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Zu Euer Information: auf der Seite Der Rhein als Nordgrenze (“Limes“) des Römischen Reichs steht eine kurze Erklärung über den Umfang des Römischen Reichs anfangs unserer Zeitrechnung, über den Rhein als Nordgrenze, den „Limes“, jenes Reichs und die damals angelegte „Limes-Strasse“. Auch wird dort der niederländische Fernwanderweg „Romeinse Limespad“ (Römischer Limesweg) beschrieben, der der Basis dieses Reiseberichts ist. Dieser Wanderweg mit einer Gesamtlänge von 275 Kilometern von Katwijk aan Zee an der Nordseeküste nach Berg en Dal an der Grenze zu Deutschland, also entlang der Nordgrenze des Römischen Reichs, die hier gebildet wird vom Rhein, wie dieser Fluss ursprünglich floss: der Niederrhein bis Wijk bij Duurstede, der „Kromme Rijn“ bis Utrecht und der „Oude Rijn“ nach Katwijk aan Zee.


Den 7. April 2021

Entlang dem „Grünen Alkoven“ und durch die Überschwemmungsebenen zum Gasthof „Westerbouwing“

Dieser Reisebericht handelt von der Etappe 14 des Römischen Limeswanderweges, in umgekehrter Richtung: stromabwärts und ausserdem nicht eine ganze Etappe…: der letzte Teil dieser Etappe führt von Arnhem-Zentrum durch den Auenlandschaftspark Meinerswijk zum castellum. Jeden Teil hatte ich am letzten 24. Januar zurückgelegt. Das erste Mal dass ich den Teil dieser Etappe gewandert hatte war anfangs Januar: von Arnhem-Zentrum nach Oosterbeek, gerade an der Alten Kirche vorbei, bis an der Stelle wo die Rundwanderung „Klompenpad Rosandepad“ in Oosterbeek nach Norden abbiegt. Vor einigen Tagen, anfangs April, habe ich die Route abermals gewandert, aber ich bin weiter gegangen bis Heveadorp bis am Gasthof „De Westerbouwing“, auf der hohen Eisrandlage mit den schönen Fernblicken über die Betuwe und den Niederrhein. Ich habe also immer dem Fluss gefolgt der damals der nördlichen „Limes“ des Römischen Reiches bildete!

Auf dieser Strecke folgt der Römische Limesweg teilweise dem Fernwanderweg Maarten van Rossumpad und mit einigen Klompenpfäden entlang dem Niederrhein, wie der südliche Teil des Klompenpad Rosandepad Wanderweges, der ursprünglich eine Rundwanderung ist um Oosterbeek über die Güter nördlich des Dorfes und durch die Überschwemmungsebenen südlich von Oosterbeek. Eine Zufahrtstrecke schliesst sich einem weiteren Klompenpad an, dem Nederrijnsepad, einer längeren Rundwanderung durch die Flusslandschaft an beiden Seiten des Niederrheins, mit einem Start unten an der Eisrandlage beim Gasthof „De Westerbouwing“ bei der Drielse Veer Fähre.

Für mich fing diese Wanderung an in Arnhem, am Nordufer des Niederrheins bei der Nelson Mandelabrug Brücke. Diese Brücke ist gebaut worden an ungefähr derselben Stelle wo seit 1603 eine Schiffsbrücke gewesen war, die bis an den Zweiten Weltkrieg funktioniert hat. 1935 war die heutzutage John Frostbrücke genannte Rheinbrücke eröffnet worden, aber in den 1970er Jahren konnte sie durch die Zunahme des Autoverkehrs die hohe Verkehrsdichte nicht länger verarbeiten: eine zweite Brücke war notwendig. Diese Brücke wurde 1977 eröffnet und hiess im Anfang die „Roermondspleinbrug“ oder auch die Neue Brücke. 1987 isst sie benannt worden nach dem südafrikanischen Anti-Apartheidsaktivisten. An der Ostseite desr Brücke hängt ein Kunstwerk, bestehend aus neun Slogans in Neon-Buchstaben: „huizen, wind, de stroom, de verte, de utopie, Indonesië, boten, de zee, blauwe lucht“ (Häuser, Wind, der Strom, die Ferne, die Utopie, Indonesien, Boote, das Meer, blauer Himmel). Dieses Werk des schweizerischen Künstlers Rémy Zaugg (1943–2005), der während der Kunstmanifestation Sonsbeek ‘93 die Brücke zu Kunstobjekt („The Bridges of Arnhem“) machte. Er hat hiermit u.a. die Verbindung zwischen Arnhem-Nord und Arnhem-Süd zeigen wollen. Der Plan um auch so etwas Ähnliches bei der John Frostbrücke durch zu führen wurde von der Gemeindebehörden abgelehnt wegen des besonderen Charakters dieser Brücke – der Schlacht bei Arnhem.

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Arnhem: Blick auf die Nelson Mandelabrücke über den Niederrhein vom Rijnkade Kai mit dem Kunstwerk aus 1993 des schweizerischen Künstlers Rémy Zaugg (1943-2005)

Die Wanderung führt weiter entlang dem Weg zwischen de Fluss und der Eisrandlage nach Westen, „Onderlangs“ („Unter vorbei“) genannt. Dort fällt der Bau des neuen Museums Arnhem auf: eine rechteckige „Schachtel“ scheint aus der Eisrandlage zu ragen und über den Abgrund zu schweben! Neulich ist bekanntgemacht worden dass an den geraden Wänden der Schachtel Keramikkacheln gehängt werden, wovon die Farben sich ändern von Erdtönen an der Nordseite (der Seite der Veluwe) über Grün nach bläulich Weiss (de Seite des Flusses). Die Kacheln werden hergestellt bei der Koninklijke Aardewerkfabriek Tichelaar, einer berühmten Töpferei in Makkum, Friesland. Diese Töpferei hat auch die schön kolorierten Wandbekleidung der Parksaals des Konzerthauses Musis Sacrum, kreiert. Das klinkt vielversprechend! Die Eröffnung ist geplant im Frühling 2022.

