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28. März 2021

In der Innenstadt ist der St. Jansbeek Bach wieder an die Oberfläche getreten!

Hierunter folgt ein Bericht über den St. Jansbeek Bach von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein – in jedem Fall bis am Moment wo der Bach beim Eisenbahndamm in die Innenstadt fliesst. Es ist eine bewusste Wahl: ich habe gemerkt dass es wirklich zwei Welte gibt: zuerst fliesst der St. Jansbeek Bach in den Pärken durch eine grüne Landschaft (Teil 1), aber nachher durch eine komplett andere Umgebung: dies ist der Teil in der Stadt mit Gebäuden aus vielen Jahrhunderten und mit einer Geschichte von Krieg und Wiederaufbau, bis zum Rhein, mit auch dort wieder einem Wasserfall.

An der Stelle wo der St. Jansbeek Bach unterirdisch weiterfliesst fällt der hohe Eisenbahndamm auf: diese Barriere ist wie eine neue Stadtmauer die die Innenstadt von den nördlichen Vororten und vom Aussenbereich scheidet. Der Bau des Eisenbahndammes war eine notwendige Folge der Wahl um in den 1840er Jahren die Eisenbahnlinie von Amsterdam nach Elten (das damals noch niederländisches Hoheitsgebiet war, aber heute in Deutschland liegt) durch die Hügellandschaft nördlich von Arnhem zu bauen und nicht entlang dem Fluss: aus Sicht der nationalen Sicherheit würde das zu gefährlich sein. Mit der Eröffnung der „ Rhijnspoorweg“ Linie wurde die Reisezeit vom Westen des Landes nach Arnhem erheblich kürzer: vorher dauerte eine Reis nach Amsterdam siebzehn und nach Den Haag vierundzwanzig Stunden. Die Eisenbahnlinie wurde feierlich eröffnet am 14. Mai 1845. Im Laufe der 176 Jahre hat es viele Änderungen in und um Arnhem gegeben mit Bezug auf die Eisenbahn, aber dieser Eisenbahndamm liegt praktisch unverändert noch immer da!

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Arnhem: Blick auf die Brücke über den St. Jansbeek Bach bei der Sonsbeeksingel Strasse wo der Bach unter dem Eisenbahndamm verschwindet

Um am schnellsten die Stelle zu erreichen wo der Bach an der anderen Seite aus dem Dücker unter dem Eisenbahndamm fliesst, soll man zum Zijpendaalseweg Weg gehen. Dort in der Nähe des Zijpsepoort Tores stehen einige wunderschöne Gebäude die entworfen worden sind als Büro- oder Geschäftsraum gesammt Wohnhaus. Ein spezielles Haus steht an der Ecke des Zijpendaalseweg Weges und der Cronjéstraat Strasse: das Geschäfts-/Wohnhaus mit dem Namen „ De Hooge Vlucht“ (die hohe Flug). Es war der erste Auftrag für den in Den Haag geborenen Architekten Willem Diehl (1876–1959). Nicht nur die kontrastierende Farbgebung des Gebäudes (weiss, goldgelben, dunkelgrün und schiefergrau) fällt das grosse Kacheltableau oberhalb der Eingangstür auf, wobei der Name des Hauses abgebildet worden ist: eine schöne Berglandschaft in delikaten Pastellfarben mit einem Adler in Schwebeflug.

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Arnhem: am Zijpendaalseweg Weg Nr. 2 steht ein wunderschönes Geschäfts-/Wohnhaus, „De Hooge Vlucht“ (der hohe Flug) aus 1905 das entworfen worden ist vom Architekten W. Diehl (1876-1959) im Art Nouveau-Stil
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Arnhem: oberhalb der Tür des Geschäfts-/Wohnhaus am Zijpendaalseweg Weg Nr. 2 ist ein beeindruckendes Kacheltableau mit einem fliegenden Adler, als Darstellung des Namens des Hauses: „De Hooge Vlucht“ (der hohe Flug)

Seit Willem Diehl sich als Architekt in Arnhem niedergelassen hat, hat er einen kräftigen Stempel gedrückt auf das Gebiet in Arnhem zwischen Park Sonsbeek (Transvaalbuurt Viertel) und den Janssingels Strassen/dem Willemsplein Platz. In der Periode von 1902 bis 1930 hat er nicht nur viele grosse Herrenhäuser (wie „De Hooge Vlucht“ ) entworfen, sondern auch Luxor-Live Musiktheater und das „Vestagebouw“ Gebäude, ein Sitz einer Versicherungsgesellschaft. Die Gebäude sind alle stark beeinflusst worden vom Jugendstil oder Art Nouveau.

Der Weg ins Stadtzentrum führt weiter unter dem Eisenbahndamm mit dem mittlerweile modern gestalteten Zijpsepoort Tor zum Willemsplein Platz und zur Ecke der Jansbuitensingel Strasse. Um dem Willemsplein Platz stehen Gebäude aus verschiedenen Epochen und in verschiedenen Baustilen: an der Südseite u.a. mehrere aneinandergereihte neoklassische Herrenhäuser aus 1854 des Architekten aus Arnhem und – wie wir das heutzutage nennen würden – „Bauträger“ Hendrik Willem Fromberg (1812–1882), an der Ostseite ein Gebäude aus der Nachkriegszeit mit u.a. einem Restaurant (an derselben Stelle wie ein von Willem Diehl entworfenes Gebäude das während eines Bombenangriffs am 17. September 1944 zusammen mit der benachbarten Willemskazerne Kaserne zerstört wurde), an der Nordseite das ebenfalls von Willem Diehl entworfen Geschäftsgebäude für die damalige Versicherungsgesellschaft “Vesta“. Dieses grosse, auffällige Gebäude ist in den Jahren 1930–1932 entstanden und wurde am 18. Mai 1932 eröffnet. Es ist auch seine letzte Arbeit. Dieses rijksmonument (staatlich geschütztes Denkmal) ist ein „Gesamtkunstwerk” in einem gemischten Baustil mit Einflüssen des Traditionalismus, des Jugendstils und der Amsterdamer Schule. Viele Künstler haben einen Beitrag geleistet. Einer von ihnen ist der Bildhauer aus Arnhem Gijs Jacobs van den Hof (1889–1965) von wem noch viele Kunstwerke in der Stadt zu finden sind. Hier hat er das rechteckige Relief aus Sandstein oberhalb des Oberlichtes kreiert. Es ist eine Vorstellung der Vestalinnen: sechs Priesterinnen von Vesta, die Göttin von Heim und Herd. Die Komposition ist symmetrisch mit in der Mitte im Vordergrund einem rechteckigen Altar mit einem Feuer und dahinter einem runden Tempel mit Kuppel. An beiden Seiten sind drei vom Altar weggehende Frauen in langen Gewanden abgebildet worden. Die zwei Figuren an der Aussenseite tragen eine Öllampe in der Hand. Wegen der kontrastierenden Farbe sind diese Details eben aus der Ferne gut sichtbar.

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Arnhem: das beeindruckende Geschäftshaus (das „Vesta-Gebäude“) aus 1932 entworfen vom Architekten Willem Diehl (1876-1959) an der Westseite des Jansbuitensingel Zingels
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Arnhem: über dem Eingangstor des Geschäftshauses „Vesta-Gebäude“ ist ein Relief des Bildhauers Gijs Jacobs van den Hof aus Arnhem, mit sechs Vestalinnen, Priesterinnen der Göttin von Heim und Herd, Vesta

Mitten auf dem Willemsplein Platz gibt es etwas das gleich ins Auge springt: „Le grand cerf“, der grosse Hirsch aus Bronze des französischen Bildhauers François Pompon (1885–1933). Er war vor allem bekannt für die Abbildungen von Tieren, deren Formen er vereinfachte und deren Oberflächen er polierte. Die Skulptur ist 1954 installiert worden und ist ein Abguss der Originalskulptur aus 1929. Sie war schon nach Arnhem gekommen anlässig der Kunstausstellung „Zweiten Sonsbeek Triennale“ 1952, wobei der Schwerpunkt lag beim Gesamtwerk französischer Meister wie Auguste Rodin, für wen auch François Pompon gearbeitet hatte. Das Blumenmeer von blühenden Krokussen hatte mittlerweile Platz gemacht für die feinen rosigen Blüten der Prunus.

