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Zu Euer Information: auf der Seite Der Rhein als Nordgrenze (“Limes“) des Römischen Reichs steht eine kurze Erklärung über den Umfang des Römischen Reichs anfangs unserer Zeitrechnung, über den Rhein als Nordgrenze, den „Limes“, jenes Reichs und die damals angelegte „Limes-Strasse“. Auch wird dort der niederländische Fernwanderweg „Romeinse Limespad“ (Römischer Limesweg) beschrieben, der der Basis dieses Reiseberichts ist. Dieser Wanderweg mit einer Gesamtlänge von 275 Kilometern von Katwijk aan Zee an der Nordseeküste nach Berg en Dal an der Grenze zu Deutschland, also entlang der Nordgrenze des Römischen Reichs, die hier gebildet wird vom Rhein, wie dieser Fluss ursprünglich floss: der Niederrhein bis Wijk bij Duurstede, der „Kromme Rijn“ bis Utrecht und der „Oude Rijn“ nach Katwijk aan Zee.


Den 24. Februar 2021

Auf der Suche nach römischen Spuren in Arnhem-Meinerswijk, Elst (Gld) und Bemmel

In diesem Reisebericht geht es um meine Wanderung entlang dem Römischen Limes-Weg von Arnhem-Meinerswijk nach Bemmel: über die letzte Strecke der Etappe 14 (Heveadorp, Westerbouwing – Arnhem-Meinerswijk) und die Etappe 15 (Arnhem-Meinerwijk – Bemmel, De Pas). In der Nähe dieses Weilers habe ich die Route irgendwie verlassen und habe den Ort Bemmel selber besucht, wo es auch schön war!

An einem sonnigen, winterlichen Sonntag, den 24. Januar 2021 habe ich am linken Ufer des Niederrheins eine Wanderung angefangen durch das Gebiet das heute „Auenlandschaftspark Meinerswijk“ heisst: hier ist der Schluss von Etappe 14. Über den ersten Teil von Heveadorp bis in die Innenstadt von Arnhem werde ich sicher ein anders Mal berichten, denn die Wanderung durch jene Gegend entlang der Eisrandlage und durch die Überflutungsgebiete lohnt sich bestimmt! Auch das Gebiet des Südufers östlich der Nelson Mandela-Brücke, die „Stadsblokken genannt ist aus historisch-industrieller Sicht interessant: bis 1978 gab es hier eine wichtige Schiffswerft.

Ursprünglich war das Gebiet „Meinerswijk“ vor allem geprägt von Ziegeleien. Die viele Wasserpartien sind ja entstanden durch das Ausgraben von Ziegelton und Sand. Der drei Ziegeleien die hier aktiv waren, sind zwei noch da, sondern nicht mehr in Betreib. Im Kalten Krieg sind hier vielerlei Bauten entstanden in Bezug auf die IJssel-Linie, einen Verteidigungsplan aus den Jahren 1951–1954 um den gefürchteten Aufmarsch aus dem Osten (der „Russen“) zu verhindern oder jedenfalls zu verzögern. Dazu wurde vom Drielsedijk Deich eine Durchlassbrücke in Richtung des Flusses gebaut, die mit Schieben geschlossen werden konnte und wodurch das Wasser im Rhein aufgestaut wurde, so dass die Gebiete im Flussbereich der IJssel überfluteten. Auch etwas für ein nächstes Mal!

Meine Wanderung durch dieses mittlerweile wunderschöne Naturgebiet führte mich auch zum linken Ufer des Niederrheines, der hier schon weit ist. Die Aussicht stromabwärts eichte bis zur Eisenbahnbrücke die Malburgen im Süden verbindet mit Oosterbeek im Norden. Der Blick stromaufwärts war etwas dramatischer: oberhalb des westlichen Teils von Arnhem mit dem charakteristischen “TenneT-Turm” (als er 1969 gebaut wurde diente er der Kommunikation zwischen Umspannwerken im Hochspannungsnetz, aber heutzutage dient er der Verbreitung digitaler Radio- und Fernsehsignale) stachen die Wolken dunkel ab gegen die von der Sonne beschienene Umgebung. Das Wasser floss ruhig dahin.

Arnhem-Süd: Blick stromabwärts vom Auenlandschaftpark Meinerswijk über den Fluss Neder-Rijn mit der Eisenbahnbrücke bei Malburgen in der Ferne (24. Januar 2021)
Arnhem-Süd: Blick auf den westlichen Teil von Arnhem-Nord mit dem TenneT-Turm am rechten Ufer des Flusses Neder-Rijn im Auenlandschaftspark Meinerswijk (24. Januar 2021)

Dass die Situation rasch ändern kann wurde fast zwei Wochen später klar: dann hatten wir richtiges Hochwasser! Am 5. Februar möchte ich mich abermals umschauen in „Meinerswijk“, aber ich kam nicht sehr weit… So weit das Auge reichte gab es Wasser: das Schild „Zutritt verboten“ schien jetzt ganz überflüssig und ich sah etwas weiter auf dem Weg wie das Wasser über die Strasse strömte…!

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Arnhem-Süd: soweit das Auge reicht ist das Überschwemmungsgebiet im Auenlandschaftspark Meinerswijk tatsächlich überschwemmt worden! (5 Februar 2021)
Arnhem-Süd: der Weg durch den Auenlandschaftspark Meinerswijk in Richtung des römischen Castellums steht unter Wasser! (5. Februar 2021)

Aber jetzt weiter auf den Limes-Weg der Römer – und wenn es sich in Arnhem-Meinerswijk um die Römer handelt, dann wird es erst recht interessant!

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Arnhem-Süd: auf einer Infotafel beim Castellum im Auenlandschaftspark Meinerswijk stehen eine kurze Erklärung und eine Übersichtskarte des römischen Limes in den Niederlanden
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Arnhem-Süd: beim Eingang zurm Auenlandschaftspark Meinerswijk steht eine Infotafel mit einer „artist impression“ des römischen Castellums

Am Ende der 1970er Jahren hat man archäologische Forschungen durchgeführt nach eventuellen römischen Bauten. 1979 haben Archäologen Reste gefunden die man damals interpretierte als Castra Herculis, eine Festung oder Militärlager (castrum) von Hercules”. Hercules Magusanus war die romanisierte Version des Hauptgottes der Bataver. In der Vergangenheit sind mehrere mögliche Stellen vorgeschlagen worden für die Festung Castra Herculis, worunter Nijmegen en Elst. Nach Ausgrabungen des castellum bei Arnhem-Meinerswijk konkludierte man dass dies also jenes castrum gewesen sein sollte. Bis auf heute sind die Wissenschaftler sich noch nicht einig geworden… Wie auch immer – es ist ein beeindruckender Einblick in die Vergangenheit vor zwei Jahrtausenden!