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Arnhem: Blick auf den Neubau des Museums Arnhem mit rechts dem Türmchen des alten Gebäudes aus 1873

Vom Utrechtseweg Weg bei der Gabelung des Utrechtseweg Weges (oder früher „Bovenover“ genannt, die Strasse über der Eisrandlage und „Onderlangs“ (die Strasse entlang dem Fluss) steigt der Weg beträchtlich bis zur Brücke über das hier breite Eisenbahnkomplex des 2015 erneuerten Hauptbahnhofes von Arnhem der nach Entwurf des niederländischen Architekten Ben van Berkel gebaut worden ist. Die Erasmusbrücke in Rotterdam stammt auch von seiner Hand.

An der Nordseite der Eisenbahnanlagen führt der Weg des Römischen Limesweges durch ein der westlichen Viertels von Arnhem, der Eisenbahntrasse entlang. In der Nähe des Hauptsitzes des Rehabilitationszentrums „Groot Klimmendaal“steigt ein schmaler gepflasterter Weg steil hinunter (der Name Diependalseweg, Tiefentalweg, zeigt das schon!). Dann erreicht man das Gut Mariëndaal, das teils auf dem Hoheitsgebiet der Gemeinde Arnhem und teils auf dessen der Gemeinde Renkum in Oosterbeek liegt. Das Gut ist seit 1936 Besitz der Stiftung Geldersch Landschap en Kasteelen und seit 2006 als Komplex mit insgesamt 16 verschiedenen Teilen geschützt als nationales Denkmal. Unter am Hang liegt der Betreuungshof „Hoeve Klein Mariëndaal“, wo in dieser Periode des Jahres schon einige Aktivitäten in den Gemüsegärten gab.

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Arnhem: Blick auf den Betreuungshof “Hoeve Klein Mariëndaal“, Teil des Gutes “Mariëndaal“

An der Nordseite der Eisenbahnanlagen führt der Weg des Römischen Limesweges durch ein der westlichen Viertels von Arnhem, der Eisenbahntrasse entlang. In der Nähe des Hauptsitzes des Rehabilitationszentrums „Groot Klimmendaal“steigt ein schmaler gepflasterter Weg steil hinunter (der Name Diependalseweg, Tiefentalweg, zeigt das schon!). Dann erreicht man das Gut Mariëndaal, das teils auf dem Hoheitsgebiet der Gemeinde Arnhem und teils auf dessen der Gemeinde Renkum in Oosterbeek liegt. Das Gut ist seit 1936 Besitz der Stiftung Geldersch Landschap en Kasteelen und seit 2006 als Komplex mit insgesamt 16 verschiedenen Teilen geschützt als nationales Denkmal. Unter am Hang liegt der Betreuungshof „Hoeve Klein Mariëndaal“, wo in dieser Periode des Jahres schon einige Aktivitäten in den Gemüsegärten gab.

An der Nordseite der Eisenbahnanlagen führt der Weg des Römischen Limesweges durch ein der westlichen Viertels von Arnhem, der Eisenbahntrasse entlang. In der Nähe des Hauptsitzes des Rehabilitationszentrums „Groot Klimmendaal“steigt ein schmaler gepflasterter Weg steil hinunter (der Name Diependalseweg, Tiefentalweg, zeigt das schon!). Dann erreicht man das Gut Mariëndaal, das teils auf dem Hoheitsgebiet der Gemeinde Arnhem und teils auf dessen der Gemeinde Renkum in Oosterbeek liegt. Das Gut ist seit 1936 Besitz der Stiftung Geldersch Landschap en Kasteelen und seit 2006 als Komplex mit insgesamt 16 verschiedenen Teilen geschützt als nationales Denkmal. Unter am Hang liegt der Betreuungshof „Hoeve Klein Mariëndaal“, wo in dieser Periode des Jahres schon einige Aktivitäten in den Gemüsegärten gab.

An der Nordseite der Eisenbahnanlagen führt der Weg des Römischen Limesweges durch ein der westlichen Viertels von Arnhem, der Eisenbahntrasse entlang. In der Nähe des Hauptsitzes des Rehabilitationszentrums „Groot Klimmendaal“steigt ein schmaler gepflasterter Weg steil hinunter (der Name Diependalseweg, Tiefentalweg, zeigt das schon!). Dann erreicht man das Gut Mariëndaal, das teils auf dem Hoheitsgebiet der Gemeinde Arnhem und teils auf dessen der Gemeinde Renkum in Oosterbeek liegt. Das Gut ist seit 1936 Besitz der Stiftung Geldersch Landschap en Kasteelen und seit 2006 als Komplex mit insgesamt 16 verschiedenen Teilen geschützt als nationales Denkmal. Unter am Hang liegt der Betreuungshof „Hoeve Klein Mariëndaal“, wo in dieser Periode des Jahres schon einige Aktivitäten in den Gemüsegärten gab.