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Arnhem: die Skulptur „Le grand cerf“ (Hirsch) des französischen Bildhauers François Pompon (1885-1933) aus 1954 am Willemsplein Platz

An der Westseite des Willemsplein Platzes steht das von Willem Marinus Dudok (1884–1974) entworfene Bürogebäude der ehemaligen Versicherungsgesellschaft „De Nederlanden van 1845“. Obwohl nur wenige Jahre liegen zwischen der Bauabnahme des „Vesta-Gebäudes” und des „Dudok-Gebäudes” sind die Baustile ganz unterschiedlich: Dudok wendete zuerst den rationalistischen Stil von H.P. Berlage an, aber er fühlte sich hiervon eingeschränkt und fing an zu experimentieren mit u.a. dem Expressionismus. Auch zeigt sich der Einfluss des amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright wegen der Anwendung von Stahlbeton. Vor allem das runde Treppenhaus mit den grossen Fenstern fällt auf: es sieht aus als ob ein Gehäuse mit viel Licht und Aussicht gegen das Gebäude geklebt worden ist!

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Arnhem: das “Dudok-Gebäude” aus 1938-1939 am Willemsplein Platz, ursprünglich entworfen vom Architekten W.M. Dudok für eine Versicherungsgesellschaft

Etwas näher am Hauptbahnhof steht ein weiteres Gebäude das entworfen worden ist von Willem Diehl: „Luxor-Live“, die es heutzutage heisst. Diese Gebäude datiert aus 1915 und war ursprünglich ein Kino (das erste in Arnhem und eines der ersten in den Niederlanden). Später war es eine Diskothek. Seit 2007 wird es nach umfassenden Umbauarbeiten (Verstärkung des Bodens) genutzt als zusätzliches Musikzentrum/Poppodium. Auch hier ist der Jugendstil der kennzeichnende Baustil. Willem Diehl hat zahlreiche Künstler engagiert für u.a. die Skulpturen, Malereien im Inneren und besondere Teppiche. Das komplette Innere und Aussere des Gebäudes ist reichlich dekoriert: die tanzenden Nymphen beim Eingang sind davon ein schönes Beispiel – sie sind kreiert worden vom Bildhauer Simon Miedema (1860–1934). Als der berühmte Kinobetreiber Abraham Tuschinski 1921 entschied um in Amsterdam auch ein Filmpalast zu bauen, hat er das Luxor in Arnhem zum Vorbild genommen. In technischer Sicht war das Gebäude seiner Zeit bestimmt voraus: Glühbirnen die abgeblendet werden konnten im Flur und im Saal, und ein Ventilationssystem wobei die Luft viermal pro Stunde erneuert wurde (in jener Zeit hatte nur die Amsterdamer Effektenbörse solch ein Ventilations- und Heizungssystem!). Das Gebäude ist denkmalgeschützt (ausgenommen einige Teile der ersten Bauschicht, denn diese datieren aus der Nachkriegszeit). Die Ornamente der Fassade und des Inneren sind hergestellt worden vom Keramikhersteller W.C. Brouwer (wie Lampenfassungen, Reliefs aus Terracotta und Kassettendecken).

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Arnhem: die Fassade des Musiktheaters „Luxor Live“ (1915 eröffnet als Kino „Luxor Théâtre“) des Architekten Willem Diehl am Nieuwe Plein Platz beim Willemsplein Platz

Diese Gebäude am und um dem Willemsplein Platz konnten nur an diesen Stellen gegründet werden, weil es ab 1850 der Stadt erlaubt wurde um die Stadtmauern abzureissen! Heute ist es nicht ganz klar wo gerade der St. Jansbeek Bach unter dem Eisenbahndamm wieder erscheint: auf der Karte ist sichtbar dass die Stelle zwischen dem modernen Bürogebäude neben dem „Vestagebouw“ Gebäude und dem benachbarten Gebäude liegt, aber er bleibt unterirdisch. Der Lauf des St. Jansbeek Baches konnte ursprünglich (bis am Ende des 13. Jahrhunderts) ungehindert in den Rhein fliessen, aber als Arnhem im 14. Jahrhundert eine Festungsstadt wurde, war das nicht mehr möglich. Der St. Jansbeek Bach mündete in den hochliegenden Looierijgracht Graben, den nördlichen Teil des Stadtsgraben und floss zwischen dem St. Janspoort Tor (auf selber Höhe als die heutige Jansstraat Strasse an de Südseite des Willemsplein Platzes und dem Velperpoort Tor im Nordosten in die Stadt. Man nimmt an dass es an jener Stelle eine Schleuse gab, die jedoch eine Weichstelle in der Verteidigung der Stadt war, so das Karel van Gelre Auftrag erteilte um dort ein „tüchtiges Rondell“ zu bauen (das nach ihm benannt wurde: „Der Gelderse Turm“). In der folgenden Zeichnung stehen Nummer: 1. ist die Prümermühle; 2. ist der St. Jansmolen Mühle; 3. ist der Looierijgracht Graben; 4. ist der „Gelderse Toren“ Turm; 5. ist der überbaute Bach; 6. ist der St. Jansbeek Bach; und 7. ist die Binnenmolen Mühle.

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Arnhem: Plan des Laufes des St. Jansbeek Baches im 17. Jahrhundert mit Angabe des nördlichen Stadtgrabens (Looierijgracht) und des Gelderstoren Turms
Jansbeek Bach 1650

Die Prümermolen Mühle hat gestanden wo heute die Brücke beim Bothaplein Platz ist an der Nordseite des Eisenbahndammes und die St. Jansmolen Mühle had gestanden wo jetzt der Eisenbahndamm liegt. Der ursprüngliche Stadtgraben, der Looijersgracht Graben, lag an der Stelle wo heute die Grünanlage zwischen dem Jansbuitensingel Zingel (an der Bahnseite) und dem Jansbinnensingel Zingel (an der Stadtseite) ist. Bei den Gebäuden am Willemsplein Platz hat man die Krümmung des Stadtgrabens angehalten! Das Architektenbüro Buro Poelman Reesink Landschapsarchitecten das den Entwurf für das wieder an die Oberfläche Bringen des St. Jansbeek Baches gemacht hat, schreibt in einer Einleitung dass der Bach ursprünglich bei der Bovenbeekstraat (Oberbachstrasse) in die Stadt floss. Es hatte mehrere Bierbrauereien gegeben die das Bachwasser verwendeten. Über gemauerte Wasserläufe floss das Wasser ganz nah an den Häusern vorbei durch die Stadt. Der Bach machte eine breite Kurve um der Eusebiuskirche. Weil die Leute den Bach auch als Kanalisation nutzten wurde das Wasser weiter stromabwärts immer schmutziger. Deshalb wurde der Bach nach Süden immer weiter überbaut. Schlussendlich floss der Bach durch das Elendsviertel De Weerdjes zum Hafen an der Westseite der Innenstadt, wo er in den Rhein mündete. 1861 ist der St. Jansbeek Bach in der Innenstadt ganz unter der Erde verschwunden. Die Stadtmauern wurden abgerissen und das Wasser floss weiterhin an die Aussenseite der Innenstadt entlang, durch den Looijersgracht Graben in den Rhein. In der Stadt stand die Binnenmolen (Innere Mühle), deren Name schon 1291 erwähnt wurde, an der Bovenbeekstraat Strasse und dem Land van de Markt Platz. Weil der St. Jansbeek Bach dort ein Verfall von 2½ Metern hatte, konnte die Mühle mit einem oberschlächtigen Rad angetrieben werden. 1850 wurde die Mühle umgewandelt in eine Schule und nachher in eine Polizeiwache. 1970 wurde das Gebäude abgerissen. Bei der Gesamtumgestaltung dieses Stadtviertels sind die ursprünglichen Fundamente der Binnenmolen Mühle aufgegraben worden.