Man hat die Umrissse des Castellum visualisieren wollen durch die Anwendung von Gabionen oder Schanzkörben – eine Bauart wobei „Mauern“ zusammengesetzt werden mit Netzen aus geflochtenem Metalldraht und abgefüllt mit Steinen: sie ist entstanden im Mittelalter als Verteidigungsmauer, aber sie ist heutzutage wieder sehr modisch, u.a. für Schutzmauern in den Bergen (gegen Erosion), aber auch als dekoratives Element. Schanzkörbe werden auch noch immer angewendet als schnelle Baumethode für Militärzwecke: zum Beispiel um bei einer Friedenmission einen compound zu schützen. Mit den Gabionen kann man im Feld das Hauptquartier (principa), das Tor und die vier Ecken des castellum sehen. Es verleiht dem Ganzen aus der Ferne als auch aus der Nähe eine schöne räumliche Wirkung.

Es ist sicher: hier ist das einzige castellum in Gelderland das archäologisch bewiesen ist!

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Arnhem-Süd: Blick nach Süden auf den mit Gabionen angegebenen „Plan“ des Castellums im Auenlandschaftspark Meinerswijk von einem Deich
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Arnhem-Süd: Blick aus der Nähe auf den mit Gabionen angegebenen “Plan“ des Castellums im Auenlandschaftspark Meinerswijk

Diese Schanzkörbe sind aufgebaut worden aus drei Schichten die alle verweisen nach historischen Ereignissen dieses castellum. Die unterste Schicht ist schwarz; das symbolisiert das Niederbrennen des (hölzernen) castellum während des Bataveraufstandes 69 nach Chr. Obwohl im Allgemeinen beide Partien profitierten von der Zusammenarbeit und die Bataver die Römer unterstützten (es hat auch Momente gegeben wo die Unterstützung der Bataver von entscheidender Bedeutung war), war die Stimmung zwischen den Römern und den Batavern nicht immer friedlich: als die Bataver in Aufstand kamen gegen die von den Römern aufgelegte und in ihrer Sicht erniedrigenden Bedingungen (permanente römische Legionen in ihren Gebieten) führte dies zu einen blutigen Widerstand… Schlussendlich gewannen die Römer. Ich konnte den schwarzen Teil nicht deutlich sehen, denn das Gras war ziemlich hochgewachsen… Über dem schwarzen Teil ist eine Schicht aus Kalkstein – sie verweist zum Wiederaufbau des Castellums in Stein. Die oberste Schicht besteht aus zerbrochenen Dachziegeln: die Römer verwendeten Dachziegel in ihren Militärbauten – sie hatte sogar eine eigene „Dachziegelfbrik“ südlich von Nijmegen, beim Weiler Holdeurn, Berg en Dal! Die ganze Konstruktion ist „in die Richtung der Strömung“ gebaut worden: eine feste Bedingung im Rekonstruierungsplan.

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Arnhem-Süd: eine der Gabionen womit die Umrisse des Castellums im Auenlandschaftspark Meinerswijk angegeben werden

Dass die Römer auch schon gegen das Wasser gekämpft haben hat sich gezeigt durch die Entdeckung dass sie Überlaufrinnen angelegt haben – und dass das Gelände rundum dem castellum erhöht worden ist bis auf ungefähr 2½ Meter!

Um meine Wanderung zu beenden bin vom castellum weiter durch das Naturgebiet gegangen, mal weg von den Römern, zurück nach Arnhem-Nord. Der Lichtfall war schön – ich erkannte meine Silhouette die die Sonne unten in das grüne Gras des Drielsedijk Deiches wiedergab!

Eine Woche später, am 31. Januar 2021, habe ich mich wieder auf den Weg gemacht um die Wanderung entlang dem Römischen Limes-Weg fort zu setzen, und schon den ersten Teil von Etappe 15, von Arnhem-Süd nach Elst. Auch an diesem Tag war das Wetter schön, sondern schon etwa kühler mit einem kalten Wind!

Vom Drielsedijk Deich führt eine schmale Strasse, die „Hannesstraatje“, in die Richtung der Häuser des Viertels Elderveld. An der linken Seite liegen die Gärten des biologischen Gärtnervereins aus Elderveld (Biologische Tuinbouwvereniging Elderveld), mit der winterlichen Atmosphäre von vielen leeren Gemüsebeeten und Gemüsen die noch gerade geerntet werden konnten und mit einer dünnen Schicht Reif überzogen waren: er war schön zu sehen dass es ein „all-seasons-garden“ ist und dass die Leute die auf ihren Parzellen beschäftigt waren sich schon freuten auf einen schönen Frühling… Das Kleingärtenkomplex dieser ökologisch tätigen Gärtner ist im Ganzen 2,7 Ha gross – die Parzelle variieren in Grösse zwischen 50 bis 300 Kwadratmetern. Auch an der Hannesstraatje liegt ein sächsischer Bauernhof, wovon die Geschichte zurückgeht ins 17. Jahrhundert: „De Steenen Camer“, wo heutzutage Scouting und auch noch das gleichnamige Pfannkuchenrestaurant Unterkunft haben. 2015 hat der Verein der Schrebergärtner die Initiative ergriffen um einen „Römischen Garten“ an zu legen.

Dieser Garten sieht mittlerweile ganz schön aus: ein rechtwinkliger Gemüsegarten mit geflochtenen Hecken herum und drei Streifen für die Gemüse. Es gibt auch eine Art Gartenlaube wo jetzt nicht zu unterscheiden ist welche Kletterpflanzen sich so eifrig herum gewunden hatten. Es steht auch ein südlich aussehendes Wasserbecken mit einem jetzt nicht wirkenden Brunnen. Beim Eingang stand auch eine Informationstafel mit einer schematischen Übersicht des Römischen Garten.