Wenn man gedankenlos dem schmalen Weg folgt und entlang der Eisenbahnlinie weiter geht, erreicht man irgendwo einen steilen Seitenweg nach Norden der zur Christuskoepel Kuppel führt. Diese Kuppel ist ein national geschütztes Denkmal und wurde 1939 gebaut an einer Stelle wo zuvor ein Belvedere gestanden hat: hier ist der höchste Punkt des Gutes. Sie steht in einem sogenannten „Jagdstern“: an dieser Stelle fügen sich acht gerade Alleen zusammen. Die Kuppel verdankt ihr Entstehen dem Aufruf der damaligen Königin Wilhelmina zu einer „moralischen und geistigen Wiederbewaffnung als Gegenwicht gegen die damals aufkommenden totalitären, faschistischen und kommunistischen Ideologien. Die Königin war sehr beeindruckt worden von dieser geistigen Strömung die 1928 vor allem im englischen Oxford zu Entwicklung gekommen war. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Strömung aktiv; seit 2011 wird sie weitergeführt unter dem Namen Initials of Change Nederland. 1939 ist die Kuppel von einer anonymen Wohltäterin aus Oosterbeek der Stiftung Geldersch Landschap en Kasteelen geschenkt worden, der das Gut seit 1936 gehörte. Das aus rotem Backstein aufgezogene siebeneckige Gebäude ist entworfen worden vom in Kirchenbau spezialisierten, aber im Zweiten Weltkrieg ein wenig umstrittenen Architekten Alexander J. Kropholler (1881–1973), der vor allem arbeitete im Stil des Traditionalismus, ein übergreifender Begriff für mehrere Architekturströmungen in den Jahren 1920–1940, u.a. die Delfter Schule. Im Zentrum der Kuppel steht die Christusfigur mit ausgebreiteten Armen. Ringsum stehen in den Ecknischen sieben Statuen aus Zement die die sieben Tugenden symbolisieren: Glaube, Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit, Stärke, Mässigung und Klugheit, welche auch auf den Sockeln angegeben werden. Auf dem Sockel der Christusstatue steht „Le Christ avant tout“ (Christus vor allem, der Leitspruch von Königin Wilhelmina). Die Statuen sind kreiert worden vom niederländischen Künstler Mari Andriessen (1887–1979), der später vor allem bekannt worden ist wegen seiner Statue „De Dokwerker“ (Der Dockarbeiter) in Amsterdam, zur Erinnerung an den Februarstreik 1941, den Generalstreik  gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Im First der Gewölbe der Kuppel ist ein Auge Gottes angebracht worden, das nur sichtbar ist wenn man seinen Kopf so ungefähr durch das Gitter presst… Unlängst sind von der Stiftung Geldersche Landschap en Kasteelen die Kuppel und die Umgebung renoviert worden: ein schönes Video darüber publiziert worden.

Die Kuppel ist am 9. Mai 1940 enthüllt worden – und wenn man bedenkt dass am nächsten Tag, dem 10. Mai, für die Niederlande der Zweite Weltkrieg ausbrach…

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Arnhem: am höchsten Punkt des Guts Mariëndaal steht die „Christuskuppel“ aus 1939

Wenn man der offiziellen Route des Römischen Limesweges/Klompenweges Rosandepad folgt, biegt man beim Betreuungshof nach Norden ab und geht bergauf entlang einer alten Buchenallee, die aus den Jahren 1820–1840 datiert. Es sind beeindruckende Bäume – aber nicht alle Bäume sind gespart worden vom letzten Sturm: ein ganz schwerer Ast ist abgebrochen und liegt jetzt über dem Zaun an der andere Seite im Wald der „Nachbarn“…

Nach einem Anstieg von noch einigen Metern erschien plötzlich ein Baumtunnel der sich nach Süden den Hang hinunter über 300 Meter ausdehnt: ein Gebilde aus Ästen von Buchen, wobei an beiden Seiten Hecken stehen die an der Oberseite mit einander verbunden sind, so dass eine Art Tunnel entsteht. Hier auf dem Gut Mariëndaal ist 1865 (oder 1856…) dieser Baumtunnel aus Rotbuchen (und nicht aus Hainbuchen) angelegt worden: „De Groene Bedstee“ (Der Grüne Alkoven). Zweck solch eines Baumtunnels war früher um die Damen der gehobenen Gesellschaft schon die Gelegenheit zu geben um in der frischen Luft zu spazieren, aber dabei zu verhindern dass ihr „heller Teint“ beeinträchtigt wurde vom Sonnenlicht – nur Arbeitende hatten eine gebräunte Haut. Wie Zeiten sich geändert haben…!

Aus welchem Blickwinkel und unter welchem Lichteinfall man diesen Baumtunnel auch betrachtet: es ist eine beeindruckende Sicht, bestimmt auch weil er sich teilt. Auf der Gabelung steht eine Bank unter einem grossen Lindenbaum: solches Gefühl für Romantik ist schon etwas von allen Zeiten.

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Arnhem: Blick nach Norden auf den „Grünen Alkoven“, einen Baumtunnel aus Buchen die 1865 angepflanzt worden sind, auf dem Gut Mariëndaal
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Arnhem: Blick aus dem Südwesten auf die ganze Länge des „Grünen Alkovens“, eines Baumtunnels auf dem Gut Mariëndaal aus Buchen, 1865 angepflanzt

Hier in der Nähe liegt auch die Sickerquelle des Slijpbeek Baches. Dieser Bach wird auch der Kingelbeek Bach genannt. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Gebiet auf dem Gut um Haus Mariëndaal aufs Neue eingerichtet wurde und umgebildet wurde zu einem Landschaftspark in englischem Stil, wurde der Bach nur noch betrachtet als „Parkbach“, obwohl vorher das Wasser, weiter stromabwärts, verwendet wurde um Mühlen an zu treiben, eine Einnahmequelle für das Gut. Die Sicherquelle sieht ähnlich aus wie der Sicherquelle des St. Jansbeek westlich des Hauses Zijpendaal, worüber ich im letzten Januar berichtete. Der niedriggelegene Kessel im waldreichen Gebiet wo das Wasser hervorquellt, wird abgegrenzt mit einer Palisade aus kurzen Holzpfählen. Nach Norden schauend ist an der anderen Seite der Erhöhung der südliche Eingang des Grünen Alkovens sichtbar – zwei spezielle Elemente auf dem Gut Mariëndaal, bestimmt in diesem hellen Frühlingslicht!