Über den weiteren Lauf des St. Jansbeek Baches folgt später mehr. Nach der Zuschüttung des Looierijgracht Grabens 1850 und später des Jansgracht Grabens nach der Nationalen und Kolonialen Industrieausstellung, die 1879 stattgefunden hatte, wurde von dem niederländischen Landschaftsarchitekten Leonard Springer (1855–1940) die Grünanlagen, Brunnen und Teiche angelegt worden. Dort wurden auch die acht überlebensgrosse Gartenstatuen aus Sandstein aufgestellt, die 1712 vom niederländischen Bildhauer Ignatius van Logteren (1685–1732) kreiert worden waren für einen Landsitz in Breukelen. Vier dieser Statuen sind 1859 von F.G.S. Baron van Brakell tot den Brakell, der am Velperbinnensingel Strasse Nr. 2 gegenüber der Konzerthalle „Musis Sacrum” wohnte, der Stadt verschenkt worden, mit der Forderung dass die Statuen so aufgestellt werden sollten dass er von seinem Haus Sicht darauf hatte. Später verschenkte er auch die sonstigen vier Statuen. Davon bestehen – auf den originellen Sockeln – Proserpina und Neptunus in der Singelplantsoen Parkanlage, eine Bacchante am Velperplein Platz, Juno gegenüber der Konzerthalle „Musis Sacrum” und Pluto und Venus im Park beim Lauwersgracht Graben. Die Statuen von Jupiter (der in der Singelplantsoen Parkanlage stand) und eines Fauns (der im 19. Jahrhundert in der Nähe von „Musis Sacrum” stand) haben die Schacht bei Arnhem 1944 nicht überlebt. Es gibt schon ein altes Foto aus dem Sommer 1935 der Singelplantsoen Parkanlage mit der Statue von Jupiter: darauf sind auch die damals noch nicht so grossen Krim-Linden (Tilia ×europea) die entlang den Strassen gepflanzt worden waren, deutlich sichtbar. Die Parkanlage selbst ist wegen den vielen Anpassungen nicht angewiesen worden als rijksmonument, aber die Statuen, die Gartenvase und die Brunnen schon: laut dem Register des Denkmalschutzes skizieren sie ein gutes und charakteristisches Bild eines Entwurf einer formellen Parkanlage aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Objekte sind essenzielle und heutzutage seltene und relativ unbeschädigte Überreste der monumentalen Stadterweiterung von Arnhem im 19. Jahrhundert.

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Arnhem: Blick auf die Singelplantsoen Parkanlage nach Nordosten auf einem Foto vom Sommer 1935 mit rechts vorne der Statue von Jupiter
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An zwei Stellen in der Singelplantsoen Parkanlage stehen gusseiserne Brunnen in einem geradwinkligen Becken das in der Mitte breiter ist, auf gleicher Höhe wie die Häuser an der Jansbuitensingel Strasse Nr. 6 resp. Nr. 21. Sie sind identisch und sind beide ein rijksmonument Denkmal. Bei den ockerfarbigen Brunnen stehen am Fuss vier Drachen (Griffons mit einem Drachenhaupt wovon die Mäuler aufgesperrt sind) aufgestellt die furchterregend aussehen und die das Wasserbecken tragen; sie haben eine dunkele Messingfarbe. Oberhalb des Wasserbeckens ragt eine Säule auf mit wieder drei Drachen welche mit den Halsen verschlungen sind und wovon einer den Hauptwasserstrahl „ausspuckt“. Sie haben den Denkmalstatus erhalten weil sie aus kulturhistorischer Sicht wichtig sind wegen des Zusammenhangs mit der Anlage des Parks zwischen den Janssingels Strassen in den späten 19. Jahrhundert nach Ablauf der 1879 organisierten Nationalen und Kolonialen Industrieausstellung. Sie sind aus kunsthistorischer Sicht wichtig denn sie sind unbeschädigt und der Entwurf in eklektischem Stil hat hochwertige ästhetische Qualitäten. Die Lage ist auch interessant: die Parkanlage ist eng verbunden mit der Struktur der Strassen in der Stadterweiterung im 19. Jahrhundert. Die Brunnen und die Teiche werden noch immer gespeist vom Wasser des St. Jansbeek Baches!

Neben schöne Statuen und Brunnen stehen auch einige monumentale Bäume in der Singelplantsoen Parkanlage, an der Seite von Musis Sacrum: es handelt sich um eine Morgenländische Platane (Platanus orientalis), einen Japanischen Schnurbaum (eine „Trauerform“, Styphnolobium japonicum, „Pendulum) und einen Schwarznuss (Juglans nigra)! Sie sind schön, stattlich von Gestalt und schon sehr alt, aber in der Provinz Gelderland halten sie bestimmt nicht den Rekord in Alter oder Grösse…

Wie schon angedeutet floss der St. Jansbeek Bach ursprünglich vom Looierijgracht Graben durch die Bovenbeekstraat Strasse (mit der Binnenmolen Mühle) und die Beekstraat Strasse weiter durch die Stadt entlang der Südseite der Eusebiuskirche (die auf einer natürlichen Erhöhung steht) nach Westen um in den Roermondgracht Graben beim Rheinhafen in den Niederrhein zu münden – wo heute der Roermondplein Platz ist mit den Auffahrten zur Nelson Mandela-Brücke. Vom Gelderse Toren Turm war der Bach überbaut worden – wenig Unterschied zur heutigen Situation, wobei das Wasser auch unterirdisch bleibt! Das Wasser floss unter dem Platz der jetzt Gele Rijdersplein Platz heisst, in die Beekstraat Strasse. Ab 1837 bildete dieser Platz die Rückseite der Willemskazerne Kaserne, benannt nach König Willem I. Offiziell sind die „Gele Rijders“ Mannschaften der Berittenen Artillerie, eine Armeegruppe der Koninklijke Landmacht Landstreitmacht, aber ihr Name hängt zusammen mit den von gelben Tressen besetzten Uniformen, die von König Willem II bei seiner Amtseinführung 1842 geschenkt wurde. Seit 1963 steht eine Statue aus Bronze eines „Gele Rijder“s auf dem Platz, kreiert von Gijs Jacobs van den Hof.

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Arnhem: die Statue „De Gele Rijder” (eigentlich Reiter beim Korps der Berittenen Artillerie) am Gele Rijdersplein Platz aus 1963 des Bildhauers Gijs Jacobs van den Hof (1889-1965)

Jetzt kehren wir mal wieder zurück zur Singelplantsoen Parkanlage und zur Fortsetzung davon beim Velperplein Platz und im Park um dem Lauwersgracht Graben, dem einzigen Überrest des alten Stadtgrabens. Neben den drei alten Bäumen stehen hier noch zwei Statuen von Ignatius van Logteren: die Bacchante (in dieser Zeit hat jemand sie mit einer Gesichtsmaske ausgestattet die mittlerweile etwas hinuntergerutscht war!) die auf die Konzerthalle „Musis Sacrum“ und Juno die in einem Rosenbeet vor dem Eingang von „Musis Sacrum“ steht. Diese Statuen sind vor einiger Zeit restauriert und wieder aufgestellt worden: die Bacchante in November 2012 und Juno in Oktober 2013.

Der Initiator der Konzerthalle „Musis Sacrum”, Den Muzen gewidmet, ist der Architekt H.W. Fromberg, der auch die kapitalen Villen am Willemsplein Platz bauen liess. Das erste Gebäude ist aus 1847 und stand damals auf einer kleinen Insel im Graben – die Konzertbesucher sollten über eine Brücke ins Konzert gehen! Anlass für den Bau des „Gebouw voor Kunsten en Wetenschappen” (Halle für Künsten und Wissenschaften) war ein niederländisch-deutscher Singwettbewerb das in jenem Jahr in Arnhem organisiert wurde. Nach einigen Jahren bewährte sich die ursprüngliche Konzerthalle nicht mehr: 1889 wurde das neue Gebäude eröffnet mit dem Äusseren das wir jetzt noch kennen: in Neorenaissance Stil mit zwiebelförmigen Kuppeln. Auch nachher ist noch öfters an- und umgebaut worden: das letzte Mal 2015–2017 auf ganz radikaler Weise. Vielerlei angebaute Teile sind abgerissen worden und an der Seite des Lauwersgracht Grabens wurde zur Ersetzung des ursprünglichen Parksaals ein gigantisch grosser Konzertsaal hinzugefügt mit einer Kapazität von 1.000 Besuchern (eben 2.000 wenn die Stühle weggeschafft werden!) mit vielen technischen Neuigkeiten wie ein in Teilen verstellbarer Boden. Ein Teil der Aussenmauer des neuen Parksaals ist aus Glas und kann heraufgezogen werden, damit die Leute im Park auch in der Lage sind um die Musik zu geniessen. Der Entwurf hat viele Preise gewonnen. Das Gebäude ist tatsächlich etwas ganz Besonderes: die Aussenmauern sind abgedeckt worden mit länglichen glasierten „Dachziegeln“ in vielerlei Schattierungen van Grünblau. Unten gibt es hohe Fenster bis am Boden. Obwohl es ultramodern ist, passt es sehr gut zum Gebäude das 130 Jahre früher gebaut worden ist.