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Arnhem-Süd: Blick nach Süden über den „Römischen Garten“ im Stadtviertel Elderveld mit dem (im Winter leeren) Brunnen beim Eingang
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Arnhem-Süd: Schema mit der Einrichtung des „Römischen Gartens“ im Stadtviertel Elderveld auf einer Infotafel beim Eingang

Auf der Webseite die zum Römischen Garten gehört steht auch eine lange Liste von Gewächsen die in solch einem Garten angebaut werden könnten – einige Sorten waren hier schon vor der Ankunft der Römer, wie Getreide (Hafer und Gersten), Vogelbeere und Holunder (die gerade nicht im Mittelmeergebiet wachsen) und vielerlei Beere und Brombeere. Es ist interessant zu wissen dass die Römer die Beere zu sauer fanden, aber dass die Brombeere jedoch ihren Geschmack trafen! Ich sah in den winterlichen Gemüsebeeten jedenfalls das heutzutage auch in den Niederlanden bekannte Gemüse Cavalo nero, Palmkohl (Brassica oleracea var. palmifolia DC.) stehen. Es ist ein Gemüse das schon eine sehr lange Zeit angebaut wird. Ich sah ebenfalls einige Blattrosetten einer Pflanze die Artischocken ähnlich sind: es soll schon Kardone (Cynara cardunculus) sein, eine Pflanze die auch zu Zeiten der Römer oft angebaut wurde. Diese zweijährige Pflanze wird im nächsten Sommer blühen mit wunderschönen grossen violetten Blumen wie übergrosse Distel – wenn man es so weit kommen lässt: die Körbe sind essbar, wie Artischocken, mit denen sie verwandt sind. Die fleischigen Stängel die aussehen wie Stangensellerie, aber leicht bitter schmecken, wurden en werden auch gegessen. Vom Garten her war die Aussicht auf den grossen Obstgarten mit jetzt noch jungen Hochstammbäumen einladend!

Die Hannesstraatje verbindet den Drielsedijk Deich mit dem Stadtviertel Elderveld und der Wanderweg folgt den Kontouren dieses Viertels, an der Aussenseite des Gewässers das entlang dem Viertel fliesst. Die Stolpergefahr wofür gewarnt wurde auf einem Schild bin ich nicht begegnet… Ich passierte die technisch-summende Abwasserreinigungsanlage und ging durch einen kleinen Tunnel unter der Eisenbahntrasse. Hier lief ich auf der Grenze des Neubauviertels Schuytgraaf mit den grünen Wiesen südlich des Drielsedijk Deichs: eine schöne Aussicht auf die hochliegende Eisrandlage und die Eisenbahnbrücke (mit passierendem Zug). Es war ein Gebiet in Verwandlung zwischen dem modernen Stadtviertel und dem grünen Aussengebiet, das sich scheinbar unberührt nach Norden und Westen ausdehnt: als ich einmal bei der Grenze mit der Gemeinde Overbetuwe nach Süden abgebogen war sah ich im Norden auf der Eisrandlage den Aussichtsturm der Westerbouwing bei Doorwerth hinter dem in dieser Jahrszeit schon üppigen grünen Gras. An der anderen Seite des Wanderweges rückte unwiderruflich die Bebauung des Viertels von Arnhem-Schuytgraaf auf, mit viel Wasser und hier eben einem kleinen Wasserfall… Es machte mich etwa traurig um zu sehen dass der hier und da schon umgepflügte Betuwe-Ton ersetzt worden war von Sand und modernen Häusern. Es standen auch verlassene Gewächshäuser in den grünen Feldern – es wurde mir klar dass es nicht immer Platz gibt für Arbeit und Leben im Grünen…

20210131_123220 (2) - Gelderland - Betuwe - Eisenbahnbrücke - Zug
Arnhem-Süd: Blick auf die Eisenbahnbrücke über den Fluss Neder-Rijn bei Malburgen
20210131_124821 (2) -- Gelderland - Betuwe - Arnhem - Driel - Wiesen - Fernblick - Eisrandlage - Doorwerth
Arnhem: Blick über die Wiesen in der Betuwe nach Norden in nördlicher Richtung mit der Eisrandlage bei Doorwerth
20210131_125412 (2) - Arnhem - Neubauviertel Schuytgraaf - Wasser
Arnhem: Blick auf die Westseite des Neubauviertels Schuytgraaf mit einem kleinen Wasserfall

Eine interessante Stelle war die „Weidenallee“ (Wilgenlaantje) an der Grenze der Gemeinde Arnhem mit ihrer aufrückenden Bebauung und des ländlichen Aussenbereichs der Gemeinde Overbetuwe. Auf einer Informationstafel wurde erklärt dass die (Kopf)weide wichtig ist für die Biodiversität: u.a. weil die Weide schon sehr früh im Frühling blüht und dadurch Nektar gibt für Hummeln usw. Bei der Fortsetzung dieser Etappe, fast eine Woche später, weiter südlich von Elst, sah ich niedrigstämmige Birnbäume ganz stramm im Glied stehen – der Schnitt hatte schon stattgefunden! Auch das einfach im Wassergraben Treiben einer grossen Ernte von Birnen war eine Überraschung (es lagen auch viele im Strassenrand, aber jene waren schon ziemlich gefroren: ich habe sie liegen lassen!). Sie waren im Herbst aus einem entlang dem Weg stehenden Hochstammbirnbaum hinuntergefallen.

Das stetige Gehen auf der Grenze zwischen Grün (Aussenbereich von Driel) und Stein (Viertel Schuytgraaf) führte mich zu einem nächsten Punkt der wichtig gewesen ist für die Römer: der Punkt wo Harry Derks, ein aus der Gegend stammender Landschaftsarchitekt die “Via Fluviale“, die Römerstrasse zwischen den Orten Driel und Elst, visualisiert hat in einem Kunstwerk. Nach einer willkommenen Passage über einen grünen Pfad entlang einem schmalen Graben mit Blick auf einen Silberreiher und dem Laut nach einem Eisvogel (Geschenk des Tages!) erreichte ich die Grote Molenstraat zwischen Driel und Elst (Gld). Dort standen wie tableaux vivants zwei Ochse vor einem Wagen und zwei Soldaten mit Helm, Spehr und Schild aus tief-rostigem Cortenstahl. Es gab einen Graben (fossa) kreiert um diesen Figuren. Dieses Kunstwerk zeigt dass hier die Verbindungsstrasse zwischen den castella nach Süden abbog, nach Elst. 2005 ist die Trasse entdeckt worden: bei archäologischen Bohrungen wurde eine Kiesschicht im Tonboden gefunden in einem ungewöhnlichen, linienförmigen Muster. Als man weiter gegraben hatte kam eine Strassendecke zum Vorschein mit einer Breite von maximal 12 Metern und einer Dicke bis zu 60 Centimetern. Zwischen dem Kies wurden Scherben von römischer Keramik und Gewandnadeln gefunden, und auch Münzen, die vielleicht verloren worden sind von Soldaten, Händlern oder lokalen Batavern, deshalb wusste man dass es sich hier um einen römischen Weg handelte. Ausserdem bauten die Römer eine Trasse immer so gradlinig wie möglich aus, auf einer etwas höher in der Landschaft liegenden Flussablagerung. Daneben schlängelte sich an der Ostseite ein schiffbarer Wassergang. Deshalb ist beim Kunstwerk auch eine Anlegestelle für einen Kahn konstruiert worden.