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Arnhem: Blick auf die Sickerquelle des Slijpbeek Baches (oder Klingelbeek Baches) mit im Norden dem „Grünen Alkoven“, dem Baumtunnel aus alten Buchen, auf dem Gut Mariëndaal

Im 18. Jahrhundert ist eine damals modische strenge Alleenstruktur angelegt worden. Als in der Mitte des 19. Jahrhundert der Plan für den englischen Landschaftspark gemacht wurde – das damals in Mode kam – war dieser Plan wegen des natürlich welligen Geländes mit einem trockenen Erosionstal aus den Eiszeiten nicht sehr schwierig. Die Landschaft hatte dadurch trotz der vielen gerade Alleen, schon die Kennzeichen eines Landschaftspark, etwas dass noch verstärkt wurde durch die Bildung von gewundener Pfaden um den Wasserpartien und auf den Hängen. Der entstandene Landschaftspark ist heutzutage grösstenteils ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Ein Teich ist kreiert worden, wo das Wasser sowohl beim Zulauf als beim Auslauf mit einem kleinen Wasserfall weiter fliesst zwischen von Findlingen gebildeten niedrigen Mauern. An der Ostseite des Teiches steigt der Hang mit dem Buchenwald steil hoch und an der Westweite dehnt sich eine grüne Wiese aus mit einer schönen Sicht auf das Haus. Nur eine kleine Brücke (von ursprünglich sieben Brücken) über den Bach ist erhalten geblieben; sie datiert aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die schmiedeeisernen Geländer der Brücke (wovon nur der an der Südseite originell ist) zeigen die ganz ausgiebig gebildeten Formen wie ein Motiv des Sonnenaufgangs und Geflechte welche gefasst sind zwischen zwei achteckigen gusseisernen Pfosten die geschmückt sind von einem Granatapfel. Gegenüber dem Haus ist ein alter Spazierweg rekonstruiert worden, der jetzt zwischen Bändern aus Cortenstahl zickzack den Hang hoch führt, zur Stelle wo einst der Belvedere stand und heutzutage die Christuskuppel steht. Dieser Hang mit der Sichtachse wurde auch schon De Zwitserse Partij (die Schweizer Partie) genannt! In dieser Jahreszeit sieht alles natürlich noch etwas „rostfärbig“ aus…

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Arnhem: auf dem Gut Mariëndaal fliesst der Spijpbeek Bach durch mehrere romantisch gestaltete Teiche mit Findlingen – in der Ferne liegt Haus Mariëndaal
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Arnhem: ein schönes schmiedeeisernes Geländer einer kleinen Brücke über den Slijpbeek Bach auf dem Gut Mariëndaal
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Oosterbeek: Blick auf den rekonstruierten Zickzackweg gegen den Hang mit buchen gegenüber Haus Mariëndaal, der zur Christuskuppel führt, als Teil des englischen Landschaftsgarten aus den 1850er Jahren

Seit ungefähr 1735 hat es ein grosses Haus gegeben auf dem Gut, gebaut von einem Mitgleid der Familie Brantsen aus Arnhem, die auch u.a. Huis Zijpendaal besass. Haus Mariëndaal is erbaut worden in der Nähe eines 1292 gestifteten Augustinerklosters Domus Fontis Beatea Mariae (wörtlich Haus beim Brunnen der Heiligen Maria), das umgebildet worden ist zu Mariënborn. Später ist der Name geändert worden in Mariëndaal. 1580, während der Reformation, wurde dieses Kloster aufgelöst und zwischen 1587 und 1607 abgerissen. Die Steine ist wiederverwendet worden im Pflaster der Alleen auf dem Gut und in verschiedenen Gebäuden in Arnhem.

1857 ist das Haus eingreifend umgebaut und vergrössert worden. Seit die Stiftung Geldersch Landschap en Kasteelen das Haus besitzt (1936) wird es nicht länger privat bewohnt. Gerade fand noch ein Umbau statt und deshalb sah das Haus jetzt ein wenig verlassen und trostlos aus.

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Oosterbeek: Blick auf Haus Mariëndaal mit im Vordergrund dem Slijpbeek Bach

Der Slijpbeek Bach schlängelt in einem tiefen Bett mit steilen Kanten durch die Waldlandschaft nach Süden. Beim Eisenbahndamm schliesst der Weg sich an beim (Rad)weg der von Arnhem entlang der Eisenbahntrasse führt. Als man 1845 diese Eisenbahnlinie, die Bahnstrecke Amsterdam-Arnhem, auch Rhijnspoorweg genannt, von Utrecht nach Arnhem baute als Teil der Trasse von Amsterdam nach Elten (heutzutage in Deutschland), mussten dazu viele Kunstbauwerke gebaut werden ,wie der Eisenbahndamm wodurch das Erosionstal bei Mariëndaal überbrückt wurde. Der ursprünglichen Tunnel aus Backsteinen die durch den Damm der Rhijnspoorweg angelegt wurden gibt es nur noch wenige, wie hier bei Mariëndaal, der ein Denkmal von nationaler Bedeutung ist. Ein weiterer Tunnel ligt im östlichen Teil von Arnhem, bei dem Driepoortenweg Weg und dann gibt es auch noch der kleine Tunnel bei Wolfheze, der dem Abfuhr von Regenwasser diente, aber wodurch auch Personen und niedrige Fahrzeuge passieren können. Er hat nach der Schlacht bei Arnhem der Spitzname „Jeeptunnel“bekommen: britische und polnische Fallschirmjäger die auf der Heide beim Hof Johannahoeve in Wolfheze gelandet waren passierten am 19. September 1944 mit ihnen Jeeps und Kanonen diesen kleinen Tunnel zu den Wälder bei Wolfheze und Oosterbeek um ihren Landsmänner zu erreichen…

Der Slijpbeek Bach hat auch einen kleinen Tunnel für sich: in einem Düker fliesst das Wasser ruhig unter dem Eisenbahndamm hindurch über ein Bett von hellfärbigem Lehm. Ich konnte dem Eingang dieses kleinen Tunnel ganz nah kommen und sah wie das sprichwörtliche Ende des Tunnels im Norden aufleuchtete!

Südlich des Eisenbahndammes fliest der Slijpbeek Bach in einen grossen, nierenförmigen Teich. Hier hat vor der Einrichtung des Gutes als englischer Landschaftspark eine Schleifmühle, die Bovenste Molen (Oberste Mühle), die 1634 vermeldet wird, die am Ende jenes Jahrhunderts umgebaut worden ist zur Papiermühle und 1840 abgerissen wurde. An der Stelle des Gefälles ist ein Wasserfall kreiert worden in einer „Felswand“ aus Findlingen.

