.

Fast oben auf dem Duivelsberg Teufelsberg endete der Wald und gab es schöne Weiblicke nach Osten über Wiesen: hier ist Deutschland nicht weit entfernt! Auch ist der Weg nicht mehr so steil.

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Berg en Dal: fast beim „Teufelsberg“ gibt es freie Sicht nach Osten in die Richtung von Deutschland

Es dauerte nicht lange bis auch das Pfannkuchenrestaurant „De Duivelsberg“ in Sicht kam. Es war angenehm um dort etwas zu bestellen zu können – zwar „to-go“, aber es war schon möglich um stehend auf der Terrasse in der Sonne einen Becher mit hausgemachtem Glühwein und eine Portion poffertjes (Mini-Pfannkuchen mit Butterstückchen und Pulverzucker) zu geniessen! Es war gerade ein richtiges „Gipfelmoment“!

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Duivelsberg bei Berg en Dal: das Pfannkuchenrestaurant verkauft nur „Poffertjes“ und Glühwein to-go, aber das schmeckt wunderbar, im Stehen in der frühlinghaften Sonne!

Gestärkt von diesen Leckerbissen stieg ich etwas weiter den Berg hinauf: dort stand ein vielarmiger Wegweiser mit Wanderwegen in alle Richtungen. Hierentlang führen u.a. auch die Fernwanderwege Pieterpad (von Pieterburen im Norden der Niederlande zum Pietersberg bei Maastricht im Süden) und Grote Rivierenpad (Wanderweg entlang den grossen Flüssen der Niederland von Hoek van Holland nach Nijmegen und Kleve) vorbei. Als ich weiterlief sah ich wie einer dicker Baum im Laufe der Zeit die hölzernen Wegweiser „aufgeschluckt“ hatte…!

Der Duivelsberg ist mit 75,9 Metern der höchste Gipfel in diesem Teil der Eisrandlage. In der römischen Zeit war der Teufelsberg dadurch von grosser strategischen Bedeutung: als die römische Festung Ulpia Noviomagus Batavorum gegründet wurden wurde klar dass es schwierig war um von der Festung die nächste, viel grössere Festung im Osten, bei Kleve, zu sehen. Für die Berichterstattung zwischen den Festungen untereinander war gute Sicht lebenswichtig für die römischen Befehlshaber: auf dieser Weise konnten sie einander jederzeit warnen für Angriffe der Germanen. Deshalb wählten sie einen zusätzlichen Ausblickpunkt: der Duivelsberg Teufelsberg mit guter Sicht auf den Kleverberg, den höchsten Punkt in Kleve. Auch in der modernen Kriegsführung spielte der Duivelsberg eine strategische Rolle: während der Operation Market Garden kämpften die Alliierten vom 19. Bis zum 24. September 1944 um den Hill 75,9 Hügel um dessen Besitz zu erhalten…

Einer der Arme des Wegweisers wies in die Richtung eines weiteren archäologischen Denkmals: die doppelte „MotteMergelp, oder auch eine Turmhügelburg. Dies ist ein Typus einer mittelaltrigen Burg (Ende des 10. Jahrhunderts bis ins 13. Jahrhundert), meistens in Form eines Turmes, der im Anfang aus Holz und später aus Stein war. Kennzeichnend war die „Motte“, der aufgebaute Hügel aus Erde, umgeben von einer Abzäunung mit hölzernen Pfählen (der Palisade). Die Dimensionen solcher Hügel variierten zwischen 20 und 100 Metern im Durchschnitt und die Höhe zwischen 3 und 20 Metern. Oft bestand ein Turmhügelburg aus zwei Teilen, aus einer Hauptburg (mit Donjon wodurch das adlige und militärische Charakter unterstrichen wurde) und einer oder mehreren Vorburgen, wo das tägliche Leben sich abspielte und wo gewohnt wurden. Der Hügel wurde meistens aufgeworfen mit Erde die freigesetzt wurden beim Ausgraben eines Grabens. Die Festungsform kam vor allem vor im Gebiet zwischen dem Rhein und der Loire in Frankreich. Als die Kriegsführung mit Artilleriefeuer sich entwickelte, verlor dieser Burgtypus seine Bedeutung.