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Zwischen Driel und Elst (Gld): Ochsenwagen und Soldaten im Kunstwerk „Via Fluviale” von Harry Derks zu Erinnerung an den hier damals angelegten römischen „Schnellstrasse“
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Zwischen Driel und Elst (Gld): Anlegestelle eines Kahns im Kunstwerk “Via Fluviale” von Harry Derks zu Erinnerung an den hier damals angelegten römischen „Schnellstrasse“

Bis auf diesem Moment hatte ich immer an der Aussenseite des neuen Viertels Schuytgraaf gelaufen, aber etwas weiter vom Kunstwerk ging ich ins Viertel hinein. Überall wird noch ganz viel gebaut – in immer wieder verschiedenen Baustilen. Manche Häuser sind schon fertig, aber noch nicht vollständig eingerichtet: hier und da sah ich neue Bewohner auf Klappstühlen sitzen in einem weiterhin leeren Haus, aber mit einem fröhlichen Lachen. Die Sonne schien!

Weiter nach Süden fing der Park Lingezegen an: es ist ein Landschaftspark von ungefähr 1.700 Hektaren der sich wie eine grüne Lunge zwischen den Städten Arnhem und Nijmegen ausdehnt. Der Name hängt zusammen mit dem Fluss Linge der von Ost nach West, etwas nördlich von Elst durch das Land fliesst – der Teil mit „zegen“ betrifft sich auf „zeeg“, ein Wort aus der Region Betuwe das „gegrabener Wassergang“ bedeutet. Es handelt sich hier um die grösseren Wassergraben die in die Linge münden. Ich sollte später auf meiner Wanderung einigen begegnen. Schon anfangs der 1990er Jahre hatte man sich schon Gedanken gemacht über die Gründung dieses Landschaftsparks. Die „Vierde Nota Ruimtelijke Ordening Extra“ (Kürzel Vinex) der Regierung beinhaltete dass man kompakt bauen sollte und dass man sich bemühen sollte um Aussenbereiche ausserhalb des Viertels und der Stadt ein zu richten. Es dauerte jedoch bis 2008 bevor man hier der Idee Taten folgen liess: die Entwicklung diese grünen Zone zwischen Arnhem und Nijmegen. Ein Masterplan wurde aufgestellt für den räumlichen Entwurf und eine Verwaltungsvereinbarung zwischen den Gemeinden Lingewaard und Overbetuwe, der Städteregion Arnhem-Nijmegen, Staatsbosbeheer („Nationales Forstamt“), Waterschap Rivierenland (Wasserverband der Regionen zwischen der Deutschen Grenze und der (Beneden-)Merwede und Niederrhein und Maas) und der Provinz Gelderland wurde unterzeichnet. Die Gemeinde Arnhem unterzeichnete nachher, die Gemeinde Nijmegen sagte Geld zu, aber trat nicht bei. 2010 ist ein openbaar lichaam (wie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts) gegründet worden um den Park zustande zu bringen. Nach Jahren harter Arbeit ist der Park wie in der Webseite angegeben ist „fertig, aber nie vollendet“. Auf der Webseite steht auch ein Video wobei man aus der Vogelperspektive mitgeführt wird über das Gebiet. Im Ganzen gibt es sechs Teilgebiete: zwei südlich von Arnhem (De Park im Nordwesten und Het Waterrijk im Osten), ein östlich von Elst (Het Landbouwland, „agrarisches Land”), ein zwischen Elst und Huissen (De Buitens, „die Güter“ – und die einzige Gegend wo noch gebaut werden darf, unter der Bedingung dass die Bauten beitragen zur Verschönerung der Landschaft), ein südlich von Elst (ein kleines Gebiet, 2½ Hektare gross, der Vierdaagsebos) und ein westlich von Bemmel und nördlich von Lent bei Nijmegen (De Woerdt). Auf der Webseite steht auch ein Plan des ganzen Parks.

Zuerst ging ich durch den Teil „De Park“. Dieser Teil ist benannt worden nach einem alten Gut (De Parck) wovon das Haus nicht mehr besteht, sondern die Struktur der Alleen noch immer. Hier war der Wanderweg ein breiten Band aus Beton das hoch über den grünen Wiesen und den Golfklub Welderen angelegt worden ist: der Weg hat den treffenden Namen Romeinse Lint“ West en Oost („Römisches Band, West und Ost“). Der Weg folgt einem alten Wasserlauf des Rheins in der Zeit der Römer. Es gibt u.a. einen „CiderGaard” (“Zider-Garten”), einen der drei Waldgärten im Park – diese Obstplantage ist 2016 angepflanzt worden mit vielen Obstbaumsorten. Aus den Äpfeln und Birnen wird Zider hergestellt, deshalb der Name. Es gibt auch Hecken mit Hagenbutten, Schwarzdorn usw. Es wird klar dass das Ganze sehr gründlich durchdacht ist: im Laufe der Zeit wird es sich bestimmt entwickeln zu etwas Schönes – jetzt ist es noch etwas schmächtig… Obwohl es nicht ein Gelände ist mit viel „wilder“ Natur, erweckt es jedoch den Eindruck einer grossartigen Geräumigkeit. Es gab viele Leute die herumgingen, aber in diesem Gelände mit dem hohen Himmel fielen sie nicht auf. Es war angenehm zu sehen wie jeder den Nachmittag genoss und einander auch fröhlich grüsste.

Nach einer Viertelstunde kam ich beim Fluss Linge mit darüber gerade nahe aneinander zwei Brücken. Sie sind benannt worden nach Alliierten (britischen) Regimentern, dem Wiltshire Regiment und dem Somerset Light Infantry, die hier anfangs Oktober 1944 das Gebiet westlich der Eisenbahnlinie Arnhem-Elst resp. die Eisenbahnlinie nördlich von Elst verteidigen sollten gegen die deutschen Truppen, wobei die Linge die wichtigste Verteidigungslinie war. Es ist tatsächlich ein sehr offenes Terrain, so dass es nicht schwer vorstellbar ist, wie hart hier gekämpft worden ist… Heutzutage spazieren wir in Frieden, aber wir müssen jedoch über die Vergangenheit, gerade erst vor 75 Jahren, nachdenken.