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Oosterbeek: Blick auf den grossen Teich südliche der Eisenbahnlinie auf dem Gut Mariëndaal
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Arnhem: Blick auf den Grossen Wasserfall des Slijpbeek Baches im Park Mariëndaal

Von der grossen Wasserfall verläuft der Wanderweg Rosandepad eine Weile entlang einem Weinberg: Wijngoed Mariëndaal, der schön situiert ist am Südhang. Mit der heutigen Klimawandel ist es wieder möglich in unseren Regionen Wein an zu bauen: aus historischen Quellen kommt hervor dass es im späten Mittelalter hier schon Weinbergen gab, aber dass die in der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ zwischen 1450 und 1850 verschwunden sind. Es ist möglich um Rebstöcke zu adoptieren!

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Oosterbeek: Blick nach Süden über den Rebberg Mariëndaal der in Winterruhe ist

Nach dem Überqueren des Utrechtseweg Weges bleibt man noch immer auf die Geländen des Gutes Mariëndaal: das ganze Ackerland bis zum Dorfrand von Oosterbeek gehört noch zum Gut. Eben von der südlichsten Stelle ist der Blick auf den Wasserfall schön. Auch sind die natursteinernen Gartenvasen an beiden Seiten der Einfahrt gut sichtbar. Ein anderes Mal hatte ich sie etwas mehr aus der Nähe zu betrachten. Die Gartenvasen auf ihren ziemlich modern anmutenden Sockeln sind auch denkmalgeschützt: sie datieren aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sind in einem vom Neoklassizismus inspirierten Stil hergestellt. Bei jeder Vase sind die zwei Seiten versehen worden von einem in einem Medaillon gemeisselten Haupt en profil mit Lorbeerkranz und Toga.

Der Weg führt weiter entlang der Eisenbahnlinie von Arnhem nach Nijmegen in die Richtung des Niederrheins. Der Slijpbeek Bach ist hier nicht länger sichtbar: er fliesst vom nördlichen Teil des Gutes Mariëndaal unter dem Utrechtseweg Weg nach Süden und weiter östlich der Eisenbahntrasse durch ein Wohnviertel-Industriegelände zu den Überschwemmungsebenen. Die Auenlandschaft zwischen Arnhem und Renkum ist im Rahmen des Programms „Ruimte voor de Rivier“ (Raum für den Fluss) aufs Neue eingerichtet worden: an dieser Stelle ist 2004 die Umstrukturierung abgeschlossen worden. Man hat das nördliche Widerlager der Eisenbahnbrücke so angepasst dass der Slipbeek Bach sich weiter ausbreiten kann. Eine Gedenktafel erinnert an die Anpassungen.

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Oosterbeek: Blick auf den 2004 umgebauten nördlichen Widerlager der Eisenbahnbrücke über den Niederrhein auf der Trasse Arnhem-Nijmegen im Rahmen des Wasserprojektes „Raum für den Fluss“ mit dem Slijpbeek Bach

Von hier mäandert der Weg durch den Rosandepolder: hier verläuft auch die Grenze zwischen den Gemeinden Arnhem und Renkum (Oosterbeek). Der Slijpbeek Bach teilt sich hier und da auf. Über die Herkunft des Namens Rosande bestehen zwei Theorien: entweder der Name bezieht sich auf rotes Sand, oder es könnte eine Andeutung sein für Erde worauf (Auen-)Wald gerodet worden ist. Es gibt eine Erhöhung im Gelände, die heutzutage ziemlich überwachsen ist von Schwarzdorn- und Weissdorngebüschen: hier hat einst das Schloss Rosande gestanden, wovon die Umrisse noch immer zu erkennen sind. Auch der Schlosssgraben, 8 Meter breit, ist als eine Senke an der Nordseite der Erhöhung sichtbar. Das Schlossgelände ist angewiesen worden als (archäologisches) Denkmal von nationaler Bedeutung. Über dieses Gebäude ist wenig bekannt. Der Name erschient anfangs 14. Jahrhundert zum ersten Mal in offiziellen Dokumenten. Auch weiss man dass das Schloss um 1515 von Feuer zerstört worden ists. Es sollte wieder aufgebaut worden sein, denn das Schloss wurde 1538 abgerissen und nachher wieder aufgebaut. Eine Quelle vermeldet dass das definitive Ende des Schlosses ein Mysterium ist. Auf einer Radierung aus dem 18. Jahrhundert steht das Schloss jedenfalls noch aufrecht. Eine andere Quelle meint dass das Schloss im Rampjaar (Katastrophenjahr) 1672 von den französischen Truppen zerstört worden ist und dass die bekannte Abbildung (die auch auf der Informationstafel steht) vielleicht nicht wahrheitsgetrau ist. 1939 hat der Archäologe (der auch „Vater der Hünengräber“ genannt wird!) Untersuchungen durchgeführt. Beim Ausgraben einiger Rinnen durch das Schlossgelände konnte u.a. festgestellt werden dass die Bodenfläche des Hauptgebäudes 34 mal 29 Meter war. Auch wurden Teile der Böden aufgefunden.

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Oosterbeek: im niedrigen Teil des Rosande-Polders ist immer noch die Erhebung in der Landschaft zu sehen wo bis 1672 das Schloss Rosande gestanden hat)
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Oosterbeek: auf einer Informationstafel im Rosande-Polder steht eine (historisch korrekten?) Radierung des 1672 zerstörten Schlosses Rosande

In den Überschwemmungsebenen entlang den Flüssen ist im Laufe der Zeit viel Sand, Ton und Kies abgebaut worden. Dadurch sind auch bei Oosterbeek zwei grosse Kiesgruben mit Verbindung zum Fluss entstanden: eine für Hausboote und eine zur Erholung (Schwimmen und Angeln), das Grintgat (die Kiesgrube). Hier ist die Aussicht schön und beruhigend: schauend über das ruhige Wasser mit dem langen, durchgebrochenen Eisenbahndamm und der Eisenbahnbrücke in der Ferne – das Gras hat schon eine etwas grünere Farbe und die Weiden waren schon von etwas Grünem überzogen. Zu meiner Freude sah ich an der anderen Seite, irgendwo aus einem Grabenrand, in einem hellblauen Blitz ein Eisvogel wegfliegen!

