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Den 17. Mai 2018

Von Gorizia nach Cormòns: durch die Weinberge vom Collio

Nach dem kräftigen Gewitter von vergangener Nacht und dem Dauerregen von heute Morgen früh machte ich mich gegen 11 Uhr auf den Weg für meine Wanderung durch den Collio, das Weinanbaugebiet zum (Nord)westen von Gorizia. Dazu wanderte ich zuerst in Richtung West um den Fluss Isonzo (auf Slowenisch den Soča) zu überqueren. Er ist hier ein breiter Fluss mit künstlichen Stromschnellen; ich überquerte ihn mittels einer langen Fussgängerbrücke.

Nachdem ich eine Weile entlang der Strasse und dem Fluss ging, schlug ich einen schmalen, ziemlich steilen Asphaltweg ein nach S. Floriano del Collio, dem Hauptort einer der Gemeinden im Collio. Es liegt oben auf einem Berg und man kann den weissen Turm der Kirche schon von Gorizia aus sehen. Unterwegs war alles grün und noch nass vom Regen. Ich passierte kleine Weiler mit Gemüsegärten, Bienenstöcken und blühenden Rosen. Viele Blumen blüteten am Strassenrand; manche erkannte ich, andere brauchen jedoch etwas mehr Studium…

Nach eineinhalb Stunde kam ich aus dem waldreichen Berghang in die Offenheit des hügeligen Weinanbaugebietes. Überall und so weit das Auge reichte waren die sanften Hügel angebaut mit Rebstöcken und Obstbäumen (Kirschen!), ein Mosaik von grünen Linien der Pflanzen und roten Linien des Bodens. Als ich fast bei S. Floriano del Collio war, wurde ich willkommen geheissen von einer grossen Wandmalerei. Ein richtiger Blickfang, den man nachher noch aus grosser Distanz sehen konnte.

Die Wanderung verlief weiter grösstenteils über die Strada del Vino e delle Ciliegie, den Wein- und Kirchenweg. Entlang dem Weg stehen viele Kirchbäume die jetzt schon gut gereifte Fruchte trugen. Ich konnte die Verlockung nicht widerstehen und habe ziemlich viele Kirschen gepflückt und aufgegessen. Sehr erfrischend und durstlöschend. Der Blick auf die endlosen Weinberge, Olivenhaien und Kirschbäume brachte auch viel Ruhe – ausser dem Kuckuck der laut von sich hören liess. An den Strassenkanten und gegen den Böschungen wächst Vieles: Rosen, Feigenbäume. Es war ein Vergnügen um hier zu wandern mit so vielen Weitblicken.

Nach einer langen Zeit auf dem Wein-weg änderte sich die Landschaft langsam. Jedoch blieb auch hier die Erde rotbraun: die „terra rossa, für welche der Collio bekannt ist.

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„Terra rossa“ – rote Erde

Die Landschaft wurde etwas rüge und nasser: ich kam in der Nähe des Sumpfgebietes von Preval. Ich musste wieder entlang einer ziemlich verkehrsreichen Strasse gehen; plötzlich erspähte ich einen Rehbock der auftauchte in einem etwas heruntergekommenen Pfirsichgarten und der in einem Sprint den Weg überquerte – über den Zebrastreifen…! Erstaunlich.

Im Naturgebiet, das durchquert wird von Radwegen, konnte ich leider nicht die Seen erblicken, aber ich sah schon ein Männchen der Kornweihe (Circus cyaneus) fliegen und „beten“. Welch ein grosser Vogel!

Nach einer noch viel längeren Zeit erreicht ich Cormòns, nachdem ich eine sehr alte, aber besondere Kapelle passiert war: die Chiesa della Subida. Sie ist errichtet an der Stelle wo in 1597 ein Wunder geschehen sein sollte: Schweisstropfen waren aus einem Kruzifix getropft. Das Kirchlein steht auf einem höheren Punkt als den Weg mit einem schönen Blick auf die Gegend um Cormòns. Die Fussgänger wurden entlang der Kirche geleitet und glücklicherweise nicht durch die dunkle, scharfe Kurve!

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Cormons: Die Kirche zu Subida aus dem 16. Jahrhundert

Um halb fünf erreichte ich den Bahnhof von Cormòns. Mittlerweile geübt beim Fahrkartenautomaten kaufte ich rasch meine Fahrkarten und konnte mit dem Zug von 16.28 Uhr zurückfahren nach Gorizia, wo ich acht (!) Minuten später ankam.

Am Abend bin ich essen gegangen. Es gibt eine Strasse die von der Piazza della Vittoria nach dem Westen geht, die Via Oberdan, wo viele Essgelegenheiten sind. Ich wählte die Trattoria-Gostilna Alla Luna. Es ist ein Restaurant mit einem länglichen, schmalen Speisesaal, überfüllt mit Bric-à-Brac: mit alten Schlüsseln und Hufeisen, kleinen Tischdecken, Koffern, Puppen und alles so mehr. Es gab dem Raum eine ganz gemütliche Ambiente. Gegen halb acht war ich die einzige, aber im Laufe des Abends strömte das Restaurant voll mit Gästen. Ich bekam einen Platz an einem Tisch in der Ecke; ich konnte die ganze Trattoria übersehen.

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Gorizia: Inneneinrichtung der Trattoria Alla Luna mit Mondglobus

Nach einem einzigen Blick auf die Karte wurde mir klar dass der Nachdruck hier auf die Slowenische Küche liegt. Nach ein Aperitif mit Ribolla gialla (sprudelnd) und einem säuerlichen Hackfleischkugel wurden meine erste Vorspeise serviert: ein grosser Teller mit „Lardjel“, ein verfeinerter geräucherter Speck auf leicht gesalzener Ricotta und bestreut mit Feldsalat und geriebener Zitronen- und Orangenschale. Nachher kamen zwei „palačinke“, Pfannkuchen gefüllt mit Gemüse der Saison (Zucchini) und überbacken mit Käse aus der Region und als Hauptgang Kranjska klobasa, Krainer Wurst mit Sauerkraut mit Zwiebel und Kümmel und Polenta. Dazu wurde grober, nicht zu scharfer Senf gegeben. Es war auf origineller Weise eingepackt: in Zellophan, wobei die Wärme im Gericht blieb. Ein moderner Touch an einem klassischem Slowenischen Gericht. Dies alles wurde begleitet von einigen Gläsern roten Hauswein der alle Kraft aus dem Collio-Land hatte das ich heute durchquert habe. Als Nachtisch hatte ich einen Sorbet von Zitrone und Basilikum – einen guten Digestif!

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Gorizia: Nachtisch bei Alla Luna, Zitronen-Basilikumsorbet

Eine schöne Weise um diesen Wandertag ab zu schliessen!