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Zwischen Driel und Elst (Gld): Blick nach Norden auf die Wiltshire Brücke (benannt nach dem britischen Regiment das hier Anfangs Oktober 1944 gekämpft hat) über den Fluss Linge und dahinten den Park Lingezegen

Beim Überqueren der Wiltshire-Brücke war der Turm der Grossen Kirche von Elst schon sichtbar über die Baumwipfel. Auf dem Weg zur Bebauung passierte ich ein nicht sehr auffälliges Gras- und Schilffeld an der anderen Seite eines Grabens: hier haben Amateurarchäologen ein Grab aus dem Frühen Mittelalter (5. bis 10. Jahrhundert) entdeckt, worin drei Personen lagen. Dazu fanden sie besondere Grabbeigaben, worunter 36 perlen aus Glas, Fayence (Keramik mit einer Schicht Glasur), Bronze und Bernstein. Ein besonderes Objekt war eine grosse grüne Perle aus Fayence mit Riffeln (eine sogenannte „Melonenperle“) die aus der römischen Zeit datierte – man vermutet dass sie als Erbstück in der Familie weitergereicht wurde!

Nicht lange nachher ging ich ins nördliche Viertel von Elst. Dieser Ort war bis auf dann für mich vor allem ein Bahnhof auf der Eisenbahnlinie von Arnhem nach Nijmegen und weiter nach Süden – ich wusste nicht dass hier anfangs unserer Zeitberechnung ein wichtiges religiöses Zentrum der Römer war mit grossen Tempeln – die grössten nördliche der Alpen! Ich erreichte rasch den Kirchenplatz mit der Grote Kerk oder Sint Maartenkerk. Auf der erhöhten Stelle wo jetzt die Kirche steht war in prähistorischen Zeiten schon ein Heiligtum der Bataver. In der römischen Zeit wurde um 50 nach Chr. ein gallorömischer Tempel gebaut mit einem Grundriss von 11½ zu 8½ Metern. Dieser Tempel wurde wahrscheinlich während des Bataveraufstandes 69 na Chr. zerstört. Auf den Fundamenten bauten die Römer um 100 nach Chr. einen viel grösseren Tempel, der 31 zu 23 Meter war und 15 Meter hoch. Für den Bau sind römische Legionäre der Zehnten Legion eingesetzt worden. Er war Hercules Magusanus, dem Hauptgott der Bataver gewidmet, der verwandt war am germanischen Gott Donar. Die Römer waren in religiöser Hinsicht sehr tolerant: sie erlaubten dass zwei Kulturen verschmelzen konnten – solange der römische Kaiser geehrt wurde, dürften die Bataver ihre eigenen Traditionen fortsetzten…

Im vierten Jahrhundert nach Chr., nachdem die Römer gegangen waren, wurde der Tempel dem Verfall preisgegeben. Auf einer Informationstafel bei der Kirche steht dass das erste romanische Kirchlein im 8. Jahrhundert auf den Fundamenten des grossen Tempels gebaut wurde. Es wurde St. Martin gewidmet. Im 10. Jahrhundert wurde die einfache Saalkirche erweitert mit einem grösseren Schiff und einer Krypte, wo die Reliquien des Gründers der ersten Kirche, Werenfridus, aufbewahrt wurden. Im15. Jahrhundert wurde das Kirchlein abgeriessen und ersetzt durch die heutige gotische Kirche. Das einzige das von der romanischer Kirche aus dem 10. Jahrhundert erhalten worden ist, ist ein Teil der Chormauer in der nördlichen Seitenmauer des heutigen Chores. Auf der Tafel ist auch angegeben worden wie die Grundrisse der zwei Tempel und der drei Kirchen aussehen. An einer anderen Stelle steht ein Foto mit den Überresten der römischen Tempel – die Kirche war heute für das Publikum geschlossen, als sollte ich mich hiermit begnügen…

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Elst (Gld): auf der Infotafel bei der Grossen Kirche stehen die Grundrisse der verschiedenen gallorömischen Tempel und christlichen Kirchen die an dieser Stelle gebaut worden sind von 50 bis 1484 nach Chr.
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Elst (Gld): auf der Infotafel bei der Grossen Kirche ist ein Foto der Überreste des gallorömischen Tempels der hier 100 nach Chr. gebaut worden ist

An der Südseite der Kirche sind die Fundamente der gallorömischen Tempel sichtbar im Gras und im Pflaster. Es sieht beeindruckend aus. Dass diese Tempel überhaupt entdeckt worden sind, folgt aus den traurigen Umständen das Elst im Herbst 1944 in der Feuerlinie lag und dass die Kirche ebenso wie viele andere Gebäude schwer beschädigt worden ist. 1947 sind für den Wiederaufbau archäologische Forschungen durchgeführt zu den Vorgängern der Kirche, vor allem zu den Kirchen aus dem 8. und 10. Jahrhundert. Dann ist man eigentlich zufälligerweise auf die Fundamente der Tempel gestossen!

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Elst (Gld): Blick nach Westen auf die Umrisse des gallorömischen Tempels der hier um 100 nach Chr. gebaut worden ist
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Elst (Gld): Blick nach Osten auf die Umrisse des gallorömischen Tempels der hier um 100 nach Chr. gebaut worden ist

Was weiter gleich auffällt in der Umgebung der Grossen Kirche ist die Skulpturengruppe „Paardenhandel“ (Pferdehandel) vom niederländischen Bildhauers Marcus Ravenswaaij (1925-2003). Zwei Männer aus Bronze sind beschäftigt mit den Verhandlungen („im Handschlag“), während ein Pferdemädchen das Pferd hält. Das Bildhauwerk ist am 30. August 1984 enthüllt worden als Geschenk an die Einwohner von Elst vom Komitee zur Förderung des Herbstpferdemarktes und sonstiger Marktinteressen in Elst. Dieser Herbstpferdemarkt der am ersten Montag in September stattfindet ist einer der grössten Pferdemärkte in den Niederlanden und besteht schon sehr lange. Laut der Webseite des Pferdemarktes wird der Jahrmarkt zum ersten Mal offiziell erwähnt in einem Brief aus 1260, der sich im Gemeindearchiv von Deventer befindet, der vom Dorf Elst geschrieben worden ist mit der Bitte an Deventer um Naturstein für die Reparaturen der Friedhofmauer in Elst zollfrei Durchgang zu gestatten. Pferdehändler aus Deventer sollten einen Teil der Mauer pflegen. Im Tausch dagegen hatten sie das Recht ihre Pferde an Ringen in dieser Mauer zu binden während des Jahrmarktes. Eine Verbindung zu den Römern wird auch hier gemacht: die Pferdezucht ist in der Betuwe immer von grosser Bedeutung gewesen. Anfangs unserer Zeitberechnung wohnten hier die Bataver die, auf eigenen Pferden, grösstenteils die Reiter der römischen Armee bildeten!