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Oosterbeek: im Rosande-Polder sind durch Abbau von Sand, Ton und Kies grosse Wasserflächen entstanden wie diese „Grindgat“ Kiesgrube

Der Wanderweg führte immer weiter nach Westen über niedrigen Dämmen und unter der Eisenbahntrasse hindurch nach einer Stelle am Wasser wo heutzutage der Campingplatz Rijnoever (Rheinufer) steht. Hier sind noch immer die Überreste einer alten Ziegelei. Sie sind ganz überwuchert worden. Es verleiht ihnen jedoch eine gewisse Charme, aber es bildet bestimmt auch einen guten Zufluchtsort für Tiere!

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Oosterbeek: überwachsene Überreste des Hoffmannschen Ringofens im Rosande-Polder

Auf einer Informationstafel bei der Ruine steht dass im Jahr 1861 schon die Rede war von der Herstellung von Backsteinen: es wurde schon 5 Millionen Backsteine pro Jahr produziert. 1891 kam die Ziegelei in Besitz des Unternehmers Matthijs Sanders aus Oosterbeek. Er war ein erfolgreicher Geschäftsmann und konnte es sich leisten um 1913 einen neuen Ofen bauen zu lassen von dem auf Steinöfen spezialisierten Architekten Joost Wentink. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts arbeitete man noch mit Feldbrandöfen, wobei die Steine aufgestapelt wurden zu Maurern, wonach sie gebacken wurden, aber vom Moment dass in Deutschland der Hoffmannscher Ringofen entwickelt wurde, konnte die Herstellung gleichmässiger und effizienter werden. Ein Ringofen ist grundsätzlich ein grosses ellipsenförmiges Ofengebäude mit einem Rundgang und meistens zwischen 12 und 24 Kammern die unabhängig von einander geheizt werden können. Im Rundgang sind einige Tore geschaffen um die Steine zu und ab zu führen. Jedes mal wird ein Kammer mit ungebackenen Tonblöcken aufgeheizt (bis über 1000°C): hierdurch wird der nächste Kammer schon vorgeheizt und der vorherige Kammer abgekühlt. Sind die Backsteine im einen Kammer zureichend gebacken, wird das Feuer gelöscht und im nächsten Kammer wieder angezündet. Durch die Ringkonstruktion wird ein durchgehendes Steinbackprozedere ermöglich – ein Zyklus dauerte meistens zwischen einer und vier Wochen. Der Zickzackofen war eine Verbesserung und noch effizienter als der gewöhnlicher Ringofen, weil das Ofenkanal sozusagen zu einer runden Form gefaltet worden ist und der Schornstein in der Mitte des Gebäude steht: deshalb können mit weniger Energie mehr Steine gebacken werden. Das war über längerer Zeit erfolgreich, bis 1926 der Niederrhein so weit über die Ufer trat dass die Feuer vom Wasser gelöscht wurden und die ganze Produktion verloren ging. Die Wirtschaftskrise der 1930er Jahren war der letzte Tiefschlag…: das Betrieb musste die Pforten schliessen. Ab 1948 wird an dieser Stelle der Campingplatz betrieben.

Auf der Informationstafel steht auch ein altes Foto aus ungefähr 1925 mit dem Fabriksgelände und gerade mal posierenden Arbeitern und der damals noch aus zwei Bogen bestehenden Eisenbahnbrücke im Hintergrund. Ein Jahrhundert später ist die Landschaft noch immer wieder zu erkennen: sie ist jetzt grüner und die Dämme sind etwas weiter abgeflacht. Der grosse Unterschied ist bestimmt die Eisenbahnbrücke aus der Nachkriegszeit mit einem Bogen: während der Schlacht bei Arnhem ist auch diese Eisenbahnbrücke gesprengt worden, von den Deutschen…

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Oosterbeek: Blick nach Südosten von der ehemaligen Ziegelei in der Rosande-Polder mit Arbeitern und der Eisenbahnbücke aus der Vorkriegszeit auf einem Foto aus 1925
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Oosterbeek: Blick nach Südosten von der ehemaligen Ziegelei über den Rosande-Polder auf die Eisenbahnbrücke bei Arnhem-Süd

Auch hier war klar dass der Frühling bald kommen wird: gab es während der Wanderung anfangs Januar 2021 noch blauviolette Schwarzdornbeere an den Sträuchern, jetzt wurden dieselben Sträucher überzogen mit weissen Blümchen! Auf den Weg zu einer hoffentlich reichlichen neuen Ernte…

Auch das mystische Nebelwetter von anfangs Januar fügte dem flachen und feuchten Gelände eine andere Dimension zu: die graue Eisenbahnbrücke gegen die grauen Himmel und die knorrigen halbhohlen Kopfweiden entlang dem Slijpbeek Bach oder wo er schon mit dem Bach Leigraaf zusammengeflossen ist. Anfangs April stechen die nicht geköpften mit ihren wirren Sprössen dunkel ab gegen den blauen von weissen Wolken geschmückten Frühlingshimmel. Die kleine und alte Schleuse im Bach Leigraaf zeigt dass es sich hier handelt um einen richtigen Polder mit eine Deich und mit erforderlichen Vorkehrungen damit das Wasser ausserhalb des Polders blieben wurde, wie mit dieser antiken Schleuse. Die örtlichen Ziegeleien bauten viel Ton ab um Steine zu backen. Dadurch geschah es dass die Polder tiefer lagen als der Sommerpegel des Flusses… Der Bach Leigraaf ist ein ausgegrabener Wassergang die parallel am Benedendorpseweg Weg ungefähr vom Eisenbahndamm entlang der Alten Kirche in Oosterbeek zur Drielse Veer Fähre fliesst und dort in den Fluss mündet. Der Bach ist eine Art von „Sammelbach“ für viele kleinere Wasserströme die aus der Eisrandlage erscheinen und vielleicht aus noch ein wenig Sickerwasser. Auf meiner Wanderung zum Fuss des Hügels “De Westerbouwing“ bei der Drielse Veer Fähre konnte ich stetig diesen Bach sehen.