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Arnhem: Blick auf den klassischen Teil der Konzerthalle „Musis Sacrum“ aus 1891 unter einem drohenden Wolkenhimmel (April 2018)
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Arnhem: Blick auf den Neubau bei der Konzerthalle „Musis Sacrum“ (den Parksaal) aus 2018 mit der St. Martinuskirche im Hintergrund und dem Lauwersgracht Graben im Vordergrund

Der Lauwersgracht Graben ist der einzige Überrest der Festungsanlagen um dem alten Stadtzentrum von Arnhem. Das Wasser und der umringende Park bilden heute ein angenehmes Gebiet zwischen den Singels Strassen die hier Eusebiusbuitensingel und Eusebiiusbinnensingel heissen. Im Park stehen zwei der Götterstatuen von Ignatius van Logteren: Pluto mit einem Knüppel und in seiner linken Hand die Ketten des hier mit zwei Köpfen abgebildeten dreiköpfigen Höllenhundes Cerberus, nicht weit von Musis Sacrum, und Venus mit dem kleinen Amor der auf einem Schwan sitzt, weiter nach Süden, in der Nähe des Kreisels mit dem Airborneplein Platz.

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Arnhem: Blick auf die Singelplantsoen Parkanlage nach Nordosten auf einem Foto vom Sommer 1935 und rechts vorne die Statue von Jupiter
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Im Lauwersgracht Graben steht die sogenannte Burgerklok (Bürgerglocke) die in September 1956 der Stadtverwaltung angeboten worden als Anerkennung für die Anstrengungen die die Behörden nach der Befreiung für die Stadt geleistet haben. Jedes Jahr am 17. September wird die Glocke geläutet während der Gedenkfeier der Schlacht bei Arnhem. Ursprünglich stand die Glocke nicht im Wasser, sondern weiter nach Westen und an Land: am Velperplein Platz. Bei der Umstrukturierung dieses Platzes in den 1960er Jahren ist die Glocke mit dem Glockenstuhl auf einer künstlichen kleinen Insel aufgebaut worden. Schlussendlich steht sie heute auf einer aus historischer Sicht richtigen Stelle: in September 1944 war die unmittelbare Umgebung des Lauwersgracht Grabens der Schauplatz einer Schlacht wobei die erste Gruppe britischer Soldaten in der Innenstadt von Arnhem gefangen genommen wurden. C Company der britischen Fallschirmspringer erreichte über die Eisenbahnlinie Arnhem ganz ohne Komplikationen. Als sie weiterzogen über den verlassenen Bahnhof zum Velperplein Platz kam es zu einem Schusswechsel mit deutschen Soldaten die sich in der Innestadt versteckt hatten.

An der Eusebiusbuitensingel Strasse gibt es immer noch die schönen Herrenhäuser die um 1850 gebaut worden sind und die die Zerstörungen während der Schlacht bei Arnhem überstanden haben.

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Arnhem: Blick auf den Lauwersgracht Graben mit der „Bürgerglocke“ aus 1956 und den Herrenhäusern am Eusebiusbuitensingel Strasse im Hintergrund

Der Bach fliesst heutzutage noch immer vom Westen her in den Lauwersgracht Graben, aber bis 2017 floss er an der Südseite wieder weiter – ruhmlos unterirdisch in einem Kanalisationsrohr in den Fluss… Südlich des Lauwersgracht Grabens führt seit 1935 der Nijmeegseweg Weg als Zufahrt zur gerade eröffneten Rheinbrücke: seit anfangs des 20. Jahrhunderts hatte man eine feste Uferverbindung gewünscht statt der seit anfangs des 17. Jahrhunderts bestehenden Schiffbrücke an der Westseite der Altstadt. In den 1930er Jahren hatte man eine Stelle weiter nach Osten gewählt, denn es gab mehr Platz um dem Lauwersgracht Graben. Der südliche Teil des Grabens ist zugeschüttet worden um den Weg zu bauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man den Nijmeegseweg Weg umgebaut zu einem Kreisel um einem vertieften Mittelteil, dem Airborneplein Platz, wo jährlich die offizielle Gedenkfeier der Schlacht bei Arnhem stattfindet die am 17. September 1944 angefangen hat. Das Denkmal besteht aus einem Sockel aufgestellten Bruchstück einer beschädigten Säule des ehemaligen Gerichtshofs in der Stadt, als Symbol der vom Krieg verletzten Gerechtigkeit. Während der Schlacht bei Arnhem wurde das Gerichtsgebäude völlig zerstört. In goldenen Buchstaben steht das Datum 17. September 1944 auf der Säule. Das Denkmal ist entworfen worden von Gijs Jacobs van den Hof und ist während der ersten Gedenkfeier am 17. September 1945 eingeweiht worden. Eine gemauerte Wand aus rotem Backstein ist um dem Platz gebaut worden, wo Platz ist für andere Kunstwerke, wie der Relief von Gijs Jacobs van den Hof aus 1953 mit dem Emblem der 1st Airborne Division die in September 1944 den Auftrag hatten um die Rheinbrücke auf die Deutschen zu erobern. Es stellt der griechische mythologische Held Bellerophon da, auf dem geflügelten Ross Pegasus. Der Relief ist erst später hier angebracht worden: zuerst war er Teil des Sockels des Erinnerungsdenkmals von Arnhem Mens tegen Macht (Mensch gegen Macht) bei der Eusebiuskirche.

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Arnhem: an der Wand des Airborneplein Platzes hängt ein Relief des Bildhauers Gijs Jacobs van den Hoff mit dem Airborne-Symbol (der griechische Held Bellerophon auf dem geflügelten Pferd Pegasus) aus 1953

In der Stadt gibt es viele Kunstwerke von Gijs Jacobs van den Hof aus vielen Perioden. Neben der Säule und der Gedenktafel beim Airborneplein Platz ist der schon früher erwähnte Relief mit den Vestalinnen am Vestagebouw Gebäude an der Jansbuitensingel Strasse und eins seiner späteren Werke die Statue aus 1963, „De Gele Rijder“ am Gele Rijdersplein Platz. Weiter gibt es eine schöne Statue aus Bronze beim Karpervijver (Karpfenteich) an der Ostseite des Parks Sonsbeek, „Offervaardigheid“ (Hingebung) aus 1930, wobei eine nackte Frau gekniet und mt halbgeschlossenen Augen ins Wasser starrt – ihre Handflächen auf ihren Oberschenkeln sind nach aussen gekehrt. An beiden Seiten stehen in Miniatur zwei kleine Personen die etwas essen und trinken. Ein anders Werk hängt am Stadttheater: ein Relief mit dem Titel „Fantasie“ (1937), wobei eine Frau in einem kurzen, modern-aussehenden Kleid auf einer Wolke stehend einen Muschel am Ohr hält und mit einem verträumten Blick zuhört. Die zwei Statuen haben etwas serenes – schön.

