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Den 14. September 2018

Eine kurze Wanderung durch diese historische Stadt

Heute bin ich in aller Frühe aus Arnhem abgereist und nach einer etwa ermüdenden Reise gegen fünf Uhr in Brig angekommen. Ich kannte jedenfalls den Bahnhof von den Malen in vergangenen Jahren als ich hier umgestiegen war auf Züge die mich weiter führen sollten. Ich habe aber auch mal eine Nacht in Brig verbracht bevor ich mit dem Glacier Express („der langsamste Schnellzug der Welt“…) nach Graubünden gereist bin. Damals habe ich übernachtet im Hotel Europe, das ganz in der Nähe des Bahnhofes liegt – und dort habe ich jetzt auch wieder eingecheckt. Damals hat es mir gut gefallen und deshalb hatte ich dieses Hotel wieder gewählt.

Gegen halb sechs bin ich in die Stadt gegangen. Das Wetter war schön, es war noch angenehm warm und mit Wolkenpartien. Es war Freitagabend und die Terrassen waren voll besetzt. Als ich durch die grossen Einkaufstrassen ging, fiel mir das südliche, aber auch das historische Charakter auf. 2015 hat die Stadt ihr 800-järige Bestehen gefeiert. Und die historische Verbindung sieht man auch. Es gibt Gebäude aus vielerlei Epochen. Eins davon ist das auffallende „Perrighaus“ aus 1905, mit seinen drei Türmen – welche angeblich nur dekorativen Zwecken dienen, aber welche die schönen Namen tragen wie „Hoffnung“, „Glauben“ und „Liebe“. Von Liebe zum Grünen zeugt auch der merkwürdige grüne Sack um einem Baum: es ist der Treegator – eine Erfindung einer Amerikanischen Gärtnersfamilie und der fungiert wie ein sich ganz langsam entleerendes Wasserreservoir. Eine kluge Lösung!

Brig ist situiert an einer strategischen Stelle wo das schmale Oberwallis mündet in ein breites Tal wo die Rhône ihren Lauf hat und der Weg zum Simplon Pass südwärts abzweigt. Auch spielt Brig seit dem Beginn des 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle in den Bahnverbindungen nach Westen (in die Richtung von Leuk, Lausanne und Genf), nach Norden (Bern über den Lötschberg (Basis) Tunnel) und nach Süden (durch den Simplontunnel nach Domodossola und weiter nach Italien). Die Stadt hat schon immer – lange bevor der Verkehr auch mit dem Zug oder mit dem Auto stattfand – eine Rolle als Drehscheibe für den Handel gespielt. Eine Persönlichkeit die ein wichtiger Anreiz war für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region war Kasper Stockalper (1609 – 1691). Er war Sohn einer wohlhabenden Familie der mit grossem Handelsgeist ein enormes Wirtschaftsimperium aufbaute, aber auch ein Förderer war von weniger weltlichen Sachen, wie von gutem Unterricht für Jungen (und für jenes Zeitalter etwas Besonderes: auch für Mädchen). Er baute den Fusspfad über den Simplon Pass aus zu einem richtigen Passweg. Viele wichtige Bauten in der Gegend und entlang dem Passweg sind in seinem Auftrag errichtet worden. Er wird gesehen als ein einer der ersten richtigen „Kapitalisten“. Schliesslich haben Rivale ihn gestürtzt – man sagt wohl “Neid ist der älteste Walliser“… Sein Wohnsitz war das heutzutage berühmte Stockalperschloss mit den drei Türmen mit Zwiebelspitzen. Sie tragen die Namen der Drei Könige, Kaspar, Melchior und Balthasar. Das grosse Gebäude gilt als das grösste nicht-sakrale Gebäude aus dem Barock in der Schweiz.

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Brig: Blick auf die Westseite des Stockalperschlosses

In Nischen im Innenhof des Stockalperschloss stehen einige Postkutschen aus dem Zeitalter wenn man für den Verkehr noch Pferde brauchte. Auch hängt eine Gedenktafel an einer der Mauern zu Ehren vom Lokal- und Nationalpolitiker Moritz Kaempfer (1907 – 1967): er hat 1949, als das Gebäude schwer heruntergekommen war und fast in sich zusammenfallen drohte, die Restaurierung des markanten Gebäudes initiierte. Er errichtete ein Hilfsfond woraus auch noch heute die Instandhaltung finanziert werden kann. Andere Einnahmen werden auch aus Miete stammen: als ich da war, ging ein glückliches Brautspar herum unter vielen festlich gekleideten Gästen.

Der Simplonpass ist immer eine wichtige Faktor gewesen in und rundum Brig. Dies war auch der Fall im Anfang des 20. Jahrhundert als die Luftfahrt sich in ihrer experimentellen Fase befand. Ein der Pioniere war der aus Frankreich stammende Peruaner Geo Chàvez der eigentlich Jorge Chàvez Dartnell hiess. Er hatte als erfolgreicher Pilot schon viele Rekordversuche auf seinen Namen geschrieben. Er unternahm am 23. September 1910 einen Versuch um die Alpen beim Simplonpass zu überqueren. Er startete in Ried bei Brig. Sein Flug war teilweise erfolgreich, aber bei der Landung crashte er und erlag am 29. September 1910 seinen Verletzungen. Zu seinem Ehren sind viele Denkmäler errichtet worden u. A. in Brig: ein Brunnen mit einer Statue aus Bronze von ihm wie Ikarus und ein Flugzeugpropeller hergestellt von 199 grünen Glasflaschen, gestaltet nach dem originellen Propeller seines kleinen Flugzeuges.

Die katholische Religion ist tief gewurzelt in diesem Teil des Wallis. Es gibt deshalb viele Kirchen und Kapellen, die eine noch älter als die andere. Sie sind schön gestaltet und vor allem sehr gut gewartet.

Es gibt auch eine moderne katholische Kirche, die Herz-Jesu Kirche aus dem Jahre 1968. Sie fällt auf wegen ihrer ganz weissen Farbe und ihrem eckigen Turm der nicht im einem rechten Winkel zur Kirche steht. Das Glockenspiel ist beeindruckend: fünf verschiedene Glocken die jede einzelne einen schönen Klang hat, aber die zusammen eine besondere Melodie geben. Auf der Webseite ist ein Tonfragment zu hören, das diese Melodie ganz deutlich wiedergibt.

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Brig: die Herz-Jesu Kirche (1968)

Nach meinem Spaziergang habe ich mich hingesetzt beim einen authentisch aussehendes Chalet mit einem authentisch klingenden Namen: Restaurant „zum Eidgenossen“. Dort hatte ich einen schmackhaften Fisch und trank einen ziemlich lieblichen Weisswein aus der Region: einen „Heida“, aus der Savagnin Traube, die auch wohl Weisser Traminer genannt wird. Diese Trauben werden in der Schweiz vor allem im Jura anagebaut, aber auch in Visperterminen, einem Dorf in der Nähe von Brig und Visp. Hier sind die höchstgelegenen Rebberge Europas! Auch das machte der Wein zu etwas Besonderes.

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Brig: Restaurant “zum Eidgenossen” in einem authentischen Chalet

Diese Nachmittag und Abend waren ein angenehmer Anfang meiner Reise über die Via Alpina. Morgen gehe ich in die Berge.