Über einem Schotterweg der zum und vom Campingplatz führt, verlässt man den Rosandepolder und erreicht den Benedendorpseweg Weg. Dort hat man, stehend auf der kleinen Brücke über dem Bach Leigraaf mit dem Brückengeländer warin der Name des Baches geschmiedet ist, eine idyllische Sicht nach Westen auf uralte Kopfweiden entlang dem Bach und auf die kleine ikonische Alte Kirche aus dem 10. Jahrhundert (sie ist die älteste Kirche in den Niederlanden). Die Geschichte geht das um das Jahr 1000 Mönche die von Deutschland den Rhein hinabfuhren um die Glaube zu verkünden, bei Arnhem einen römischen Fort entdeckten, wo sie Blöcke Tuff holten um in Oosterbeek eine Kirche zu bauen! Schon eine interessante Verbindung zum Römischen Limeswanderweg!

Von allen Ereignissen in diesen Jahrhunderten haben die letzten Tage der Schlacht bei Arnhem (24.–26. September 1944) wahrscheinlich das Kirchengebäude am meisten geprägt: es diente als Schutzkeller für die im „Perimeter“ von Oosterbeek eingeschlossen britische Soldaten der First Airborne Division (die Erste Division der Fallschirmjäger) und die polnischen Soldaten der Ersten Selbstständige Polnische Fallschirmjägerbrigade vor ihrer nächtliche Passage zum Südufer des Niederrheins in der Nacht vom 25. auf den 26. September 1944. Die während der Kämpfe schwer beschädigte Kirche ist nach dem Zweiten Weltkrieg ausgiebig restauriert worden und ist heutzutage, auch wegen der vielen (kleinen) Denkmäler und Gedenktafel, ein wichtiger Wallfahrtsort für die Überlebenden und die Hinterbliebenen der Schlacht bei Arnhem… Die Löcher im jahrhundertealten Lindenbaum vor der Kirche sind auch stille Zeugen der Kämpfe.

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Oosterbeek: Blick vom Weg durch den Rosande-Polder nach Westen über den Bach Leigraaf zur alten Kirche aus den 10. Jahrhundert

Etwas östlich der Kirche fliesst der Zuiderbeek Bach unter dem Weg hindurch in einer geraden Linie in Richtung des Flusses um bei wieder einer imponierenden Reihe Kopfweiden in den Bach Leigraaf zu münden. Auch hier hat der Bach ein schönes Gitter mit Namen gekommen und eine hölzerne Sitzbank – bei allen Brücken über die Bäche in der Gemeinde Renkum hat man diese stilvolle Bauart gewählt. An der Nordseite des Weges ist ein grosser Teich worin das Wasser das aus einem tiefen Tal an der Seite des Oberdorfes, dem Zweiersdal Tal, kommt, fliesst. Der Zuiderbeek Bach ist ein richtiger Bach: es hat hier nie Mühlen gegeben – schon lieferte der Bach das Wasser für eine nicht länger bestehende Wäscherei. Als ich dort vor einem Monat war, verliehen die altrosa Blütenstände der Gewöhnlichen Pestwurz (Petasites hybridus) den Ufern eine subtile Farbe.

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Oosterbeek: Blick auf das gerade Bett des Zuiderbeek Baches vom Benedendorpseweg Weg zum Niederrhein und das Geländer mit dem schön schmiedeeisernen Namen des Baches
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Oosterbeek: Blick auf den Teich an der Nordseite des Benedendorpseweg Weges worin der Zuiderbeek Bach mündet mit Blütenständen der Gewöhnlichen Pestwurz

Von der Alten Kirche führt der Kerkpad Pfad hinter den Häusern am Benedendorpseweg nach Westen mit einer freien Sicht über die Überschwemmungsebenen auf den Bach Leigraaf und abermals viele Kopfweiden. Der Pfad wird hier und da zu einem Plankenweg um Feuchtstellen zu überbrücken. Dieser Pfad ist schon sehr alt: er war der kürzeste Weg von Driel (das Dorf bekam erst anfangs des 15. Jahrhunderts eine eigene Kirche) über die Drielse Veer Fähre zur Alten Kirche. Irgendwo in der Nähe des ehemaligen Gut Dennenoord wo heutzutage ein kleines Villenviertel erbaut wurde, liegt ein weiterer Teich der vom Wasser des Gielenbeek Baches gespeist wird, das mit einem kleinen Wasserfall in den Teich fliesst. Der Gielenbeek Bach entspringt im höher gelegenen Gebiet des Gutes De Hemelse Berg (Der Himmlische Berg), wobei eine Sickerquelle ausgegraben worden ist. An dieser Stelle beim Kerkpad Pfad hat schon eine Wassermühle gestanden die 1860 abgerissen wurde. Fast am Ende des Pfades zum gepflasterten Veerweg (Weg zur Fähre) mit den schönen Weitblicken gibt es erneut eine kleine Brücke über einen weiteren Bach, den Oorsprongbeek Bach, der hoch auf der Eisrandlage entspringt und durch eine parkartige Landschaft zum Niederrhein fliesst. Im 19. Jahrhundert die meisten Teiche, Wasserfälle usw. kreiert worden – vorher waren auch viele Wassermühlen tätig, denn es gibt ein Gefälle von 35 Metern! Hier ist von diesem Gefälle nicht viel mehr zu spüren; das Wasser erscheint leise plätschernd unter dichtem Gebüsch aus einem Privatgarten – es sei schon ein Privileg, um ein eigenes Bächlein in seinem Garten zu haben!

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Oosterbeek: der Kerkpad Pfad überquert mit einer kleinen Brücke den Oorsprongbeek Bach der an der Westseite des Dorfes von der Eisrandlage zum Niederrhein fliesst

Vom Veerweg hat man an der Südseite eine wunderbare Sicht über die Überschwemmungsebenen und wieder auf eine Reihe, noch immer entlang dem Bach Leigraaf. Vielleicht sind manche dieser Weiden schon so alt dass sie um 1860 dort gestanden haben als die Kunstmaler der „Oosterbeker Schule“, die in Nachahmung der französischen Maler unter freiem Himmel malten, sich hier hingesetzt haben um dieses Bild fest zu legen. Jetzt noch einige Kühe im Gras und die Sommersonne am Himmel: dann wäre die Idylle komplett!