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Elst (Gld): auf dem Platz vor der Grossen Kirche steht eine Statuengruppe aus Bronze, „Pferdemarkt“ aus 1984 von Marcus Ravenswaaij

Vom Kirchenplatz war es nur eine kurze Strecke zum Bahnhof Elst, wo ich den Regionalzug nahm zurück nach Arnhem. Als ich über die grossen Eisenbahnbrücke den Rhein überquerte sah ich dass das Wasser schon stark angestiegen war! Als ich einige Tage später, am 4. Februar, die Brücke erneut passierte um von Elst die Etappe vervolgen nach Bemmel, waren die Überschwemmungsgebiete an beiden Seiten fast komplett überflutet worden. Und es sollte noch mehr Wasser geben, wie zu sehen war auf den Fotos von einem Tag später im Auenlandschaftspark Meinerswijk am Anfang dieses Reiseberichts!

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Westlich von Arnhem: von der Eisenbahnbrücke über den Fluss Neder-Rijn sind die überfluteten Überschwemmungsgebiete gut zu erkennen! (4. Februar 2021)

Das Wetter war an jenem Tag nicht sehr schön, aber es war trocken und es gab wenig Wind. Vom Bahnhof ging ich weiter auf dem Weg der Etappe 15 durch ein Neubauviertel, Westeraam, wo 2002 während der vorbereitenden Bodenarbeiten interessante Entdeckungen gemacht wurden: dort hatte auch ein grosser gallorömischer Tempel gestanden, die möglicherweise auch dem Hauptgott der Bataver Hercules Magusanus gewidmet war. In der Mitte dieses Viertels war ein grosser viereckiger Rasen kreiert worden mit etwas erhöhten Rändern. In der südöstlichen Ecke stand eine aus Holz geschnittene Büste eines römischen Herrschers auf einem Sockel – er schaute ein wenig wehmütig über die Ebene. Nebenan war auch ein Replikat einer Münze mit einem Pferd, einer Lorbeerkranze und der römischen Zahl XII an der Oberseite auf einem hölzernen Pfahl moniert worden. Das einzige das etwas Farbe an die Umgebung verlieh war ein himmelsblaues Kunstwerk, „Framework“ des niederländischen Bildhauers und Land Art Künstlers Pjotr Müller (* 1949) aus 2008 wobei zum Tempelgebiet verwiesen wurde: im Innere der begehbaren Metallstruktur werden auf drei Ebenen ein Plan, Teile des Fundaments und eine Maquette des Tempels gezeigt.

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Elst (Gld): Blick über die Schulter eines römischen Herrschers auf dem heute leeren, grünen Gelände wo um 100 nach Chr. der Tempel von Westeraam gestanden hat
Pjotr Müller Framework 2008
Elst (Gld): im Neubauviertel Westeraam steht das begehbare Kunstwerk “Framework” (2008) des Künstlers von Land Art Pjotr Müller
pjotrmuller.org

Mein Fussweg fiel ab Elst zusammen mit dem Schnellradweg „RijnWaalpad“ von Arnhem nach Nijmegen. Dieser breiter Radweg führt über bestehende Wege, aber hat keine gefährliche Kreuzungen mehr: die Radfahrer haben eigene Tunnel, u.a. unter der Autobahn A15 und unter der Gütereisenbahnstrecke, die Betuweroute. Entlang dem Damm an der Nordseite der Trasse lief eine Herde Schafe. Zuerst erschraken sie ein bisschen von meiner Annäherung, aber wenige Zeit später wurden sie immer neugieriger! Ich konnte auch einen Blick werfen auf den Fluchtweg der Eisenbahnstrecke und auf die Feuerwehrkupplungen… Ab und zu hörte ich einen schweren Zug vorbeidonnern.

Nachdem ich unter der A15 bei Ressen gegangen war erreichte ich Sportanlagen in den nordwestlichen Randbezirken von Bemmel. Der Radweg ging über in einen irgendwie schlammigen Fussweg entlang einem Gewässer bis ich die Ressensestraat Strasse überquerend den Klompenpad De Bemmelse Zeeg Wanderweg einschlug. Klompenpaden (wörtlich alte Pfade welche die Leute damals auf Holzschuhen gingen) sind örtliche markierte Wanderwege in einer ruralen Umgebung, wie hier in Bemmel. Auch hier war es angenehm um wieder auf etwas weicherem Boden zu gehen, obwohl es ganz sumpfig war. Dieser Zeegsepad (Pfad entlang dem Wassergang bei Bemmel) ist der Rest des alten Postweges zwischen Arnhem und Nijmegen aus dem Mittelalter. Jetzt ist es als Teil des Parks Lingenzegen (De Woerdt) wieder eingerichtet als neues Naturgebiet, gerade grösser als 2 Hektaren. Laut der Informationstafeln beim Eingang und weiter im Gebiet sind die Ufer dieses Zeeg Wassergangs umweltfreundlich gemacht, durch sie ab zu flachen: hierdurch entsteht ein Ufer mit einem wechselnden Wasserpegel, der regelmässig überflutet. Die neue Natur ist ein idealer Biotop für u.a. den Schilfrohrsänger, aber auch für Libellen die das Wasser nutzen wie „Libellenschnellweg“ um ihre Paarungs- und Jagdgebiete zu erreichen. Der junge Wald ist angepflanzt worden zum Ausgleich für die Fällung von Bäumen im Freilichtmuseum in Arnhem (Nederlands Openluchtmuseum) in Arnhem-Nord die notwendig war wegen der Präsentation des Bildungskanons der Niederlande (De Canon van Nederland). Die Rotbuche im Natur- und Blumengarten ist 2014 gepflanzt worden und ist ein Pfröpfling der 100-järigen Rotbuche die beschädigt worden war während des Baus der „Westerstraat“ aus Amsterdam im Museum und deshalb gefällt werden musste. In diesem Moment war die Vegetation im Garten natürlich noch dürr und öde, aber auch das hatte seine eigene Charme in dieser Jahreszeit. Die Kopfweiden die teilweise geköpft und teilweise ganz wild herausgewachsen waren, standen dort schon eine ganze Weile, hinsichtlich ihr Umfang. Beim Verlassen dieses kleinen Gebietes gab es eine Schwelle bei einem schweren Gitter aus Metall versehen mit den Namen in zierlichen Buchstaben schaute ich mal um und sah in der Ferne die lange Reihe mit Kopfweiden wieder stehen. Eine schöne Weitsicht!