An der backsteinernen Nordwand des Airborneplein Platzes ist auch ein Kunstwerk angebracht worden: „Battle of Arnhem 44 – 94 Bridge to the Future“ (Schlacht bei Arnhem 44 – 94 Brücke in die Zukunft) vom Bildhauer Marius van Beek (1921–2003) anlässig der 50. Gedenkfeier der Schlacht bei Arnhem. Der Name Brücke in die Zukunft bezieht sich auf die 2001 gegründete Stichting War Requiem – Bridge to the Future (Stiftung War Requiem – Brücke in die Zukunft) die als Ziel hat um während der Airborne Gedenkfeiern durch Treffen mit Inhalt und Kulturmanifestationen Bewusstwerdung zu stimulieren in den Bereichen von Krieg, Frieden und Freiheit. Es bedeutet auch dass man dem Begriff „Gedenken“ einen anderen Inhalt geben möchte – auch einen Blick in die Zukunft und nicht nur in die Vergangenheit. Regelmässig wird das War Requiem des englischen Komponisten Benjamin Britten (1913–1976) aufgeführt: in diesem beeindruckenden nicht-liturgischen Requiem das er 1962 komponiert hat für die Einweihung der wiederaufgebauten Kathedrale von Coventry, verarbeitete Britten neun Kriegsgedichte des englischen Dichters Wilfred Owen, der 1918 gerade vor dem Waffenstillstand in Ersten Weltkrieg gefallen ist.

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Arnhem: an der Nordwand des Airborneplein Platzes hängt eine Skulptur, “Bridge to the Future”, von Marius van Beek (1994) anlässig des 50. Gedenkens der Schlacht bei Arnhem 1944–1994

Die Rheinbrücke ist am 16. September 1978 umgetauft worden in John Frostbrug John-Frost-Brücke, benannt nach John Dutton Frost (1912-1993), der als Oberstleutnant des zweiten Bataillons der britischen 1st Airborne Division während der Schlacht bei Arnhem die Brücke erreichte, aber nicht in der Lage war um sie ganz auf die Deutschen zu erobern. Die ursprüngliche Brücke wurde 1940 von den Niederländern gesprengt um den Aufmarsch der deutschen Truppen zu verhindern. Während des Krieges wurde die Brücke wiederaufgebaut und als sie gerade wieder geöffnet war, fand die Schlacht bei Arnhem statt, wonach die Amerikaner die Brücke im Herbst 1944 bombardierten und die Deutschen im Frühling 1945 die Überreste sprengten. Nach dem Krieg gab es zuerst eine sogenannte Bailey-Brücke über den Fluss, aber 1950 war die Brücke wie sie jetzt ausseht, wieder aufgebaut. Die Geländer sind in der Farbe „maroon red“ (rötlich kastanienbraun) gemalt, in der Farbe des Baretts und des Banners der britischen 1st Airborne Division.

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Arnhem: Blick auf die John Frostbrücke über den Niederrhein nach Süden mit im kleinen Bunker einer Gedenktafel über die Schlacht bei Arnhem

An der Ostseite der Brücke liegt in der Nähe des Kais des Niederrheins – und der früheren Mündung des St. Jansbeek Baches ein neues Gebäude des „Rhein-Schöpfwerks“, das verhindert dass bei Hochwasser im Niederrhein die Stadt überflutet. Bei den Kämpfen in September 1944 was die ganze Umgebung der Brücke zerstört worden und auch das damals bestehende Dampfschöpfwerk. 1945 wurde im temporären Gebäude des Schöpfwerks eine “Notpumpe” mit einem Dieselmotor amerikanischer Herkunft installiert: eine Pumpe der Worthington Pump and Machinery Corporation. 2011 wurde beschlossen um das alte „ Rhein-Schöpfwerk“ ab zu reissen und neu auf zu bauen: nach 66 Jahren endete der Einsatz dieser speziellen Dieselpumpe, die unlöslich verbunden ist mit dem Wiederaufbau von Arnhem. Die Gemeinde Arnhem und das Waterschap Rijn en IJssel (Wasserverband Rhein und IJssel) haben es ermöglicht um die Pumpe neben dem neuen Rhein-Schöpfwerk einen Platz zu geben in Form eines Kunstwerks, das am 29. Januar 2015 enthüllt worden ist von u.a. dem Künstler Marcel Smink aus Arnhem, der das Werk „De Sfinx“ (die Sphinx) genannt hat. Das Kunstwerk besteht aus der originellen Pumpe, die einen Flügel bekommen hat, der auch erscheint im Logo des Herstellers, aber der ebenfalls verweist auf die Kämpfe während der Schlacht bei Arnhem um die Brücke in September 1944 . Auch ist der amerikanische Minister George C. Marshall geehrt worden: es ist sein Kopf der zum Kunstwerk hinzugefügt worden ist – die Pumpe ist damals gekauft worden mit Geldern aus dem „Marshallplan”.

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Arnhem: an der Ostseite der John Frost-Brücke steht seit 2015 ein Kunstwerk, „Die Sphinx“, von Marcel Smink, bestehend aus der alten Dieselpumpe des Rhein-Schöpfwerks aus 1945, mit einem Flügel und dem Kopf des amerikanischen Ministers George C. Marshall

Von dieser Stelle sind es nur wenige Schritten zum Rijnkade Kai, der an der Ostseite der Brücke eine etwa trostlose Ausstrahlung hat. Hier war bis 2017 das Ende des St. Jansbeek Baches… Aber heute nicht länger!

Kehren wir deshalb zurück zum Lauwersgracht Graben und gehen wir von dort über den Koningsplein Platz in Richtung der Beekstraat Strasse. Damals als Arnhem noch eine Festungsstad war, stand hier, auf gleicher Höhe als die jetzige Waalse Kerk (Wallonische Kirche), eine weitere Wassermühle: die Hertogelijke Molen (Herzogliche Mühle). Sie war schon ganz alt: 1291 besass Maria van Gelre, die Schwester des Grafen Renaud I (Reinald) von Gelre und Zutphen an dieser Stelle ein Grundstück mit einer Wassermühle innerhalb der Stadtmauern am Bach das sie 1299 verschenkte um ein „Gasthuis“ Spital zu gründen. Heutzutage heissen die Strassen um dem Stadttheater die St. Catharinastraat Strasse und die Gasthuisstraat Strasse!

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Arnhem: Situierung der Herzoglichen Mühle auf dem Plan des ursprünglichen Laufes des St. Jansbeek Baches im 13. Jahrhundert mit Referenzpunkten anno 2021

Bei jenem Teil der Beekstraat Strasse ist der St. Jansbeek Bach wieder an die Oberfläche geholt: er fliesst hier durch eine eckig ausgestattete Rinne aus Beton mit gemauerten Wänden und einem erhöhten Teil für Wasserpflanzen in die Richtung der Polizeihauptwache. Der Hersteller der Pflastersteine, Wienerberger BV, deutet auf seiner Webseite an dass der Bach nicht nur aus ästhetischen Gründen wieder oberirdisch gebracht worden ist. Der Eingriff verbessert das Wassermanagement, das Stadtklima und die Biodiversität. Die meist markanten Eingriffe um die Beziehung zwischen Stadt und Fluss zu verbessern ist das wieder an die Oberfläche bringen des Wasserganges und das Kreieren eines „keramischen Roten Teppichs“ zwischen Nord und Süd, damit die Innenstadt wieder zu einem kohärenten Ganzen wird. Die Wahl für den gebackenen Pflasterstein „Paviona“ hat ihren Grund: der Backstein bildet den Basis für die gesamte Innenstadt von Arnhem. Im historischen Teil liegen Pflastersteine nach alten Mass (Waalformaat, 210x100x50Mm) mit Bändern aus Naturstein – im Wiederaufbauviertel liegen modernere und dickere Pflastersteine mit Beton. Ein weiterer Vorteil des oberirdisch fliessenden Baches ist dass das Regenwasser das aus dem niedriger situierten Stadtviertel Spijkerkwartier (in Norden) in den Lauwersgracht Graben fliesst leichter über den Bach abgeführt werden kann in den Niederrhein. Dazu sorgt der St. Jansbeek Bach im Sommer während Wärmeperioden für eine Abkühlung von 1 bis 3 Grad!

