Voor het blog in het Nederlands a.u.b. hier klikken!
For the blog in English please click here!

Um die Karte zu vergrössern klicken Sie bitte auf das Kästchen in der linken oberen Ecke. Die grössere Karte wird auf einer neuen Seite geöffnet.


Den 3. August 2018

Feierlichkeiten, aber auch Gewitter mit Folgen

Am Morgen des 1. Augusts habe ich mich verabschiedet von den sympathischen Leute im Hotel Margun. Es war dort ein angenehmes Bleiben in einer schönen Umgebung. Ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof von Mals, um von dort mit dem Bus nach Nauders (in Österreich) und Marina (in der Schweiz) zu gehen. Ich möchte den 1. August wieder in Scuol feiern, wie auch in den vergangenen Jahren. Und auch um ein wenig Urlaub zu haben nach den intensiven Tagen hier… Das Wetter war wiederum schön und warm, aber das hielt die Leute nicht zurück um wieder in grosser Zahl sich vor zu bereiten auf dem Ausflug – und gerade mit jenem Bus den ich auch nehmen möchte! Es wäre mein Plan gewesen um unterwegs aus zu steigen in den Dörfern entlang der Route durch das Reschental, wie Graun im Vinschgau, dessen alten Dorf 1950 in den Stausee verschwunden ist. Nur der Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert ragt noch wie ein mahnender Finger aus dem Wasser. Dieser Plan ist denn mal für ein anders Mal… Jedoch konnte ich noch einige Fotos machen vom Bus aus, o.a. vom Ortlermassiv mit dem Reschensee im Vordergrund. Dies ist ein schöner Abschied – auf Wiedersehen – Arriverderci!

20180801_104130

Reschen: Blick über den Reschen Stausee auf das Ortlermassiv

Wegen der grossen Geschäftigkeit unterwegs kam der Bus zu spät in Martina an. Das Postauto nach Scuol hatte nicht länger auf uns warten können: die Postautos sollen zeitlich in Scuol eintreffen damit Passagiere auf die Züge der Rhätischen Bahn umsteigen können – die Züge fahren nur einmal pro Stunde und schliessen ihrerseits wieder auf das nationale Schweizer Schienennetz an. Dafür habe ich Verständnis und ausserdem war ich nicht mehr in Eile. Im Schatten habe ich auf den nächsten Bus gewartet; neben mir sassen einige Radfahrer die angeblich aus der Umgebung waren: sie plauderten unter einander über vieles auf Vallader. Und ich war imstande um es zu folgen – ich habe also doch noch etwas gelernt beim Cuors intensiv da Rumantsch! Das nächste Postauto von etwa 50 Minuten später führte mich nach Scuol, wo ich erneut eincheckte in Hotel Altana. Es war gut um wieder zurück zu sein.

Abends war Hotel Altana ganz in der Stimmung des „Nationalfeiertages“. Zum „1. August Buffet“ standen traditionsgemäss vielerlei Schweizer Klassiker auf dem Menü. Der Speisesaal war festlich dekoriert mit roten Lampionen mit weissen Kreuzen; eine Schweizer Flagge in Grossformat war an der Wand gehängt. Und natürlich überall Vasen mit Sommerblumen aus eigenem Garten! Vor allem die kleinen Blumensträusse auf den Tischen waren diese Jahr etwas Besonderes: rote Geranien mit im Herzen weissem Edelweiss. Dafür brauchte niemand sein Leben zu wagen, weil die Dame die am Morgen das Frühstück arrangiert hat sie geschnitten im Garten den ihre Mutter angelegt hatte. Ich habe nie gewusst dass Edelweiss ganz herrlich nach Honig duftet!

Auf dem Menü standen u.a. „Zuozer Krautsuppe mit Engadinerwurst“, eine nicht-gebundene sommerliche Kabissuppe aus dem Engadiner Ort Zuoz, mein Favorit „Bündner Capuns“, und auch das „Suure Mocke“, Rindfleisch an einem Stück das während mindestens einer Woche in einer Beize von Rotwein, Essig, Kräuter und Gemüse wird aufbewahrt und dann in 12 Stunden bei 80°C im Ofen leise gegart wird. Auch gab es das authentische „Zürcher Geschnetzeltes“, ein wenig respektlos und kurzgesagt: Steifen Kalbsfleisch in Champignon-Rahmsosse. Dazu wurde serviert die wohlbekannte Rösti, aber auch „Munder Safran Risotto“, mit Safran angebaut in Mund, ein Dorf im östlichen Teil des Kantons Wallis (in der Nähe von Brig – wo die Etappen R96 und R97 der Via Alpina entlang führen!). Man meint dass im 15. Jahrhundert Söldner aus diesem Dorf den Safrankrokus mitgebracht haben aus fernen Orten und das der Krokus an dieser Stelle noch immer ausgiebig wächst und blüht! Nach dem (Schweizer) Käseplateau und dem wunderbare Dessert mit u.a. crème brûlée von Äpfeln aus eigenem Garten, war es Zeit um uns die traditionellen „Höhenfeuer“ an zu schauen, oder in diesem Falle auch die „Augustfeuer“ genannt, die auf sehr grosser Höhe in den Bergen angezündet werden. Wegen der schon Monate dauernden Trockenheit war von behördlicher Seite ein absolutes Feuerwerk- und auch Feuerverbot verkündete worden – und das galt also auch dem Feuerwerk… Solch ein Verbot bringt Leid für viele, obwohl ich von vergangenen Jahren wusste: es gibt nur vereinzelte Knalle und ist keineswegs zu vergleichen mit dem ausgiebigen Feuerwerkshow in den Niederlanden am Silvester. An der ganzen Diskussion kam ein jähes und lautes Ende als gegen 20.00 Uhr ein gigantisches Gewitter aufkam, das mit viel Regen „hängen“ blieb in der Nähe von Scuol…