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Westlich von Bemmel: Blick an der Südseite des Naturreservats De Bemmelse Zeeg über das Zugangstor auf einen gepflügten Acker mit einer Reihe Kopfweiden im Hintergrund

Ich erreichte die Zandsestraat Strasse. Dort endet offiziell Etappe 15, aber das habe ich nicht bemerkt, denn ich folgte einfachheitshalber den Schildern… Also lief ich ein wenig in westliche Richtung, entlang dem Betreuungshof „De Groote Locht“ (dieser Name bedeutet „grosse Lichtung im Wald“) aus 1772. An der anderen Seite des Weges geht De Woerdt, der südlichste Teil des Parks Lingezegen weiter: das alte Gut Doornik, wo 2013 neue Alleen, u.a. mit Eichen, eingerichtet worden sind. Bei der Stiftung „Doornik Naturäcker“ versucht man die Kleinräumigkeit erneut ein zu führen in der Landwirtschaft, die anfangs des 20. Jahrhunderts immer mehr verschwand, in Kombination mit der zunehmenden Flurbereinigung in den 1960er Jahren. Hierdurch ist die Zahl von Ackervögeln dramatisch zurückgegangen. Seit 2010 wird hier nur noch biologisch-dynamisch gearbeitet: mit Erfolg, denn u.a. die Feldlerche und das Rebhuhn sind wieder zurückgekehrt. Es gibt auch Kleinäcker mit seltenen und fast ausgestorbenen Getreiderassen, die in dieser Jahreszeit natürlich leer sind. Auch das Heckenflechten trägt bei zu einer mehr variierten Natur: hiermit stehen Tieren das ganze Jahr Schutz und Nahrung zur Verfügung. Seit anfangs des 20. Jahrhundert das Stacheldraht als Weise um Grundstücke ab zu grenzen introduziert worden ist, sind unendlich viele Kilometer Hecken verschwunden – und damit auch die Tradition um Hecken zu flechten. Das hat sich hier geändert: es gibt viele, undurchdringlich aussehende Hecken auf dieser Route!

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Westlich von Bemmel: Blick nach Süden auf den Rad- und Reitweg über das Gut Doornik mit den jetzt noch jungen Eichen

Auch ist hier Platz für den biologischen Schrebergarten „De Lentse aarde“, der seit 2014 besteht und der zuerst aktiv war im benachbarten Dorf Lent bis am Moment dass an jener Stelle Bauarbeiten stattfanden. 2020 sind sie umgesiedelt nach Gut Doornik. Ein Pfeil verwies u.a. zum „Openluchtleslokaal“ (Freilichtklassenzimmer). Ich kam bei einer komplett von Schlingknöterich überwachsenen halboffenen Scheune mit einem Picknickplatz und Toiletten. Hier können Grundschüler aus der Umgebung Unterricht bekommen in Umweltbildung.

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Westlich von Bemmel: Blick auf das von Schlingknöterich überwachsene „Openluchtleslokaal“ (Freilichtklassenzimmer) auf dem Gut Doornik, wo Grundschüler Unterricht in Umweltbildung bekommen

Von hier aus geriet ich ein wenig abseits der Route, weil ein Pfahl mit einer Anweisung angeblich marode geworden war und gegen einen anderen Pfahl gelehnt stand, aber nicht länger die richtige Richtung anzeigte… Deshalb ging ich zum in der Ferne aufragenden Waaldijk Deich wo ich schon eine schöne Aussicht erwartete und auch einen Weg nach Bemmel – und zu einer Bushaltestelle. Und das stimmte: oben am Deich der hier weit vom Fluss entfernt ist, hatte ich tatsächlich eine schöne Sicht. Ich sah aus über das wasserreiche Gebiet: über das Wasser des Bemmelse Strang Altwassers zur Waal im Westen und auch über den von Schilf und jetzt kahlen Sträuchern überwachsenen Streifen Land des Bemmelse Waard Werders, auch wieder mit vielen Wasserpartien. Nach Südosten blickend war ganz in der Ferne die Waal wieder sichtbar, wo die hohen Schwenkarme der Sandbaggerschiffe in die Luft ragten. Die Sonne versuchte mittlerweile durch zu brechen – das gab ein schönes Bild mit Gegenlicht. Ein rot-blaues Ruderboot das auf dem Ufer des Bemmelse Strang Altwassers lag, verlieh den weiterhin winterlichen Farben ein fröhliches Akzent.

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Bemmel: Blick mit Gegenlicht vom Waaldijk Deich über das „Bemmelse Strang“ Altwasser mit Röhricht in Richtung des Flusses Waal
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Bemmel: Blick vom Waaldijk Deich über das „Bemmelse Strang“ Altwasser, den „Bemmelse Waard“ und den Sandabbau im Fluss Waal

Die Neuentwicklung dieses Bemmelse Waard Werders ist eine Zusammenarbeit zwischen Naturschutzorganisationen und einem Sand- und Kiesabbauunternehmen, K3Delta. Auf seiner Webseite wird der Plan näher umschrieben: die Naturentwicklung sieht auf Wiesenvögel und dynamische Natur. Im westlichen Teil des Bemmelse Waard Werders, im Ambstwaard Werder, entsteht eher traditionell gewartetes Grasland wo hoffentlich wieder viele Kiebitze und Uferschnepfen sich heimisch fühlen werden. Im übrigen Teil des Bemmelse Waard Werders wird die Einrichtung mehr auf dynamische Natur (mit Vieh) abgestimmt sein. Wasserflächen und Auenwälder werden mit einander verbunden, neue Pfade werden geschaffen, wie auch ein Reitweg unterhalb des Deichs und mehrere Ruhe- und Aussichtstellen.