Der St. Jansbeek Bach ist feierlich eröffnet worden am 8. Dezember 2017. Ganz am Anfang machte die Neuigkeit dass Unbekannte Goldfische in den Bach ausgesetzt hatten Schlagzeilen. Diese spielerische Aktion wurde von den Behörden nicht geschätzt, denn Goldfische sind exotische Fische die das Ökosystem im Fluss gefährden könnten. Es wurde befohlen um die Tiere wieder ein zu fangen – ob das gelungen ist weiss niemand. Die Wahrscheinlichkeit dass die Fische in den Fluss gelangen wird wohl gering sein: das Wasser wird aus dem Lauwersgracht in den Bach gepumpt und nachher auch wieder beim Rijnkade Kai wieder in den Niederrhein. Fische überleben solche Obstakel nicht… Anfangs dieses Jahres sah ich noch einen fetten Goldfisch der sich versteckt hatte in den Wasserpflanzen im Bach in der Nähe der „Regenbogenbrücke“ bei der Polizeihauptwache! Dieser aus gläsernen Modulen bestehende Bogen ist entworfen worden von der Künstlerin Maria Roossen (*1957) anlässig der Gelderland Biënnale Kunstausstellung 2019, wovon der komplette Titel heisst: „We Shall Overcome, Always Trust the Progress“.

Von der Beekstraat Strasse wird der Bach durch einen Düker unter der Strasse in die Richtung des Rathauses und der Eusebiuskirche geleitet. Dies ist nicht der historische Lauf: er fliesst jetzt an der Nordseite der Gebäude und nicht länger an der Südseite. Der Steinlieferant Wienenberger gibt hierfür den Grund: auf dieser Weise ist der Bach Teil der Innenstadt nördlich der Kirche. Man hat auch bewusst die Wahl getroffen um den Bach nicht wie eine gerade Linie durch die Stadt fliessen zu lassen, sondern in Fragmenten. Der erste Grund: es verweist auf den romantischen englischen Landschaftsstil des Parks Sonsbeek, wo der Bach an verschiedenen Stellen wie eine Überraschung erscheint. In der Innenstadt sind deshalb auch verschiedene Wasserstellen entworfen mit jeweils eine besondere Atmosphäre. Der zweite Grund: der Bach ist gedacht wie verbindendes Element zwischen der nördlichen und südlichen Innenstadt und darf keine Barriere bilden. Die Bachfragmente sind auf einer Weise eingepasst, dass Fussgänger und Radfahrer sich leicht und locker dazwischen bewegen können…

Das 1968 abgelieferte Rathaus ist ein Gebäude aus Stahlbeton mit einer Bekleidung aus Naturstein im Stil des Funktionalismus. Weil das Gebäude zwischen der Eusebiuskirche und der Sint Walburgiskerk Kirche steht, durfte es nicht ein zu hoher massiver Steinblock werden. In August 1953 schrieben die Gemeindebehörden ein Wettbewerb aus für den Entwurf eines neuen Rathauses, worauf viele Einsendungen eintrafen. Erst in Januar 1959 wählten die Behörden den Entwurf des Architekten J.J. Konijnenburg, „Spazio“: der Grundstein wurden am 18. September 1964 gelegt und die offiziellen Eröffnung war am 12. September 1968.

Obwohl der offizielle Eingang an der Südseite des Gebäudes ist, kann man auch von der Koningsstraat Strasse über einen breiten Laufsteg und einige Stufen hineingehen. Auf dem Laufsteg steht in einer Platte aus rostfreiem Stahl die Geschichte von Arnhem gestanzt, ab 1233 als Graf Otto II van Gelre Arnhem Stadtrechte verlieh.

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Arnhem: auf dem Steg aus Metall zum Rathaus steht die Geschichte der Stadt angeschrieben

Der komplette Text auf diesem begehbaren Kunstwerk klingt irgendwie ein wenig wie ein Loblied und lautet (auf Niederländisch):

Geschiedenis van Arnhem bij toegang Stadhuis, uitgeschreven

Das moderne Rathaus schliesst physisch an beim historische Gebäude das von der Gemeinde 1828 gekauft wurde als Ersatz für das alte Rathaus am Markt, das drohte zusammen zu brechen. Auf der ersten Etage ist das Arbeitszimmer des Bürgermeisters. Dieses Haus das ursprünglich ein Stadtschloss ist, hat dem Herzog Karel van Gelre (1467–1538) gehört und nach dessen Tod ab 1539 dem berüchtigten Kriegsherrn Maarten van Rossem (±1490–1555), der das Haus mit einer früh-renaissancistischen Prunkfassade ausstattete, geschmückt mit Satyrs. Weil diese Statuen aussahen wie Teufel und wegen der Mythenbildung um Maarten van Rossum wird das Haus in der Stadt wohl „Teufelshaus“ genannt. Neben den Satyrs stehen auch die Stadtwappen der Hauptstädte der vier Quartiere von Gelre auf der Fassade, und auf den Schlusssteinen an der Aussermauer mit ihren Andeutungen: neben Arnhem „de genoeglijkste“ (die gemütlichste) war Nijmegen „de oudste (die älteste)“, Roermond „de stoutste“ (die tapferste) und Zutphen „de rijkste“ (die reichste).

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Arnhem: die Satyrs am “Teufelshaus“, ein Stadtschloss aus dem 16. Jahrhundert dass dem Kriegsherr Maarten van Rossum gehörte und das heutzutage Teil des Rathauses ist

Die Nordseite des Rathauses ist ganz nah an der Strasse mit dem St. Jansbeek Bach gebaut worden, aber an der Ostseite endet es bei der gotischer Kirche mit den zwei Türmen, der St. Walburgiskerk Kirche aus 1375, wo seit einigen Jahren keine Gottesdiensten mehr stattfinden.

Goldfische waren nicht willkommen im neuen St. Jansbeek Bach, aber das gilt nicht für Wasservögel. Als der Bach gerade eröffnet war, sah ich wie improvisierte „Stufen“ angebracht worden waren für die Vögel um aus dem Wasser zu klettern, wie ein kleines mit Teppich überzogenes Laufbrett. Es war eine rührende Szene: eine Mutterente mit ihren neun Küken die am Ufer entspannt eingeschlafen waren! Weiter stromabwärts waren hartsteinerne „Treppchen“ gemacht um es den Tieren zu ermöglichen um aus dem Wasser zu steigen.

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Arnhem: Mutterente mit Küken beim Schlafen – und ein Laufsteg zum St. Jansbeek Bach in der Nähe der Eusebiuskirche (Frühling 2018)
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Arnhem: eine Treppe für die Tiere aus dem St. Jansbeek Bach zum Ufer bei der Eusebiuskirche

Etwas weiter nach Westen haben die Entwerfer des überirdischen Baches die Wahl getroffen um alte Steine zu verwenden in der Strecke des Baches entlang der Eusebiuskirche. Diese Steine sind bei Erdarbeiten an der Nordseite der Kirche aufgefunden worden: sie sind wahrscheinlich Steine der Stadtmauer. Archäologen haben dort ausserdem u.a. die Skelette von 600 Personen entdeckt!

Wienerberger BV schreibt auf seiner Webseite auch dass die Gestaltung und Detaillierung des Baches nach der alten Situation verweist, als das Wasser über einen gemauerten Lauf durch die Stadt floss. Man hat gebackene Steine gewählt, damit das Material der Strasse weitergeführt wird im Bachprofil. Ausserdem veraltet dieses Material auf eine schöne Weise und können Farne und Moose dazwischen wachsen. Um die Erfahrung der verschiedenen Wasserstellen zu stärken sind in jedem Teilgebiet die Ufer auf andere Weise bearbeitet. Man hat detailliert die Mauerarbeit erledigt – die verschiedenen Mauerwerksverbände forderten viel Fachkenntnisse der Maurer.