Die Burg bestand aus zwei „ Mottes“ die auch heute in der Landschaft zusammen mit den Wällen noch immer gut erkennbar sind. Die höchstgelegene Motte ist 4 Meter hoch (78 Meter NAP über normalem Pegel mit einem Durchschnitt von ungefähr 8 Metern und einem Trockengraben an der Westseite. Der Durchschnitt beträgt ungefähr 8 Meter. Diese kleinste Motte, der ehemalige Lebensraum der Bewohner, gibt auch heute eine gute Aussicht über das heutige Naturschutzgebiet Düffelt und war damals von grosser strategischen Bedeutung. Wegen der Lage am Duivelsberg, mit am Fuss dem Wyler Meer war die Burg leicht zu verteidigen. Neueste Recherchen bei der Motte auf dem Duno-Hügel bei Heveadorp am Niederrhein haben zeigt dass auch die Motte am Duno eine der Burgen gewesen ist von wo rum das Jahr 1000 das berüchtigte Ehepaar Adela von Hamaland und Balderik von Drenthe seine Macht über das Flussgebiet vom Duno bis zum Elterberg ausgeübt hat. Die andere Motte war die besonders grosse Turmhügelburg mit motte in der Gegend nördlich vom Fluss Niederrhein, in Luftlinie nur 19 Kilometer von Mergelp entfernt. Diese motte ist um 1017 zerstört worden von den Truppen u.a. des Bischofs von Utrecht als Repressalie für einen von Adela geplanten Mord auf einem Präfekten, ein möglicher Konkurrent ihres Mannes Balderik, im Gebiet des Niederrheins ein Jahr zuvor.

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Berg en Dal: Blick von Süden auf die Motte, die Erdhügelburg, Mergelp aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts auf dem Teufelsberg
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Berg en Dal: Sicht von der kleinen Erdhügelberg am „Teufelsberg“ über die Ebene von Waal und Rhein mit ganz in der Ferne den „Bergen“ von Montferland und Hoch-Elten
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Berg en Dal: beim Aussichtspunkt bei der kleinen Erdhügelburg werden verschiedene Orte auf einer Infotafel angedeutet, wie Arnhem 17 Km und Hoch-Elten 16 Km
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Berg en Dal: Blick nach Norden von der Erdhügelburg Mergelp am „Teufelsberg“ auf die niedriger situierte kleine Motte am Rande der Eisrandlage

Auf dem Rückweg zur Bushaltestelle in Berg en Dal ging ich wieder durch den dichten Buchenwald der nach dem Norden auf einem Steilhang wuchs. Hier und da waren noch einige kleine Gewässer zu sehen, die mündeten ins Wyler Meer, das teils in den Niederlanden und teils in Deutschland liegt. Die Grenze ist hier nie weit entfernt… Der See ist ein alter Flussarm. 1973 hat man den weiter nach Nordwesten situierten Wylerbergsee abgeschieden vom Wyler Meer: heutzutage ist er ein kleiner See, der sehr geleibt ist bei Erholungsuchenden. Angeblich wachsen im Filosofendal (Philosophental), einem tiefen Erosionstal das von der Eisrandlage mit dem Teufelsberg an der Nordseite nach unter führt, viele Esskastanien – diese sind Nachfahren der Bäume die die Römer aus dem Süden eingeführt haben!