Dass der Waaldijk Deich hier so weit landeinwärts liegt hängt zusammen mit dem Abschliessung der „Waalkronkel“ (Waal-„Biegung“) 1648. Einst floss die Waal weit südlich des Dorpskerns von Bemmel. Seines mäandernden Charakters wegen hatte der Fluss eine Bucht gebildet, die sich immer mehr nach Norden ausschliff. Hierdurch wurde das Dorf Bemmel ernsthaft bedroht: durch diese ausschleifende Wirkung wurde der Deichkörper untergraben mit grossen Risiken von Deichdurchbrüchen, welche im 16. Jahrhundert regelmässig auftraten. Deichverstärkungen waren nicht effektiv. Dann hat man den Plan ausgedacht um die Waal-Bucht ab zu schneiden durch das Ausgraben eines langen Kanals und mit Buhnen im Fluss das Wasser darüber zu leiten. Auch da schliff das Wasser die Rinne wieder aus bis auf „normale“ Flusstiefe. Die abgeschnittene Bucht verlandete anschliesslich.

Bemmel war gerettet, aber für das Dorf in der Nähe von Bemmel, Oud-Doornik, war das eine Katastrophe… Entlang dem Waaldijk Deich steht ein grosser, beeindruckender, viereckiger, konischer weisser Grenzposten mit an der Westseite die Aufschrift Bemmel und an der Ostseite Doornik. Heutzutage besteht Doornik nur noch in Namen: Haus Doornik auf dem gleichnamigen Gut, worüber ich gegangen bin auf meinem Weg zum Deich. An der Aussenseite des Deichs im Bemmelse Waard Werder liegen die Überreste des Dörfleins Oud-Doornik, die beim gigantischen Deichdurchbruch 1799 vom Wasser verschlungen wurde. Später ist der heutige Deich an der Landseite des damals entstandenen Kolkes angelegt worden. Bei Niedrigwasser sind die Überreste immer noch sichtbar. Der Herr von Doornik gab den Einwohnern einen neuen Platz zu wohnen: im Weiler „De Pas“. Im Zweiten Weltkrieg ist De Pas fast komplett zerstört worden… Es gibt also nur noch wenige Häuser in der ursprünglichen Fassung.

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Bemmel: alte Grenzandeutung auf dem Waaldijk Deich wo das Gebiet von Bemmel endet und das von Doornik, einem 1799 von einem Deichdurchbruch zerstörten Dorf, anfängt

Ich verfolgte meinen Weg über dem Waaldijk Deich und lief ins Dorf Bemmel. Es ist ein altes Dorf: die erste Erwähnung des Namens Bemmel datiert aus 1178 als Bemele. Godfried van Rhenen (Bischof des Hochstifts Utrecht) schenkte in jenem Jahr seiner Tochter Heilwig das Dorf, genannt Bemele juxta Noviomagus („Bemmel gegenüber Nijmegen“). Im 12. Jahrhundert ist auch die heutzutage immer noch protestantische Kirche gebaut worden: 1450 ist die ursprüngliche romanische aus Tuffstein gebaute Kirche abgeriessen und auf den Fundamenten ein gotisches Gebäude aus Backstein gebaut worden. Der alte Turm ist schon erhalten geblieben. 1824 ist eine umfassende Renovierung durchgeführt worden, wobei das Schiff schmaler gemacht wurde; 1952 folgte eine zweite Renovierung. Jetzt fällt mal richtig auf wie nah die Kirche am heutigen Deich liegt: das ist, wie gesagt, verursacht worden durch die stetige Verlegung des Deiches nach Norden wegen der ausschleifenden Wirkung der Waal. Mit der Abschneidung der Waal-„Biegung“ 1648 ist jenes Problem gelöst worden.

Auf einem Schild beim Zugang an der Dorfseite wird erwähnt dass vor einigen Jahren (2015) eine Gruppe von Freiwilligen das Gebiet um der Kirche aufgebessert hat – es sieht ganz schön gepflegt aus im Sonnenlicht.

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Bemmel: Blick auf die Protestantischen Kirche, wovon der Turm aus dem 12. Jahrhundert datiert

Oberhalb des Zugangstors zum Kirchturm steht in Naturstein gemeisselt der Spruch “WEEST REYN HOUT U ALTYT KLEYN – DENCKT OP DIEN DACH DIE NIEMANT VOORBY MACH” (frei übersetzt mit „Seit rein, haltet Euch immer klein – gedenkt jenes Tages an den niemand vorbeigehen kann“) mit dem Jahr 1673. Wahrscheinlich hat diese Aufschrift früher über einem (anderen) Zugang gestanden hat, wodurch bei Beerdigungen der Verstorbene in die Kirche getragen wurde.

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Bemmel: erbauliche Worte (1673) oberhalb des Eingangstors zum Turm der Protestantischen Kirche

Ich las irgendwo etwas Lustiges: Bemmel ist auf einer besonderen Weise beteiligt beim Nijmegenmarsch. 1963 hatte die Polizei aus Nijmegen eine schweizerische Polizeimusikgesellschaft eingeladen um die Schweizer Wanderer während des Marsches zu ermunteren. Als nicht alle Schweizer bei Kollegen aus Nijmegen Unterkunft finden konnten, bot ein Polizist der in Bemmel wohnte an, um die Schweizer in seinem Dorf unter zu bringen. Als Dankeschön gab die schweizerische Musikgesellschaft ein Konzert für die Einwohner von Bemmel. Das war so ein grosser Erfolg dass dies zu einem jährlichen Ereignis führte: die Einwohner von Bemmel beherbergen Mitglieder einer jedes Jahr wechselnden Polizeimusikgesellschaft aus der deutschsprachlichen Schweiz: das ist die Zwitserse Week (Schweizer Woche)!

Ich hatte Glück: in der Nähe der Kirche gab es eine Bushaltestelle, wo Linie 33 nach Arnhem wenige Minuten später anfuhr. Dieser Bus folgte einer langen Route “über die Dörfer”. Er passierte nicht nur Dörfer und Weiler: in der Gemeinde Lingewaard wozu Bemmel gehört, gibt es auch zwei „Städte“, nämlich Gendt (Stadtrechte 1233) und Huisen (Stadtrechte 1314)! Das zeigt mal wieder wie reich die Geschichte dieses Gebiets in der Betuwe ist. Eine knappe Stunde später war ich wieder zurück in der Innenstadt von Arnhem. Welch einen interessanten und abwechslungsreichen Ausflug habe ich gehabt!