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Arnhem: im Teil der Kaimauer des St. Jansbeek Bach bei der Eusebiuskirche sind alte Backsteine verwendet worden – es wachsen Farne und sonstige Pflanzen in den Fugen

Die Geschichte der Grote of Eusebiuskerk Kirche geht zurück bis 893 als in einem Dokument eine Kirche erwähnt wurde die Martin von Tours gewidmet war und der Abtei Prüm in der Eifel zugehörte: Est in Arnheym ecclesia (Es gibt eine Kirche in Arnhem). 1452 wurde angefangen mit dem Bau einer grösseren Kirche in spätgotischem Stil, die das romanische Kirchlein ersetzte und die dem frühchristlichen Märtyrer Eusebius aus dem 2. Jahrhundert nach Chr. gewidmet war. Der wichtigste Bauherr war Herzog Karel von Gelre (1467–1538), der wie schon angegeben, auch das Stadtschloss besass das später Maarten van Rossum gehört hat. Es war ein Prestigeobjekt für ihn: Gelre und Arnhem bildeten ein Machtzentrum in der europäischen Politik. Deshalb ist er begraben worden in der Kirche, in einem Prunkgrab. 1578–1579 wurde die Kirche reformiert und wurde die reiche Innenausstattung aus der Kirche „entfernt“. Im 19. Jahrhundert befanden die Kirche und bestimmt der Turm sich in ganz schlechtem Zustand. Wegen Geldmangels blieb der Turm unverändert bis in den Krieg, als dieser nach der Schlacht bei Arnhem während der Operation Market Garden in September–Oktober 1944 schwer beschädigt wurde und im Winter von 1944–1945 grösstenteils einsturzte. Die wiederaufgebaute Eusebiuskirche wird auch betrachtet als „Ikon des Wiederaufbaus“: der damalige Denkmalpfleger und Direktor des Rijksbureau voor de Monumentenzorg (Nationalbüros für Denkmalplege) Jan Kalf, war bald nach der Befreiung von Arnhem in die Stadt gereist um sich die zerstörten Denkmäler an zu sehen. Er war der Meinung dass die Eusebiuskirche wiederaufgebaut werden sollte um „der Stadt ihr Ikon und der Bevölkerung ihr Kirchengebäude zurück zu geben“. Er beauftragte den Amsterdamer Architekten Berend Tobia Boeyinga (1886–1969), der bekannt war als Entwerfer von (reformierten) Kirchen. Beim umfangreichen Umbau (der dauerte von 1947 bis 1964) wurde der Oberteil des Turmes konstruiert nach Entwurf des aus Groningen stammenden Architekten Theo Verlaan (1912–1997). In den Grabkellern unter der Kirche sind auch die Fundamente der in den 10. und 11. Jahrhunderten gebauten St. Martinskirche zu sehen, die während des Wiederaufbaus in den 1960er Jahren ausgegraben worden sind.

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Arnhem: um dem Zugangstor zur Eusebiuskirche ist die Geschichte der Kirche ausführlich beschrieben worden in schöner Schmiedearbeit

Auch im 21. Jahrhundert ist die Kirche tiefgreifend restauriert worden. 2009 wurde klar dass die tuffsteinerne Bekleidung des Turmes Mängel aufwies: Blöcke Gestein fingen an hinunter zu fallen. Die Furcht dass die komplette natursteinerne Bekleidung des Turms ersetzt werden sollte erwies sich als unbegründet. 2011 hat man angefangen mit der eigentlichen Restaurierung des Oberteils des Turmes, die „Laterne“. Die Positionierung des mit Blattgold bekleideten Wetterhahns war 2013 die Bekrönung der Restaurierung der Laterne. 2014 wurde angefangen mit der Restaurierung der zweiten Sektion des Turmes. Dazu wurde ein angeblicher Teil der tuffsteinernen Bekleidung ersetzt von neuen natursteinernen Platten die besser beständig sind gegen Wetterinflüsse als die alte Art Tuffstein. Mehrere Jahre später (und viele Millionen Euros weiter) wurde am 21. September 2019 der restaurierte Turm von Prinz Charles zusammen mit dem Bürgermeister von Arnhem eröffnet. The Prince of Wales enthüllte auch eine Gedenktafel zur Ehre von 75 Jahren Schlacht bei Arnhem mit dem Text: „Deze plaquette is onthuld op 21 september 2019 door His Royal Highness The Prince of Wales, ter gelegenheid van de herdenking van 75 jaar Slag om Arnhem en de afronding van de restauratie van de toren (2009–2019)“ (Diese Gedenktafel ist enthüllt worden am 21. September 2019 von His Royal Highness The Prince of Wales, anlässig des Gedenken von 75 Jahren Schlacht bei Arnhem und dem Abschluss der Restaurierung des Turmes 2009–2019), gefolgt von einer Übersetzung auf Englisch. An der anderen linken Seite des Eingangstores zum Turm ist auch eine Gedenktafel eingemauert worden. Hierauf steht der Text: „Deze Toren door oorlogshandelingen verwoest werd in tijden van wederopbouw en herstel gerestaureerd en vernieuwd. Burgemeester Chr. G. Matser legde deze steen 7 juni 1959.“ (Dieser Turm von Kriegshandlungen zerstört wurde in Zeiten von Wiederaufbau und Reparatur restauriert und erneuert. Bürgermeister Ch. G. Matser hat den Grundstein gelegt am 7. Juni 1959).

An der Nordseite der Eusebiuskirche steht seit 2019 das Jüdische Denkmal. Es besteht aus einem Koffer als Symbol für das Abtransportieren von Juden und einer Thorarolle als Symbol der jüdischen Tradition. Der breite Sockel worauf diese zwei Gegenstände stehen lädt laut der Künstlerin Betty Jacobs, deren Grosseltern in Sobobor ermordet wurden, ein um sich hinzusetzen und nach zu denken über dasjenige das im Krieg passiert ist, wie das aus Arnhem Abführen von fast 2.000 Juden, wovon nur ungefähr 500 zurückgekehrt sind – dies wird auch am Rand des Sockels an der Seite der Kirche geschrieben. Es wurde am 17. November 2019 enthüllt in Anwesenheit vieler Juden aus vielen Ländern der Welt. Nicht nur das Datum ist symbolisch (in November 1942 fand die grösste Deportation von Juden aus Arnhem statt), aber auch die Stelle dieses Denkmals: es steht am an dem verschwundenen Kippenmarkt (Hühnermarkt) grenzenden Jonas Daniël Meijerplaats Platz (benannt nach dem in Arnhem geborenen Jonas Daniël Meijer, 1780– 1834, der erste jüdische Anwalt in den Niederlanden), wo früher die Israëlitische godsdienstschool (Religionsschule) stand, ganz in der Nähe der Synagoge aus 1853 deren Haupteingang an der Pastoorstraat Strasse ist und deren Hinterausgang an der Seite des Platzes ist. Dort war Dr. Meijer damals zur Welt gekommen. Das Denkmal steht also an der Stelle wo das Zentrum des jüdischen Lebens war…

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Arnhem: bei der Eusebiuskirche (Kippenmarkt/Jonas Daniël Meijerplaats) steht das Jüdische Denkmal aus 2019 von Betty Jacobs zum Gedenken der Juden aus Arnhem die im Zweiten Weltkrieg abtransportiert worden und nie wiedergekehrt sind

Das Erinnerungsdenkmal von Arnhem für den Zweiten Weltkrieg steht heute am südlichen Teil des Audrey Hepburnplein Platzes an einer schönen prominenten Stelle. Die aus Bronze gegossene Statue heisst „Mens tegen Macht“ (Mensch gegen Macht) und stellt eine sitzende nackte Männerfigur mit den Armen in einer abwehrenden Geste aufgehoben. Die Nacktheit der Männerfigur symbolisiert die Unschuld, die Wahrheit und die Reinheit der Unaufrichtigkeit der brutalen Kriegsmacht unterliegen. 1947 war der Bildhauer aus Arnhem Gijs Jacobs van den Hof von der Gemeinde beauftragt worden um ein Erinnerungsdenkmal zu kreieren. 1952 wurde die Skulptur präsentiert während der Kunstaustellung im Park Sonsbeek.