Obwohl die Festlichkeiten im Dorf mit Ansprachen des Bürgermeisters und Anderen, die Musik der örtlichen Musikvereine und der Umzug durchs Dorf wörtlich „ins Wasser fielen“, haben jedoch tapfere Leute die „Höhenfeuer“ angezündet: durch den Regen und die Blitze sahen wir zwei heitere Feuer brennen auf der Spitze des Piz San Jon. Und dann sollte man auch wissen, dass die Leute nachher noch hinuntersteigen müssen zum Reitstall San Jon und weiter nach Scuol, auf einem schmalen Pfad und nur mit Beleuchtung von Fackeln… Ganz spezial!

Am nächsten Morgen, den 2. August, hörte ich schon früh Hubschrauber fliegen von und nach Val S-charl, das Tal das schon so oft nach ausgiebigem Regen in Problemen geraten ist. Auch jetzt wieder… Bei einer Runde durchs Dorf sah ich den Piz San Jon über den Nebelfaden hinausragen und dachte zurück an die Höhenfeuer. Das untere Dorf sah idylllisch aus, mit den alten Häusern und der schönen Kirche.

Auf einem der Häuser war ein schöner Spruch geschrieben – in sgrafitto: der bedeutet so etwas wie: man ist herzlich willkommen wenn man guter Laune ist, wenn man keine gute Laune hat, soll man fort gehen…!

20180802_102243

Scuol: Sgraffito auf einem Hausmauer – der Text heisst so viel wie „komm herein mit guter Laune, dann bist Du willkommen, sonst gehst Du mal fort…“

Dass der langersehnte Regen nicht nur Segen gebracht hatte, wurde klar als ich die Fussgängerbrücke von Gurlaina über den Inn überquerte: das Wasser hatte eine graubraune Farbe vom mitgeführten Schlamm. Dramatischerweise habe ich ein ähnliches Bild gemacht an derselben Stelle und exakt ein Jahr und einen Tag vorher: am 1. August 2017 sah das Wasser ebenso schmuddelig aus, nach dem Unwetter vom 29. Juli jenes Jahres… Der Weg ins Val S-charl ist vorläufig wieder gesperrt – es wird wohl klar dass der schöne Fussweg durch die Clemgia-Schlucht nie wieder geöffnet wird… Ich fühle mich dankbar dass es mir erlaubt war um jene Wanderung im vergangenen Jahr noch zu machen – wie habe ich mich gefreut über meine ersten Schritte auf der grossen Via Alpina, und wie sehr bedauere ich es dass andere Wanderer diese Wanderung nicht mehr machen können, weil es nicht mehr erlaubt ist…!

20180802_103718

Scuol: Blick auf die Kirche und die überdachte Brücke über den Inn, der graubraun verfärbt ist vom Schlamm des vergangenen Unwetter

Am nächsten Tage, den 3. August, habe ich es mir einfach gemacht: am Nachmittag bin ich mit der Gondelbahn nach Motta Naluns gegangen, auf der Bergschulter oberhalb von Scuol. Dort fangen im Sommer viele Wanderungen an und im Winter viele Skipisten: eine schöne Fahrt mit wunderschönen Weitblicken und vielen Wahrzeichen wie das Schloss Tarasp.

20180803_123031

Scuol: unterwegs mit der Gondelbahn nach Motta Naluns mit Blick auf das Schloss Tarasp

Auf der Terrasse des Restaurants standen nicht nur originelle Barhocker aus Milchkannen mit einem Sitz aus Holzklotzen. Auch gab es dort eine Art Schaukasten, den man drehen konnte. Dann erschien im unteren Bereich eine Karte mit Angaben von Orten und Gipfeln, ganz nah oder ganz weit weg… Es gibt angeblich fünf Gemeinden in der Schweiz die beteiligt sind an diesem Projekt unter dem Motto “Fünf Gemeinden begegnen sich“ und das in den vier Landessprachen der Schweiz. Im Westen ist es Le Landeron, Kanton Neuchâtel, im Norden ist es Eschenbach, Kanton Sankt-Gallen, im Süden ist es Morcote, Kanton Tessin und im Osten ist es Scuol, Kanton Graubünden. In der Mitte dieser Konstellation liegt Meiringen, Kanton Bern. Von diesem Ort aus ist es nicht weit zum geografischen Mittelpunkt der Schweiz, der auf einer Alp in der nähe der Älggi-Alp im Kanton Obwalden liegt. Es macht Spass und es ist lehrreich um auf dieser Weise in der Umgebung herum zu schauen! Also wenn man zum Schloss Tarasp an der anderen Seite des Inns schaut, dann ist der Südpol „nur“ 15.213 Km entfernt…!

Auch jetzt war das Wetter wieder warm und eher sonnig als bewölkt. Jeder war beschäftigt mit seinen eigenen Aktivitäten: ich ging herum wie eine richtige Touristin und machte Fotos, die Bauer waren beim Heuen und die Paraglider schwebten über das Tal.

Bevor ich zurückfuhr mit der Gondelbahn fotografierte ich nochmals Scuol. Es bedeutet auch das Ende dieser Ferien und auch Abschied von diesem Ort. Aber in Scuol werde ich auch bestimmt zurückkehren!

20180803_133157

Scuol: Blick auf Scuol von Motta Naluns