Über einen sich windenden Pfad – ein andere als auf dem Hinweg – erreichte ich wieder die Hauptstrasse die zum Dorfzentrum führte. Das zweite Mal Anfang Mai, bin ich weiter nach Westen gegangen als in März. Also kam ich aus beim Anfang der Aquädukt-Wanderung: beim Kerstendal Tal. Dort sah ich einen tiefen Einschnitt in der bewaldeten Landschaft, mit in der Mitte einem (modernen) Zaum zur Abgrenzung der Parzellen… Es stand auch eine Informationssäule (nicht so schön gestaltet als in der begeisternden Ursprungsidee angegeben). Im Sonnenlicht und mit den hellgrünen Blättern der Buchen wirkte das tiefe Tal wirklich lebendig! Die Quelle des Aquäduktes liegt an der Südseite des heutigen Weges, der Oude Kleefsebaan Allee, der der Trasse folgt eines Römerweges und wo heute noch immer einige Quellen entspringen. Viellicht führte das Kerstendal Tal noch weiter zur Nordseite der Römerweg. Das Tal ist ungefähr ein Kilometer lang und hat eine Tiefe von elf Metern über NAP. Man hat berechnet dass beim Ausgraben dieses Tales ungefähr 80.000 Kubikmeter Erde befördert worden ist: hiermit könnten 80 Legionäre während vier Jahre beschäftigt gewesen sein! Der Erde die abgebaut worden ist aus dem Tal wurden an den Rändern aufgebracht wo sie heutzutage noch immer liegt. In der Zeit der Römer sollte das Tal noch tiefer gewesen sein, aber auch heute noch ist der Boden feucht. An der rechten Seite des Tales liegt ein Hügel von 40 Metern breit und 4 Metern hoch, der im 19. Jahrhundert bekannt war als der „Vestalische Hügel“, benannt nach der römischen Göttin von Heim und Herd. Vielleicht befanden sich dort die Ruinen eines nympheum, eines Brunnenheiligtums: die Römer waren gewohnt ein nympheum zu bauen am Anfang eines Aquäduktes, manchmal im Form einer Grotte oder auch eines kleinen Tempels. Obwohl es nicht viele konkrete Anweisungen gibt für das Bestehen des Aquäduktes ausser „Wölbungen in der Landschaft“, ist vor einigen Jahren in der Nähe des Kerstendal Tales ein Teil des Aquäduktes zurückgefunden worden: bei Bauarbeiten an einem Weg (dem Bosweg) sind in einer Baustelle Spuren gefunden worden die darauf hinweisen dass auf drei Metern Tiefe sich eine hölzerne Rinne befunden hat. Faszinierend dass nach zwei Millennia solche Spuren noch sichtbar sind!

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Berg en Dal: Blick von der Oude Kleefsebaan Allee nach Süden auf das von den Römern gegrabenen Kerstendal Tal, den Anfang des römischen Aquäduktes

Am Strassenrand steht auf einem Schild dass man parken kann auf der Vorderplatz der römisch-katholische Kirche Onze Lieve Vrouw van het Heilig Hart (Unsere Liebe Frau vom Heiligen Herzen Jesu), die gar nicht den anderen Kirchen in und um Nijmegen ähnlich sieht: es ist ein modernes, niedriges Gebäude mit ringsum alten Bäumen. Die Kirche ist 1966 entworfen worden vom Architekten Jan Strik (1912–1992) aus Boxtel, der bekannt war für seine modernistischen Kirchenentwürfe. Auffällig ist der gerüstähnliche hölzerne Glockenstuhl mit Kreuz in einer graublauen Farbe. Der Kirchenvorstand möchte ein Kirchengebäude das zuerst die menschliche Begegnung um die Eucharistiefeier betonen sollte: ich fand dass trotz des etwas ungepflegten Eingangsbereichs die Kirche einladend aussah. In starkem Widerspruch zum modernen Gebäude steht eine klassisch gestaltete, weisse Statue „Christus König“ gegen den Hintergrund einer Mauer aus dunklen Backsteinen in einer steinernen Umgebung an der Seite der Allee. Zwei Äusserungen des römisch-katholischen Glaubens!

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Berg en Dal: bei der modernen „Unsere Liebe Frau vom Heiligen Herzen Jesu“ Kirche steht eine klassisch gestaltete Christkönigsskulptur

Als ich die Quelle des römischen Aquäduktes in Berg en Dal erreicht hatte, war ich am Ziel der Etappe 17 des Romeinse Limespad Wanderweges angekommen, aber bestimmt nicht am Ziel des Römischen Limes in disen Gegenden: von hier könnte ich noch entlang der Via Romana weiter wandern nach Xanten in Deutschland, einer anderen Hochburg der Römer entlang dem Limes… Welch eine grossartige Wanderung ist diese Etappe gewesen – mit vielen Höhepunkten: wörtlich in Höhenmetern, aber auch mit beeindruckenden Einblicken in die Baukunst der Römer!