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Arnhem: das Kriegsdenkmal für den Zweiten Weltkrieg “Mensch gegen Macht“ aus 1953 von Gijs Jacobs van den Hof steht auf dem Kerkplein Platz am St. Jansbeek Bach
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Arnhem: Close-Up des Kriegsdenkmals für den Zweiten Weltkrieg “Mensch gegen Macht“ aus 1953 von Gijs Jacobs van den Hof steht auf dem Kerkplein Platz am St. Jansbeek Bach

An verschiedenen Stellen sind kleine Brücken gebaut worden um einfach von dem einen Ufer zum anderen zu gehen. Zwischen dem Jüdischen Denkmal und dem Erinnerungsdenkmal „Mens tegen Macht“ liegt die Vitessebrug Brücke, die vom Fussballverein der Stadt geschenkt worden ist wegen seines 125-jährigen Bestehens (1889–2017). Im Gitter des Brückengeländers sind zwei schmiedeeiserne Adler aufgenommen, das Logo von Vitesse. Es sit auch eine Verweisung zur Zwanenbrug (Schwanenbrücke) im Park Sonsbeek!

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Arnhem: die “Vitessebrücke” am Kerkplein Platz mit dem Adler, dem Emblem des Fussballvereins, vom Verein geschenkt anlässig seines 125-jährigen Bestehen 2017

Von hier ab führt der St. Jansbeek Bach mit einer scharfen Kurve nach Süden: in die Nieuwstraat Strasse. Hier ist der Bach viel breiter und fliessts in der Mitte der Strasse die nicht länger zugänglich ist für den Autoverkehr. Das führte im Anfang zu einigen Beinahunfällen, wobei Autos halbwegs über dem Bach hingen: Autofahrer bogen gewohnsheitmässig nach links ab vom Zentrum-Rundweg bei der Weerdjesstraat Strasse in die Nieuwstraat Strasse… Nachdem man grosse Blöcke Naturstein an beiden Seiten der Seitenstrasse aufgestellt hatte, war dieses Problem gelöst! Es ist sehr schön zu sehen wie dieses breite Wasser schnurgerade in die Richtung des Niederrheins fliesst mit breiten Gehsteigen an beiden Seiten – es macht kein Unterschied ob man nach Süden, zum Fluss, schaut oder nach Norden, zur Innenstadt!

Schliesslich erreicht der St. Jansbeek Bach den Rijnkade Kai. Dort gibt es wieder einen Wasserfall, vergleichbar mit dem Grossen Wasserfall im Park Sonsbeek: auch hier bilden Natursteine die Kulissen des rauschenden Wassers. Mit einem letzten Wasserfall fliesst der Bach in den Niederrhein.

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Arnhem: am Rijnkade Kai stürzt der St. Jansbeek Bach sich von der Nieuwstraat Strasse mit einem grossen Wasserfall in Richtung des Niederrheins

Der Rijnkade Kai ist um 1860 entstanden als die Stadtmauern an der Seite des Flusses abgerissen wurden. Dort sind wunderschöne Herrenhäuser gebaut worden mit einer schöner Aussicht über den Fluss. Viele Häuser haben die Kriegshandlungen während der Schlacht bei Arnhem und in den Monaten nachher nicht überstanden. Jedoch gibt es noch ein monumentales Gebäude das ein rijksmonument Denkmal ist. Das Herrenhaus (die Hälfte eines Doppelhauses) am Rijnkade Kai Nr. 3 ist zwischen 1853 und 1860 gebaut worden in einem eklektischen Stil mit einer reichen Ornamentierung, die Einflüsse zeigt von venezianischem Barock. Das stattliche, hohe Haus ist ein richtiger Blickfang mit den schönen Farben zartgelb und weiss. Es ist auch speziell, denn es war eines der ersten Häuser die auf den abgerissenen Stadtmauern an der Seite des Niederrheins gebaut worden ist. Es hat irgendwie die Schlacht bei Arnhem überlebt. Ein weiteres rijskmonument Denkmal betrifft den Wasserbau: diese Siele aus Gusseisen bildet ein wichtiges Beispiel von Industrie und Technik aus dem 19. Jahrhundert. Die eine Siele steht bei Rijnkade Kai Nr. 143 und eine andere steht bei Nr. 28. Sie werden betrachtet als eine besondere Form der Entwässerung der nach Norden stark hügeligen Landschaft von Arnhem, wo Wasserläufe (u.a. der für das Entstehen von Arnhem wichtige St. Jansbeek Bach) und Kanalisationen einen Weg zum Niederrhein suchen.

Der niedrigere Teil des Rijnkade Kais ist breit und lädt ein zu einem Spaziergang entlang dem Wasser. Die Aussicht über den Fluss und die Brücken nach Osten (John-Forst-Brücke) und nach Westen (Nelson Mandela-Brücke) ist schön: man hat richtig das Gefühl ganz nah am Wasser zu sein. Heutzutage, aber auch früher, wie das Foto aus 1971 zeigt!

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Arnhem: Blick auf den Rijnkade Kai und den Rijn nach Osten mit der ASM Schiffwerft am Südufer (Sommer 1971)
facebook.com/arnhem.nostalgischnederland
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Arnhem: Blick auf die John-Frost-Brücke über den Niederrhein stromaufwärts vom Rijnkade Kai
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Arnhem: Blick auf die Nelson Mandela-Brücke über den Niederrhein stromabwärts von Rijnkade Kai

Am niedrigen Teil des Rijnkade Kais gibt es viel zu sehen, wie eine Anlegestelle für historische Schiffe: beim „Schiffskarussell“ angemeldete Schiffe dürfen drei Monate anlegen, Passanten eine Woche. Diese Organisation hat in den Niederlanden bestimmte Häfen wo historische Schiffe können anlegen. Ein alter Verladekran steht auf dem Kai. Der beim ehemaligen Arnhemse Scheepsbouw Maatschappij (ASM) Schiffswerft gebaute Hafenschlepper „Anders J. Goedkoop“ liegt am Kai: die Stiftung möchte das Erbe dieser ehemaligen Werft erhalten und wieder sichtbar machen für jeden, o.a. durch dieses Boot te reparieren und zu erhalten für Arnhem.

Auch von der John-Frost-Brücke ist die Aussicht schön: hier hat man den Übergang des hohen Rijnkade Kais bei der nach dem während der Schlacht bei Arnhem gefallenen niederländischen Soldaten in britischer Dienst Jacob Groenewoud (1916–1944) benannten Grünanlage zum niedrigeren Kai schon wie einen grünen Hang mit hartsteinernen Stufen eingerichtet. Es gibt jetzt konkrete Pläne um auch an anderen Stellen des Rijnkade Kais diese Übergänge vom hohen zum niedrigen Kai zu „lockern“. Dies ist nicht so sehr ein „Luxusproblem” sondern eher eine Notwendigkeit: Untersuchungen vor einigen Jahren hatten gezeigt dass der Rijnkade Kai wie einer der Deiche entlang den grossen Flüssen über einen Abstand von etwa mehr als einem Kilometer nicht sicher ist im Fall von extremem Hochwasser und dass Anpassungen durchgeführt werden sollen. Im Rahmen des sogenannten „Hochwasserschutzprogramms“ (ein Bündnis der 21 Wasserverbände und Rijkswaterstaat Amt für Wasserwirtschaft) soll der Kai also angepasst werden. Dazu sind 2018 Pläne gemacht und voraussichtlich werden die Bauarbeiten 2022–2023 anfangen. In einem erklärenden Video des Waterschap Rijn en IJssel Wasserverbandes Rhein und IJssel werden die neuen Pläne entfaltet im Gebiet vom sogenannten Coberco-terrein Gebiet östlich der John-Frost-Brücke stromabwärts zum Boterdijk (Butterdeich) westlich der Nelson-Mandela-Brücke.

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Arnhem: Blick von der John Frost-Brücke nach Westen auf den Rijnkade Kai bei einem normalen Pegelstand
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Arnhem: Blick auf den grünen Hang des Rijnkade Kais in der Nähe der Provinzverwaltung und des Widerstandsdenkmals von Arnhem

Die Anpassungen am Rijnkade Kai werden auch die Mündung des St. Jansbeek Baches beeinflussen. Wird das Wasser heute noch über die Wasserkehre gepumpt um auf dem niedrigen Kai an zu kommen, aber wenn das Projekt vollendet ist, wird das Wasser freilich aus der Nieuwstraat Strasse in den Niederrhein fliessen! Eine schöne und interessante Zukunft.