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Heveadorp: im Grasland entlang dem Veerweg Weg und dem Leigraaf Bach stehen alte Kopfweiden, die gerade aus einem Bild der Oosterbeeker Schule stammen könnten!

An der Nordseite des Veerweg Weges ragt gleich die Eisrandlage hoch. Beim Park- und Picknickplatz der kleinen Fussgänger- und Radfahrerfähre zwischen Doorwerth und Driel ist das deutlich sichtbar. Das Ziel dieser Etappe ist auch sichtbar: der Gasthof De Westerbouwing! Zuerst möchte ich nochmals den Fluss aus der Nähe betrachten. Das Gelände heisst heutzutage „Sosabowskiwaard“, benannt nach dem General Stanislaw Sosabowksi der Ersten selbstständigen Polnischen Fallschirmjägerbrigade. Diese September 1941 in London gegründete Brigade bestand hauptsätzlich aus polnischen Soldaten die nach dem Einfall von Nazideutschland und der Sowjetunion 1939 nach Frankreich und nach der Fall von Frankreich 1940 nach England geflüchtet waren. Sie wurde September 1944 auch eingesetzt bei der grossen alliierten Operation Market Garden um Europa zu befreien von der deutschen Besatzungsmacht: während der Schlacht bei Arnhem landeten die meisten polnischen Fallschirmjäger am 21. September am linken Ufer des Niederrheins, bei Driel. Sie haben versucht um mit Gummibooten den Fluss zu überqueren um die Britten bei zu stehen. Sie wurden dabei aus der Höhe bei De Westerbouwing unter Feuer genommen von den Deutschen. Als ich dort stand in der Frühlingssonne und nach oben, zur Eisrandlage, schautet, war ich mich abermals bewusst wie viel Leid und Ängste die Menschen von damals – Zivilpersonen und Soldaten, Freund und Feind – durchstanden haben müssen…

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Heveadorp: Blick auf die Eisrandlage mit darauf dem Gasthof “De Westerbouwing“ vom Platz bei der Drielse Veer Fähre (Fussgänger- und Radfahrerfähre)

Die Aussicht über das Wasser ist heutzutage glücklicherweise friedlich, anfangs April wie am Neujahrstag dieses Jahres. Die Kirchtürme von Driel (welche nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erbaut worden sind) waren am linken Ufer sichtbar, so auch die Türme der Stauwehranlage im Niederrhein, deren halbkreisförmigen Wehren niedergelassen waren. Das Gebäude des Schleusenkomplexes sah nichtig aus unter dem blauen Himmel mit den grossen weissen Wolken.

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Heveadorp: Blick vom Parkplatz bei der Drielse Veer Fähre nach Westen über den Niederrhein mit in der Ferne den Kirchtürmen von Driel (links), den Türmen des Staudammes bei Driel (Mitte) und geschnittenen Kopfweiden (rechts)
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Heveadorp: Blick bei Sonnenuntergang vom Parkplatz bei der Drielse Veer Fähre nach Westen über den Niederrhein mit in der Ferne den Kirchtürmen von Driel (links), den Türmen des Staudammes (Mitte) und dem Staukomplex (rechts) bei Driel mit im Vordergrund noch nicht geschnittenen Kopfweiden

Vom Veerweg führt ein breiter Pfad mit kleinen Stufen schlängelnd nach oben. Normalerweise wäre die Terrasse des Gasthofes De Westerbouwing überfüllt sein von Gästen die etwas Leckeres zu essen und zu trinken und natürlich auch die wunderschöne Aussicht geniessen. Jetzt sollten wir uns freuen dass wir überhaupt etwas Gutes „to-go“ bekommen konnten. Ich wählte Kaffee und einen Muffin mit Himbeeren und weisser Chocolade. Auf den Tischen draussen war die Mitteilung geklebt worden dass es nicht erlaubt war zu rekreieren und zu konsumieren wegen COVID-19, also genoss ich im Stehen meine Leckereien. Die Aussicht war unvermindert speziell. Von dieser hohen Stelle war viel besser sichtbar wo das Hauptgewässer des Niederrheins war und wie breit das Fahrwasser zur Schleuse war. Die drei Kopfweiden die in Januar ihre wilden Perücken noch getragen hatten, stand jetzt wie drei kahle Pfähle am Wasser. Die Sonne war gerade hinter den Wolken verschwunden, aber das Licht fiel noch auf den Fluss.

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Heveadorp: Panoramablick von der Eisrandlage bei Gasthof „De Westerbouwing“ über den Niederrhein und die Betuwe mit dem Dorp Driel (links) und den Türmen des Staudammes (rechts) – die Sonne versteckt sich ein wenig hinter den Wolken

De Westerbouwing ist schon seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts ein Begriff in Oosterbeek und in der weiten Umgebung, mit einer langen Geschichte. Es ist immer ein Gasthof gewesen, der ein richtiger Publikumsmagnet war – und immer noch ist. Es gab früher im Sonner eben eine Schiffsverbindung mit Arnhem! In den 1960er Jahren wurde die Luftseilbahn mit Sessellift eine grosse Attraktion… Die Gebäude von heute datieren aus den 1950er Jahren, weil in der Periode 1944-1945 das Ganze zerstört wurde. Hier gibt es denn auch viele Gedenktafeln und Denkmäler die erinnern an die Schlacht bei Arnhem – „der Krieg“ ist in dieser Gegend nie wirklich weit entfernt…

Nachdem ich noch eine Weile die Aussicht genossen hatte ging ich die Treppen wieder hinunter und nahm den Bus zurück nach Arnhem. Es war eine interessante und abwechslungsreiche Wanderung gewesen. Ich habe auch diesmal wieder neue und unbekannte Stellen entdeckt, obwohl ich mein ganzes Leben in dieser Gegend gewohnt habe… „Reisen“ ist und bleibt ein grosses Abenteuer!